Interessante deutsche Grafengeschlechter!

Nun, eine Grafenfamilie, die vielleicht auch interessant ist, sind die Grafen von Nassau. Mit Adolph von Nassau stellten sie im Spätmittelalter einen römischen König. Anders als Rudolf von Habsburg und Heinrich von Luxemburg konnte dieser das letztlich nicht ausnützen und wurde letztlich sogar abgesetzt. Ein vergleichbarer Aufstieg gelang dieser Familie im Mittelalter nicht mehr. Allerdings gehören die Nassauer heute zu jenen Dynastien, die es noch immer gibt: als eine Königsdynastie, die noch immer "herrscht". Das kam so - einer aus der Familie wurde Generalstatthalter der "nördlichen" Niederlande, und durch die Napoleonischen Kriege wurden die Niederlande ein Königreich. Durch eine Reihe von weiblichen Herrscherinnen gibt es die Dynastie bis heute und sie sind noch immer an der Macht.
 

Gräfliche Linie Schönburg-Glauchau​

Die Untere Linie wurde von Wolf II., Herr von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg (1532–1581) begründet, der seit 1566 Herr zu Penig, Wechselburg und Rochsburg war. Die Söhne Wolfs III. (1556–1612) begründeten die Zweige Penig-Rochsburg und Wechselburg. Als die älteste Linie des Gesamtgeschlechts, die Glauchauer, 1610 ausstarb, fiel die Herrschaft Glauchau an die Untere Linie, wobei der Penig-Rochsburger Zweig Forderglauchau übernahm, der sich im 18. Jahrhundert wieder in Penig-Forderglauchau und Rochsburg teilte (im Jahr 1900 wieder vereinigt), während der Wechselburger Zweig Hinterglauchau besaß, ferner als Sommersitz ab 1805 Schloss Gusow (Mark) und ab 1858 auch Schloss Netzschkau im Vogtland. Allen Mitgliedern der gräflichen Linie wurde 1878 von König Albert von Sachsen die Anrede „Erlaucht“ zuerkannt.


Mit dem Tod des kinderlosen Grafen Richard Clemens von Schönburg-Hinterglauchau (1829–1900) wurde der Gesamtbesitz der gräflichen Linie wieder vereinigt, und zwar in der Hand des Forderglauchauer Zweigs, der seit 1869 katholisch war. Unter Joachim von Schönburg-Glauchau (1873–1943) und seinem Sohn Carl Graf von Schönburg-Glauchau (1899–1945) wurde das Glauchauer Doppelschloss der Stadt weitgehend zur Nutzung als Museum überlassen, die Peniger Schlösser wurden bis zum Verkauf 1889 als Gerichts-, Amts- und Verwaltungssitze genutzt und die Rochsburg als Museum und Jugendherberge. Wohnsitz war Schloss Wechselburg. Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998) wurde mit seiner Mutter und den Geschwistern 1945 vertrieben und entschädigungslos enteignet. Sein jüngerer Sohn, der Journalist und Schriftsteller Alexander Graf von Schönburg-Glauchau (* 1969) ist heutiger Linienchef der Glauchauer Schönburgs.

Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis (* 1960), ist eine geb. Gräfin von Schönburg-Glauchau

 
Und natürlich die zweite wichtige Adels Familie aus der Gegend....
Die Familie von Einsiedel ist ein bekanntes sächsisches Uradelsgeschlecht. Es wurde im Jahr 1299 mit Guntherus de Einsedelen erstmals urkundlich erwähnt. Die Familie war über Jahrhunderte eine der einflussreichsten Adelsdynastien im Pleißner Land, im Erzgebirge und in der Lausitz.

Geschichte und Besitzungen
  • Stammsitz: Die Burg Gnandstein in Sachsen gilt als historischer Kern der Familie.
  • Weitere Sitze: Schlösser wie Wolkenburg, Syhra und Scharfenstein befanden sich im Familienbesitz.
  • Erhebung: Die Wolkenburger Linie erhielt 1745 den Titel der Reichsgrafen.
  • Bedeutung: Frühe Unterstützer der Lehre Martin Luthers während der Reformation.

Bekannte Persönlichkeiten
  • Detlev Graf von Einsiedel (1773–1861): Sächsischer Kabinettsminister und Pionier der mitteldeutschen Industrialisierung.
  • Heinrich Graf von Einsiedel (1921–2007): Vize-Präsident des Nationalkomitees Freies Deutschland im Zweiten Weltkrieg und späterer Bundestagsabgeordneter.
  • Orlando von Einsiedel (* 1980): Britischer Dokumentarfilmer und Oscar-Preisträger (Die Helme von Aleppo).
 
