Kavallerie-Einheiten der Neuzeit

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von collo, 20. März 2005.

  1. collo

    collo Aktives Mitglied

    ausgehend von der diskussion, warum pferde als nahrungsquelle zu kostbar waren, hab ich mich mal weiter umgesehen und mich ein wenig schlauer über die bedeutung des pferdes in der militärgeschichte gemacht. und, weil es kein epochenübergreifenden pfad gibt, will ich mich auf die neuzeit, d.h. die entwicklung der reiterei nach dem zeitalter der ritter-heere beschränken.

    man unterscheidet 7 kavallerietruppen, davon sind lanzierer und arkebusierreiter nur bis etwa zum dreissigjährigen krieg als truppen verwendet worden (und werden deshalb von mir hier übergangen). die anderen kavallerietruppen, kürassiere, dragoner, husaren, ulanen und, als russische besonderheit die kosaken, kämpften hingegen zum teil noch im zweiten weltkrieg.
     
  2. collo

    collo Aktives Mitglied

    kürassiere

    ihr name leitet sich vom französischen wort für leder, "cuir", ab, denn ein lederpanzer schützte brust- und rückenpartie dieser soldaten (kürass), später wurde der kürass wieder aus metall hergestellt.

    k. bildeten das bindeglied zwischen den panzerreitern/rittern des mittelalters und der modernen kavallerie. ihre bewaffnung bestand aus 3 pistolen und einem schweren säbel, später aus einem karabiner und dem pallasch genannten säbel. sie wurden der schweren kavallerie zugerechnet und wurden als offensivtruppe gegen feindliche infanterie eingesetzt.

    kürassiere dienten oft auch als gardetruppen, bis heute, z.b. die Life Guard und The Blue and Royals in grossbritannien.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2005
  3. collo

    collo Aktives Mitglied

    dragoner

    dragoner zählten ursprünglich nicht zur kavallerie, sondern galten als berittene infanterie, d.h. sie bewegt sich zu pferde fort, kämpfte aber zu fuss. sie waren deshalb auch nicht gepanzert wie die kürassiere und hatten auch keine kampfausbildung zu pferde. ihre bewaffnung glich der eines infanteriesoldaten, musketen, säbel, beile.

    da der unterhalt eines dragoner-regiments wesentlich geringer als der eines kürassierregiments war, bestand der grossteil der berittenen einhieten der westeuropäischen heere aus dragonern, die im laufe des 18. jhdt. dann offiziell zur schweren kavallerie zählten.

    die kavallerieeinheiten der usa waren typische dragonereinheiten, auch wenn sie so nicht genannt wurden. aus dragonern gingen letztendlich auch berittene polizeieinheiten hervor, wie sie heute noch in den meisten bundesländern bestehen.
     
  4. collo

    collo Aktives Mitglied

    ulanen

    die ulanen gingen aus einer besonderen polnischen abart der lanzenreiter hervor, und auch wenn alle europäischen mächte später ulanen-regimenter einführten, blieb der ursprung an der typischen tschapka, der viereckigen kopfbedeckung zu erkennen.

    neben den lanzen gehörten säbel und pistolen, später karabiner zur bewaffnung. bekannt geworden sind die kavallerie-attacken der polnischen ulanen gegen deutsche panzer 1939.


    husaren

    auch diese kavallerietruppe war ursprünglich regional begrenzt. erst nach dem dreissigjährigen krieg wurden auch ausserhalb von ungarn husraenregimenter aufgestellt.

    und wie die ulanen wurde die herkunft durch die uniformen unterstrichen, so die nur mit einem ärmel getragene weste mit reicher verzeierung, dem dolman.

    husaren galten als die wendigsten und schnellsten kavallerieeinheiten, ihre bewaffnung bestand aus einem kurzläufigen gewehr und einem säbel.
     
