Lifestyle USA 1940-1950

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Betty1313, 10. Januar 2019.

  1. Betty1313

    Betty1313 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich hier richtig bin, aber ich weiß mir in meiner Suche einfach keinen Rat mehr. Ich habe in unserer Stadtbibliothek gesucht und auch im Internet, aber die Infos, die ich mir erhoffe, habe ich nicht erhalten.
    Und zwar interressiere ich mich für das Leben in der oben genannten Zeitspanne in den USA.

    - Über Sitte und Anstand.
    - Gepflogenheiten Verhaltenstechnischen No go´s.
    - Über die Geschlechterrollen
    - arbeitende Frauen
    - die Mode
    - die Markenartikel dieser Zeit, vom Auto, bis zum Waschmittel.

    Ich bin ein großer Fan von Filmen aus dieser Zeit, doch diese lassen nur bedingt ein "realitätsnahes" Sittenbild erkennen.
    Kann mir vielleicht jemand helfen?
    Oder mir Tipps geben, wo ich Informationen über diese Themen bekommen kann.

    Fall ich hier aber mit meiner Anfrage völlig falsch bin, sorry :)

    Liebe Grüße, Betty1313
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Wie wäre es, statt Filmen schöngeistige Literatur aus und über diesen Zeitrahmen zu lesen?
    Last Exit Brooklyn von Hubert Selby
    Ham on Rye von Charles Bukowski
    Garp von Irving
    The Naked and The Dead von Norman Mailer
    und die gewaltige USA Trilogie von John Dos Passos

    Diese literarisch exzellenten Romane sind von amerikanischen Autoren, welche teils diese Zeit miterlebt hatten (Passos, Selby, Bukowski, Mailer) und teils eigene Erlebnisse/Erinnerungen verarbeiten.
     
  3. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Sowas?
    Aus dem Good Housewife's Guide (von 1955, also etwas nach Deinem Zeitraum, vorher dürfte es eher noch "konservativer" gewesen sein):

    1.) Have dinner ready. Plan ahead, even the night before, to have a delicious meal ready, on time for his return. This is a way of letting him know that you have been thinking about him and are concerned about his needs.

    2.) Most men are hungry when they come home and the prospect of a good meal (especially his favorite dish) is part of the warm welcome needed.

    3.) Prepare yourself. Take 15 minutes to rest so you’ll be refreshed when he arrives. Touch up your makeup, put a ribbon in your hair and be fresh-looking. He has just been with a lot of work-weary people.

    4.) Be a little gay and a little more interesting for him. His boring day may need a lift and one of your duties is to provide it.

    5.) Clear away the clutter. Make one last trip through the main part of the house just before your husband arrives. Gather up schoolbooks, toys, paper, etc. and then run a dust cloth over the tables.

    6.) Over the cooler months of the year you should prepare and light a fire for him to unwind by. Your husband will feel he has reached a haven of rest and order, and it will give you a lift too. After all, catering for his comfort will provide you with immense personal satisfaction.

    7.) Prepare the children. Take a few minutes to wash the children’s hands and faces (if they are small), comb their hair and, if necessary, change their clothes.

    8.) Children are little treasures and he would like to see them playing the part. Minimize all noise. At the time of his arrival, eliminate all noise of the washer, dryer or vacuum. Try to encourage the children to be quiet.

    9.) Be happy to see him. Free him with a warm smile and show sincerity in your desire to please him. Listen to him.

    10.) You may have a dozen important things to tell him, but the moment of his arrival is not the time. Let him talk first — remember, his topics of conversation are more important than yours.

    11.) Make the evening his. Never complain if he comes home late or goes out to dinner, or other places of entertainment without you. Instead, try to understand his world of strain and pressure and his very real need to be at home and relax.

    12.) Your goal: Try to make sure your home is a place of peace, order and tranquility where you husband can renew himself in body and spirit.

    13.) Don’t greet him with complaints and problems.

    14.) Don’t complain if he’s late home for dinner or even if he stays out all night. Count this as minor compared to what he might have gone through that day.

    15.) Make him comfortable. Have him lean back in a comfortable chair or have him lie down in the bedroom. Have a cool or warm drink ready for him.

    16.) Arrange his pillow and offer to take off his shoes. Speak in a low, soothing and pleasant voice.

    17.) Don’t ask him questions about his actions or question his judgment of integrity. Remember, he is the master of the house and as such will always exercise his will with fairness and truthfulness. You have no right to question him.

    18.) A good wife always knows her place.

    Wenn es bzgl. des Englischen Probleme gibt, frag einfach. Und nein, das ist keine Satire.