Zu diesem Thema ist offenbar schon alles Wesentliche gesagt worden. Deshalb nur zwei Nebenbemerkungen, die aus meinen genealogischen Aktivitäten resultieren:

1. Quantitäten: In dem vom Deutschen Adelsarchiv herausgegebenen »Genealogischen Handbuch des Adels« war zuletzt (2012) der 20. Band über die gräflichen Häuser erschienen; eine neue Buchreihe ist bis zum 4. Band gediehen. Die Zahl solcher »Häuser« könnte also durchaus vierstellig sein.
Sehr nützlich sind auch die »Europäischen Stammtafeln« von Detlef Schwennicke (29 Bände), welche die zigfach verschwägerten Adelsfamilien in ganz Europa in den Blick nehmen.

2. Kuriositäten: Ein entlegener Aspekt sind die morganatischen Ehen von Grafen/Gräfinnen. Beispiel: Einer meiner Stammgroßväter (Ur[9]großväter), aus meinem Heimatort stammend, hat um 1550 eine Gräfin Hatzfeldt geheiratet. Das dürfte kein Einzelfall gewesen sein. Hat jemand ähnliche familiäre Hintergründe?
 
Die (Reichs)-Grafen Berghe von Trips sind ein altes limburgisches Adelsgeschlecht. Eine recht interessante Persönlichkeit war Wolfgang Graf Berghe von Trips. Er war der erste Deutsche, der ein Formel 1 Rennen gewann, der Erste auch, der auf Ferrari Grand Prixs gewann.

Wolfgang Graf Berghe von Trips war der letzte oder einer der letzten seines Geschlechts. Er war einer der letzten "Gentleman-Driver" der Formel 1. Er stammte aus einer Motorsport begeisterten Familie, absolvierte aber zunächst ein Studium der Landwirtschaft, das er mit Auszeichnung abschloss. Seine ersten Erfahrungen sammelte er bei Motorradrennen auf einer 500er BMW. Graf Trips strotzte nicht gerade vor Gesundheit, in seiner Kindheit litt er an Kinderlähmung und einer Mittelohrentzündung. Unter Pseudonym fuhr er seine ersten Rennen auf einem getunten VW Käfer. Bald darauf wechselte er zu Porsche und sammelte bei Sportwagenrennen Erfahrungen und auch die ersten Erfolge. Er gewann in seiner Klasse die legendäre Mille Miglia, ein Autorennen quer durch Italien. Dabei wurde "Rennleiter" Alfred Neubauer von Mercedes auf ihn aufmerksam. Er wurde 1955 Werksfahrer bei Mercedes. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis er in der Formel 1 einen Platz im Cockpit gewann.

Leider zog sich Mercedes Ende 1955 aus der Formel 1 zurück, nachdem sie 1954 und 1955 die Fahrer- und die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewannen mit Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Stirling Moss. 1956 gewann Graf Berghe von Trips das 1000 km Rennen auf der Nordschleife, und beim Grand Prix von Italien in Monza fuhr er einen Lancia Ferrari. Von Trips schied nach einem Unfall aus. Es war der erste einer Serie von Unfällen, die von Trips den Spitznamen "Count Crash" einbrachten. Ferrari hielt aber trotzdem an ihm fest, und 1957 gehörte er schon fest zum Ferrari Team. Beim GP von Argentinien gab er sein Formel 1 Debut, und bei seinem dritten GP schaffte er es zum ersten Mal aufs Treppchen. Beim Rennen in Monza zeigte er eine dramatische Aufholjagd und wurde Dritter hinter Juan Manuel Fangio und Stirling Moss. Die britische Presse nannte ihn nun nicht mehr "Count Crash", sondern "Taffy", eigentlich ein Spitzname für Waliser, den man aber dem Deutschen verlieh, weil er so "tough" war.

1958 wurde der Ferrari Pilot Mike Hawthorn mit nur 1 Sieg Weltmeister. Stirling Moss, der nie Weltmeister wurde, aber zu den besten Fahrern überhaupt gehörte, hätte Weltmeister werden können, in einer Situation, in der Hawthorne disqualifiziert wurde, intervenierte Moss und nahm dafür in Kauf, auf den Titel zu verzichten. Bei Ferrari war von Trips erneut verfolgt von einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen.

"Commendatore" Enzo Ferrari hielt dennoch an ihm fest. Um weiterhin in der Formel 1 zu bleiben, fuhr er Formel 2 Rennen für Porsche, gewann 1958 die Europa-Bergmeisterschaft. 1959 und 1960 war wieder eine durchwachsene Zeit für von Trips. Er holte auf dem Dino Ferrari 10 Weltmeisterschaftspunkte.

1961 wurde das Reglement der Formel 1 geändert. Der Hubraum wurde auf 15000 ccm begrenzt, nach bisherigem Formel 2 Reglement. Dieses Reglement galt von 1961-1965. Die meisten Teams waren darauf schlecht vorbereitet und hatten keine geeigneten Motoren. Lotus und BRM fuhren mit alten Climax Motoren, und Ferrari hatte in dieser Saison das eindeutig beste Auto. Wolfgang Graf Berghe von Trips gewann seine ersten Grand Prixs. Nur auf reinen Fahrerstrecken, in Monaco und auf dem Nürburgring konnte sich Altmeister Sterling Moss auf dem unterlegenen Lotus-Climax durchsetzen. Beim GP von Deutschland/GP von Europa wurde von Trips Zweiter, lieferte sich mit dem Kalifornier Phil Hill ein packendes Duell. Gegen Ende der Saison gab es nur zwei Fahrer, die Weltmeister werden konnten: Wolfgang Graf Berghe von Trips, der den GP der NL in Zandvoort und den GP von GB in Aintree, während Phil Hill den GP von Belgien in Spa-Francorchamps und den GP von Italien in Monza gewann.

