Mitgliederdatei der NSDAP online - welche Erfahrungen habt Ihr gemacht und Treffer erzielt?

Dachboden?

Mir ist vor über 10 Jahren, bei der Wohnungsauflösung meiner Großmutter mal nen altes Photoalbum von meinem Großvater (mütterliche Seite) in die Hände gefallen, in dem es eine Aufnahme gibt, die die ganze Familie braun uniformiert an der Ostsee (Familie war in Mecklenburg ansässig) zeigt.
Die werden mit Sicherheit drinn gewesen sein, oder jedenfalls mal Mitgliedschaft beantragt haben.

Von der väterlichen Seite her weiß ich relativ wenig über politische Gesinnungen und eventuelle Verstrickungen in NS-Verbrechen, nur über einen Urgroßonkel von mir (aber den konnte ich nie fragen, der ist verstorben, als ich ungefähr 10 Jahre alt war), kursierten andeutungsweise Geschichten, er hätte während des Krieges was mit der Hilfspolizei zu tun gehabt und wäre in Litauen gewesen.
Wobei, das alles nicht richtig zusammen passt und ich auch nicht weiß, ob mit "Litauen" in diesem Zusammenhang das besetzte Litauen oder das angeschlossene Memel-Gebiet oder das nach dem Einmarsch in Polen Ostpreußen zugeschlagene Gebiet um Suwalki/Suwalken/Sudauen gemeint war.

Ich habe da bei den einzelnen Schlagworten und nicht zusammenpassenden Erzählungen irgendwie den Verdacht, dass da was sein könnte in Richtung "Einsatzgruppen", Verbrechen der Besatzungsverwaltung o.ä.
Der Mann war auch bis weit in dei 1950er Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und muss wohl mit zu den letzten gehört haben, die sie zurückgeschickt haben.

Da habe ich mir immer vorgenommen, mich da hinter die Recherche mal hinter zu setzen, bin aber bisher nie dazu gekommen. Vielleicht ist demnächst mal Zeit dafür.
 
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Ich hab von meinen Großvätern nur je ein Bild. (Königreich Jugoslawien).
Der eine findet sich auf einem Gruppenfoto der jugoslawischen Kavallerie,
der andere steht in der Uniform der Waffen-SS mit fröhlicher Mine, Hitlerbärtchen, und Schnellfeuergewehr im Schnee vor seinen Kameraden.
Der mit dem Hitlerbärtchen wurde von Partisanen erschossen und der andere Opa hingerichtet.
 
Ich hab von meinen Großvätern nur je ein Bild. (Königreich Jugoslawien).
Der eine findet sich auf einem Gruppenfoto der jugoslawischen Kavallerie,
der andere steht in der Uniform der Waffen-SS mit fröhlicher Mine, Hitlerbärtchen, und Schnellfeuergewehr im Schnee vor seinen Kameraden.
Der mit dem Hitlerbärtchen wurde von Partisanen erschossen und der andere Opa hingerichtet.
Also ein Bild von 1944?
 
Das eine Foto ist vielleicht vor Mai 1941 entstanden, oder vielleicht in der kroatischen Armee (vielleicht helfen da Kragenspiegel und Mütze weiter).

Und der andere, ein Foto nach dem Sommer 1941, als dann viele "heim ins Reich" geholt wurden, und oft in der SS in die Partisanenbekämpfung in Jugoslawien verstrickt wurden, wie ein Nachbar in Südtirol.
 
So. Ich habe meine Suche nun erfolgreich beendet. Also von der NSDAP hätte ich deutlich mehr Sorgfalt erwartet. Das ist ja ganz schön Kraut und Rüben in der Mitgliederkartei. Mein Opa war unter dem richtigen Nachnamen einsortiert. Aber der Vorname war nicht an der richtigen Stelle. Bei den Nazis kommt wohl nach dem Buchstaben D der Buchstabe S und dann folgt der Buchstabe R. Vielleicht eine Runensache :p:cool:(haha). Vielleicht folgt das auch der Reihung im FUTHARK, die spinnen, die Möchtegern-Germanen.

Eigentlich ist in den von mir durchgesehenen Filmen die Vorderseite der Kartei auf einer ungerade Positionsnummer zu finden, auf der darauffolgenden geraden Nummer ist die Rückseite der Karteikarte abgebildet. Bei der Karteikarte meines Opas wechselt das. Zuvor sind zwei Karteikarten auf einer Position verfilmt. Dann fehlt die Rückseite der beiden Karten und auf der geraden Position kommt dann die Karte meines Opas - auch ohne Rückseite. Man braucht da schon Ehrgeiz, wenn man bei manchen Suchvorgängen nicht die Flinte ins Korn wirft.

Wobei in der MFKL mehr Ordnung herrscht. Jedoch verwirrt mich da, dass ich mich durch Zig-Seiten mit dem Nachnamen meines Opas durchgeklickt habe und stets als Gau MAINFRANKEN angezeigt wird. In der MFOK springt das von Schlesien nach Baden, von der Saarpfalz zur Kurmark. Das kommt mir bei der MFKL merkwürdig vor.

Was ich aus meiner Erfahrung bestätigen kann, wenn im Trefferergebnis XYZ angezeigt wird, dann ist auch XYZ im Film drin.
 