  5. collo

    collo Aktives Mitglied

    kosaken

    sind eigentlich keine kavallerieeinhait sondern die bezeichnung für freie wehrbauern der ukraine/russlands, die sich zunächst gegen die tartaren, dann aber auch gegen polen litauer und auch gegen versuche der zaren gewehrt haben, ihre unabhängigkeit zu beschneiden.

    dennoch gelang es nach und nach, die kosaken militärisch an russland zu binden. dennoch blieben sie eine relativ unabhängige truppe, die sich ihre anführer (hetmane) selbst wählte. im siebenjährigen krieg und dann in den napoleonischen befreiungskriegen gelangten die kosaken zu ihrem militärischen ruf, eine unbarmherzige truppe zu sein.

    im russischen bprgerkrieg kämpften viele kosaken gegenb die bolschewisten und wurden auch deshalb unter stalin grausam verfolgt. im zweiten weltkrieg wurden dann von der deutschen wehrmacht kosakeneinheiten aufgestellt, die nach dem krieg von den westalliierten an die sowjets übergeben und von diesen liquidiert wurden.
     
  6. collo

    collo Aktives Mitglied

  7. collo

    collo Aktives Mitglied

    anfangs kämpfte die neuzeitliche kavallerie ähnlich wie die infanterie, man rückte geschlossen vor, und feuerte salven mit den schusswaffen. die schweidische reiterei führte im dreissigjährigen krieg den angriff mit gezogenem säbel ein, um den vorteil der geschwindigkeit nicht zu verlieren. in preussen wurde diese taktik aber erst nach den niederlagen der preussischen kavallerie im ersten schlesischen krieg eingeführt. danach war aber der gebrauch von schusswaffen sogar verboten.

    das 17. und 18. jhdt. kann mit einigem recht als die hochzeit der kavallerie gelten, in der ihr einsatz schlacht- und sogar kriegsentscheidend sein konnte (schlacht bei fehrbellin 1675, hohenfriedberg und rossbach im siebenjährigen krieg).

    napoleon führte die sog. strategische kavallerie ein, die nicht nur als schlachtenreiter unmittelbar das kampfgeschehen beeinflussen sollte, sondern auch zur aufklärung, verschleierung und verfolgung eingesetzt wurde. mit massivem einsatz der kavallerie suchte man immer noch schlachtentscheidung, aber vielfach zögerte man zu lange mit dem einsatz der als reserve gehaltenen kavallerie-verbände. ausserdem führte eine eine erhöhte feuerkraft der infanterie und neue taktiken dazu, dass diese sich immer besser gegen kavallerieattacken zur wehr setzen konnte.

    die entwicklung der europäischen kavallerie blieb auf dem stand der napoleonischen kriege stehen und trotz zum teil heftigster verluste z.b. im krimkrieg versuchte man immer noch, stark befestigte stellungen im sturmangriff mit blanker waffe zu erobern.

    die entwicklung zu einer wirklich modernen kavallerie fand deshalb auch nicht in europa sondern in nordamerika statt. dort wurde die kavallerie im amerikanischen bürgerkrieg als schnelle infanterie eingesetzt, gekämpft wurde abgesessen mit dem gewehr.

    der amerikanische bürgerkrieg, der in vielerlei hinsicht dem ersten weltkrieg ähnelte, wurde aber in europa wenig beachtet. so verwundert es nicht, dass die preussische kavallerie noch 1890 mit lanzen, einer eigentlich mittelalterlichen waffe, ausgerüstet wurde, um damit infanterie zu kämpfen, die mit modernen karabinern und zunehmend auch mit maschinengewehren ausgerüstet war.

    so spielte die kavallerie nach der ersten offensive 1914 an der westfront keine rolle mehr, nur an der ostfront wurden, aufgrund der anderen geografischen verhältnisse, noch etliche kavallerie-einheiten auf beiden seiten eingesetzt. gab es vor dem weltkrieg noch 110 deutsche kavallerieregimenter, reduzierte sich ihre zahl auf 22 zum ende des krieges.

    aber nicht nur das mg versetzte der kavallerie buchstäblich den todesstoss, mit einführung der motorisierung der armeen , entfiel der letzte vorteil dieser truppengattung, die schnelle beweglichkeit. dennoch gab es noch im zweiten weltkrieg immer noch kavallerieeinheiten, nicht nur bei rückständigen armeen wie der polnischen, auch auf deutscher und vor allem auf sowjetischer seite. zu kavalleriegefechten kam es allerdings nicht mehr und nach diesem krieg endete die mehrtausendjährige militärische verwendung der pferde, nicht nur in der kavallerie, sondern auch als zugtiere der artillerie und des nachschubs.

    friedrich engels hat 1858 einen sehr gut lesbaren artikel über die geschichte der kavallerie geschrieben, der mit den napoleonischen kriegen aufhört:
    http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_286.htm
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2005
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Hier erstmal noch etwas von F. Engels dazu http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_286.htm

    Und einige Ergänzungen: Die Anführer der Kosaken hießen nur bei den Ukrainern Hetman, die russischen Kosaken wurden von Atamanen geführt. Diese wurden manchmal auch vom Zaren bestimmt und nicht gewählt.

