Da sind doch noch ein paar halbrichtige Dinge, die man gerade biegen muss.
Personalpronomen tauscht man nicht einfach so aus.
Das ist so eine Sache. Z.B. hat man im Spanischen verschiedene Personalpronomen (PP), die man oft gar nicht verwendet. Ich muss im Spanischen nicht sagen
yo voy ('ich gehe'), sondern es reicht
voy, die Personalpronomina benutzt man oft eher, um dem Ausdruck mehr Emphase (Nachdruck) zu verleihen.
Im Spanischen gab es früher das PP
vos, das es heute nur noch im Argentinischen und Ecuadorianischen gibt, wo es anstelle von
tu verwendet wird. Aber auch hier gilt: um dem Ausdruck Emphase zu verleihen.
Vos ist durch
Usted ersetzt worden, was eine Verschleifung von
Vuestra Merced ('Euer Gnaden') ist. Auch das englische
thou (verwandt mit deutsch
du) ist durch
you (verwandt mit deutsch
euch) ersetzt worden.
Das sind natürlich Austauschprozesse die du nicht meinst.
Und du hast natürlich recht, Personalpronomina werden nicht einfach mir nichts, dir nichts ausgetauscht. Dass Personalpronomina in verschiedenen sich nicht verwandten Sprachen ähneln, mag durch ihre Kürze bedingt sein. Personalpronomina gehören mit zu den ältesten Bestandteilen der Sprache, man musste eben sich mitteilen: ich, du, ihr, er, sie, wir.... Als recht alte Bestandteile der Sprachen sind diese Worte nicht sehr komplex, gewissermaßen einsilbig. Ein einsilbiges Wort besteht oft nur aus ein bis drei Konsonanten und einem Vokal.
Womit ich keineswegs missverstanden werden möchte: Natürlich sind alte Sprachen komplex. Das Indoeuropäische war mitunter viel komplexer, als moderne indoeuropäische Sprachen es sind, die bei Deklination und Konjugation vereinfacht haben. Altgriechisch, Latein oder Russisch haben Flexionsklassen, die im Neugriechischen, im Bulgarischen oder in den romanischen Sprachen gar nicht mehr bekannt sind. Deutsch ist grammatikalisch komplexer als Englisch, das ganze Flexionsklassen aufgegeben hat (im Altenglischen noch erhalten).
Aber die ältesten Worte, die sind oft recht einfach. Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Rad, Birke, ich du....
Ähnlichkeiten zwischen Baskisch und Französisch erhält man beispielsweise, wenn man gorri (rot) umsortiert: rrogi, was an französisch rouge erinnern.
Metathesen sind möglich. Allerdings arbeitest du hier mit Buchstaben, tatsächlich ist es ja so, dass bei
gorri das >g< als /g/ gesprochen wird, wohingegen es bei
rouge als /ʒ/ gesprochen wird. Nun besagt die Aussprache recht wenig über die Verwandtschaft, aber da du über die Grapheme argumentierst, muss das gerade gerückt werden. Aber wie gesagt, das lateinische
russus ist das Etymon von
rouge oder
rojo.
Dann fehlt deiner Argumentation ein wenig der Unterschied zwischen
Lehn- und
Erbwort. Ein Lehnwort ist ein Wort, das aus einer fremden Sprache übernommen wird. So etwa Schokolade oder Kakao, das aus dem Mexikanischen (Nahuatl) stammt, aber in fast allen Sprachen der Welt gleich heißt. Weil die Spanier Kakao und Schokolade aus Mexiko weltweit bekannt machten, heißt das Zeug in praktisch allen Sprachen mehr oder weniger gleich.
Schön kann man im Spanischen zwischen Lehn- und Erbwort unterscheiden. Das lateinische Wort für Blatt -
folium - ist im Spanischen zu
hoja geworden (hier gab es im Übrigen einen tatsächlichen baskischen Einfluss, die Basken kannten das F nicht und sprachen sprachen es als Hauch aus). Es gibt aber auch
folio. Beides kommt aus demselben lateinischen Wort, nur ist das eine eben ein
Erbwort, welches die gesamte spanische Sprachgeschichte mitgemacht hat, das andere ein (in diesem Falle
gelehrtes)
Lehnwort (auch
Kultismus genannt), weil den Leuten im 16. Jhdt. nicht klar war, dass
hoja von
folium (bzw. dem nicht mehr als solchen erkannten Plural
folia) stammt und sie es neu aus dem Lateinischen entlehnten. An Entlehnungen können wir also auch ausmachen,
wann in etwa sie in eine Sprache gekommen sind, vor oder nach einem Sprachwandel.
Ein baskisches Wort für Haus erinnert an das hebräische Wort für Haus.
Und welches hebräische Wort für Haus wäre das, welches an welches baskische Wort für aus (oder vice verse) erinnert?
also dass r und l als Laut und als Buchstabe das gleiche sind. Was aber auch bei baskisch-lateinischen Lehnwörtern zu sehen ist, oder sogar im Romaischten: cerise = ciliegia (r=l). Das erklärt einiges.
Sie sind NICHT das gleiche. Im Deutschen etwa, ist es gleichgültig, ob du Zungenspitzen-R oder Zäpfchen-R verwendest, Zungenspitzen-R wird in manchen dialektalen Kontexten verwendet, hat aber oft den Ruf bäuerlich zu sein, wird tw. aber wegen der besseren Vewrständlichkeit auch auf Theatwerbühnen benutzt.
