Historiker und das Internet

Genau hier liegt der Kern des Problems: Du leitest aus Bibliographien und Vorworten Dinge ab, die diese schlicht nicht leisten sollen – und verwechselst das Lesen über historische Forschung mit ihrer praktischen Ausübung.

Archive „zu kennen“, weil sie in Büchern genannt werden, ist keine Forschungspraxis, sondern Sekundärwissen. Historische Arbeit besteht nicht aus der Kenntnis von Danksagungen, sondern aus dem tatsächlichen Umgang mit Beständen, Findmitteln, Provenienzen, Sperrfristen und Überlieferungszusammenhängen. Wer so arbeitet, weiss auch, dass digitale Suchportale heute kein Randphänomen sind, sondern Teil des archivischen Alltags – unabhängig davon, ob sie nur einen Teil der Bestände abbilden.
Bevor wir aneinander vorbei reden: Historiker stoebern gezielt in 1) Archiven und 2) Bibliotheken umher und geben im Idealfall objektiv und neutral das wieder, was sie dort gefunden haben.
Dass Digitalisierung Ressourcen braucht, ist trivial. Daraus folgt aber nicht, dass digitale Quellenarbeit methodisch zweitrangig wäre. Sie ergänzt den Archivbesuch, sie ersetzt ihn nicht. Genau das wurde hier auch nie bestritten.
Da scheint ein Missverstaendnis vorzuliegen. Stimme mit Dir ueberein. Egal ob Rosettastone oder auf Pergament, Papier oder Microfiche uebertragene Daten , alles sind Datentraeger, sonst nichts.

Dein Argument mit den Bibliographien greift ebenfalls zu kurz: Dass dort kaum „Internetseiten“ auftauchen, liegt nicht an verlegerischen Vorlieben, sondern daran, dass klassische Webseiten keine dauerhafte Zitierfähigkeit besitzen.
Genau.
Digitalisierte Archivbestände sind davon zu unterscheiden – sie werden über Archiv und Signatur zitiert, nicht über URLs.
Oft beides.
Deshalb lässt sich aus Bibliographien überhaupt nicht ableiten, ob eine Quelle vor Ort oder digital genutzt wurde.
Steht im Quellenverzeichnis
Kurz gesagt: Du liest Bibliographien wie ein Aussenstehender und ziehst daraus Schlussfolgerungen, die der historischen Praxis nicht standhalten.
Was meinst Du? Build-in bias?
Wer selbst forscht, weiss, dass Bibliographien keine Arbeitsprotokolle sind – und dass der Zugangsweg zur Quelle methodisch irrelevant ist.
Verstehe jetzt nicht wie das aufzufassen ist. Ich habe hunderte von Biographien mit Quellenangaben; die sollen jetzt alle wertlos sein?
 
Bevor wir aneinander vorbei reden: Historiker stoebern gezielt in 1) Archiven und 2) Bibliotheken umher und geben im Idealfall objektiv und neutral das wieder, was sie dort gefunden haben.
Wir reden weiterhin aneinander vorbei.
Es macht für mich keinen Sinn hier weiter zu diskutieren.

Zum Glück kenn ich mich in meinen Beruf sehr gut aus ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Biblio, wir möchten immer noch eine Antwort auf unsere Frage im mehrfach genannten Konfessionsthread, deine latente Weigerung ist nicht akzeptabel.
 
Du liest Bibliographien wie ein Aussenstehender und ziehst daraus Schlussfolgerungen, die der historischen Praxis nicht standhalten. Wer selbst forscht, weiss, dass Bibliographien keine Arbeitsprotokolle sind – und dass der Zugangsweg zur Quelle methodisch irrelevant ist.

Verstehe jetzt nicht wie das aufzufassen ist. Ich habe hunderte von Biographien mit Quellenangaben; die sollen jetzt alle wertlos sein?

Anscheinend kennst du den Unterschied zwischen einer Bibliographie und einer Biographie nicht.

Biographie = Lebensgeschichte
Bibliographie = Bücher-/Quellenverzeichnis
 
Bevor wir aneinander vorbei reden: Historiker stoebern gezielt in 1) Archiven und 2) Bibliotheken umher und geben im Idealfall objektiv und neutral das wieder, was sie dort gefunden haben.
Klingt romantisch.
Internetseiten sind in wissenschaftlichen Arbeiten jedoch durchaus uneingeschränkt zitierfähig, sofern sie im zitierten Zustand archiviert wurden. Das Internet Archive hat über 1 Billion Einträge, die zeitlich eindeutig zuordbar sind, beispielsweise allein 1.129 Abbilder der Startseite von geschichtsforum.de zu unterschiedlichen Zeiten seit 2001. Ist die eindeutige Zuordbarkeit gegeben, dann ist die Quelle auch zitierfähig. Die Frage ist eher, ob ich eine Internetseite zitieren muss, sprich, ob es nicht eine bessere Quelle gibt.
Wieso denn das?

Eine Archivsignatur dient der eindeutigen Zuordnung zu einem Archivbestand. Meist handelt es sich um eine alphanumerische Kombination, die alle relevanten Informationen enthält, wo das Objekt aufzufinden ist. Beispielsweise wäre ein Eintrag der im deutschen Bundesarchiv eingelagerten Personalkartei der Wehrmachtauskunftsstelle folgendermaßen zu zitieren: BArch, B 563-1 KARTEI/[Signatur hier].