    Viele Sachen lassen sich aber auch im Internet finden. Google mal USA 1950 fashion ...
     
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  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Am deutlichsten kam die Veränderung in der Gesellschaft der USA nach dem WW2 erst in den 50er Jahren zum Durchbruch.

    Wichtig ist das Verständnis für die Periode, die sich mit Eisenhower als Präsident an die Ideen des "New Deals" von FDR aus den dreißiger Jahren anlehnte.

    In dieser Phase, während des sich intensivierenden Kalten Krieges und einer extremen zunehmenden hysterischen antikommunistischen Stimmung, nahm die Homogenisierung, vor allem der "weißen Mittelschicht" zu, die eine dominante weiße Kultur etablierten. Eine Entwicklung, die Galbraith - mit kritischer Distanz - beschrieben hatte. Die unmittelbare konsum- und haushaltsorientierten Verhaltensweisen beschreibt u.a. Strasser.

    Darstellungen aus der Zeit, vor allem aus Hollywood spiegeln die "weiße Kultur" stark wider und sind somit auch ein Ausdruck der antagonistischen Position zur entstehenden schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

    In diesem Sinne wäre für eine kritische und objektivierende Sicht auch der Blick auf die "Sub-Kulturen" der "Nicht-Weissen" notwendig. Und ebenso auf die Schichtstruktur der USA, die auch einen substantiellen Teil aus der Arbeiterschaft (blue collar worker) umfaßte. Die natürlich alle abweichende kulturelle Stile aufwiesen (Für ein theoretisches Verständnis, falls es interessant ist, ist die Arbeit von Bourdieu zu "Die feinen Unterschiede" extrem hilfreich, aber auch anspruchsvoll)

    Als Spiegel der Veränderung der US-Gesellschaft wird normalerweise der - damalige - Megaseller in den USA von Riesman angesehen.

    Interessant sind vielleicht noch zwei Aspekte am Rande. Vor allem mit den Arbeiten von Katona ist die Idee verbunden, den Konsum in den USA [und natürlich auch anderswo] nicht im klassischen ökonomischen Sinne als Funktion des Einkommens zu verstehen, sondern die Art des Konsums als Ausdruck psychischer und auch sozialer (also ein sozialpsychlogischer Ansatz, der von B. Strümpel - Schüler von Katona - an der FU-Berlin stark weiter entwickelt worden ist) Prozesse zu verstehen wäre.

    Und mit dieser Überlegung auch Kritiker wie Packard auf den Plan rief und lange Zeit das zwiespältige Verhältnis zwischen Konsum und seiner Kritik geprägt hat.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dwight_D._Eisenhower

    https://www.deutschlandfunkkultur.d...ekaempfung.976.de.html?dram:article_id=296654

    Galbraith, John Kenneth (1999): The affluent society. Updated and with a new introduction by the author. New ed. London: Penguin.
    Judt, Matthias; McGovern, Charles; Strasser, Susan (Hg.) (1998): Getting and spending. European and American consumer societies in the twentieth century. Washington, D.C.: German historical institute; Cambridge university press (Publications of the German historical institute, Washington, D.C).
    Katona, Georg (1965): Der Massenkonsum. Eine Psychologie der neuen Käuferschichten: Econ-Verl.
    Packard, Vance; Miller, Mark Crispin (op. 2007): The hidden persuaders. Reissue ed. Brooklyn, N.Y.: Ig Pub.
    Riesman, David (1982): Die einsame Masse. Eine Untersuchung der Wandlungen des amerikanischen Charakters. , Reinbek: Rowohlt
    Strasser, Susan (1982): Never done. A history of American housework. New York: Pantheon Books.
    Strasser, Susan (2004): Satisfaction guaranteed. The making of the American mass market. New edition. Washington: Smithsonian Institution.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2019
  5. Betty1313

    Betty1313 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    ich bin total begeistert. Vielen Dank für die tollen Antworten!

    @dekumatland: Literatur immer!
    Ich wusste nur nicht so recht, wo ich suchen, bzw. anfangen sollte. Als ich zum Beispiel auf der Suche nach typischen Haushaltsartikeln "Seife USA 1940" in eine Suchmaschine eingab erhielt ich eher entsetzliche/ grausame Informationen. Nicht dass ich weltfremd wäre, aber damit hatte ich einfach nicht gerechnet. Daher bin ich für die Literaturempfehlungen sehr dankbar.

