Karikatur "Zwei Volk - zwei Reich - zwei Führer" mit Adenauer und Pieck

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von haihai, 6. Januar 2011.

  1. haihai

    haihai Neues Mitglied

    Hallo liebes Geschichtsforum,
    ich habe die Aufgabe eine Karikaturanalyse zu schreiben. Leider finde ich die karikatur nicht im Internet, weswegen ich sie kurz beschreibe: es ist ein Adler zu erkennen, der aus 2 körperhälften besteht. die eine hälfte ist rot und besitzt den kopf wilhelm piecks. die andee hälfte ist schwarz und hat den kopf adenauers. auf der roten hälfte ist das symbol "hammer und sichel" abgebildet, auf der rechten hälfte ein dollar-geldsack.
    Der Untertitel der Karikatur( erschienen 1949) lautet: zwei volk- zwei reich- zwei führer.
    So nun zu meinen Fragen:
    1) Wofür stehen die beiden Farben schwarz und rot??
    2) Ich weiß, dass der Untertitel irgendetwas mit dem Anschluss Österreichs und Hitler zu tun haben muss. Leider finde ich nichts genauers im Internet! Wieso wird hier also dieses abgeänderte Zitat verwendet??
    3) Liege ich richtig in der Annahme, dass es sich bei Hammer und Sichel um den Kommunismus und bei dem Geldsack um Kapitalismus handelt?
    4) Meine Grundthese wäre, dass es hierbei um die Teilung Deutschlands geht und durch die Karikatur gezeigt wird, dass die DDR und die BRD zwei unterscheidliche Staaten waren und sich eine Art Machtkampf lieferten. Ist das soweit korrekt??

    Nicht, dass ihr jetzt denkt ich schiebe die Arbeit von mir weg. Sitze schon ziemlich lange daran, und habe auch schon einiges geschrieben (u.a die Bildbeschreibung) und habe mir auch schon Gedanken gemacht. Will nur nicht, dass ich irgendwas falsch reininterpretiere und dafür Abzug in der Note bekomme. Ich mache dieses Jahr mein Abi, d.h jede gute Note ist wichtig!!
    Vielen dank im Vorraus :)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2021
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Für die anarchosyndikalistische Front :rofl:
    Neee, tiefschwarz ist alles klerikale > ergo katholische > ergo der rheinische Kapitalismus á la CDU-Adenauer und Erhardt.
    Rot ist die Farbe der Arbeiterbewegung, ergo SPD, KP und deren Zusammenschluss in der SBZ zur SED.
     
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wie kommst du denn darauf? Der Anschluss Österreichs war 1938.
     
  5. haihai

    haihai Neues Mitglied

    @ursi: mit was hat das zitat dann zu tun? bzw warum wird es als untertitel für die karikatur benutzt?
     
  6. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Überleg doch mal ganz scharf was 1949 war... Ich geb dir nen Tipp: hat was mit Gründung und Bundesrepublik und DDR zu tun...
     
  7. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Unter Hitler hieß es: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer." Ich denke, dass das (auch) auf den Anschluss Österreichs anspielt ("ein Volk") Sieh dir mal dieses Wahlplakat an:

    Exponat: Wahlplakat: "Ein Volk-ein Reich-ein Führer", 1938

    1949 wurden die beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und DDR gegründet. Daher wohl die Abwandlung: "Zwei..." Aus dem grammatikalischen Fehler kann man deutlich erkennen, dass auf den obigen Spruch aus der Zeit des Nationalsozialismus Bezug genommen wird.

    Das Wahlplakat zeigt auch eine zeitliche Abfolge. Man könnte nun diskutieren, ob die zu diskutierende Karikatur quasi als "Fortsetzung" zu dem Wahlplakat gedacht ist.

    Viele Grüße

    Bernd
     
    1 Person gefällt das.
  8. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Wäre es nicht rein theoretisch möglich, dass die Karikatur und die zugehörige Überschrift von einem Amerikaner stammen?

    Die waren und sind ja nun auch dafür bekannt, bestimmte deutsche Begriffe ohne entsprechende Grammatik zu übernehmen... War nur so ein Gedanke.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist wohl auszuschließen, Der Simpl ist eine deutsche Satire-Zeitschrift in der Tradition des Simplicissimus gewesen und der Karikaturist Max Radler ist Deutscher gewesen.
     
  10. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Laut dem Untertitel von DHM hat die Karikatur ein M. Radler gemacht. Bei M. Radler handelt es sich wohl um Max Radler, der war kein Amerkianer. Er wurde 1904 in Breslau geboren und starb 1971 in München. Er zeichnete auch für den Simplicissimus.
     
  11. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Ich zitiere mich nur ungern selbst, aber wie ich oben angedeutet habe, halte ich die Parallele zwischen "ein Volk - ein Reich - ein Führer" und "zwei Volk - zwei Reich - zwei Führer" für zu auffällig, als dass ich das für einen unbeabsichtigten grammatikalischen Fehler halten würde. Besonders auf dem Titelblatt eines "Satiremagazins".

