Massaker in Indonesien 1965-1966

jschmidt

Aktives Mitglied
Ich zitiere, ausnahmsweise und bequemlichkeitshalber, aus dem einschlägigen Wikipedia-Artikel:
Die Massaker in Indonesien 1965–1966 betrafen Mitglieder und Sympathisanten der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) sowie chinesischstämmige Bürger. Täter waren Teile der indonesischen Armee und eigens dafür gebildete Milizen unter dem Kommando des Generals und späteren Präsidenten Suharto.​
Das systematische Massenmorden begann im Oktober 1965, je nach Schätzung fielen ihm 500.000 bis 3 Millionen Menschen zum Opfer, wobei Schätzungen von 2 oder 3 Millionen allgemein als zu hoch angesehen werden und man eher von Opferzahlen um die 500.000 ausgeht. [...] Eine wesentliche Rolle für den systematischen Massenmord gegen das linke Spektrum Indonesiens spielte die globale Polarisierung und Einflussnahme der Konfliktparteien des Kalten Krieges auf das indonesische Militär, vor allem seitens der US-amerikanischen CIA.​

Indonesien ist weit weg und in diesem Forum ganz randständig. Ich komme auf diese Ereignisse zu sprechen wegen eines Beitrags in den »Nachdenkseiten, in welchem unter dem plakativen Titel »Indonesien 1965: Wie Deutschland einen Völkermord finanziert« dargestellt wird, dass die Bonner Republik mindestens indirekt in diese Vorgänge involviert war.

Dass ein Massaker stattfand, ist unstrittig. Das »wir« dabei eine Rolle spielten, ist mir neu. Und das es darüber sogar eine Menge Akten gibt, hätte ich bis heute nicht geglaubt. Mich bringt das ins Grübeln:
  • Gibt es noch andere, bisher unbekannte Dokumente, die ein weiteres Licht auf die deutsche Außenpolitik zwischen 1949 und 1968 werfen könnten?
  • Hat dieser konkrete Fall etwas zu tun mit der politischen Ausrichtung des Ausrichtung des Auswärtigen Amtes und seiner Beamten?
  • Ganz allgemein: Ist es für Historiker überhaupt möglich, aktuelle politische Vorgänge abschließend zu bewerten? Oder können solche Bewertungen, die es natürlich auch hier im Forum gibt, immer nur hypothetisch sein?
Mit »unbekannten Dokumenten« meine ich natürlich nicht irgendwelche Fakes. (Bestes Beispiel: die Hitler-Tagebücher, von denen der »Stern« annahm, die deutsche Geschichte müsse neu geschrieben werden...). Sondern ich denke an Historiker wie Josef Foschepoth, der mehrfach unbekanntes Material zutage förderte, z.B. zur Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik oder zum KPD-Verbot 1956.
 
Das ist keineswegs unbekannt gewesen, schon gar nicht unterdrückte Wahrheit.
  • Ein Onkel von mir, der um 1965 in der britischen Armee in Malaysia als Offizier gedient hatte, erzählte mir 1972 bis 1974 von den Massakern und den verdeckten Operationen.
  • Auch im "Spiegel" wurde darüber berichtet.
  • Vor mehr als 40 Jahren gab es ein Interview in einer Fernsehsendung mit einem der Täter der Geheimpolizei, der erzählte wie frühmorgendliche Hausdurchsuchung oder Einbestellung an einem konspirativen Treff erfolgte, dann stundenlange geräuschlose Folterung mit einem langen dünnen Draht um den Hals und immer die abschließende Erdrosselung.
Die Grausamkeiten waren auf beiden Seiten. Da bedarf und bedurfte es nicht einer aktiven Mitarbeit deutscher Dienststellen.

Viel wichtiger ist die Unterstützung durch die anderen blockfreien Staaten, die unter dem Deckmantel antiimperialen Kampfes ihren eigenen Terror gegen Oppositionelle und ethnische Minderheiten betrieben.

Dreh- und Angelpunkt war der Terror der von Indonesien ausging.

 
Zuletzt bearbeitet:
Der genannte Bericht geht vorwiegend um die deutsche Mitwisserschaft an diesen Vorgängen dass die stattfanden ist ohnehin Allgemeingut.

Die – mit ihren Worten „ Grausamkeiten auf beiden Seiten „ – führten auf der einen Seite zu – je nach Quellen – ein bis 3 Millionen Ermordeten. Ohne irgendwelchen Aufrechnungs-Gedanken, aber dennoch: wie viele Opfer musste die andere Seite beklagen?
 
  • Ganz allgemein: Ist es für Historiker überhaupt möglich, aktuelle politische Vorgänge abschließend zu bewerten? Oder können solche Bewertungen, die es natürlich auch hier im Forum gibt, immer nur hypothetisch sein?
Wer kann schon aktuelle Vorgänge "abschließend" bewerten? Niemand. Aber der Gedanke, dass Historiker ihre spezielle Qualifikation vor allem bei entsprechendem zeitlichen Abstand ausspielen können, ist mE durchaus überlegenswert. Expertise über Länder, Völker, Konflikte etc sind zum Verständnis aktueller Vorgänge sicher hilfreich, und die haben Historiker, wenns in ihren Bereich fällt, bzw haben das Rüstzeug, sich das notwendige historische Wissen anzueigenen. Aber solch eine Expertise vermitteln letztendlich verschiedene Fachgebiete. Das spezifisch Geschichtswissenschaftliche betrifft das metaphorische, nicht das wortwörtliche Gestern, und das ist etwas länger vorbei...
 
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