In anderen Sprachen wird zwischen Zungenspitzen-R und Zäpfchen-R unterschieden, sie bilden ein Minimalpaar.
Minimalpaarbildung in der Sprachwissenschaft: zwei Laute machen einen Unterschied in einem Wort aus. z.B. haaren (Haare verlieren) und harren (warten). Die Graphie unterscheidet die Worte, indem sie in dem einen Wort einen Doppelvokal verwendet, in dem anderen Wort einen Doppelkonsonanten. Der allerdings folgt in der deutschen Konvention immer auf Kurzvokal. Sprich: der Unterschied zwischen
harren /harən/ und
haaren /ha:r.ən/ liegt allein in der Aussprache/Länge des Vokals. /a/ und /a:/ sind ein Minimalpaar.
Also >r< ist in manchen Sprachen egal, ob ein Zungenspitzenlaut oder ein Zäpfchenlaut, in anderen Sprachen bedeutungsunterscheidend. Somit lässt sich auch nicht sagen r=l. Das lässt sich aber sowieso nicht sagen. Wieso manchmal aus einem R ein L wird oder aus einem L ein R (oder aus einem N ein R oder L) liegt am
Artikulationsort. Aus einem Zäpfchen-R wird niemals ein L werden. Aus einem Zungenspitzen-R aber schon. Auch aus einem N kann mal ein L werden (Onuba > Huelva, Barkino > Barcelona, Pan Hormos > Palermo). Also die Kirsche (lat. ceresia) kann zum im Italienischen zur ciliegia werden. Im Deutschen ist dasselbe mit der kirschvewandten Pflaume passiert: Aus
prunus wurde
Pflaume. In der Sprachwissenschaft spricht man je nach Richtung von
Lambdazismus (N/R werden zu L) oder
Rhotazimus (L wird zu R). Das ist aber nicht, weil beide Laute gleich sind, sondern weil sie denselben oder einen nahe daran liegenden Artikulationsort haben.
Wenn R und L im Italienischen dasselbe wären, dann gäbe es die Unterschiede zwischen
- lana – rana = Wolle – Frosch
- lima – rima = Feile – Reim
- liso – riso = glatt – Reis oder Lachen
- lente – rente = Linse - Einkünfte, Rente
- lode - rode = Lob - er/sie nagt
- legare - regare = binden - bewässern
nicht. Stattdessen sehen wir aber: R und L sind ein Minimalpaar.
Und ja, es ist sprachwissenschaftlich erlaubt, das Kommutatiefgesetz anzuwenden, also die Buchstaben einfach umzustellen: gorri (baskisch) = * rrogi = rouge (französisch). Das funktioniert quer durch alle möglichen Sprachfamilien. Damit lässt sich z.B. auch zeigen, da koreanisch sup, Wald, rückwärts gelesen pus mit p=b (altbekannt) eins zu eins in zu den indopäischten Wörtern bosco, bush, bois, Busch, usw. passt: bus (pus).
Busch ist ein indoeuropäisches Wort, genauer ein germanisches Wort, dass aus dem Germanischen auch ins Lateinische oder Frühromanische entlehnt wurde (
bosque,
bosco, frz.
bois semantisch verschoben zu Holz). Es ist korrekt dass /b/ die stimmhafte und /p/ die stimmlose Version des bilabialen Plosivlauts ist. Und dass es in der Westromania die Lautverschiebung von b zu p gibt (Sonorisierung, Lenisierung), wohingegen die hochdeutsche Lautverschiebung den gegenteiligen Weg geht, da wird /b/ zu /p/ entsonorisiert.
Bei
bosque, bosco, bois handelt es sich also um Lehnworte, die indoeuropäischen Waldworte (
silva, daraus
selva,
hýlē, djangal, vana, Wald, les, les ,lis, schuma) sind sehr heterogen (obwohl man meinen sollte, dass Wald auch ein wirklich altes Wort ist).
Die Sprachwissenschaft braucht ja immer, soweit ich das verstanden habe, lineare Beweise: Alle Buchstaben l in einer Sprachen müssen immer ein R in einer anderen Sprache ergeben. Okee: Die Wirklichkeit: Wo kommt das im normalen Leben oder in der Natur vor, dass immer und ohne ausnahme etwas so und so ist?
Das ist in der Tat nicht so. Aber es gibt nun mal beobachtbare Regeln. Und wenn etwas nicht in die Regel passt, muss es erklärt werden.
Z.B. gibt es die Regel, dass englisches th dem deutschen d entspricht:
thumb - Daumen
three - drei
thorrow - Dauer (bedauern)
that - das
this - dies
death - Tod
thunder - Donner / thursday - Donnerstag -
thirst - Durst
thief - Dieb
brother - Bruder
leather - Leder
feather - Feder
weather - Wetter - ?!? Moment!
Bei
weather ist die Erklärung die, dass es im Mittelenglischen noch wedder hieß, das -th- ist also unetymologisch, das deutsche Wetter hingegen ist regelmäßig.
Manchmal kehren auch Worte in einer Sprache zurück, aus der sie stammen. So gibt es im Englischen nebeneinander
warden und
guardian. Das eine ist ein Erbwort, das andere ein doppeltes Lehnwort: Aus dem Germanischen (Fränkischen) wurde das Wort
wardjan ins Altfranzösische entlehnt und kam über das Anglonormannische dann wieder ins Englische. So ähnlich wie folio und hoja im Spanischen. Oder der Balkon, der aus dem deutschen Balken über das Italienische
balcono und Französische
balcon wieder zurück kam.
Auf dem Donnerbalken....