Kuriositätenkabinett

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Nergal, 26. April 2013.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Habe dazu bei Wikipedia und andernorts Informationen gesucht, hauptsächlich kam heraus dass diese Sammlungen Vorläufer der heutigen spezialisierten Museen sind, obwohl es in kleinen Orten mit Museeum heute immer noch so aussieht dh bunte Sammlung mit losem Bezug zum Ausstellungsort.

    Was ich nun interessant finde sind diese "Kästen und Kommoden" die zuallererst solche Sammlungen beherbergten, und deren Inhalt von div. Fürsten zusammengestellt/begonnen wurde.

    Gibt es vollständige Listen mit den Inhalten solcher früher Kästen?
    Wie weit verbreitet waren menschliche Präparate, wie vertrug sich das mit der Religion?
    Und wo stellte man so etwas, also in Form eines Kastens, eigentlich hin?
     
  2. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Kuriositätenkabinette

    Hallo

    Verstehst du darunter, Sammlungen, aller möglichen Objekte (Kunst, Naturkunde,etc.) ?

    Das fing eigentlich in der Renaissance an, durch Fürsten (eine schöne Sammlung ist in Florenz, im Palazzo Pitti), aber auch Künstler hatten solchen Sammlungen, z.B. Rembrandt.


    mfg
    schwedenmann
     
  3. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Diese Sammlungen laufen zumeist unter dem Begriff "Kunst- und Wunderkammer". Kennst du diese Seite schon? Kunst- und Wunderkammer Eine der am geschlossensten erhaltenen ist die im Tiroler Schloß Ambras.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In den meisten bedeutenderen Sammlungen ist bekannt seit wann die Stücke im Besitz der Wunderkammer sind. Denn obwohl oft skuril, manchmal auch eher nach heutigen Begriffen Staubfänger, gab es damals eine akribische Verwaltung solcher Kabinette. In Sachsen-Gotha-Altenburg fungierte bspw. der Hofmaler J. L. Tietz 1778 als Kämmerer des sogenannten "Raritäten-Cabinet". An anderen Höfen waren die Vorsteher solcher oft ausgesprochen wertvollen Sammlungen Bibliothekare oder anderweitig gebildete Hofchargen.
    Vielleicht interessant für Dich: Stiftung Schloss Friedenstein: Kunstkammer

    Wegen ihres volkskundlichen Werts ist die Sammlungsgeschichte in der Regel sehr gut erschlossen. Leider ist das nicht so mein Schwerpunkt, sonst würde ich Dir gerne ausgiebig Literatur nennen.
    Ich nehme an, dass die Sammlungen August des Starken wohl am besten erschlossen sind. (Vor einem Jahr oder so, tauchte mal ein Teller aus der Sammlung in der Sendung "Kunst und Krempel" (BR) auf, den man genau laut den Inventarien einem Zeitpunkt zuordnen konnte, als er wahrscheinlich veräußert oder verschenkt wurde.)
     
  5. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Die Sammlung und Darstellung von "Kuriositäten" im weiteren Sinn war
    nicht allein auf Oberschichten begrenzt.

    Unser aller Geheimrat Goethe war auch in Kunst , Porzellan , Büchern ,
    Münzen, Mineralien engagiert - und in noch mehr ....
    Vieles ist im Goethe - Haus in Weimar zu sehen
    Klassik Stiftung Weimar: Goethes Wohnhaus und in den Beständen
    der Stiftung gibt es einige Arbeiten, welche diese "Hobbys" des
    Geheimrats tiefgründig untersuchen.

    Was tatsächliche "Kuriositäten " betrifft - ich habe einmal eine Doku
    über eine Automaten - Sammlung gesehen - meist Spielautomaten
    auf rein mechanischer Technologie basierend -
    das war sehr beeindruckend .
    Allerdings weiß ich nicht mehr , wer diese Sammlung zusammentrug und wo sie zu finden ist - hat einer dazu einen Tip/link ?
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mir fällt auf Anhieb nur ein modernes Museum ein. Das ist im Schloss Bruchsal mit sehr alten Musikautomaten, ich glaube seit dem 17.Jh.: DMM - Deutsches Musikautomaten Museum : Die Welt der Musikautomaten

    Oder meinst Du eher sowas wie "selbstfahrende" Tafelaufsätze, die man aufziehen konnte und die dann über den Tisch rollten und meinetwegen noch Pfeile verschossen? Sowas sieht man auf jeden Fall (wenn auch m.W. nicht in Aktion) im Grünen Gewölbe, Dresden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2013
  7. Mendoza

    Mendoza Neues Mitglied

    Kuriositätenkabinett Augusts des Starken

    Ich kann dazu beitragen, dass das Kuriositätenkabinett Augusts des Starken als solches nicht mehr existiert. Es ist, wie Nergal schon schrieb, zur Grundlage mehrerer spezialisierer Sammlungen geworden, welche zum Teil später zu Museen wurden. Ein Teil dieses Kabinettes wurde z.B. die Grundlage der Anatomischen Sammlungen der Hochschule für Bildende Künste Dresden (vormals Königlich Sächsische Kunstakademie). Dort lagert u.a. ein Narwalstoßzahn, welcher damals für das Horn eines Einhorns gehalten wurde.

    Zunächst handelte es sich wohl um eine recht allgemeine Sammlung voller besonderer Dinge, welche bei Hofe in erster Linie als Schätze galten (am Anfang war die Schatzkammer) und später auch als Konversationsstücke dienten. Manchmal wird diese Sammlung auch als "Kunstkammer" bezeichnet. Beim damals üblichen geringen Entertainmentangebot wurde einfach ein Gegenstand aus der Sammlung herumgereicht oder anderweitig betrachtet und dann lange darüber geredet, eben Konversation betrieben. In dieser "Kammer" (sie muss recht groß gewesen sein) befanden sich für die damalige Zeit (und größtenteils auch heute noch) einzigartige Dinge, vom Naturphänomen wie eben dem Horn des Einhorns oder auch Mineralien/ Edelstein- und auch Erzstufen über damals schon historische Familienerbstücke, Geschenke anderer Höfe, technische "Gimmicks" und besonders rare Gegenstände wie fernöstliches Porzellan, Kunstwerke wie Gemälde, Skulpturen, Schmuckgegenstände und auch eigens in Auftrag gegebene Dinge wie z.B. die sagenhaften Arbeiten Johann Melchior Dinglingers. Diese Sammlung wurde- auch schon zu Augusts Zeiten- in kleinere, spezialisierte Sammlungen zerlegt, wie eben die Porzellansammlung, die Gemäldegalerie, die Rüstkammer, der Mathematisch- Physikalische Salon, die Naturhistorische Sammlung und das Grüne Gewölbe.

    Bei dem Tellerchen, welches bei Kunst und Krempel gezeigt wurde, handelte es sich um ein Exponat der Porzellansammlung Augusts des Starken, nicht des Kuriositätenkabinetts. Es wurde in den 1920er Jahren von einem dort (damals im Johanneum in Dresden) angestellten Aufseher gestohlen und tauchte Jahrzehnte später unerkannt auf einem Flohmarkt auf, wo es der Mann, welcher es dann im Fernsehen zeigte, für sehr wenig Geld erwerben konnte. Es trägt Inventarnummern der Porzellansammlung und ist wohl eine besonders alte chinesische Untertasse.

    Und zu Treibsands Frage: ein paar sehr ausgefallene Automaten gibt es in Dresden im Mathematisch- Physikalischen Salon.
     

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