Mallorca usw

Also ich hatte mal gelesen, das der Name Balearen von den Puniern stammen soll. er soll soviel heißen wie: Land des Baal oder so ähnlich.
 
Die Abbildungen der Nuraghen stammen aus Sardinien. Diese Türme werden auf die Zeit um 1500 v. Chr. datiert, aber Genaueres weiß ich nicht.
 
Um mal wieder die DNA ins Spiel zu bringen. Bei einer sehr interessanten Terra X Folge wurde erwähnt, das viele der alteingesessenen Bauernfamilien der Baleranen zu einem grossen Teil mehr genetische Übereinstimmungen mit Palästinesern und Libanesen haben als mit ihren Landesleuten auf dem spanischen Festland, was dem Schluss zu lässt das die Punier im grossen Maßstab auf den Inseln gesiedlet haben.
 
Würde es eher noch den Phöniziern zuschreiben. Die haben als erste dort gesiedelt. Die Punier haben da dann später auch noch etwas zu tun gehabt, aber die Besiedlung durch sie dürfte nicht so stark ausgefallen sein, wie durch die Phönizier. Außerdem war auch die Bevölkerung von Karthago schon teilweise sehr durchmischt und die Punier sind ja Phönizier.
 
Ja, und die Länder von denen sie her stammen heißen heute Libanon und Palästina, welch ein Zufall. :yes:
 
22 Jahre später als der letzte Beitrag (seitens der Genetiker ist das fast eine Generation...):

"Karthago, die Hauptstadt des punischen Staates im heutigen Tunesien, und sein Reich wurden von den Phöniziern gegründet, doch neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Roms Erzfeinde kaum genetische Verbindungen zu ihren levantinischen Gründern hatten. Das heißt, DNA-Untersuchungen haben ergeben, dass die Karthager nicht, wie bisher angenommen, Phönizier waren. Dies stellt die tief verwurzelte Annahme über die phönizisch-punische Mittelmeerkultur in Frage, eine der einflussreichsten Seefahrerkulturen der Geschichte.

Eine überraschende Entdeckung
Die Untersuchung, die von einem internationalen Forscherteam des Max-Planck-Harvard-Forschungszentrums für Archäowissenschaft des antiken Mittelmeerraums durchgeführt wurde, untersuchte eine Reihe menschlicher Überreste aus 14 phönizischen und punischen archäologischen Fundstätten in der Levante, in Nordafrika, auf der Iberischen Halbinsel (in Cádiz, Málaga und Almería) sowie auf den Mittelmeerinseln Sizilien, Sardinien und Ibiza. Ziel war es, festzustellen, ob das phönizische Volk direkte Nachfahren der ursprünglichen Phönizier aus dem Osten war.

Zu ihrer Überraschung stellten die Forscher fest, dass es kaum eine direkte genetische Verbindung zwischen den ursprünglichen Phöniziern der östlichen Levante und den im westlichen Mittelmeerraum lebenden Puniern gab. Die Bewohner dieser Kolonien waren nicht mit den ursprünglichen Phöniziern des Nahen Ostens verwandt, bewahrten jedoch deren Kultur, Sprache, Religion und Lebensweise, die auf Handel und Landwirtschaft beruhte.

„Dies eröffnet eine neue Perspektive darauf, wie sich die phönizische Kultur verbreitete – nicht durch groß angelegte Massenmigrationen, sondern durch einen dynamischen Prozess der kulturellen Weitergabe und Assimilation. Wir beobachten ein außerordentlich heterogenes genetisches Profil in der phönizischen Welt“, erklärte David Reich, Professor für Genetik und menschliche Evolutionsbiologie an der Harvard University, der die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Arbeit mitgeleitet hat. „An jedem Fundort war die Abstammung der Individuen sehr unterschiedlich, wobei die Hauptgenquelle Menschen waren, die den heutigen Bewohnern Siziliens und der Ägäis ähnelten, sowie viele Individuen mit einem bedeutenden nordafrikanischen Erbgutanteil.“ Die Sequenzierung einer Vielzahl von Genomen aus menschlichen Überresten an diesen Fundorten lieferte den Forschern ein unerwartetes Ergebnis.

KARTHAGO, EINE KOSMOPOLITISCHE STADT​
Diese Entdeckung kommt überraschend, da die Karthager über mehrere Jahrhunderte hinweg klare kulturelle Verbindungen zu ihren levantinischen Wurzeln pflegten: Sie sprachen eine semitische Sprache, verwendeten das phönizische Alphabet und verehrten die kanaanitischen Götter ihrer Gründer. „Dies ist der erste bekannte Fall, in dem die Genetik eine völlige Diskrepanz zur kulturellen Kontinuität aufzeigt“, erklärt Reich.

