Liedgut und Propaganda der Bauernkriege?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Kritisch, 9. Juli 2011.

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  1. Kritisch

    Kritisch Gast

    Ich habe eine Frage, das Lied "Wir sind des Geyers schwarzer Haufen" ist ja historisch alles andere als authentisch (und auch oft politisch instrumentalisiert worden, was wieder ein Thema für einen Thread wäre). Dennoch wollte ich Fragen, in wie weit die Wendung "roter Hahn" geläufig war und was sie bedeutet?

    Sowie, ob die Bauern damals wirklich solche oder ähnliche Lieder gekannt haben, um ihre Botschaft zu verbreiten?
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Einen roten Hahn aufs Dach setzen meint, das Gebäude anzünden. Zu welcher Zeit geläufig? Zur Zeit der Bauernkriege oder in der Zwishenkriegszeit geläufig?

    Schau mal hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f77/lieder-und-spr-che-aus-dem-bauernkrieg-17909/
     
  3. Arminius

    Arminius Neues Mitglied

    Schau mal hier nach: Grosser Deutscher Bauernkrieg, Bauernrevolten ab 1476, Bauernerhebungen 1524 bis 1526
    Einige Dokumente und Liedgut aus dem Bauernkrieg. Zu deiner Frage: Ja die Bauern haben damals wirklich solche oder so ähnliche Lieder gesungen, das Lied "Des Geyers schwarzer Haufen" ist mündlich überliefert, deshalb ist es nicht sicher wann und in welchem ursprünglichen Textform es zum ersten Mal aufgetaucht ist. Als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe bin ich bei meiner Quellenrecherche auf einige Schmählieder gegen Adel und Klerus gestoßen, kann dir aber nicht mehr genau sagen in welchen Werken das war. Wenn dir das beschaffen von Literatur zu aufwendig ist, dann versuche es mal in einem Volksliedarchiv (müsste alles digitalisiert sein).
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Wo hast du denn das her? :confused: "Wir sind des Geyers schwarzer Haufen" ist ein Kunstlied, das in Anlehung an ein von Reder Gedicht 1919 geschrieben wurde.
     
  5. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Das Lied fand danach im Übrigen nicht nur Eingang in das "offizielle Liedgut der SS", auch in der NVA gehörte es offenbar zum Kanon.

    Vgl.: Wir sind des Geyers schwarzer Haufen ? Wikipedia

    @Arminius: Der Ersteller des Threads hat in seinem Eingangsbeitrag bereits darauf hingewiesen, dass das Lied historisch nicht authentisch ist und politisch instrumentalisiert wurde. In Antworten darauf hinter diesen Erkenntnisstand zurückzugehen, ist wenig hilfreich.

    EDIT: Ich sehe gerade, dass Du das offenbar geändert hast. Danke dafür.
     
  6. Kritisch

    Kritisch Gast

    Also ich muss sagen, ich bin über diese Frage etwas verwirrt. Ich habe doch die Frage gestellt, ob die Wendung mit dem Roten Hahn historisch authentisch ist.

    Oder meinst du, ob ich gefragt habe, ob die Wendung zur Zeit der Niederschrift authentisch war oder zur Zeit der Bauernkriege?
    Mit "Zwischenzeit" kann ich wenig anfangen, denn da das Lied relativ neueren Datums ist, sind seit den Tagen der Bauernkriege gut 300 Jahre und mehr vergangen.

    Ich formuliere die Frage vielleicht mal um: Erstens, war das mit dem Roten Hahn zur Zeit der Bauernkriege eine bekannte Wendung?
    Zweitens, war es das zur Zeit der Niederschrift, bzw. wurde die Wendung zur Zeit als das Lied geschrieben wurde mit der Zeit der Bauernkriege assoziiert? *lufthol*

    Danke für den Link.

    @floxx78: Die Instrumentalisierung war mir, wie geschrieben, bewusst.
     
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ja das ist sie, allerdings nicht zu jeder Zeit daher meine Rückfrage zur Einschränkung des Zeitraums.

    Zwischenkriegszeit - die Zeit zwischen 1. und 2. Weltkrieg.

    Ja.

    Nein, da galt sie schon als antiquiert und nein, nicht speziell mit den Bauernkriegen.
     
  8. Arminius

    Arminius Neues Mitglied

    Einzelne Zeilen des Liedes wie z.B. "Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?" sind sehr wohl mündlich überliefert, bin mir ziemlich sicher, dass ich Sprüche wie diesen in ähnlicher Form schon bei Günther Franz gelesen habe. Gerade am Vorabend des Bauernkrieges waren solche schon im Mittelalter bekannten Lieder,Sprüche,Gedichte, sehr populär und finden sich dann schließlich in Kernthesen auch in den Zwölf Artikeln wieder. Das mit der Jugendbewegung und der Entstehung des Liedes ist mir wohl entfallen, sorry dafür.
     
  9. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Die Verwendung eines Zitats - im übrigen: John Ball, England, 14. Jahrhundert - das durchaus in mehreren Protestliedern aus unterschiedlichen Zeiten Verwendung findet, macht aber noch lange nicht das gesamte Lied, wie von dir behauptet, zur mündlichen Tradierung der Bauernkriege.
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ein paar Liedtexte, ursprünglich angeblich aus dem 16. Jh., als Version in heutigem Deutsch und Englisch.

    http://www.st-max.org/music/lyrics/16thCentGermanSongs1.doc

    Das Innsbruck, ich muss Dir lassen kann man mWn tatsächlich so lange zurück verfolgen, bei anderen Liedern aus dieser Stelle bin ich mir da weniger (um nicht zu sagen: gar nicht) sicher, bspw bei den Wilden Gesellen. Wer Ahnung von so was hat: Ich würde mich sehr für Informationen zu diesen Liedern interessieren.

    Der Inhalt:
    - Lied beim Trommelschlag (Hüt Dich Bauer, ich komm)
    - Jörg von Frundsberg
    - Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht
    - Die Bauern wollten frei sein
    - Arg muss sich der Bauer quälen
    - Lied alter Landsknechte (Wir alten Söldner von der Hohen Wart)
    - Wir zogen in das Feld
    - Der in den Krieg soll ziehen
    - Abschied eines Landknechts (Innsbruck, ich muss dir lassen)

    :winke:
     
  11. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Jedenfalls ist Vorsicht angebracht
    Sotke - Fritz Sotke
    Auch wenn Ernst Busch einen eigenen Text zu den "Wilden Gesellen" geschrieben hat.
     

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