Mit Zitronen gehandelt? Der erstaunliche Aufstieg der sizilianischen Mafia und die Zitrone

Scorpio

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Bei dem Wort Mafia stellen sich sofort bestimmte Assoziationen und Bilder aus Filmen wie The Godfather, The Untouchables, Goodfella" und andere. Man denkt an Männer mit Borsalinos, an Omerta, an Ragtime und Speakeasy. Nicht ganz zu Unrecht sind viele Klischee-Vorstellungen, die man mit der amerikanischen Cosa Nostra assoziiert auch eng mit der Zeit der Prohibition in den USA in der Zeit von 1920-1933 verbunden.

Die Alkohol-Prohibition erwies sich als ein Katalysator für die organisierte Kriminalität. Persönlichkeiten wie Al Capone, Meyer Lanski verdankten ihren Aufstieg nicht zuletzt den Chancen, die die Prohibition ihnen verschaffte.

Nach dem 2. Weltkrieg begann dann auch der Handel mit Drogen wie Heroin.

Doch nicht von der Prohibition soll hier die Rede sein. Woher das Wort Mafia oder Maffia nun genau stammt, lässt sich kaum noch genau rekonstruieren. Ursprünglich soll das wohl soviel bedeuten wie Zufluchtsort. Im sizilianischen Dialekt bedeutet mafiusu soviel wie angeberisch, unerschrocken, andere Deutungen legen eine Ableitung aus dem Arabischen Griechischen oder lateinischen Vokabular ab. Eine Theorie will Mafia erklären als Abkürzung für Morte alla Francia Italia anela- Frankreichs Tod ist der Schrei Italiens", ein Ruf, der auf die französische Besatzung unter Karl von Anjou zurückgehen sollte.

Bereits im Mittelalter gab es auf Sizilien Geheimbünde und Banden, die eigene Initiationsrituale hatten und ein Schweigegebot. 1861 wurde Sizilien Teil des Königreichs Italien, und Beamte merkten schnell, dass Sizilien sich nicht ganz einfach regieren ließ. Ein gewisser Signore Colonna, der später Bürgermeister von Palermo wurde, schrieb 1864 ein Pamphlet, in der er die These aufstellte, dass Sizilien von einer Verbrechersekte kontrolliert werde. Ein gewisser Luigi Barzini hielt Sizilien sogar für unregierbar, und er fand, dass die Bevölkerung schon vor langer Zeit es gelernt habe, allen schriftlichen Gesetzen grundsätzlich zu misstrauen und sie zu neutralisieren. aufgegeben
Als 1863 ein Stück aufgeführt wurde, dass im Gefängnis von Palermo spielte Il mafiusu di la Vicaria, Die Mafioso von Vicaria da hatte sich die Mafia bereits als eine Schattenregierung, die bestens vernetzt war, etabliert mit festen Strukturen, Initiationsriten und dem Gesetz der Omerta, dem absoluten Schweigegebot.

Was aber haben nun Zitronen mit der Mafia zu tun? Wie konnte eine Südfrucht zum Aufstieg einer kriminellen Organisation beitragen? Zitronen enthalten keine psychotropen Alkaloide, es lassen sich daraus keine Pharmadrogen herstellen, und sie sind auch nicht übermäßig selten oder kostbar. Dennoch trug das Geschäft mit Zitronen sehr stark dazu bei, die Mafia zu einer Art Staat im Staate zu machen, vielleicht mehr noch als Alkohol, Glücksspiel und Pharmadrogen.

Damit begann im 19. Jahrhundert ein überaus interessantes und fast vergessenes Kapitel der Kultur- und Kriminalgeschichte. Um die Geschichte zu verstehen, müssen wir einige Zeit zurück, bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Skorbut war eine jahrhundertealte Geißel der Seefahrt. Vermutlich sind im Laufe der Zeit daran mehr Seeleute krepiert als durch Hurrikane, Havarien und Breitseiten. Ganze Schiffsbesatzungen sind daran zugrunde gegangen. Im Lauf des 18. Jahrhunderts setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass es sich um eine Art Mangelerscheinung handelte, und man experimentierte mit verschiedenen Maßregeln dagegen.

