Klar ist die Datierung möglich. Wir haben Münzen aus einem Zeitraum von 200 Jahren, die jüngsten wurden einige Jahre vor der Varusschlacht geprägt, in Köln (Brandhorizont Winter 13/14) hat man einen Münzhorizont aus der Germanicuszeit, in dem sich statistisch signifikant nachvaruszeitliche Münzen befinden 7/56, also ein Achtel. In K'Riese hat man eine weit größere Menge an Münzen.Berke im Weltinterview schrieb:Zunächst ging man davon aus, man könne die Münzfunde in Kalkriese sicher auf das Jahr 9 nach Christus datieren, also auf die Zeit der Varusschlacht. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass diese Datierung so nicht möglich ist.
Der letzte Satz ist falsch. Es steht nicht im Text, dass Germanicus haud procul des Varusschlachtfeldes war, sondern, dass der saltus Teutoburgienses haud procul lag. In diesem lag das Varusschlachtfeld.Berke im Weltinterview schrieb:Das zweite gewichtige Argument ist, dass eine Verortung in Kalkriese einfach nicht zu den Quellen der Antike passt. Tacitus schildert sehr klar, wie der Feldherr Germanicus, der wenige Jahre nach der Niederlage des Varus das Schlachtfeld aufsucht, von der Nordsee kommend die Ems flussaufwärts marschiert – und am Ende zwischen dem Oberlauf der Lippe und dem Oberlauf der Ems steht, also irgendwo östlich von Lippstadt. Von dort sei es „nicht weit“, so schreibt Tacitus, zum Ort der Varusschlacht.
Nun Afrika liegt nicht weit von Spanien, man kann Afrika an der Straße von Gibraltar und auch am Alborán-Meer sehen. Der Kilimandscharo liegt in Afrika - nach dieser Argumentation Berkes müsste man folgern, dass der Kilimandscharo in der Nähe von Spanien läge. Natürlich will ich den Kontinent Afrika nicht mit dem Mittelgebirge Saltus Teutoburgiensis vergleichen, aber ich denke es ist klar, dass es wichtig ist, die Aussage korrekt wiederzugeben, weil die Verkürzung einen ganz anderen Eindruck hinterlässt.
Zum Lager bei Bielefeld-Sennestadt, welches Berke implizit als Varus' letztes Lager nach Tacitus' Beschreibung sieht:
Nun, letztere Aussage ist doch fragwürdig!!! Clavicula-Tore wurden bei Marschlagern standardmäßig verwendet. Berke impliziert hier etwas, was sich so nicht halten lässt.Berke im Weltinterview schrieb:Dieses Lager hat aber einige besondere Merkmale. Es besteht aus einem nicht sehr tief ausgehobenen Graben und einem nicht sehr hoch aufgeworfenen Wall. An der Ostseite lehnt es sich an ein bis zu vier Meter tiefes Bachtal an – dort konnte man also auf das Ausheben eines Walls verzichten. All das sind Indizien dafür, dass man es eilig hatte; und dass man sich Arbeit ersparte, so gut es nur ging. Außerdem weisen zwei sogenannte Clavicula-Tore auf eine Bedrohungssituation oder gar einen Kampf hin.
Da in Bielefeld-Sennestadt bislang noch keine datierbaren Funde gemacht wurden, ist noch völlig unklar, von wann dieses Lager ist.
Auch bzgl. Germanicus' "Standort" zieht Berke aus den Angaben bei Tacitus weitreichende aber unbelegte Schlussfolgerungen:
Solange wir kein Römerlager (am besten in den Dimensionen für acht Legionen!) bei Lippstadt haben, ist auch das pure Spekulation.Berke im Weltinterview schrieb:Es liegt rund 23 Kilometer von Lippstadt entfernt, wo wir ungefähr den beschriebenen Standort des Germanicus vermuten können, von wo aus er sich im Jahr 15 zum Varus-Schlachtfeld aufgemacht hat. Diese Distanz war von einer römischen Legion gut an einem Tag zu bewältigen.