Zu Belgien (bzw. Benelux-Länder) habe ich folgende Auszug:
Das deutsche Außenministerium hatte am 9.5.1940 eine Note erstellt, die dem belgischen Botschafter am Folgetag um 5.45 Uhr übergeben wurde. Darin wurde der Vorwurf erhoben, Belgien habe die deutschen Voraussetzungen einer Neutralität nicht erfüllt, die Kriegsgegner Deutschlands völlig einseitig begünstigt und ihren Interessen Vorschub geleistet. ADAP, D Band IX, S. 245-248 vom 9.5.1940.
Es handelt sich um eine identische Note an die Niederlande und an Belgien, wobei Ziffer Nr. 5 nur gegen die Niederlande gerichtet ist. Hingewiesen wird darin auf die Berichte des Innenministeriums vom 29.3.1940 und des OKW vom 4.5.1940. Danach sei festzustellen:
1. Die Presse und das öffentliche Leben in Belgien zeige eine deutschfeindliche Tendenz.
2. Belgien habe die Bemühungen des britischen Secret Intelligence Service unterstützt, in Deutschland eine Revolution herbeizuführen.
3. Die militärischen Maßnahmen der belgischen Regierung ständen im schroffen Gegensatz zu ihren Erklärungen, den Durchmarsch fremder Truppen zu verhindern.
4. Belgien habe ausschließlich seine Ostgrenze befestigt.
5. Insgesamt sind 127 Überflüge englischer Flieger über niederländisches Gebiet festgestellt worden, die tatsächliche Zahl liege allerdings weit höher.
6. Der Aufmarsch belgischer Truppen sei ausschließlich gegen Deutschland gerichtet, nachdem im September 1939 noch eine Gleichverteilung festgestellt worden sei. Dieses stehe mit der sich vertiefenden Zusammenarbeit des belgischen mit dem alliierten Generalstab in Verbindung.
7. Die Massierung belgischer Truppen sei zu einem Zeitpunkt vorgenommen worden, zu dem Deutschland noch keine Truppen an der Grenze konzentriert habe, wohl aber Frankreich an der belgischen Grenze. Die belgischen Truppen seien die Vorhut einer französisch-britischen Angriffsarmee.
8. Seit einiger Zeit seien im geheimen die Hindernisse an der belgisch-französischen Grenze beseitigt worden. Flugplätze in Belgien wurden von alliierten Truppen inspiziert, der Ausbau sei veranlasst. Transportmaterial sei an der Grenze für alliierte Truppen bereit gestellt, seit kurzem seien auch alliierte Stäbe als Vorauskommandos in Belgien angekommen. Daher stehe der alliierte Angriff über belgisches Territorium unmittelbar bevor. Die Reichsregierung sei daher nicht mehr bereit, in dem von England und Frankreich aufgezwungenen Existenzkampf den Aufmarsch abzuwarten. Die Regierungen in Belgien und den Niederlanden haben es in der Hand, den deutschen Truppen keinerlei Widerstand entgegen zu stellen. Widerstand werde jedoch mit allen Mitteln gebrochen.
Dazu nur soviel: Die Angaben sind im Kern sachlich unzutreffend (Ribbentrops Anweisung an seine Beamten im AA vom November 1939 für die Erstellung der Note: „Lassen sie ihre Phantasie spielen“). Das zu widerlegen, sprengt aber hier den Rahmen: Es reicht, auf den vorher datierenden deutschen Angriffsbefehl zu verweisen, der Ende September 1939 den Termin erstmals für den 12.11.1939 festsetzte.
Interessant ist, dass es keine "Kriegserklärungen" sind.
Der deutsche Botschafter in den Niederlanden fasste den Inhalt der Note zusammen, indem er ausführte, die deutsche Regierung habe den unwiderleglichen Beweis einer unmittelbar drohenden Invasion durch britische und französische Streitkräfte, wobei diese Invasion vorher mit dem Wissen der niederländischen Regierung vorbereitet worden sei. Zweck der alliierten Invasion sei ein Vorstoß auf das Ruhrgebiet, vgl. Kleffens, Einfall in die Niederlande, S. 85. Das in Berlin dem niederländischen Gesandten im Beisein Ribbentrops übergebene Memorandum umfasste 59 Seiten mit Anlagen.
Der belgische Außenminister Spaak wies die deutsche Note zurück und stellte fest, dass Deutschland zum zweiten Mal in 25 Jahren über Belgien herfalle. Belgien befinde sich nunmehr mit dem Deutschen Reich im Kriegszustand. Der deutsche Botschafter in Brüssel wies seinerseits die Entgegennahme der Antwort-Note zurück, da sie nach Kenntnisnahme in schroffem Gegensatz zur Entstehung des Konfliktes stehe und mit der Ehre des Deutschen Reichs unvereinbar sei.
Für Luxemburg gab man sich wohl keine Mühe mit einer diplomatischen Note bzw. Kriegserklärung.