Italien 1861

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Nikodemus, 31. Januar 2011.

  1. Nikodemus

    Nikodemus Neues Mitglied

    Gute Tag allerseits, ich lese hier schon eine ganze Zeit mit im Forum und bin von Niveau und dem Wissen hier sehr angetan. Jetzt habe ich eine Frage über die ich mich im Internet noch nicht ausreichend informieren konnte.
    Und zwar gehts um Italien, ich habe irgendwo mal gelesen das es bis zur Einheit Italiens 1861 eine Vielzahl von Sprachen auf der Halbinsel gab. Jetzt weiß ich das es in Kalabrien bis heute eine kleine griechische Minderheit gibt, auch das es "Sizilianisch" gibt. Aber ist das wirklich eine eigenen Sprache oder eher ein Dialekt.
    Des weiteren habe ich im Standard(österreichische Tageszeitung) einen Artikel gefunden in dem folgendes geschrieben wurde:
    "Mit einer Volksbewegung hatte Italiens Risorgimento in der Tat nichts gemein. Es war eine kleine, politisch-kulturelle Elite aus Aristokraten, Liberalen, schwärmerischen Republikanern und antiklerikalen Heißspornen, die Italien 1861 zu einem künstlichen Gebilde zusammenschweißten, dem das Hauptelement gemeinsamer Kultur abging: Nur zwei Prozent der Bevölkerung sprachen Italienisch. Bei der Gründungssitzung des Parlaments mussten zur Verständigung Übersetzer anrücken. Die neuen Herren in der fernen Hauptstadt Turin zählten den Mezzogiorno keineswegs zu den vordringlichen Problemen. "
    Haben wirklich nur zwei Prozent der Bevölkerung italienisch gesprochen? Wie hießen die anderen Sprachen und wo wurden sie gesprochen?
    Waren das wirklich eigene Sprachen,wie das Ladinische oder eher Dialekte?
    Über Antworten würde ich mich sehr freuen.:winke:
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das Sizilianische ist in der Tat ein Dialekt, wobei sich die italienischen Dialekte sehr stark unterscheiden. Echte Sprachen sind nur das Ladinische, das Friaulische und das Sardische.

    Das sehe ich etwas anders. Die Revolution wurde sehr wohl vom Volk getragen, die eigentliche Einigung Italiens erfolgte von oben, das stimmt.

    Das stimmt nur halb. Gut 2 Prozent beherrschten damals die italienische Hochsprache, italienisch sprachen sie alle, Dialekt eben. Daher kam es in Folge des Risorgimento auch zum verstärkten Durchsetzen des offiziellen amtitalienisch als Hochsprache.

    Nö, das sicher nicht. Durch das Zensuswahlrecht waren eigentlich nur Aristokraten im Parlament (wählbar waren auch nur knapp 2% der Bevölkerung;)).

    Der Halbsatz mit dem Mezzogiorno ist ebenfalls sehr naja. Wüsste ich es nicht besser, weil du erwähnst das der Artikel aus dem Standard ist, könnte man fast meinen, er wäre eine rechtspopulistisch-separatistische Einflüsterung der Lega Nord. Die Probleme des Mezzogiorno waren zur Zeit der Vereinigung schlicht noch nicht Dergestalt vorhanden. Vielmehr entwickelte sich der Mezzogiorno durch die Vereinigung Italiens und die daraus resultierende gemeinschaftliche Politik für das gesamte Königreich erst zum "Problemkind". Klar war der Süden aufgrund der landwirtschaftlichen Prägung im Vergleich zum industrialisierten Norden ärmer. Die Schieflage des Mezzogiorno beginnt aber erst mit der einheitlichen Politik für alle Landesteile.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Januar 2011
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Erstmal ist die Unterscheidung in Sprachen und Dialekte nicht ganz sauber zu machen. Man unterscheidet eher in primäre und sekundäre Dialekte.
    Das Sizilianische ist ein sekundärer Dialekt des Italienischen, denn bis zur normannischen Eroberung und noch darüber hinaus, waren die Sprachen der Sizilianer Griechisch und Arabisch. Das Griko hat man nicht nur in Kalabrien, sondern auch auf Sizilien gesprochen. Außerdem gibt es auf Sizilien seit dem 15. Jhdt. noch eine bedeutende albanische Sprechergruppe.
     

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