Karikatur: Währungsreform und Denazifizierung

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Blackspell, 23. Mai 2019.

  1. Blackspell

    Blackspell Neues Mitglied

    Hallo ich habe hier einmal eine Analyse zu dieser Karikatur geschrieben [​IMG] .
    Imgur
    Ich würde gerne wissen, ob ihr noch andere Ansätze hättet diese Karikatur zu deuten, die ich noch nicht erwähnt habe, oder ob ihr mit meiner Analyse übereinstimmt.
    Liebe Grüße


    A) Darstellung:

    · Primärquelle (Zeitung)

    · Karikatur

    · Wronkow: jüdischer Karikaturist, der 1933 aus Deutschland nach Paris floh und später in die USA

    · Erscheinungsort: „Aufbau“ New York 1948

    · Adressat: Jüdisch Politisch interessierte

    · Thema: Währungsreform und Denazifizierung

    · Anlass: Deutschland hat den Krieg verloren

    Beschreiben:

    Schwarz-Weiße Quelle

    Oben:


    o Brandenburger Tor (Berlin)​

    o Berlin zerstört (qualmt)​

    o Ruine​

    Unten:

    o 3 Personen (2 Männer 1 Frau) sitzen auf Steinen​

    o Frau:​

    o Totenkopfhelm
    o Schielt
    o Zopf

    o Dolch im Busen

    o Korsett (Kleid)

    o Wolfsarme mit Klauen

    o Hakenkreuzschuhe​

    o Linker Mann:

    o Helm + Uniform (USA)

    o Zettel mit Westmark

    o Nylonstrumpf
    o Rechter Mann

    o Helm (Sowjetstern)+Uniform

    o Gitarre mit Beschriftung “Unification=Einheit“

    o Zettel mit Ostmark​

    B) Analyse:

    Zeitliche Einordnung

    · Mai 1945 Kapitulation Deutschland

    · August 1945 Potsdamer Konferenz

    · Bodenreform Sowjetgebiet

    · Juni 1948 Einführung DM (Währungsreform)

    · Während Berlin Blockade

    · Grundgesetz erst 1949

    · Bi bis 47 Tri ab 48 Zone (Ost vs. West)

    · Westen verdrängt Vergangenheit (Nazis kommen in alte Ämter)​


    Deutung:

    · Schwarz/Weiß (Figuren weiß [stehen im Vordergrund] / Berlin schwarz [unwichtig])

    · Germania als Gretchen (seit Goethes Faust oft verwendetes Symbol)

    o Totenkopfhelm (kriegerische Vergangenheit?

    Gerade besiegt und jetzt schon verhandeln /

    Denazifizierung wird von Liebhabern übersehen)

    o Hakenkreuzschuhe (Nazis die selbst nach dem Krieg noch im Amt sind)

    o Kleid und Zöpfe (typisch Deutsch)

    o Wolfsarme und Klauen (Gefahr die von GER ausgeht? /Raubtiermentalität)

    § Wolf im Schafsfell (Persilschein [Unbedenklichkeit])​
    o Schielt (kann sich für keine Seite entscheiden)

    o Dolch (Deutschland Schuld am kommenden „Kalten Krieg“?)

    § „Hoffnung, dass sie aufeinander los gehen“​
    · Amerikaner(links)

    o GI Uniform mit Rangabzeichen „Private E2“ (steht für Alliierte Sieger)

    o Nylon (es wird Luxus geboten [Marshallplan?])

    o Westmark (Währungsreform wurde bereits durchgeführt?)
    · Sowjet(rechts)

    o Sowjetstern auf Helm /Uniform (Sowjetischer Soldat)

    o Unification = Einheit (verspricht Wiedervereinigung[vorgespielt?])

    o Ostmark („eigenes“ Währungssystem wird angeboten?)
    · Liebespiel (Machtvergrößerung mit Deutschland [Wer ist attraktiver?])
    o Ost-West-Konflikt steht im Vordergrund nicht Deutschland wegen?

    o Deutschland ist Spielball

    § Deswegen wird auch über Alt Nazis hinweggesehen​
    · Soldaten stehen für ideologische Gegensätze (Antagonismus)​

    Bewertung:
    · Vereinfachte Darstellung (komplizierter Sachverhalt)

    · Warnung an US Bevölkerung (NY erschienen)​

    o USA ignoriert Denazifizierung​

    § Jüdischer Autor verständlicherweise empört​

    Heutige Sicht:

    · „Gretchen“ entschied sich für beide
    o Westen ging zu Alliierten

    § Führte zu Luxus

    § Überlegener Währung

    § Alt Nazis blieben im Dienst (Adenauer ignorierte Problem
    [Karrieren gingen nahtlos weiter])​
    o Osten ging zu Sowjets

    § DDR Bildung mit Ostmark

    § Ungewollte „Unification“ Zusammenbruch DDR​
    · Dolch (Kalter Krieg spaltete Welt in Ost und West)

    o Eiserner Vorhang

    o Heutzutage Streitpunkt Deutschland = Osteuropa

    (Streit USA Russland) Ukraine; Krim; Nato Ausbreitung

    Thema Kalter Krieg immer noch aktuell (nicht abgeschlossen)​
     
  2. Blackspell

    Blackspell Neues Mitglied

    Original.PNG
     
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  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich sehe die Karikatur so, dass suggeriert wird, dass aus einem Ost-West-Konflik zwischen der USA und UdSSR Deutschland als Sieger hervorgehen könnte.
     