    @Papa_Leo: Ja genau! So was habe ich gesucht. Das ist ja wirklich unglaublich. Vor allem wenn man überlegt, was die Frauen während des zweiten Weltkrieges zu Hause leisteten und an Unabhängigkeit für sich erwarben. 10 Jahre später erscheint dieser Leitfaden wie der blanke Spott. Wobei es ja durchaus viele Frauen gab die das so gelebt haben und gar nicht anders wollten. Ihrer Erziehung wegen, aus dem Bedürfnis nach Sicherheit und sicherlich auch aus einer gewissen Alternativlosigkeit heraus. Was ich nicht verwerflich finde, aber ich freue mich, das wir uns das (größtenteils) heute selber aussuchen dürfen.
    Das mit dem Englischen klappt schon, tausend Dank!

    @thanepower: Vielen Dank.
    Stimmt, ich hatte die Einflüsse der Politik auf die Entwicklung der Gesellschaft in jedweder Hinsicht völlig vernachlässigt. Ebenso die erwähnten "Sub-Kulturen".
    Im Nachhinein wird mir klar, das sich mir wahrscheinlich genau deshalb kein schlüssiges und in sich stimmiges Gesamtbild darstellen wollte.
    Nicht verwunderlich , bei den unterschiedlich Lebensbedingungen, Weltanschauungen und Verhaltensregeln der doch recht vielfältigen Gesellschaftsschichten.
    Ich denke, um diese Zeit in ihrer Komplexität voll erfassen zu können, muss ich meinen Blickwinkel erweitern und da werden mir die Literaturempfehlungen sehr helfen. Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich fündig werden kann und dass ich meine Herangehensweise ändern muss.


    Ich bedanke mich ganz herzlich für die tollen Antworten und wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße, Betty
     
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    John Steinbeck ist gar nicht genannt worden? Dessen Früchte des Zorns spielt zwar in den 1930ern, ich denke aber, dass das noch in Ordnung geht.

    Da du nach Seife fragtest: Es gab den Rasierschaum Burma Shave, der an der Route 66 warb, heute hat man aus touristischer Attraktion einige der restaurierten Werbeschilder von Burma Shave wieder aufgestellt (die Firma und das Produkt selbst existieren nicht mehr). Meistens waren das fünf recht unscheinbare Schilder hintereinander, die ein Gedicht ergaben. Auf dem fünften Schild stand dann der Markenname Burma Shave. Wenn man in der richtigen Geschwindigkeit fuhr (erlaubte Höchstgeschwindigkeit), dann stimmte auch die Metrik beim Lesen.
     
  7. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Die bisherigen Antworten sind ja recht informativ, betreffen aber, abgesehen von einigen Literaturangaben von Dekumatland, nur die 1950er Jahre, also nicht die Zeitspanne, die eigentlich angefragt ist. Die 1940er sind aufgrund des WW II nun einmal eine spezielle Phase, die weder mit dem nachfolgenden noch dem vorausgehenden Jahrzehnt vergleichbar ist.

    Societal Roles and Expectations through the 1940's-50's : Role of women during the 1940's

    Role of women during the 1940's

    During the 40's women's roles and expectations in society were changing rapidly. Previously women had very little say in society and were stereotyped to stay home, make babies, be a good home maker and wife. The 1940's were different, life for women was expanding, the men were at war and some one had to step up and take the men's place.

    Teenage Girls in the 1940s - Lifestyle Photos of a Bygone Era

    Teenage girls living in the 1940s enjoyed an independence that would make many modern teen envious.
    They had been raised by parents and teachers who encouraged them to dress prettily so they could find a young man to marry, and to work a part-time job so they could buy expensive wedding china.
    But by the time they were old enough to work part-time jobs, the young men were away at war and mom and dad were both working away from the home. With no young boys to impress and no parents to please, teenage girls, were left with an unexpected level of independence, and a lot of disposable income.In school, they were expected to follow a strict dress code, which mandated everything from the type of blouse, skirt, socks, shoes and even type of jewelry and hairstyles they should wear.
    But outside of the school, they had more choices about how to spend spare time and money. They bought the clothes they wanted to wear: knit sweaters, plaid skirts, bobby socks, loafers, and nail-polish-painted eye-glasses.
    (...)
    When they weren’t working or at school, they hung out at movie theaters and soda fountains listening to Frank Sinatra, swing dancing and enjoying a carefree and independent life far from the troubles of war.
    (...)
    The teenage girls of the 1940s lived in an exciting and drastically changing world. By the time the war was over, and society started to get back to “normal,” these girls had already enjoyed a taste of independence that they weren’t ready to let go of.


    Women At Work In The 1940′s

    American women 1940s | The Pop History Dig
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2019

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