Industrialisierung und Religion?

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Gast, 19. Juni 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo,

    Weiß jemand etwas über die Bedeutung von Kirche und Glauben während der industriellen Revolution? Welchen Stellenwert hatte das religöse Epmfinden eines von Armut betroffen Arbeiters? Wie siehts mit dem gesellschaftlichen Wandel bis hin ins 21 Jh. aus?

    ich bin der meinung das ein arbeiter damals 1. nicht die Zeit und 2. sich nich in der verfassung befand seinem glauben nachzugehen, weil er durch die lange und körperlich schwere arbeit eingeschränkt war. Jedoch kann ich mir auch vorstellen das viele arme Arbeiter wegen der Hoffnung auf besseres gebetet haben, sofern sie einen Glauben hatten.


    Wäre super wenn ihr mir helfen könntet
     
  2. charles1170

    charles1170 Neues Mitglied

    Viele Menschen wahren früher sehr gläubisch.:scheinheilig:
    Sie haben streng nachden Richtlinien ihres Glaubens gelebt, also geht er in irgendeiner weise doch seinem Glauben nach. Außerdem werden sie abends wohl die Zeit gehabt haben ein kurzes Gebet zu sprechen.

    Vorher war alles "Gottgewollt". D.h. es war alles so wie Gott es wollte und das urde Aktzeptiert (Bsp. Ständeordnung ). Das änderte sich aber mit der zeit und die Menschen wurden aufrühreridch.:motz:

    Das wird dann soungefähr die zeit sein in der wir uns befinden.

    Fazit: die Menschen waren sehr gläubisch aber nicht mehr ganz so extrem.



    alle Angaben sind wie immer ohne Gewähr.
     
  3. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Auch an der Kirche sind die Konsequenzen der Industriellen Revolution nicht völlig vorbei gegangen. Eine Reaktion auf Mißstände etwa sehe ich etwa in katholischen "Arbeiterbewegungen". Dazu zähle ich auch Kolpingwerk und ähnliches. Das sind zwar alles religiös verwurzelte Reaktionen, man könnte sie allerdings auch als nicht "offizielle Reaktionen" der Kirche ansehen. Vielleicht solltest du deine Frage präzisieren.

    Wie identitätsstiftend Religion sein kann, kannst du ja auch an den Amish in den USA erkennen, an denen die industrielle Revolution auf den ersten Blick fast völlig vorbei gelaufen zu sein scheint.
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Danke für die besherigen Antworten

    Wenn ich die frage präzisiere: Existiert ein gesellschaftlicher Wandel des religiösen empfindes hervorgerfuen durch die industrielle revolution? wenn ja welche folgen hatte dies für den einzelnen?(von damals bis heute)
     
  5. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Ich würde die Frage ein bisschen anders anpacken, um der Sache auf die Spur zu kommen.

    - Die industrielle Revolution ist einerseits die Folge der Aufklärung (). Die Aufklärung ihrerseiteits hat wiederum massgeblich die Wissenschaft beeinflusst.

    => was hat die Aufklärung in Bezug auf die Religion bewirkt? Vorgängig wurde dem Menschen verkündet, dass es keinen freien Willen gibt, dass somit das Schicksal gottgewollt ist und er sich seinem Schicksal ergeben muss. Die Kirche hat sich da als Führerin betätigt. Das war übrigens auch schon in vorchristlicher Zeit weitgehend so.
    Zudem hat die Aufklärung die Sakulärisierung "entfacht". Dadurch verloren die Kirchen an Macht und Einfluss.

    Die industrielle Revolution wiederum hat dann indirekt politische Bewegungen wie Kommunismus, Sozialismus (Leninismus, Stalinismus, Trotzkismus) hervorgebracht. Obwohl es zwar gemeinsame Berührungspunkte gab (Stichwort Armut der Arbeiter), waren diese kommunistischen oder sozialistischen Bewegungen mit der Kirche tendentiell eher verfeindet, auch wenn es Ausnahmen gab (bsp. Arbeiterpriester, christliche Arbeiterhilfswerke). Durch diese kommunistischen oder sozialistischen Bewegungen verlor die Kirche weiter an Macht. In kommunistischen Ländern wurde die Kirche entweder an den Rand gedrängt oder sogar verboten.

