Ius primae noctis auf dem Balkan

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Nergal, 5. Juli 2013.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Das Recht der ersten Nacht ist ja eher aus der Kultur Europas bekannt wo es aber meines Wissens nicht praktiziert wurde (oder zumindest nicht erfassabar) sondern als weitere Art der Geleinnahme abgewandelt wurde.

    Aus Serbien war mir zumindest aus Erzählungen bekannt das die Osmanen das Ipn praktiziert haben sollen, was ich aber eher als "Horrormärchen aus alter Zeit" angesehen habe bis ich einiges dazu gelesen habe, und auch hier einige Beiträge von einem (ebenfalls aus Serbien stammenden) User (kann aber mit der Forumssuche weder ihn noch die Beiträge finden) der angegeben hat dies sei wirklich so gewesen und den damaligen Machthabern irgendwo urkundlich bestätigt worden (soweit meine Erinnerung an den Beitrag).



    Erinnert sich Jemand an den Beitrag/User bzw. hat Jemand mehr Informationen zum Thema?
     
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Recht der ersten Nacht ist eine neuzeitliche Erfindung um das MA zu diskreditieren. Daher kann es auch nicht in eine Steuer abgewandelt worden sein.
     
  3. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Hätte mich auch irgendwie gewundert, wenn christl. Herrscher des MA sich öffentlich das Recht herausgenommen hätten, Ehebruch zu betreiben (so sie denn selbst verheiratet waren).

    Aber in welcher Kultur u. welcher Zeit wäre dieses ius primae noctis denn überhaupt anzusiedeln/ zu verorten? Im Alten Orient (vor der Christianisierung/ Islamisierung)?
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Tante Wiki meint, es tauche schon im Gilgamesch-Epos auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Ius_primae_noctis und dazu meint Tante Wiki sogar, es gäbe zwei hochmittelalterliche Textstellen zu diesem absonderlichen "Recht"
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Da wäre ich nicht so sicher. In dem Schiedsspruch von Guadalupe, der 1486 dem Bürgerkrieg in Katalonien beendete, wurde dieser Brauch ausdfrücklich verboten.

    Unser Geschichtslehrer hatte uns damals in der Schule erzählt, dass die Bauern (die "Payeses de Remensa") in den Verhandlungen diese Abschaffung forderten, die Herren jedoch darauf geantwortet hätten, dieses Recht würde es gar nicht geben. Dass es jedoch im Schiedsspruch aufgenommen wurde, deutet jedoch darauf hin, dass so etwas tatsächlich praktiziert wurde.

    Ich vermute mal, die Adligen haben schlicht und frech einen "Brauch" weitergeführt, der nicht schriftlich verbrieft war.
     
  6. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Das Recht der ersten Nacht ist ein neuzeitliches Märchen über das Mittelalter und ist im 19. Jahrhundert für den Balkan übernommen worden. Recht fantasielos es wird auch Ius prima noctis genannt, obwohl man meinen könnte, dass die Osmanen einen türkischen oder arabischen Begriff verwenden würden.

    Ich hab dir einen serbischen Link geschickt wo dies auch gut behandelt wird und pro und contra besprochen werden. Ich habe jedenfalls für mich selber entschlossen das die Contra durchaus überwiegen.

    Im 19. Jahrhundert wurde die Theorie vom türkischen Gen (über das Ius Prima Noctis) um die als nichtslawisch empfundenes Aussehen wie einige den barbarischen Türken (Unordentlichkeit, Korruption, Alkoholmissbrauch, dem orietalischen Musik- und Essensgewohnheiten e.t.c.). So muss es eine Vermischung gegeben haben. Ein im 19. Jahrhunderts von serbischen Intelektuellen verbreitete These war das die Serben schwarz wären weil dieses Recht und die Muslime in Bosnien blonder und arischer weil Sie diesem Recht entgangen sein.

    Problematisch wird das es weder eine bulgarische, serbische oder griechische (diese Theorie gibt es nicht nur in Serbien) Quelle gibt die davon berichtet (es gibt Forderungen und Bitten an den Sultan und dort wird so ein Recht nicht erwähnt, sicherlich Vergewaltigungen bestimmter Tyrannen oder zu Zeit von Aufständen aber kein Recht.)

    Praktisch sieht es auch schwer aus warum sollte ein mächtiger Spahija, Aga oder Janitschar das Recht der ersten Nacht ausüben, wenn er selbst ein Harem hatte, Sklavinnen kaufen konnte. Die Christen lebten meist außerhalb der Städte und Täler (schön an der Karte Bosniens vor dem Krieg zu sehen), am Arsch der Welt. Warum sollte er stundenlang rausreiten für ein bisschen Sex. Warum sollte der Priester dem Spahi eigentlich sagen, dass irgendwer im Dorf geheiratet hat wenn dieses Recht existiert hat. Zivilehen gab es ja nicht. Zwischen dem 15-17 Jahrhundert dienten in Bosnien wie in Serbien die Christen als Wallachensoldaten, waren also bewaffnet also hätten sie in auch einfach umbringen können wenn er das Recht verlangt. Seit Selim II sind dann die Christen im Belgrader Paschaluk wieder unter Waffen, da ist es wieder Lebensgefährlich.

    Auch die antropologischen Argumente fallen Flach. Es gibt gute Gründe auszugehen, dass es östlich vom Kosovo keine weitere türkische Besiedelung gegeben hat. Das Türke im serbischen Kontekst häufig nur Moslem heißt und nichts über seine ethnische Herkunft aussagt.