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  4. Blackspell

    Blackspell Neues Mitglied

    Inwiefern gestärkt, unter dem Gesichtspunkt, dass "nur" die Alt Nazis an der Macht bleiben oder
    dass Deutschland durch den Marshallplan gestärkt einen dritten Weltkrieg auslösen kann und sich deshalb auf keinen Fall vereinen darf (Pro USA also keine Unification).
    Was trifft eher die Intention des Autors?
     
  5. Tom

    Tom Mitglied

    Ludwig Wronkow – Wikipedia

    „… dass sie eines Tages aufeinander losgehen. Und den Dolch liefert Gretchen“ – wohl eher die damals weit verbreitete Sorge, an der Ost-West-Grenze in Deutschland und aus dem Streit um Deutschland würde der nächste Weltkrieg hervorgehen.

    Und "Gretchens Wunschtraum ist erfüllt" - Deutschland dann als Zünglein an der Wage. Naja, ein bissel unlogisch, weil auch damals jeder wusste, dass es im Kriegsfall endgültig mit Deutschland vorbei wäre. Höchstens die deutsche Hoffnung oder die Hoffnung bestimmter Kreise, beim nächsten Krieg auf der Seite der Sieger zu stehen.

    Nein, nochmal korrigiert: "Gretchens Wunschtraum ist erfüllt" - die beiden Besatzer hauen sich gegenseitig zu Klump und Deutschland bleibt als letzter und einziger Sieger übrig. Wäre zwar nicht möglich gewesen, aber so meint Wronkow "Gretchens Traum" mit hoher Wahrscheinlichkeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2019
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du hast einige gute Punkte, das Gretchen-Germania nach Osten und Westen schielt etc. Ich würde die Altnazis in Funktionen mal außen vor lassen und das mehr auf Gretchen-Germania as Ganzes bezogen sehen. Wronkow misstraut Deutschland und wundert sich, dass die Machtblöcke um Gretchen-Germania buhlen. Das hast du mit dem Dolch im Dekolleté (nicht "im Busen"!) und den Raubtierklauen schon ganz gut erkannt. Die verliebten Herren bieten ja einiges an: die Währungsreform, Luxusgüter (Nylons) und eben die (Wieder-)Vereinigung - gerade letzteres ist fast ein wenig prophetisch, denn die Stalinnote ist ja erst vier Jahre später lanciert worden.
    Dein Ausblick auf die Gegenwart mit Krimkrise etc. halte ich für fragwürdig. Den Kalten Krieg kannst du um 1990 als beendet ansehen. Die derzeitigen Konflikte zwischen NATO und Russland sind kein Teil des Kalten Kriegs. Sie mögen sicher ihre Wurzeln auch darin haben.
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Denazification oder Entnazifizierung ist im Übrigen keine Umerziehung gewesen, so wie das manchmal missverstanden wird (was gewissermaßen am Wort selbst liegt, welches diesen Eindruck erweckt), sondern es war eine Einstufung der Deutschen in 5 Kategorien zwischen Unbelastet, Mitläufer und Täter. Diese 5 Kategorien waren wichtig, um festzustellen, ob jemand für ein Amt im öffentlichen Dienst, eine Stelle bei den Allierten etc. tragbar oder zum Leistungsempfänger berechtigt war. Ein Zusammenhang der Karikatur zur Entnazifizierung ist für mich nich nicht zu erkennen.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Die Nazis blieben nach der Kapitulation nicht an der Macht. Die letzte Reichsregierung unter Dönitz wurde von den Alliierten Ende Mai 1945 verhaftet. Die alliierten Mächte übernahmen die Regierungsveranwortung für Deutschland als ganzes. Die NSDAP mit all ihren Unterorganisationen wurde verboten. Bei den Wahlen der neu bzw. wieder gegründeten Länder spielte sie also keine Rolle mehr.

    Formal blieb Deutschland 1947 noch als ein Staat erhalten, allerdings unter dem alliierten Kontrollrat. Die einzelnen Alliierten haben aber in ihren jeweiligen Besatzungszonen ihre eigene Politik verfolgt.

    Deutschland als ganzes konnte 1947 keine eigenständige Politik machen. Aber ein Konflikt zwischen West und Ost könnte nach Ansicht des Karikaturisten Deutschland nutzen, indem es gestärkt daraus hervorgeht und eventuell wieder nationalsozialistisch zu werden. Es gibt den Spruch: "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte."
     

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