Die genetischen Beweise deuten darauf hin, dass Handel, Verbindungen zwischen verschiedenen Gruppen und die Interaktion zwischen Bevölkerungsgruppen eine grundlegende Rolle bei der Entwicklung und Prägung dieser antiken Gemeinschaften spielten.

Genetische Befunde deuten darauf hin, dass Handel, Verbindungen zwischen verschiedenen Gruppen und die Interaktion zwischen Bevölkerungsgruppen eine grundlegende Rolle bei der Entwicklung und Gestaltung dieser alten Gemeinschaften spielten.

„Diese Studien unterstreichen die Bedeutung alter DNA für die Erforschung der Abstammung und Mobilität historischer Bevölkerungsgruppen, über die wir relativ wenige direkte historische Aufzeichnungen haben“, bemerkt Ilan Gronau, Professor für Informatik an der Reichman-Universität in Herzliya (Israel) und Mitautor der Studie.

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Ich meine, das haben einige von Euch schon früher gesagt bzw. angedeutet: Karthago oder die Punier, das war eher kultureller Austausch, Wissenstransfer, Handelsverbindung und Teilhabe als Migration, Kolonisation oder Invasion.
 
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Hier der Zugang der dem National-Geographic-Artikel zugrunde liegenden Publikation https://www.nature.com/articles/s41586-025-08913-34,
der abstract:
"Die Seefahrerkultur der Phönizier aus der Levante prägte im ersten Jahrtausend v. Chr. das gesamte Mittelmeerraum1,2,3. Das Ausmaß der Bevölkerungsbewegungen zwischen der phönizischen Heimat in der Levante und den phönizisch-punischen Siedlungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum war jedoch mangels umfassender Untersuchungen der alten DNA bislang unklar. Hier haben wir genomweite Daten für 210 Individuen generiert, darunter 196 aus 14 Fundstätten, die traditionell als phönizisch und punisch identifiziert wurden und sich in der Levante, Nordafrika, auf der Iberischen Halbinsel, Sizilien, Sardinien und Ibiza befinden, sowie ein Individuum aus der frühen Eisenzeit aus Algerien. Die phönizischen Bewohner der Levante leisteten zwischen dem 6. und 2. Jahrhundert v. Chr. kaum einen genetischen Beitrag zu den punischen Siedlungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum, obwohl es reichlich archäologische Belege für kulturelle, historische, sprachliche und religiöse Verbindungen gibt4. Stattdessen stammte der größte Teil der Abstammung dieser Erben der phönizischen Kultur der Levante von einem genetischen Profil ab, das dem Siziliens und der Ägäis ähnelte. Ein Großteil der übrigen Abstammung stammte aus Nordafrika, was den wachsenden Einfluss Karthagos widerspiegelt5. Dies war jedoch an allen untersuchten Fundstätten, einschließlich Karthagos selbst, nur ein geringfügiger Beitrag zur Abstammung. Verschiedene punische Fundstätten im zentralen und westlichen Mittelmeerraum weisen ähnliche Muster hoher genetischer Vielfalt auf. Wir stellen zudem genetische Verwandtschaftsbeziehungen quer durch das Mittelmeer fest, die gemeinsame demografische Prozesse widerspiegeln, die die punische Welt geprägt haben."
(Übersetzt mit DeepL)

Insgesamt überrascht es mich nicht. Der Niederschlag originär römischen und italischen Erbgutes dürfte in etlichen Kolonien des Imperiums mit zunehmender Zeit auch nicht mehr sonderlich hoch gewesen sein. Rom dürfte nicht nur wegen des hohen Sklavenanteils zu Beginn der Zeitrechnung ordentlich multikulti gewesen sein, der römische Senat begann sich ab der frühen Kaiserzeit für die romanisierte Oberschicht aus den Provinzen zu öffnen.
Interessant wären auf jeden Fall die Zeitstellung der untersuchten Individuen und die entlang von Grabgestaltung möglichen Rückschlüsse auf ihre gesellschaftliche Position. Aus diesem Artikel zu der Studie Phönizier und Karthager kaum verwandt geht hervor, dass erst mit der Umstellung von Brand- auf Erdbestattung ab 6. Jh. v.u.Z. genetisch auswertbares Material zur Verfügung stand, da sind seit Beginn phönizischer (Handels-)Kolonisation bereits einige Jahrhunderte vergangen.
 
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