Marcioniten, Paulus, Mysterien

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von Gangflow, 1. Juli 2015.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Staatlich kontrolliert ist bald eine Religion, z. B. wenn kontrolliert wird, was in ihren Gebetshäusern gelehrt wird. Das macht sie noch nicht zur Staatsreligion.

    Gerade gegen eine noch überschaubare Minderheit "lohnt" es sich, eine Verfolgung anzuzetteln, weil man sie zum Feindbild stempeln kann, ohne zu gravierende demographische und in weiterer Folge wirtschaftliche (sowie gegebenenfalls politische und militärische, falls sich die Verfolgten wehren) Verwerfungen zu riskieren. (Allerdings gibt es in der Geschichte bekanntlich auch Beispiele, bei denen das ignoriert wurde.)

    Zum einen vermehrten sich Christen nicht nur durch Geburten, sondern auch durch Konversionen, zum anderen werden sie ebenso wie andere Menschen von Problemen wie Säuglings- und Kindersterblichkeit, Krankheiten etc. betroffen gewesen sein. Dass es bereits im frühen Christentum auch extrem sexualfeindliche Strömungen gab, hat Gangflow schon angemerkt. Obendrein gibt es kaum gesicherte Zahlen, wie viele Christen eigentlich den Verfolgungen zum Opfer fielen (und sich gegebenenfalls nicht mehr vermehren konnten). Ein einfaches rechnerisches Modell zur Berechnung des christlichen Bevölkerungsanteils ist daher vor allem eines: einfach.

    Die Kondome aus Ziegenblasen (meist: Fischblasen) sind ein neuzeitlicher Mythos. Tatsächlich waren die gebräuchlichen antiken Verhütungsmethoden recht untauglich (ein neben einem römischen Bordell, ich glaube in Britannien, gefundenes Säuglings-Massengrab spricht eine recht deutliche Sprache). Zu Abtreibungen gibt es doch überhaupt keine Zahlen, an die man anknüpfen könnte. Außerdem: Wenn die "Armen" regulär verhüteten und "meistens" abtrieben, hätten sie dann nicht binnen weniger Generationen beinahe aussterben müssen? Dann hätte die Reichsbevölkerung rapide schrumpfen und um 300 fast nur noch aus Christen bestehen müssen.

    Dagon ist bereits für eine Zeit belegt, als Kybele noch eine phrygische Regionalgöttin war.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Hintergrund von Chans Vermutung sind Spekulationen in der Literatur,

    1. die Phillister hätten eine eine Erdmuttergüttin Kybele bzw. den hittitischen Vorläufer* Kubaba (die Ähnlichkeit der Namen und die Herleitung von Kybele aus Kubaba wird auch komplett bestritten) mitgebracht,

    2. hätten diese Muttergöttin dann "vor Ort" mit dem westsemitischen Getreidegott Dagon/Dagan identifiziert,

    3. und das Geschlecht auf die Erdmuttergöttin umgewandelt.

    (These von Itamar Singer 1992)

    4. Von dort werden wieder Parallelen zur griechischen Gaia gezogen.

    Es ist wie immer: aus dem überschaubaren Fundus früher religiöser Vorstellungen, fokussiert auf den Fundus von Natur und Umwelt der Menschen, soweit für ihre Existenzbedingungen "interessant", werden wegen bestehender oder vermuteter Ähnlichkeiten dann Rückschlüsse auf "Übernahmen" und "Kopien" gezogen.

    Vielleicht zitiert er mal, woher er das übernommen hat. Dann kann man sich damit detaillierter beschäftigen.

    Mit dem Thema hier hat das allerdings wenig bis nichts zu tun.

    * außerdem: hethitisch tegan (Erde), semitisch Dagan (Erde), indoeuropäisch d(h)eg(h)om =Erde - Collins: The Hittites and their World, sowie
    http://indo-european.info/dictionary-translator/word/ine/dheghom
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. August 2015
  3. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Ach ja....Tante Wikis 'Marcion'-Artikel wurde/wird aktuell ausgebaut/überarbeitet... amüsant, was alles zum legendenumwobenen Häretiker im Netz und entsprechenden Publikationen schon alles zusammen phantasiert wurde...wie kann man Harnack als Basis usw. 'übersehen'?...erinnert mich lebhaft an den 'Arianismus'/Arius...
     
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