Kennt jemand die Geschichte dieses mutigen Mannes?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von BabylonDeutschland, 14. Januar 2021.

  1. [​IMG]

    Dieses Bild hat mich tief beeindruckt, weil dieser Mann ganz offen für alle Sichtbar dem Naziregime Widerstand geleistet hat, indem er den Hitlergruß verweigerte.
    Mich würde mal interessieren, ob bekannt ist, wer der Mann war, und ob er bestraft wurde, weil er den Gruß verweigert hat.
    Ich meine, es haben ja damals Menschen das fotografiert, und da frage ich mich schon, ob er angezeigt wurde wegen des Fotos.
    Oder fiel das damals in der Masse von Menschen den Betrachtern des Fotos gar nicht so auf?
    Ich hoffe sehr, dass er nicht hingerichtet wurde und das Ende der Diktatur noch erleben durfte.

    Gehörte er dem Widerstand an?

    Ist hier jemand, der weiß, was aus diesem mutigen Mann wurde? Ist sein Name überliefert und seine Geschichte?
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die Ausstellung Topographie des Terrors vermutet, dass es sich um August Landmesser handelte.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt zwei mögliche Kandidaten:

    https://blog.sz-photo.de/aktuelles/sz-photo-ikonen-verweigerung-des-hitlergrusses-1936/

    So schön es ja wäre, wenn es sich tatsächlich um eine Verweigerung des Hitlergrußes handelte - die Person wirkt tatsächlich eher skeptisch - so befürchte ich doch, dass hier womöglich unser Wunsch, in der nicht erhobenen Hand den einen Mutigen zu sehen, der sich der Masse und ihrer Hysterie widersetzt, uns vorschnell urteilen lässt.

    Betreiben wir ein wenig Quellenkritik:

    Es handelt sich bei einem Foto immer um eine Momentaufnahme. Wir sehen nicht, worauf sich die Personen beziehen, die hier den "Deutschen Gruß" vollführen. Wir sehen nur, dass in diesem Augenblick eine einzelne Person mit verschränkten Armen den Gruß nicht vollzieht, wohingegen alle anderen das tun.
    Wir wissen nicht, was die Person eine Sekunde vor dem Foto oder eine Sekunde nach dem Foto gemacht hat. Wir wissen nicht, ob es nicht vielleicht ein Werftarbeiter mit Muskelkater ist (nur mal als hypothetische Möglichkeit in den Raum geworfen). Wir können zwar das Gesicht interpretieren, aber wir wissen nicht wirklich, was die Person denkt.

    Wir interpretieren verschränkte Arme gerne als Ablehnung, das wird auch in der Verhaltenspsychologie gerne so interpretiert. Aber das ist keineswegs ein eindeutiges Indiz für tatsächliche Ablehnung. Ich z.B. habe mir als Kind die verschränkten Arme bei stehenden Erwachsenen abgeschaut und so internalisiert, dass ich bis heute sehr häufig mit verschränkten Armen irgendwo stehe, weil das für mich eine angenehme Körperhaltung ist, in der ich mich gut konzentrieren kann - wenn ich mich z.B. in einem Museum befinde und an einer Führung teilnehme, dann stehe ich häufig mit verschränkten Armen da, egal, wie gut oder schlecht ich die Führung empfinde (gut, es wirkt nicht so, als sei in der festgehaltenen Situation Konzentration von Nöten).

    Also, es gibt einige Indizien dafür, dass der Mann in kritischer Distanz zu dem steht, was da um ihn herum mit dem "Deutschen Gruß" so frenetisch begrüßt wird: die verschränkten Arme, der - zumindest in diesem Augenblick nicht vollzogene Gruß. Aber diese Indizien reichen keineswegs aus, dies als gesichert festzustellen, zumal ja nicht einmal gesichert ist, ob es sich nun um Landmesser oder Wegert oder jemand ganz anderen handelt.
     
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  4. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Wie schnell das gehen kann, zeigt dieses Foto von der deutschen Feldhandballmannschaft 1936 an den olympischen Spielen. https://blog.ullsteinbild.de/wp-content/uploads/2016/08/ullstein_low_00327016.jpg
    Vielleicht wusste der dritte Spieler von links einfach nicht mehr, wie es funktioniert. Er war allerdings auch sonst ein Abweichler - siehe Socken.

    Mutig war Walter Pahl, Fußballer beim Vfb Dobberzin. Er verweigerte den Gruß und wurde aus dem Gau ausgestoßen (was immer das heißt) und aus dem DFB ausgeschlossen.
    Stürmen für Deutschland
    Ob es sich dabei, wie bei Wikipedia angegeben, tatsächlich um den Gewerkschafter Walter Pahl (Gewerkschafter) – Wikipedia handelte, bin ich mir nicht sicher.
     
  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Gau 3 -> war wohl Groß-Berlin. J. Goebbels war dort bis zum Untergand Gauleiter. Siehe Struktur der NSDAP bei WIKI.