James Cook setzte bei seiner 1. Reise auf deutsches Sauerkraut. Seiner Crew musste Cook die täglichen Sauerkraut-Rationen zuweilen mit der Cat o nine tails seiner Crew schmackhaft machen, aber er hatte nicht einen einzigen Todesfall durch Skorbut zu verzeichnen. 1775 konnte ein Arzt durch ein Experiment nachweisen, dass mit der Gabe von Orangen und Zitronen Skorbutkranke tatsächlich geheilt werden konnten. Einige bereits an Skorbut Erkrankte waren einige Tage, nachdem sie regelmäßig Zitronensaft bekommen hatten, wieder diensttauglich. Nach weiteren Versuchen kristallisierte sich allmählich heraus, dass Zitronen weitaus effektiver als Limetten, Orangen oder andere Früchte waren, um Skorbut zu kurieren.

Das überzeugte auch die Royal Navy. Bald schon ging sie dazu über, Zitronensaft auszugeben an die Besatzungen der Marine. Britische Seeleute erhielten fortan neben der täglichen Rumration auch einen Schuss Zitronensaft. Um die Seeleute nicht allzu duhn werden zu lassen, wurde die Rumration mit Wasser verdünnt. In der britischen Marine wurde bis 1970 täglich bis zu 1/2 Liter Rum pro Mann ausgegeben. Die Briten erwarben sich durch diesen Brauch den Spitznamen "Limeys", und Getränke wie Punch, Grog u. a. wurden enorm beliebt.

Andere Marinen folgten dem Beispiel Großbritanniens, und das führte zu einem enormen Bedarf an Zitronen. Innerhalb von einigen Jahren hatte sich der Export von Zitronen mehr als verzehnfacht. Es war gutes Geld damit zu verdienen. Es boten sich zahlreiche neue Gewerbezweige. Zitronen mussten verpackt werden, sie mussten gepflückt werden.

Zitronenbäume benötigen Wasser und Pflege, und es konnte den Zitronenbäumen und den Zitronenbauern auf Sizilien natürlich auch einiges passieren, und das ist der Punkt, wo die Mafia ins Spiel kam oder besser, sich ins Spiel brachte, denn in jedem Geschäftszweig gab es natürlich Mafioso, die darauf bestanden, "den Schnabel anzufeuchten fari vagnari a pizzu, die Plantagen "schützte" gegen Brand, Diebstahl und "Jagdunfälle".
Wer sich weigerte, zu zahlen oder sich an die Polizei wendete, der musste damit rechnen, dass ein Brand ausbrach, dass Zitronen gestohlen wurden oder auch einmal eine lupara (Wolfstöter) losging. Die Schrotflinte mit sogenannten Posten, Buckshot geladen hat auf kurze Entfernung (maximal 30-40 m) verheerende Wirkung. Solche Schrotpatronen enthalten nur wenige aber größere Schrote von der Größe einer Mottenkugel. Mit solchen Patronen wurden früher Wölfe auf Sizilien geschossen.

Der spätere Bürgermeister von Palermo Colonna, der in den 1860er Jahren eine der ersten Studien schrieb über die Mafia entging nu durch einen glücklichen Zufall einem Hinterhalt. Auf der Straße nach Palermo wurde Colonnas Wagen plötzlich mit Luparas beschossen, einer seiner Begleiter getötet.

Colonna war auch einer der ersten, der über die Organisation eine Studie veröffentlichte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Mafia eine straff organisierte kriminelle Organisation, die fast Ähnlichkeit mit einer Regierung oder einem Konglomerat von Unternehmen hatte.
jede Provinz hatte sozusagen eine eigene Kommission, die Comissione provinciale und eine Art Gouverneur, den Capo de tutti capi, der die höchste Entscheidungsgewalt über eine Provinz hatte, unter dem Capo de Capi standen die Präfekten oder Manamenti die einen Bezirk kontrollierten, jedes Manamento bestand aus drei Famiglia sozusagen als Oberhaupt der manamenti gab es noch einen Capo Manamento. Die Famiglia wurde von einem Representante einem Repräsenten regiert. Der Representante hatte einen strategischen Berater, den Consigliere der wiederum als Puffer fungierte. Der Representante gibt einen Befehl an den Consigliere, der wiederum den Befehl weitergibt an die Decine das waren sozusagen Offiziere, die 10 Leute befehligten. Die Decini wiederum hatten ebenfalls ein Oberhaupt, den Capo dei Decini. Diejenigen, die das Grobe erledigten, wurden Soldati. genannt.

