Meine Großmutter pilgerte jährlich nach Lourdes und sie war alles andere als hysterisch. Es war wahrscheinlich ihre einzige Reise, die sie im Jahr unternahm und nur schon das machte es für sie besonders. Vielleicht dachte sie, dass es das Einzige an Zerstreuung wäre, was die katholische Dorfgemeinschaft damals einer verwitweten, alleinerziehenden Frau erlaubte und vielleicht war es auch so.
Wenn ich mir allerdings ansehen, womit heute der Tourismus angekurbelt wird ... Da sind neu belebte Wallfahrten doch gar nicht das Schlimmste ...
Wenn es mich, trotz allem Widerwillen, in einen unserer Touristen-Hotspots verschlägt (Lauterbrunnen, Grindelwald, Zermatt etc.) sehe ich Ströme von Menschen, die alle irgend etwas anzubeten scheinen (Wasserfälle, Nordwände, Matterhörner) und mich stark an die Bilder der Menschenmengen in Lourdes erinnern.
Bis vor 50 Jahren wäre die Wiederbelebung einer ehemals katholischen Pilgerstätte in Zwinglis Zürich unmöglich gewesen. Heute wird es wahrscheinlich an weltlichen Hindernissen scheitern. Ich gehe davon aus, dass die katholische Kirche das Ansinnen nicht unterstützen wird, gehöre aber nicht zu deren Insidern.
Es gab auch im 20. Jh. bis heute, wie mein Beispiel zeigt, eine Menge von Menschen, denen das bisherige spirituelle Angebot der Kirchen nicht genug war und ist.
Beispiel: Heroldsbach ab 1949. Da wurden angeblich selbst die Kinder exkommuniziert. Für ein katholisches Kind in den 50ern war eine Exkommunikation bestimmt eine harte Strafe, soll sie aber nicht von ihrer Überzeugung abgebracht haben.
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Es ist zu hoffen, dass die wunderschöne Kapelle in Creglingen (Danke für den Hinweis
@Pardela_cenicienta) weiterhin vor allem Kulturinteressierte anzieht, aber bitte nicht zu viele.