Es kam der GP von Italien in Monza, auf dem sehr gefährlichen Hochgeschwindigkeitskurs von Monza, wo vor und nach ihm so viele Piloten ums Leben kamen: Alberto Ascari +1955, Jochen Rindt + 1970, Ronnie Peterson 1978. Zum letzten Mal wurde die 10 km lange Strecke mit den beiden Steilkurven befahren, nach dem Krieg wurde nur 1954 und 1955 und 1960 und 1961 diese Strecke befahren. 1966 wurde sie noch einmal für den Film Grand Prix von John Frankenheimer benutzt. Außer James Garner hatte keiner der Schauspieler Motorsport-Erfahrungen. Für die onboard Szenen wurden Formel 2 Fahrzeuge benutzt, mit Onboard Kamera. An den Stunts war Phil Hill beteiligt.

Es kam der Grand Prix von Italien, Siegeschancen hatten allein die Ferraris. Von Trips führte in der Weltmeisterschaft vor Phil Hill. In der Parabolica hatte von Trips eine leichte Berührung mit Jim Clark. Der Ferrari kam von der Strecke ab, raste in die Zuschauer-Tribüne. Graf Berghe von Trips war sofort tot, mit ihm kamen 15 Zuschauer ums Leben, und 60 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Es war eine der größten Katastrophen bei einem Formel 1 Rennen oder überhaupt bei einem Rennen.
Todesfälle waren alltäglich im Motorsport zu dieser Zeit, und immer ging die Show weiter, selbst wenn es Tote gab. Das Rennen wurde nicht abgebrochen. Phil Hill gewann das Rennen und die Weltmeisterschaft, Wolfgang Graf Berghe von Trips wurde posthum Vize-Weltmeister, ähnlich wie Jochen Rindt 1970 posthum Weltmeister wurde. Auch ihm wurde die Parabolica zum Verhängnis.

Alle, die Graf Berghe von Trips kannten, sagten, dass er ein freundlicher Mensch war, stets fair und ohne Allüren. Er gehörte zu den Fahrern, denen nur wenige Jahre vergönnt waren, einer, der vielleicht einer der ganz großen des Motorsports hätte werden können. Leute wie Bernd Rosemeyer, der nur drei fantastische Jahre hatte oder auch der Gießenner Stefan Bellof.

Bellof war der erste (außer Niki Lauda), der die Nordschleife unter 7 Minuten schaffte. Er kam 1984 in die Formel 1 fuhr auf dem völlig untermotorisierten Tyrell. Beim Grand Prix 1984 waren es zwei völlig unbekannte Fahrer, die im strömenden Regen das Feld aufrollten: Ayrton Senna da Silva und Stefan Bellof. Diese beiden fuhren wie entfesselt, überholten an unmöglichen Stellen. Das Rennen wurde abgebrochen, Alain Prost wurde Sieger, Senna Zweiter und Bellof Dritter. Stefan Bellof kam 1985 in Spa-Francorchamps ums Leben in der Eau Rouge versuchte er Jacky Ixx zu überholen. Es gab halbe Punktzahl. Dem Sieger Alain Prost fehlten am Ende die Punkte oder besser ein halber Punkt. Prost gewann 7 GP, sein Kollege Niki Lauda 5, Lauda wurde aber trotzdem Weltmeister, eine dramatische Aufholjagd in Estoril brachte ihn bis auf den 2. Platz und der reichte für die dritte WM. Hätte Senna in Monaco gewonnen und Prost noch überholt, hätte der dafür 6 Punkte bekommen und wäre WM geworden, so wurde er zum zweiten Mal Vizeweltmeister, gewann aber 1985 den Titel und konnte ihn 1986 verteidigen, obwohl die Williams Piloten Nigel Mansell und Nelson Piquet das bessere Auto hatten.

An "Taffy" Trips erinnern zwei Denkmäler: Eines am Nürburgring und eines vor der Villa Trips in seinem Heimatort Kerpen, wo auch Michael Schuhmacher seine ersten Erfolge feierte.

Der Tod von Graf Berghe von Trips, dem in den 1960er und 1970er Jahren noch viele folgen sollten, bewegte einige Fahrer mehr Sicherheitsvorkehrungen zu fordern. Vor allem die dreifachen Weltmeister Jacky Stewart (1969, 1971, 1973) und Niki Lauda (1975, 77 und 1984) haben in dieser Beziehung viel erreicht und wurden dafür kritisiert.
 
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