Ludwig schlägt zu?

Die Frage ist doch für uns eher, ob ein Dienstbote dazu gekommen wäre, etwas von der Tafel wegzunehmen.

Nicht unerheblich dafür dürfte sein wie serviert wurde. Sprich: wo standen die Schüsseln, das Brot etc.? Ich rechne mal wegen des repräsentativen Charakters desselben mit dem Service à la francaise.

@Brissotin bringt es auf den Punkt. Die Dienstboten speisten in der Regel nicht schlecht und es fiel in der Regel auch genug ab. Bei Dinnerpartys der britischen Aristokratie aßen die Ladys Maids und die Gentlemen der Gentlemen im Gesinderaum gemäß ihrem Rang und dem Rang ihrer Herrschaft. In Somerset Maughams Kurzgeschichte "The Out Station" erzählt der Snob George Warburton von seinem Butler, der ihm kündigte, weil sein Herr nur zur gentry, nicht zur nobilty gehört und die besten Bissen waren weg, bis die Platten ihn erreichten.

Es war üblich, dass Reste von der herrschaftlichen Tafel von der Dienerschaft verzehrt wurden, auch dass Fürsten der Dienerschaft Mahlzeiten von der herrschaftlichen Tafel zukommen ließen.

Man mag sich fragen, weshalb barocke Fürsten so ausrasteten, wenn ein Lakai ein Stück Pastete von der herrschaftlichen Tafel klaute?
Da gibt es ja zahlreiche Beispiele von charakterlich ganz unterschiedlichen Königen und Fürsten der Epoche.

Man mag sich auch fragen, warum nahm ein Dienstbote von der herrschaftlichen Tafel, wenn es tausend Möglichkeiten gab, von all den Zutaten etwas abzuzweigen, bevor sie auf der herrschaftlichen Tafel landeten.

Der Grund, weshalb die so ausrasteten, war dass es nach den Regeln Dienstboten und Lakaien nicht zukam, etwas von der herrschaftlichen Tafel zu nehmen ohne ausdrückliche Erlaubnis der Herrschaft.
In vielen Fällen ging es auch nicht um Mitnahme von Tafelsilber, sondern um Lebensmittel, aber auch das war nicht gestattet. Wenn ein Lakai oder Dienstbote sich ohne Erlaubnis von der herrschaftlichen Tafel bediente, beging er nicht nur einen Diebstahl, sondern auch einen Affront gegen die Etikette und gegen die Standesgrenzen, etwa so wie ein Gast, der ohne Einladung zur Party kommt, sich unaufgefordert am Kalten Büffet bedient und sich auf den Sessel des Hausherrn setzt.

Ich denke, dass ist es vor allem, was barocke Fürsten auf die Palme brachte, nicht das an sich geringfügige Aneignen von Lebensmitteln, für die es passendere und auch geduldete und akzeptierte Gelegenheiten gab, bei denen die Dienerschaft ihren Anteil von der herrschaftlichen Tafel bekam.
 
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