minoische und mykenische Kultur

Hi.max

Mitglied
Hallo!

Hat zufällig irgendjemand eine kurze - allerdings nicht zu kurze Zusammenfassung der minoischen und der mykenischen Kultur?

Damit wäre mir wirklich sehr geholfen!

Danke!
 
Ich mache dir einen Vorschlag: mach doch dir erst einmal selbst eine Zusammenstellung aus Informationen aus dem Internet oder Lexika. Dann könnten wir das mit den unsrigen vergleichen, korrigieren oder Hilfestellungen geben oder vielleicht auch was dabei lernen.
 
Wenn's mal keine Internetseite sein soll, die eine kurze Zusammenfassung liefert, dann empfehle ich Welwei's "Griechische Frühzeit" aus der Beck'schen Reihe.
 
Literatur zur minoisch-mykenischen Kultur

1.
Habe noch keine passende vertiefende Literatur zur minoisch-mykenischen Kultur gefunden.

Der Schwerpunkt des Buches sollte diachron, also vom Beginn bis zum bestrittenen Ende beider Kulturen sein.

2.
Und dann suche ich noch ein Buch zur Kunst(Vasenmalerei,etc.) der oben genannten Zeitspanne. Sollte ziemlich informativ sein.
Danke schon im Voraus!
 
Aus den verfügbaren Gesamtdarstellungen beliebig herausgegriffen:
O. Dickinson, The Aegean Bronze Age (Cambridge 1994)
D. Preziosi - L. A. Hitchcock, Aegean Art and Architecture (Oxford 1999)
 
Ich habe hier vor mir liegen:

Paul Faure, Kreta. Das Leben im Reich des Minos, mit 19 Zeichnungen, 28 Fotos und 2 Karten, 476 Seiten, Reclam Verlag, Stuttgart 1976

Als Einstieg in Leben und Gesellschaft des minoischen Kreta gut geeignet.
 

Hier eine kurze und differenzierte Übersicht zur minoischen und mykenischen Kultur in Stichpunkten, die ich selbst zusammengestellt habe. Ich hoffe, dass sie so weit ausführlich genug ist! :)

Minoische Kultur

  • Entwicklung einer hochentwickelten Palastkultur auf der Insel Kreta im Zeitraum von ca. 2000–1400 v. Chr.
  • Benannt nach dem sagenhaften König Minos von Knossos, Sohn des Zeus und der Europa (dabei handelt es sich um eine mythologische Figur, d. h. keine historisch nachweisbare Person).
  • Gliederung der minoischen Palastkultur in eine Altpalastzeit (ab ca. 1700 v. Chr.) und eine Neupalastzeit (bis ca. 1400 v. Chr.).
  • Die Palastanlagen weisen deutliche Parallelen zu orientalischen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen auf und stehen in engem Kontakt zum Vorderen Orient, insbesondere zu Ägypten (Handel, kultureller Austausch).
  • Knossos erlangt spätestens in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. eine führende Stellung unter den minoischen Palastzentren.
  • Archäologische Befunde auf Kreta deuten auf eine spätere mykenische Herrschaft über Knossos hin.
  • Eine mykenische Kontrolle ist vermutlich nach Zerstörung und Wiederaufbau um ca. 1380 v. Chr. anzusetzen.
  • Der Palast von Knossos wird spätestens um 1200 v. Chr. endgültig aufgegeben, was mit dem allgemeinen Zusammenbruch der bronzezeitlichen Palastkulturen zusammenhängt.
  • Verwendung des Linear-A-Schriftsystems, das bis heute nicht vollständig entziffert ist und daher keine gesicherten Aussagen über Sprache und politische Organisation erlaubt.

Mykenische Kultur

  • Entwicklung einer palastzentrierten Zivilisation im Zeitraum von ca. 1500–1200 v. Chr. auf dem griechischen Festland.
  • Kulturell in hohem Maße von der minoischen Kultur beeinflusst, insbesondere in Architektur, Kunst und Verwaltungspraxis.
  • Benannt nach einem bedeutenden Fundort sowie Macht- und Verwaltungszentrum, der Palastanlage von Mykene, die im 19. Jahrhundert durch Heinrich Schliemann ausgegraben wurde.
  • In den homerischen Epen werden die Mykener häufig als Achaier bezeichnet, was jedoch eine literarische und spätere Bezeichnung darstellt.
  • Verwendung des Linear-B-Schriftsystems, das eine frühe Form des Altgriechischen wiedergibt.
  • Die auf Kreta gefundenen Linear-B-Tafeln gelten als wichtiger Hinweis auf eine mykenische Herrschaft über Knossos.
  • Diese Schriftverwendung ermöglichte erstmals eine komplexe palastwirtschaftliche Verwaltung, insbesondere zur Erfassung von Abgaben, Personal und Gütern.
  • Es existierte eine aufwendige, funktional stark differenzierte Palastherrschaft mit einer hoch arbeitsteiligen Palastökonomie, vor allem zur Herstellung von Luxusgütern und Waffen.
  • Die politische und administrative Organisation spiegelte sich in einer klaren Ämter- und Ranghierarchie wider:
    • Wanax → König, zentraler Herrscher des Palastes
    • Rawakate → hohe Funktionäre bzw. Beamte innerhalb der Palastverwaltung
    • Egeta → Begleiter, Adlige oder militärische Gefolgsleute des Königs
    • Lawagetas → oberster Militärbefehlshaber, verantwortlich für militärische Unternehmungen
    • Qasileus → lokaler Amtsträger mit Zuständigkeiten für Recht, Militär und Verwaltung (nicht mit dem späteren griechischen „basileus“ gleichzusetzen!)
    • Korete → Gouverneur, zuständig für die Verwaltung eines Bezirks
    • Tereta → Landbesitzer mit lokalen Verwaltungs- oder Abgabepflichten
    • Dama → abhängige Feldarbeiter, dem Palast oder einem Tereta zugeordnet
    • Dorea → Sklaven
 
Hm... nicht vollständig entziffert klingt, als gebe es akzeptierte Ansätze einer
Teilentzifferung. Ist dem so?
Hey, vielen Dank für den guten Hinweis! Mit „nicht vollständig entziffert“ ist gemeint, dass es bislang keine allgemein akzeptierte Entzifferung oder gesicherte Übersetzung von Linear A gibt. Es existieren jedoch verschiedene Forschungsansätze, die auf formalen Ähnlichkeiten zu Linear B, wiederkehrenden Zeichenfolgen sowie vermuteten Verwaltungsinhalten beruhen. Diese erlauben teilweise strukturelle Deutungen, jedoch keine sichere sprachliche Entschlüsselung.

Arbeiten wie jene von Kjell Aartun (Link zu seiner Ausarbeitung: Die minoische Schrift: Linear A-Inschriften ) oder zusammenfassende Darstellungen wie die von Karl-Heinz Lewin, auf die ich hier im Forum gestoßen bin, zu bisherigen Hypothesen liefern interessante Interpretationsversuche, gelten jedoch nicht als gesicherter Forschungsstand.

Somit bleibt für uns das Linear-A-Schriftsystem noch leider ein Mysterium.
 
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