    Zu diesen Herren...
    Bin etwas verwundert.
    Weil, Widerstandskämpfer haben ja in aller Regel unter ihresgleichen Bekannte.
    Und davon ist weder bei Wiki noch in den Artikel der Süddeutschen die Rede. Oder?

    Der Vorgang trägt ja als Datum 13.06.1936.
    Und dass es sich hier auch um Hamburg handelt, sieht man ja auch an einigen „Thälmann-Mützen“ in der Masse der Männer dieses Fotos. :)

    Als Anlass seiner Verweigerungsaktion wird die Ablehnung der Eheschließung mit seiner Geliebten Frau, Frau Irene Ekler genannt. Als Jüdin fiel sie ja unter die Nürnberger Rassegesetze von 1935 und meines Wissens wurde eine solche Ehe von den Behörden abgelehnt.
    In den Familenbücher der damaligen Zeit gab es da ja eine extra Rubrik. Man nannte es wohl "Ariernachweis". Genauer -> "Rassische Einordnung".

    Aus dem Artikel und auch was bei WIKI steht hat sich ja auch keiner aus dem Umfeld der Widerstandskämpfer gemeldet.
    Wenn dieser Name tatsächlich stimmt, alle Achtung, das nenne ich Zivilcourage.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2021
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Nicht jeder der sich dem Regime widersetzte war in einer Widerstandsgruppe oder kannte andere die im Widerstand waren.

    Nehmen wir als Beispiel Elise und Otto Hampel. Das Ehepaar verteilte, nach dem ihr Sohn gefallen war, zwischen Sep. 1940 bis Sept, 1942 in Berlin Postkarten und Handzetteln die zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und gegen den Krieg aufriefen. Das Ehepaar hatte keinen Kontakt zu andern Widerständlern und auch zu keiner Widerstandsgruppe.

    Das sich niemand zum einem von beiden (es ist ja nicht erwiesen wer genau auf dem Bild ist) bekannte ist also meiner Ansicht nach auch nicht aussergewöhnlich.

    In Wiki steht ja, dass die Ehe nicht angenommen wurde. Das heisst sie waren nicht verheiratet:

    Die Ehe von August Landmesser und Irma Eckler wurde erst im Sommer 1951 vom Hamburger Senat anerkannt. Die beiden Töchter konnten dann den Nachnamen des Vaters übernehmen. Die eine Tochter blieb aber beim Nachnahmen der Mutter. Auch das steht in dem Wiki Artikel.
    Die Eltern lebten dann schon länger nicht mehr. August Landmesser fiel im Oktober 1944 in Kroatien und die Mutter wurde wohl 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2021
  7. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Du setzt voraus dass Deine Leser wissen dass es die Vorlage war zu Hans Falladas "Jeder stirbt für sich allein"...
    Allen die es nicht kennen empfehle ich es als anschauliche Lektüre über den Widerstand in der Vereinzelung, und über den aufrechten Gang. Es gibt es auch als wirklich gelungenes Hörbuch.
     
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  8. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Was ich jetzt nicht verstanden habe.
    Eine der beiden Töchter wuchs dann bei Großmutter mütterlicherseits auf. Wenn aber Irma Eckler "Volljüdin" war, dann muss doch deren Mutter auch Jüdin im Sinne des NS-Staates gewesen sein. Warum kam Irma Eckler ins KZ und deren Mutter nicht?
    Hast Du da eine Idee?
     
  9. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das ist mir auch aufgefallen. Ich recherchier da mal. Möglicherweise stimmt der Wiki Eintrag zu den Kindern nicht. Mal sehen ob ich da was herausfinde.

    Edit: Es gibt ein Buch von der Tochter. Irene Eckler: Die Vormundschaftsakte 1935 - 1958. Verfolgung einer Familie wegen "Rassenschande". Dokumente und Berichte aus Hamburg. (ich hole es in unserer Bibliothek und gebe dann Bescheid, ob es eine Erklärung gibt)

    Es war auch die Tochter die meinte ihren Vater auf dem Foto erkannt zu haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2021 um 10:12 Uhr
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  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

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    Thema Identifizierung Landmesser oder Wegert:

    In der Diskussion zum Wikipedia-Artikel August Landmesser gibt es jemanden, der schreibt, dass die Identifikation mit Landmesser falsch und mit Wegert richtig sei und verweist auf die Website der Familie Wegert. Ich habe mir die Fotos dort angeschaut und finde, dass "Vater Wegert" schmaler ist, als der Mensch auf dem Foto, andererseits passen bei ihm die Haare besser (gelockt/gewellt mit Scheitel) als bei im Internet veröffentlichten Fotos von Landmesser (gelockt/gewellt, ungescheitelt). Eigentlich müsste man mal schauen, ob Gesichtserkennung bei solch alten, teils nicht ganz scharfen Fotos das entscheiden kann.
     
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