    Husaren entstanden nicht nur in Ungarn, auch die Polen hatten in der frühen Neuzeit Husaren, die als Halbschwere Kavallerie zählten, da sie ein Kettenhemd und einen halben Panzer (für Rumpf, Oberarme und Oberschenkel) trugen. Bewaffnet waren sie in erster Linie mit Säbeln.
    Und noch ein Spruch zu Dragonern aus dem 30jährigen Krieg: "Dragoner sind halb Mensch halb Tier, aufgesattelte Infanterie."
    Außerdem bin ich mir relativ sicher, dass es auch im 1. Weltkrieg noch Lanzenreiter gab (zumindest bei Indern), da sich Lanzen gut bei der Verfolgung Fliehender Truppen machten.
     
  9. collo

    collo Aktives Mitglied

    danke für die weitergehende information, den link zu engels hatte ich auch schon
     
  10. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo collo,

    erst einmal: klasse Thema! :yes:

    Eine kleine Ergänzung meinerseits: vor dem 1. Weltkrieg wurden die Kürassiere in Österreich-Ungarn und in Frankreich abgeschafft, in Deutschland trugen sie zu der Zeit den bezeichnenden Panzer nicht mehr.
    (Quelle: Uniformen 18.-20.Jh.; das Buch liegt gerade 450 km von mir entfernt, deshalb die ungenaue Literaturangabe :sorry: )

    In diesem Sinne

    Timo
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Noch eine kleine Ergänzung: im (sowjet-)russischen Bürgerkrieg 1918/20 bzw. 22 bildete sich eine weitere Besonderheit der neuzeitlichen Kavallerie. Es waren die sog. Budjonny-Reiter (nach General Semjon M. Budjonny) - eine berittene MG Abteilung, die ich persönlich als eine mit MG Bewaffnung versehene Mischung aus Dragonern und Kosaken ansehe. Diese Einheiten waren ebenfalls noch im 2. Weltkrieg im Einsatz.

    Gruß

    Timo
     
  12. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied

    Auch noch eine kleine Spitzfindigkeit meinerseits.
    Nach meiner Literatur ist der Pallasch nicht als schwerer Säbel zu bezeichnen sondern als schwerer Degen.
    Obwohl der Pallasch eine verbindung zwischen Säbel und Degen darstellt und an sich eine eigene Art ist sagt man jedoch trotzdem das es näher am Degen ist, weswegen man den Pallasch auch Kürassiedegen nennt.

    Ansonsten schöner Thread in dem ich schon einiges gelernt habe.
     
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Noch etwas zu Kosaken: Die Kosaken stellten ihre Uniformen und Waffen selber, die Donkosaken bezogen ihre Munition allerdings von Moskau (bei den anderen weiß ich nicht woher das Pulver kam). Die Uniformen bestanden meist aus einem Checkmen (langer Mantel) und hohen Mützen, orientierte sich teilweise an lokalen Trachten, zum Beispiel bei kaukasischen Kosaken an Tscherkessen. Als besonders Zarentreu spielten die Donkosaken eine besondere Rolle. Sie bezogen relativ wenig Sold, sollen aber die mit Abstand beste Moral in der russischen Armee gehabt haben. Ihre Bewaffnung bestand meist aus Säbeln, Lanzen und Pistolen.

    Die Polen führten Register über eine feste Zahl ukrainischer Kosaken, die dannn eine feste Anstellung und gutes Einkommen hatten. Über die Zahl der Registerkosaken wurde oft verhandelt und gekämpft, da sehr viele Kosaken so eine Anstellung suchten und die Zahl daher möglichst hoch haben wollten.

    Inwieweit kann man eigentlich den Dragoner als Nachfolger des Arkebusiers betrachten? Beide sind schließlich die Reiter, die primär Schusswaffen benutzten.
     