    Unter anderem folgende Aussagen (ich will damit keinen Bosniaken beleidigen, dass sind die historischen Originalausagen).

    Simeon Piščević, Memoari, 1744-1784:

    "Treba napomenuti da se Turci preko Save u Turskoj, u Bosni i Srbiji, razlikuju od onih u Anadoliji i Egiptu. Oni su nekad bili hrišćani, kao i ostali Srbi, ali su se zbog turskog besa i nasilja isturčili. Žive najviše u gradovima, a po selima retko. Jezik i običaji su im srpski."

    Man sollte erwähnen, dass die Türken über der Sava in der Türkei, in Bosnien und Serbien, sich von denen aus Anadolien und Ägypten unterscheiden. Sie waren mal Christen, wie die anderen Serben, aber sie haben wegen der türkischen Brutalität den Islam übernommen. Sie leben in den Städten, in den Dörfern selten. Ihre Sprache und Bräuche sind serbisch."

    Benedigt Kupresic nennt 1530 drei Nationen in Bosnien Bosnier (Katholiken), Serben (orthodoxe) und Türken (Muslime). Aus dem Text und weiteren Quellen (die Islamisierung Bosniens war sehr schnell, aber slawische Muslime werden nicht gesondert erwähnt) wird später klar auch die Türken sind Slawen die den Islam übernommen haben. Leider fehlt eine Beschreibung von Serbien im Internet die aber ähnlich läuft Serben in Dörfern, "Türken" in Städten.

    http://wwwg.uni-klu.ac.at/eeo/Bosnien_Osmanen

    Dositej Obradovic ein serbischer Aufklärer spricht von Serben andere Gesetze die in Serbien und Bosnien leben (Gesetz im Sinne von Konfession).

    Vuk Karadzic beschreibt Serbien Anfang des 19. Jahrhunderts.

    " У Србији су спаије, које су понајвише бегови из Босне и из Ерцеговине - стари Србљи, од који су млоги и у Турској вјери сачували своја стара презимена до данас, н. п. Љубовићи, Соколовићи, Видаићи, Рашчићи, Бранковићи, Филиповићи, Ђурђевићи; а и од Турски имена презимена понајвише им се свршују на ић, н. п. Бегзадић, Шаинпашић, Ченгић и т. д"

    In Serbien sind die Spahi, welche die meisten Begs sind aus Bosnien und der Herzegowina - alte Serben (Adel wahrscheinlich gemeint), von denen viele auch im türkischen Glauben ihre alten Familiennamen bist heute bewart haben, z.B Ljubovici, Sokolovici, Vidajici, Rascinici, Brankovici, Filipovici, Filipoivici, Djurdjevii, von denen mit türkischen Namen haben die meisten auch ein ic am Ende, z.B Begzadic, Schainpaschic, Cengic u.s.w." Ein Teil dieser Familien sind aber auch zentralseribscher Herkunft und nur nach Bosnien vor den Österreichern geflohen und dann zurückgekommen. Z.B die beiden Janitscharenführer Alija Đevrlić und Sali Đevrlić die als Kucuk Alija und Sali Aga in die seribsche Geschichte eingegangen sind. Ku?uk Alija - Wikipedia, the free encyclopedia

    Von den Türken in Serbien, können nur 1 von 1000 türkisch, die anderen nicht, von Vuk Karadzic wieder ein Zitat.

    Bartolomej Kasic 1640 im Buch Ritual rimski istomačen slovinski (römische Rituale in slawischer Sprache oder so ähnlich) Missionar beschreibt das er mit dem Dialekt von Dubrovnik sowohl Krstjani (keine Ahnung was das sein soll), Rasani (Rasani ist ein anderer Begriff für Serben), orthodoxe Serben (was sind dann die Rasani) und Türken (welche Türken genau) sprechen und missionieren kann. Kasic gilt als erster der die Bibel ins kroatische übersetzt hat.

    "Ovim dakle načinom odlučih ja Pismo ovega Rituala, ili Običajnika istomačiti naški, bivši ja govorio, i općio s ljudmi od razlicih Rusaga Slovinskih, hodeći po svitu: i ja sam njih ovaka govorenja razumio, i oni su moja: (Krstjani, Rašani, Serblji Poluvirci, i Turci.)"

    Als 1830 die Muslime massenhaft Serbien verlassen ziehen sie meist nach Bosnien und ihre viele bleiben. Gutes Beispiel Alija Izetbegovic, 1866 zieht seine Familie von Belgrad in die Posavina. Dort sind Sie keine Türken und sprechen weiterhin eine slawische Sprache.


    Wenn man bedenkt welchen Stellenwert die nichtslawische Urbevölkerung, die Griechen, Rumänen, Albaner, Aromunen, Armenier, sogar in immer größere Maße die Roma. Kann es niemanden verwundern, dass blonde Menschen selten sind. Auch die serbischen Fresken geben keinen Grund zu glauben, dass die mittelalterlichen Serben alle blond waren.


    Hier http://www.geschichtsforum.de/f42/osmanische-kolonien-interessen-44899/ wobei die Kollegin nicht wirklich viel Konstruktieves erzählt hat.

    Gut das ich jetzt eine Grippe habe, bei dem Wetter hätte ich niemals sonst so lange geschrieben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2013
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  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Will noch sagen Obradovic, Karadzic u. Piscevic nennen die Muslime als, dass heißt natürlich nicht, dass die Muslime dies auch so sahen. Die meisten Serben werden das auch nicht gesehen haben, dass waren ja Intellektuelle während die meisten anderen Bauern die weder lesen noch schreiben konnten, waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2013

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