Wozu sollte es da einer URL bedürfen?

Wie sich bereits hier zeigte, verwechselst Du Internetseiten mit Dateien, digital vorliegenden Objekten:
Suchportale? Die gibt es erst seit dem das Internet existiert und dort wird nur ein winziger Teil pre-Internet Akten wiedergegeben. Vieles was vor eingen Jahren an Archivmateriel im Netz vorhanden gewesen war, ist heute verschwunden.
@ursi sprach nicht von Suchmaschinen wie Google, sondern von Fachportalen und Datenbanken, die digitale Inhalte unverändert und unveränderbar aufbewahren. Praktisch jede wissenschaftliche Arbeit erscheint heute auch digital und lässt sich über einen Digital Object Identifier eindeutig und unmissverständlich zuordnen.

Und wenngleich von Archivbeständen tatsächlich nur ein Bruchteil bereits digitalisiert wurde (die amerikanischen National Archives gelten mit 2% als weltweit führend), so liegen dennoch bereits hunderte Millionen Akten als Digitalisate vor. Und da man aus konservatorischen Gründen in aller Regel die historisch bedeutsamsten zuerst digitalisiert, so ist der Wert dieses Bruchteils nicht zu unterschätzen.

Bei historischen Bibliotheken ist die Lage eine ganz andere, so sind bereits 10 Millionen der 40 Millionen Medieneinheiten im Bestand der Bibliothèque nationale de France digitalisiert. Das ist eine nicht zu verachtende Fülle an Informationen.
Steht im Quellenverzeichnis
Hier liegt eindeutig ein Missverständnis vor, oder es wird auf Unwissen beharrt. "Steht im Quellenverzeichnis"? Wozu? Es ist vollkommen einerlei, ob ich in die nächste Universitätsbibliothek fahre und ein Buch physisch in die Hand nehme, um von der papiernen Seite 22 zu zitieren, oder ob ich das Buch als Digitalisat online aufrufe und von einer nur in Nullen und Einsen existierenden Seite 22 denselben Text zitiere.
Was meinst Du? Build-in bias?
@ursi meint, dass Du aus Vorwort und Quellenverzeichnis Kenntnisse ableiten willst, die daraus nicht gewonnen werden können. Du hattest geschrieben:
Was meinst Du mit 'kennen'? Natuerlich bin ich durch meine Buecher ueber mehr als ein dutzend internationale Archive (franzoesische, hollaendische, belgische, australische, argentinische; neuseelandische, italienische , selbstverstaendlich amerikanische und britische ,sehr bekannt weil diese in den Quellenangaben und Danksagungen ausfuehrlich zitiert werden.
Das ist so, als hätte ich Dir ein Foto aus meinem letzten Sylt-Urlaub gezeigt, und Du würdest nun umherlaufen und behaupten, die ganze deutsche Nordseeküste in- und auswendig zu kennen.

Das Vorwort enthält Angaben über die Zielsetzung des Autors aus seiner Perspektive.
Der Anhang enthält in der Regel eine Danksagung und, natürlich, die Quellen, die der Autor bearbeitet zu haben angibt.

Der Apparat eines Werkes gibt Dir die Möglichkeit, die Angaben des Autors zu überprüfen und seine Gedankengänge nachzuvollziehen. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist jedoch keine Forschungsarbeit Deinerseits.
Verstehe jetzt nicht wie das aufzufassen ist. Ich habe hunderte von Biographien mit Quellenangaben; die sollen jetzt alle wertlos sein?
Es ist so aufzufassen, dass Du Dir eine völlig falsche Vorstellung davon gemacht hast, was ein Quellenverzeichnis leisten kann und was nicht. Wie Du Dich ausgedrückt hast, scheinst Du zu glauben, wenn man ein Buch mit einem umfangreichen Quellenverzeichnis liest, sei das fast so, als hätte man die zitierten Quellen ebenfalls gelesen.
Sie alle haben Verfallsdaten. So vieles, eigentlich fast alles, was ich in meinem alten computer oder 8 tera bite back up bewahrt hatte, ist im Netz verschwunden..... aber kein Buch im Glasbuecherschrank.
Nichts im Internet hat per se ein "Verfallsdatum". Es wird mir von Kommentar zu Kommentar klarer, dass Deine Meinung zu diesem Thema vor allem von Vorurteilen und Halbwissen bestimmt ist.
Jemand der halbwegs belesen ist ,kann sehr wohl zwischen junk science and fiction und Logik und Unlogik unterscheiden und fabulieren und Wahrheit unterscheiden.
Ein selbstbewusster Kommentar, augenscheinlich eine simple Wahrheit, bis Du dann ein Beispiel bringst:
Es ist aber absurd, intime Augenzeugenberichte wie z.B. die von Hanfstaengel et al als 'anekdotisch' abzuwimmeln, als ob der OSS keine Moeglichkeit gehabt hatte seine Angaben zu ueberpruefen.
Eben nicht. Man kann nicht einfach eine Behauptung verallgemeinernd als historische Wahrheit akzeptieren, nur weil man annimmt, wenn sie angreifbar gewesen wäre, würde ihr schon jemand widersprochen haben.
 
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