Lesehilfe gesucht: Historische Steininschrift aus dem Gutshof Töllist (Saaremaa, Estland)

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Priidik_EE

Gast
Hallo zusammen,
ich benötige Hilfe bei der genauen Entzifferung und Interpretation einer historischen Steininschrift. Der Stein befindet sich auf der Insel Saaremaa (Ösel, Estland) eingemauert in die Wand beim Kellereingang des Hauptgebäudes des alten Gutshofs Töllist (estnisch: Tõlluste mõis). Der Gutshof existiert seit 1528, das heutige Steingebäude wurde ab ca. 1747 und später um 1820 errichtet.
Der Stein scheint aus lokalem Kalkstein/Dolomit zu sein und ist witterungsbedingt stark abgenutzt. Mit Streiflicht konnten wir bisher folgende Zeilen vermuten:
  1. Zeile: AN DIES [?] HERR (oder ähnlich, in der Mitte ist ein achtförmiges Zeichen, eventuell ein ligiertes Doppel-S "ß" / "ſs"?)
  2. Zeile: LOBEN WIR (recht deutlich lesbar)
  3. Zeile: G[E]DANCKEN (oder evtl. "GOTT DANCKEN")
Es scheint sich um einen religiösen Barockspruch zu handeln (vielleicht: "An diesen Herr loben wir in Gedanken").
Mich würde besonders interessieren:
  1. Erkennt jemand hier einen bekannten Bibelvers, einen Choral oder einen typischen Haussegen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert?
  2. Wie deutet ihr das "8"-förmige Zeichen in der ersten Zeile?
Olen tänulik igasuguse abi ja vihjete eest keele vormi või ajastu kohta! Tänan ette!
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Töllist, wo es die Sage vom Töll gibt, die auch schon mal mit der Wilhelm Tell Sage in Verbindung gebracht wurde. Da muss ich doch versuchen zu helfen. Nur siehst du mehr als ich.

"HERR" und "WIR" sehe ich auch, aber kein "LOBEN" sondern mehr ein "FUDER".
In der ersten Zeile könnte eine 18 stehen mit einem Punkt zwischen der 1 und 8.
Statt GEDANCKEN lese ich eher VERDERBEN
Also
?ADTH? 18 HERR
FUDER: WIR
VERDERBEN ??? (vielleicht anschließend noch einen Teil von WERDEN)
 
Noch ein wichtiger historischer Hinweis: Im Jahr 1820 (unter der Familie von Sass) fand ein tiefgreifender und großer Umbau des gesamten Hauptgebäudes statt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Stein genau während dieses Umbaus im Jahr 1820 als Spolie (wiederverwendetes Bauteil) in die Seitenwand der neuen Haupttreppe eingefügt wurde.
 
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