Ein ähnliches System bauten dann sizilianische Einwanderer auch in den USA auf wie man es auch aus der Pate-Trilogie kennt, mit dem Boss an der Spitze, dem Underboss, dem Consigliere, den Capos, den Soldaten und "Verbündeten", Associates die nicht formell Mitglied einer Familie sind, aber Anteil an Aktionen haben, legalen wie illegalen.

Es gab ein eigenes Aufnahmeritual. Jeder Soldat schwor einen Treueeid, der mit Blut besiegelt wurde, gelegentlich über einem menschlichen Schädel, in der Regel aber über einem Heiligenbild, das danach verbrannt wird. Mit einem Bruderkuss wird der Mafioso aufgenommen in die Organisation.
 
James Cook setzte bei seiner 1. Reise auf deutsches Sauerkraut. Seiner Crew musste Cook die täglichen Sauerkraut-Rationen zuweilen mit der Cat o nine tails seiner Crew schmackhaft machen, aber er hatte nicht einen einzigen Todesfall durch Skorbut zu verzeichnen.
Weißt du, warum sich Zitronen, und nicht Sauerkraut durchgesetzt hat? Eigentlich wär es doch von Vorteil, hier nicht auf vermutlich teurere Importe angewiesen zu sein. Zu wenig Vitamin C? Zu großer Widerstand bei den Mannschaften? Oder hat die Mafia die Admiralität bestochen? ;)

Würd mich interessieren.
 
Vermutlich weil es sich leichter transportieren und konservieren ließ, Sauerkraut ist arbeitsintensiver, das Kraut muss gehobelt, eingestmpft und präpariert werden, die Zitrone kann man frisch vom Baum verwerten, sie lassen sich relativ problemlos lagern.

Gut, was Ekelfaktor angeht, da brauchte man in der Seefahrt einen eisernen Magen. Es gab Seeleute, die im Dunkeln aßen, damit sie das Zeug nicht sahen, dass sie herunterschluckten.
Trotzdem musste Cook zuweilen die Cat o Nine einsetzen, um Sauerkraut durchzusetzen, die Matrosen kannten es nicht, waren es nicht gewohnt.

Zitronen ließen sich wohl auch global gesehen leichter beschaffen, es war nicht so arbeitsintensiv. Sie ließen sich leichter beschaffen, in der Karibik oder in amerikanischen Gewässern.

Es klingt banal, aber Sauerkrautsaft lässt sich nicht so gut mit Rum mischen, und der spielte durchaus keine ganz unwesentliche Rolle. Die Zitrusfrüchte ließen sich problemlos mit der Rum-Ausgabe verbinden. Da konnte der Kapitän ziemlich sicher sein, dass den alle tranken, dass sie ihn freiwillig tranken, dass sie ihn gerne tranken. Punschgetränke mit Spirituosen Wasser und Zucker erfreuten sich enormer Beliebtheit. Ein Schuss Zitronensaft kann die meisten Getränke nicht viel schlechter machen, manche Cocktails mit Gin wie der Gimlet werden durch Limonen erst richtig genießbar, während Sauerkrautsaft die meisten ruiniert.

Ich denke, den Faktor sollte man nicht unterschätzen. Limonensaft das ließ sich mit der Rum-Ration verbinden, und da konnte man sich am sichersten sein, dass jeder Seemann auch seine Ration einnahm, ohne dass man zu Mitteln wie der Cat o Nine greifen musste. Es war für die Borddisziplin, auch für die Stimmung der Crew besser. Kein Mann wurde arbeitsunfähig wegen Flogging, und die Seeleute tranken es freiwillig und jeder nimmt seine Vitamin C-Ration ein.
In der Marine gab es zumindest, was den Schnaps betraf, eine gewisse Gleichheit, vom letzten Powder-Monkey bis zum ersten Offizier erhielt jeder die gleiche Ration Rum. Bei Piratenstatuten erhielten Kapitän, Quartiermeister, Navigator und Schiffsarzt höhere Beuteanteile, Spirituosen aber wurden zu gleichen Teilen verteilt.

