kalifornisches Erdbeben 1906 / Börsencrash 1907

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von silesia, 29. November 2011.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hat jemand einen Literaturtipp zu Untersuchungen, die das kalifornische Beben von 1906 mit der Börsenpanik 1907 in einen empirischen Zusammenhang rücken?

    Ich könnte mir als Hintergrund für einen solchen Zusammenhang die Versicherungszahlungen denken, Zweifel über die Bonität von Finanzakteuren, eine gestiegene Volatilität der Kurse nach dem Beben und nachfolgende Verunsicherung des gesamten Marktes.

    Dazu soll es neuere empirische Untersuchungen geben.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Scheint ein exotisches Thema zu sein. Hat keiner eine Idee?
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich vermute, daß Du schon die englischsprachige Wiki-Seite zur Börsenpanik ( Panic of 1907 - Wikipedia, the free encyclopedia )aufgerufen hast.

    Ich skizziere hier trotzdem die wesentlichen Aussagen:

    Aus der Wiki:

    In den Fußnoten wird auf eine Arbeit von Odell/Weidenmier (2004) hingewiesen.

    Nach der Zusammenfassung unter Cambridge Journals Online - Abstract und http://www.saffo.com/pdfs/HIghTech_Quake2.pdf

    Aus der zweiten Arbeit folgendes Zitat:

    Ins Deutsche übertragen: die Hälfte der Versicherungsschäden wurde von britischen Versicherungen getragen, die zur Begleichung der Versicherungssummen Vermögenswerte verkauften und Zahlungen in die USA leisteten.

    Um den Zahlungsabfluß in die USA zu verringern (1906 war noch der Goldstandard) erhöhte die britische Zentralbank die Zinsen (höhere Zinsen in GB als in den USA machen Anlagen in GB attraktiver als in den USA -> Geldzufluß in britische Anlagen). Dadurch sanken die Ausleihungen von GB in die USA und das führte in den Börsencrash von 1907.

    Den Originalaufsatz von Odell/Weidenmier habe ich leider nicht vorliegen.
     
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Besten Dank für den Hinweis! Das hatte ich tatsächlich übersehen. Der Aufsatz scheint nach der Zusammenfassung das gesuchte Werk zu sein.
     
  5. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Kleine Anmerkung: im Artikel steht
    'at least half of the property insurance',
    dh "wenigstens die Hälfte der Gebäudeversicherungen" waren bei britischen Versicherern. Diese waren *gezwungen*, Vermögenswerte zu verkaufen, um die Schadensummen in San Francisco auszahlen zu können.

    Aufgrund des Begriffs 'underwritten' vermute ich, daß es sich allerdings nicht um Direktversicherungen handelte, sondern um im Rahmen der Rückversicherung von den ursprünglichen Versicherungen aufgeteilte Risiken. Dies betrifft jedoch nicht das 'Häuschen des kleinen Mannes', sondern Feuer- und Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherungen von Gewerbegebäuden, Büros, Hotels etc.
     
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  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Danke auch für den Hinweis.

    Ich habe daraufhin bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft nachgesehen:

    "Berühmt wurde die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft durch das San-Francisco-Erdbeben von 1906, da sie damals die einzige Versicherung war, die nach der Regulierung aller Schäden noch zahlungsfähig war."

    Und dazu:
    Two Chapters on early history of the Munich Reinsurance Company: The Foundation/ The San Francisco Earthquake
    Spree, Reinhard (Januar 2010): Two Chapters on early history of the Munich Reinsurance Company: The Foundation/ The San Francisco Earthquake.
     
  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das war ja offenbar ein gutes Stichwort.

    Bei Lloyd's of London ('der' Rückversicherer) gibt es auch einen Artikel dazu:
    San Francisco earthquake - About us - Lloyd's


    Also war die Münchner Rück nicht ganz der einzige noch solvente Rückversicherer :D.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Dezember 2011
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das Stichwort war goldrichtig. An die Rückversicherer (insbesondere die britischen) hatte ich auch nicht gedacht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dezember 2011

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