    Außerdem haben El Quijote und Ursi die Landsmannschaft des Zeichners schon gelüftet. Ich gehe also davon aus, dass ich - wie immer :D - nicht so falsch liege. :)

    Viele Grüße

    Bernd
     
  12. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Mein Fehler, ich habs mir nicht so genau angeschaut -
    schieben wirs auf meine KillerGrippe-Viren :D

    Mit Paracetamol sieht die Welt manchmal halt bissl anders aus... darum gehe ich jetzt auch wieder brav in mein kuscheliges, warmes Bettchen :)

    :winke:
     
  13. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Wieso Fehler? Man wird ja wohl noch das Eine oder Andere mal hinterfragen dürfen? Dafür schreiben wir ja alle. Wenn jeder seine vorgefertigte Meinung hat und nicht bereit ist, an Erkenntnis dazuzugewinnen, ist es doch langweilig und sinnlos.

    Gute Besserung.

    Aber zum Thema fällt mir noch was ein.

    Wenn man das Titelblatt schon im Hinblick auf einen Rückbezug zum Anschluß Österreichs 1938 untersucht, dann könnte man die Gegenstände, die der Adler in den Krallen hält auch als Symbole für den "Anschluss" der beiden Teile Deutschlands an die sich gerade herausbildenden kommunistischen bzw. kapitalistischen Blöcke in Ost und West interpretieren.

    Viele Grüße

    Bernd
     
  14. Gast

    Gast Gast

    DDR - BRD - Österreich

    Wenn man Bezug auf Österreich genommen hätte, müsste es ja in der Bildunterschrift heißen:

    Drei Volk - Drei Reich - Drei Führer

    Den österreichischen Kanzler hätte man dann auch ergänzen müssen.

    Oder?
     
  15. haihai

    haihai Neues Mitglied

    eine frage hätte ich noch: welcher bundesadler (heißt das so?) wurde hier als vorlage verwendet? ich dachte da entweder an weimarer republik oder österreich...
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Jein. Korrekt wäre Reichsadler, das Wappen der Bundesrepublik ist der Bundesadler. Hier besteht natürlich eine gewisse Kontinuität im Hoheitszeichen, wenn auch der Bundesadler nicht so aggressiv gestaltet ist, wie der Reichsadler.
     
  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Als Vorlage könnte hier der Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gedient haben.

    Doppeladler ? Wikipedia

    Im MA stand m. W. der Doppeladler für die Verbindung zwischen deutschen Königstum und römischen Kaisertitel. Als Wappentier hat dieser in Österreich als Staatswappen überlebt, in Deutschland in diversen Wappen von Gebietskörperschaften und in mehreren ausländischen Staaten als Hoheitszeichen.

    In der Karikatur steht der Doppeladler für die doppelten deutschen Staaten.
     
    1 Person gefällt das.
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine Karikatur stellt nicht die Fakten dar, sondern eine Meinung. Dass D und AU wieder getrennt würden, war klar. Dass aber aus den vier Besatzungszonen sich zwei feindliche deutsche Staaten entwickeln würden, war so vorher nicht unbedingt klar.
     
  19. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Laut Deutschem Historischem Museum haben die Nationalsozialisten den Slogan seit 1933 benutzt. Dass sie ihn im Zusammenhang mit dem Anschluss Österreichs nochmal forciert haben, ist nur logisch. Das passte ja nun wie Faust aufs Auge.

    [FONT=Arial,Helvetica,sans-serif]"Seit 1933 warben die Nationalsozialisten mit der Losung "Ein Volk / Ein Reich / Ein Führer" für nationale Geschlossenheit und ihr Ideal der "Volksgemeinschaft". Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 fand diese Losung verstärkt Verwendung, um die Einheit von "Führer", Partei und Bevölkerung auf Österreich zu übertragen und um die nationale Einheit von Deutschen und Österreichern als "ein natürliches Volk" mit gemeinsamer Geschichte und Zukunft zu propagieren."[/FONT] (Quelle: Exponat: Wahlplakat: "Ein Volk-ein Reich-ein Führer", 1938)

    Die von Dir zu betrachtende Karikatur hat dann aber mit Österreich nichts zu tun. Für die Deutschen muss es 1949 traumatisch gewesen sein, das Land in Stücke geschnitten zu finden und dann noch die Gründung zweier sich feindselig gegenüber stehender Staaten mitzuerleben. Um das nicht so zu empfinden, musste man entweder politisch sehr desinteressiert sein oder sich dieses Empfinden aus Gefolgschaft zu einer separatistischen Ieologie verbieten. Deshalb geht der Karikaturist Adenauer und Pieck an, die für eben diese Entwicklung in der öfentlichen Wahrnehmung standen.

    Ob die Wiederabtrennung Österreichs zu der Zeit von der breiten Bevölkerung als "richtig" empfunden wurde, wage ich zu bezweifeln, wenn man sieht wie breit die Zustimmung zum Anschluss war.
     
  20. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Klingt eher unwahrscheinlich, da die DDR keinen Adler im Wappen hatte. Die Farben sind nur vertauscht. Brandenburg hat einen roten Adler als Wappentier und Preussen einen schwarzen. Und mit der Rheinprovinz und Westfalen sind bedeutende preussische Gebiete in der Bundesrepublik aufgegangen.

    Apvar
     

Diese Seite empfehlen