Kriegsende Jestetter Zipfel (südliches Baden-Württemberg)

Alcedo

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Ich suche Informationen zum Aufenthalt französischer Staatsbürger in Jestetten und Umgebung in der Zeit zwischen September 1944 - April/Mai 1945. Meine Recherche bezieht sich auf eine bestimmte Person, die sich nachweislich, zu diesem Zeitpunkt, dort auhielt. Allerdings sind mir die genauen Umstände nicht bekannt. Daher die Nachfrage, ob sich zu diesem Zeitpunkt weitere Franzosen in dieser Region aufhielten.
 
Von der Gemeinde habe ich einen Auszug aus dem Melderegister erhalten. Dort ist für das Jahr 45 eingetragen, allerdings ohne jede weitere Angabe. Ich habe einige Lokalhistoriker kontaktiert. Einer davon hat wohl im Kreisarchiv Waldshut nachgefragt, allerdings ohne Erfolg. Ich habe kürzlich eine Meldung auf Facebook veröffentlicht, in der Hoffnung ZeitzeugInnen ausfindig zu machen, erhielt aber nur allgemeine Antworten, bzw., den Verweis auf Lokalhistoriker. Beim Archiv der frz. Streitkräfte habe ich nach den Marschbüchern der frz. Armee gefragt, sowie nach den Berichten der frz. Spionageabwehr, die ihn nachweislich verhört hat (alle EinwohnerInnen wurden wohl verhört, siehe: Wie Otto Abetz verhaftet wurde (1949) | Kriminalia ). Die Antwort lässt auf sich warten.
 
Als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter? 1945 dann gewissermaßen als DP?
Er selbst behauptet von sich, dass er dorthin verschleppt worden sei. Er war aber erwiesenermassen ein Kollaborateur, so dass ich annehme, dass er nach Jestetten, das umittelbar an der schweizer Grenze liegt, flüchtete. Deshalb versuche ich herauszufinden, ob sich weitere Franzosen dort aufhielten. Damals flüchteten viele frz. Kollaborateure ins Herzogtum Baden, wo in Sigmaringen eine "Exilregierung" aufgebaut wurde. (Als Sigmaringen Sitz der „französischen Regierung“ wurde ) Es waren aber nicht nur "collabos" in Sigmaringen, sondern auch an anderen Orten. Einige versuchten sich von dort in die Schweiz abzusetzen.
 
Sigmaringen war aber kein Teil Badens. Sigmaringen war ein Teil des Landes Preußen. Die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen kamen bereits 1850 zu Preußen.
 
Sigmaringen war aber kein Teil Badens. Sigmaringen war ein Teil des Landes Preußen. Die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen kamen bereits 1850 zu Preußen.
Das ist aber, in Bezug auf meine Recherche, völlig unwesentlich. Wesentlich ist, dass der damalige deutsche Botschafter einen Rückzug frz. Kollaborateure in den Südwesten organisierte. Ein weiterer Rückzugsort war die Insel Mainau am Bodensee.
 
Wenn auch nicht viele Gründe dafür sprechen, sich als einer der Kollaborateure aus Sigmaringen so weit in Richtung Westen zu begeben, gab es offenbar doch einen:

Die französische Schauspielerin Corinne Luchaire – Wikipedia befand sich unter den Kollaborateuren in Sigmaringen und hatte Tuberkulose. Sie wurde vom Arzt und Schriftsteller «Céline», der sich ebenfalls dort befand und Beziehungen zum Chefarzt Bacmeister hatte, Ende 1944 nach St. Blasien zur Behandlung geschickt.
Da es zur fraglichen Zeit in Jestetten ein Lungensanatorium gab, vermutlich ein Ableger von St. Blasien, könnte darum ein Aufenthalt der Person, um die es hier geht, als Lungenkranker in Jestetten denkbar sein.

Corinne Luchaires Autobiografie «Ma drôle de vie» und Célines autobiografischer Roman «Von einem Schloss zum andern» könnten weitere Hinweise enthalten.

Mir ist sonst nur noch ein Fall bekannt, bei dem sich ein Kollaborateur aus Sigmaringen auf die westliche Seite des Kantons Schaffhausen begab und einen Übertritt in die Schweiz versuchte:
René Fonjallaz – Wikipedia wurde, laut Zeitungsmeldungen, im April 1945 in Hallau verhaftet und, weil er Schweizer Bürger war, nicht wieder zurückgeschickt.
 
Wenn auch nicht viele Gründe dafür sprechen, sich als einer der Kollaborateure aus Sigmaringen so weit in Richtung Westen zu begeben, gab es offenbar doch einen:

Die französische Schauspielerin Corinne Luchaire – Wikipedia befand sich unter den Kollaborateuren in Sigmaringen und hatte Tuberkulose. Sie wurde vom Arzt und Schriftsteller «Céline», der sich ebenfalls dort befand und Beziehungen zum Chefarzt Bacmeister hatte, Ende 1944 nach St. Blasien zur Behandlung geschickt.
Da es zur fraglichen Zeit in Jestetten ein Lungensanatorium gab, vermutlich ein Ableger von St. Blasien, könnte darum ein Aufenthalt der Person, um die es hier geht, als Lungenkranker in Jestetten denkbar sein.

Corinne Luchaires Autobiografie «Ma drôle de vie» und Célines autobiografischer Roman «Von einem Schloss zum andern» könnten weitere Hinweise enthalten.

Mir ist sonst nur noch ein Fall bekannt, bei dem sich ein Kollaborateur aus Sigmaringen auf die westliche Seite des Kantons Schaffhausen begab und einen Übertritt in die Schweiz versuchte:
René Fonjallaz – Wikipedia wurde, laut Zeitungsmeldungen, im April 1945 in Hallau verhaftet und, weil er Schweizer Bürger war, nicht wieder zurückgeschickt.
Vielen Dank. Besagte Person hielt sich in Jestetten auf. Im Gegensatz zu Corinne Luchaire und ihrem Vater gehörte er nicht zur Prominenz und hatte mit Sicherheit nicht die finanziellen Mittel, um sich von Paris aus in den Schwarzwald, in Behandlung zu begeben. Tatsächlich litt auch er an Tuberkulose, und in Jestetten gab es ein Lungensanatorium. Er selbst behauptet, er sei nach Jestetten verschleppt worden. Ich denke mir, die Wahl ist nicht zufällig und vermute daher, dass es dort noch andere Franzosen gab. Die Patientenregister des Sanatoriums konnte ich bisher nicht ausfindig machen.
 
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