  14. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Hetman und Ataman ist das selbe. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die ukrainische Sprache das H kennt und die russische nicht (dadurch änderte sich das Wort im russischen stärker). Ich habe es auch als "Getman" geschrieben gesehen.

    Das wort soll übrigens von dem deutschen "Hauptmann" abstammen (laut einem ukrainischen Freund).

    Die deutsche und die russische Kavallerie benutzten im 1. WK auch noch Lanzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2005
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2005
  16. collo

    collo Aktives Mitglied

    sie waren damit zwar ausgestattet (alle deutschen kavallerieeinheiten seit 1890! welcher anachronismus) aber wurden diese auch tatsächlich eingesetzt?

    ich weiß zwar, dass die kavallerie an der ostfront 14-18 noch eingesetzt wurde, aber gabs noch reine kavallerie-gefechte (timo, du bist der experte)? oder war die k. doch nur noch "berittene infanterie"?

    noch eine schier unglaubliche zahl: den russlandfeldzug begann die wehrmacht 1941 mit 700.000!! pferden, vorwiegend als zugtiere für die artillerie und den nachschub. eine entsprechende zahl habe ich für den 1. weltkrieg noch nicht gefunden, aber diese dürfte m.e. noch größer gewesen sein.
     
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Mein voriger Beitrag galt dieser Aussage:



    Frankreich hatte sehr wohl im 1. WK Cuirassiere im Feld. Und zumindest am Anfang trugen sie auch noch ihren Brustpanzer.

    Bei der Suche nach einem Bild im Internet bin ich auf das obige Foto gestossen. Ich meine es sind Cuirassiere, mich wundert aber die Lanze.

    Unter folgendem Link ist eine Modellfigur zu sehen, eines Cuirassiers 1914 mit Panzer und Helm unter einer Abdeckung die dazu diente Reflexionen zu vermeiden:

    http://www.michtoy.com/MTSCnewSite/...usiler_folder/Fusilier-Images/French/GWF3.jpg
     
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Es gab 1914 bei Mons zumindest ein kurzes Gefecht zwischen deutscher und britischer Kavallerie bei der Lanzen auf deutscher Seite eingesetzt wurde. Es dürfte sich zwar nur um ein Geplänkel zwischen Vorhuten gehandelt haben, da die Briten dabei aber die Oberhand behielten, ist es in britischen Büchern bis heute der "Beweis" dafür, dass der Säbel der Lanze überlegen ist (trotz dem traurigem Schicksal der Scot Greys bei Waterloo in den Händen der französischen (oder polnischen) Lanciers, einem Kampf bei dem vermutlich 30 mal so viele Kämpfer beteiligt waren)

    Ich habe irgendwo mal gelesen, dass die grösste "Kavallerie"-Schlacht der Geschichte Stalingrad war, mit über einer Million beteiligter Pferde. Die meisten davon zwar als Zugtiere, aber auch viele in klassischer Manier bei den russischen Durchbrüchen.
     
  19. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Danke, Bdaian, dann war es wohl doch nur bei den Österreichern so - wie schon erwähnt befindet sich das betreffende Buch derzeit etwa 450 km entfernt von mir - sooo lange Arme habe ich nicht und auch keine derartige "Weitsicht" ;)
    Und das mit den nicht mehr vorhandenem Panzer bezog sich wie geschrieben auf Deutschland...

    Aber trotzdem vielen Dank für die Korrektur. Bei Wiedergabe aus der Erinnerung kann man sich ja schon einmal irren... :grübel:

    PS: Das mit den zu kurzen Armen bezieht sich NICHT auf das Avatarbild :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2005
  20. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    @ Timo

    kann passieren. Österreichische Cuirassiere im 1. WK habe ich auch nirgendwo gesehen, wird wohl so sein wie du schreibst.

    @ Collo

    Ich habe noch mal nachgelesen. Es gab am 12 August 1914 ein grösseres Gefecht zwischen deutscher Kavallerie (3 Regimenter) und belgischen Dragonern. Diese waren deutlich in der Minderzahl und haben deswegen abgesessen und mit Gewehr und MG gekämpft (und den Angriff zurückgeschlagen).

    Die französischen Dragoner wurden 1912 mit lanzen ausgerüstet, die oben dargestellten Reiter sind also Dragoner und nicht Cuirassiere.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2005

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