Die Zitrone ließ sich problemlos in dieses Ritual einbinden. Es war etwas, das sie aus Tavernen in Europa und den Amerikas kannten, es war ein Drink, den man freiwillig bestellte, den man kannte, selbst wenn das Trinkwasser auf Seereisen stark gewöhnungsbedürftig war.
 
Es klingt banal, aber Sauerkrautsaft lässt sich nicht so gut mit Rum mischen, und der spielte durchaus keine ganz unwesentliche Rolle.
Ich wollt schon schreiben, das Sauerkraut dafür a) Teil der Verpflegung und b) von vorne herein lange lagerungsfähig ist, aber: Touche, vor dem Argument kann man nur die Segel streichen... ;)
 
Hmmm, Deine Informationen betreffend Cap't Cook - ich weiss nicht wo Du sie her hast, - aber sie haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun
Ein Beispiel
James Cook setzte bei seiner 1. Reise auf deutsches Sauerkraut.
Stimmt. Er lud vier tonnen Sauerkraut in Holzfãssern ein. Das Zeug hält 'ewig', auch in tropischen Gefilden.
Seiner Crew musste Cook die täglichen Sauerkraut-Rationen zuweilen mit der Cat o nine tails seiner Crew schmackhaft machen.
Das ist pure Erfindung.
Es stimmt dass die Crew Sauerkraut nicht essen wollte. Daraufhin liess sich Cook einen psychologischen Trick einfallen: nur Offizieren wurden in der Officer's mess Sauerkraut gegeben. Die Mannschaft wurde etwas neidisch und bat auch um Sauerkraut. Lasst uns Cook selber darüber berichten :

The sour Kraut the men at first would not eat until I put in practice a method I never once knew to fail with seamen, and this was to have some of it dress'd every day for the Cabbin table and permitted all the officers to make use of it. The moment they see their superiors set a value upon it, it becomes the finest stuff in the world and the inventer of an honest fellow.

James Cook's journal, Tahiti, Thursday 13 April 1769
 
Weißt du, warum sich Zitronen, und nicht Sauerkraut durchgesetzt hat? Eigentlich wär es doch von Vorteil, hier nicht auf vermutlich teurere Importe angewiesen zu sein. Zu wenig Vitamin C? Zu großer Widerstand bei den Mannschaften? Oder hat die Mafia die Admiralität bestochen? ;)

Naja, eigentlich saßen die Briten doch recht nah an der Quelle, was Zitronen angeht?

Mit Gibraltar hatten sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts einen Stützpunkt an der Schnittstelle Mittelmeer/Atlantik, der sicherlich von britischen Schiffen desöfteren mal zur Aufnahme von Proviant für längere Seereisen genutzt wurde um die bis hierhin vebrauchten Teile der Vorräte wieder aufzufüllen.

Und nachdem Menorca im 18. Jahrhundert mal eine Zeit lang britisch war und Malta Anfang des 19. Jahrhunderts britisch wurde, gab es im Mittelmeer auch immer wieder Marinepräsenz von britischer Seite, die am Einfachsten direkt vor Ort zu verproviantieren war, zumal Großbritannien Seit der Napoléonik ja neben Portugal durchaus auch brauchbare Beziehungen zu Spanien und dem Königreich beider Sizilien unterhielt, die Rivalität mit Spanien hatte sich ja mit Spaniens Ende als Großmacht erledigt.

So lange man wegen der Segelschiffahrt auf die Passatwinde vor Nordafrika angewiesen war, um zügig in Richtung der beiden Amerikas rüber zu kommen, werden Ziwschenstopps in Gibraltar oder anderen Häfen der iberischen Halbinsel, im Besonderen den Portugiesischen, wegen der Aufnahme von Vorräten sinnvoll gewesen sein, möglicherweise hatte sich da also einfach schon ein gewisser Grad an Gewohnheit eingeschlichen, was die Verpflegung angeht?
 
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