    Zudem hat auch die Wissenschaft die Stellung der Kirche angekratzt. Beispiele:
    - Wunder von Lourdes (gibt es diese oder sollen die Leute besser zum Arzt?)
    - die Kirche hat früher behauptet, die Erde sei eine Scheibe und dass sich die Erde um die Sonne drehe. Durch die Wissenschaft (Stichworte Galileo Galilei, Magellan) ist sie widerlegt worden
    - die Thesen von Darwin haben auch bisherige Thesen der Kirche widerlegt (wurde die Erde in sieben Tagen geschaffen => Kreationismus)

    Natürlich kann man argumentieren, dass die Wissenschaft auch ohne die Aufklärung Fortschritte gemacht hätte, aber die Aufklärung hat die Wissenschaft sicherlich stark beflügelt. Die zunehmende wissenschaftlichkeit der Menschheit bedrängt auch noch heute die Kirche (gibt es eine Hölle? Gibt es ein Fegefeuer? etc.).
    Die Industrialisierung hat dem Menschen - nebst vielem anfänglichem Leid (und auch heute noch bedenklichen Sachen (bsp. Umweltverschmutzung, Burn-Out, etc.)) auch Wohlstand gebracht. Durch diesen Wohlstand haben die Menschen mehr Unabhängigkeit und sind (so könnte man es meinen) weniger auf Solidaritätswerke wie die Kirche angewiesen (Stichwort Kirchenaustritte).
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juni 2009
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  6. Gast

    Gast Gast

    Vielen dank erstmal

    also würdest du sagen das ein gesellschaftlicher wandel hervorgerufen durch die aufklärung>wissenschaft>industrialisierung existiert der sich insofern ausdrückt als das sich der wohlstand im laufe 19-21 Jhdt. verändert hat und damit auch das religiöse empfinden? Demnach ist der wohlstand heute größer und die Menschen sind nicht mehr so stark auf die Kirche angewiesen wie früher.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn man davon ausgeht, dass Marx der wichtigste Theoretiker linker Bewegungen war und dieser, auch beeinflusst von Feuerbach, der Religion kritisch gegenüber stand ("Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes", gerne verkürzt zu "Die Religion ist das Opium fürs Volk"), dann kann man davon ausgehen, dass insbesondere im organisierten Arbeitermilieu der Glaube zurückgegangen ist. Giovannino Guareschi hat das in seinen Romanen von Don Camillo und Peppone aufgegriffen und ein wenig veralbert.
     
  8. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Zumindest waren Arbeiter in der Lage und hatten die Zeit, Alternativen zu entwickeln und aufzubauen, wie zb Freidenker, Freireligiöse - schaustu zb:[FONT=Nimbus Sans L, sans-serif] http://de.wikipedia.org/wiki/Freidenker
    [/FONT][FONT=Nimbus Sans L, sans-serif]Freigeist ? Wikipedia[/FONT]
    [FONT=Nimbus Sans L, sans-serif]http://de.wikipedia.org/wiki/Freireligiöse_Bewegung[/FONT]


    Zur Ergänzung:
    Wobei Leninismus, Trotzkismus und erst recht Stalinismus deutlich nach der industriellen Revolution entstanden; hier geht es eher um den Zeitraum, in dem sich Marx mit Bakunin verkrachte.
    Eine Bewegung jedoch, die bereits seinerzeit vorhanden war, hat neben atheistisch/agnostisch ausgerichteten Strömungen eine ausdrücklich christliche, nämlich der Anarchismus.



    Weiterhin kannst du zb unter dem Stichwort Feuerbestattung schauen, die u.a. innerhalb der organisierten Arbeiterbewegung propagiert wurde und der seinerzeit beide Kirchen negativ gegenüberstanden.
     

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