Ich hab von meinen Großvätern nur je ein Bild. (Königreich Jugoslawien).
Der eine findet sich auf einem Gruppenfoto der jugoslawischen Kavallerie,
der andere steht in der Uniform der Waffen-SS mit fröhlicher Mine, Hitlerbärtchen, und Schnellfeuergewehr im Schnee vor seinen Kameraden.
Der mit dem Hitlerbärtchen wurde von Partisanen erschossen und der andere Opa hingerichtet.
Bei den Balkandeutschen sehe ich eine Mitgliedschaft in der Waffen-SS nicht als ehrenrührig an. Mein Opa väterlicherseits hat auch in der jugoslawischen Armee Ende der 1920er Jahren seinen Wehrdienst geleistet. Als dann 1941 die Wehrmacht ohne Einladung zum Besuch in Jugoslawien erschien, wurden die Volksdeutschen fast vollständig in die Waffen-SS gepresst. Da die dortigen Volksdeutschen jugoslawische Staatsbürger waren, konnte man sie rechtlich nicht zur Wehrmacht einziehen. Um diese menschliche Ressource trotzdem zu nutzen, fanden die sich fast geschlossen in der SS-Division PRINZ EUGEN wieder. Viel gefragt wurde man dabei nicht. Mein Großonkel war 1944 so naiv. Er gab von sich, dass er den Serben nichts böses getan hätte und würde daher mit diesen nach dem deutschen Abzug klarkommen. Diese Naivität brachte ihm einen Platz in manchen Geschichtsbüchern, baumelnd an einen Galgenstrick.
 
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Als dann 1941 die Wehrmacht ohne Einladung zum Besuch in Jugoslawien erschien, wurden die Volksdeutschen fast vollständig in die Waffen-SS gepresst. Da die dortigen Volksdeutschen jugoslawische Staatsbürger waren, konnte man sie rechtlich nicht zur Wehrmacht einziehen.
Das müsste man sich ggf mal ein wenig genauer ansehen, Jugoslawien ist ja recht kompliziert aufgeteilt worden.

Teile Sloweniens kamen ja als "Untersteiermark" und "Oberkrain" per Annexion nach Deutschland, dass sollte dann auch mit der deutschen Staatsbürgerschaft oder zummindest der Möglichkeit von derem Erhalt einhergegangen sein?

Und ein Großteil der übrigen deutschsprachigen Siedlungsinseln in Jugoslawien lagen ja auf dem Gebiet des historischen Banat, bzw. der Voivodina und nochmal ein kleinerer Teil auf kroatischem Gebiet.

Ein großer Teil der Voivodina wurde ja dem Königreich Ungarn zugeschlagen und von dort annektiert, während in Kroatien und Bosnien ja der sogenannte "Freie Staat Kroatien" als deutsch-italienisches Marionettenregime gegründet war.

Wie sah das mit der Staatsbürgerschaft in diesen Gebieten eigentlich aus? Das Königreich Jugoslawien bestand ja de jure im besetzten Zustand vor allem auf dem Gebiet des heutigen Serbien weiter, während die Gebiete mit den deutschen Sprachinseln größtenteils abgetrennt wurden.

Bekamen die dort lebenden deutschsprachigen Personen dann nicht die ungarische oder kroatische Staatsbürgerschaft zugesprochen, oder gab es dort irgendwelche Umsiedlungsprogramme in Richtung Deutschland (so wie das nach dem Hitler-Stalin-Pakt mit den Baltendeutschen passierte und im Zuge der Verständigung zwischen Hitler und Mussolini mit den Südtirolern)?
 
Ich hab von meinen Großvätern nur je ein Bild. (Königreich Jugoslawien).
Der eine findet sich auf einem Gruppenfoto der jugoslawischen Kavallerie,
der andere steht in der Uniform der Waffen-SS mit fröhlicher Mine, Hitlerbärtchen, und Schnellfeuergewehr im Schnee vor seinen Kameraden.
Der mit dem Hitlerbärtchen wurde von Partisanen erschossen und der andere Opa hingerichtet.
Mit " Schnellfeuergewehr" kann das im Prinzip kaum vor 1944 gewesen sein. Oder hast Du das falsch interpretiert?
 
Bei den Balkandeutschen sehe ich eine Mitgliedschaft in der Waffen-SS nicht als ehrenrührig an.
Ein paar persönliche Zeilen, als Smalltalk
.. Meine Mutter war sieben Jahre alt.
Nachts ratterten Nähmaschinen und die Kinder wunderten sich.
Dann kamen die Deutschen und man hatte Fähnchen mit Hakenkreuz und gewunken.
Die Heimat kommt zu uns? Haben sie das gedacht?
Keine Ahnung.
Deutsche Schule, Deutscher Lehrer, Deutscher Polizist, Deutscher Pfarrer, ...jüdischer Apotheker.
So schaut das Dorf aus, diese ethnische Enklave die an das Osmanische Millet-System erinnert.
Dann kommen die großen "Deutschen". Und wir sind doch auch "Deutsche" haben sie sich gefreut doch das nicht lang.
Und alle wurden gezogen oder gepresst.
Mein Opa mit dem Hitlerbärtchen steht auf dem Foto da, wie einer der erwartet nun die Zeit seines Lebens zu haben.
 
Kann mir jemand vielleicht sagen wie ich effektiv suche?

Ich suchte nach z.b. Paul Weller,

die Akten enthielten aber irgendwen mit dem Vornamen Paul
Wenn ich "Paul Weller" suche, gibt es einen einzelnen Treffer, dieser geht aber laut Deckblatt um Namen mit L.

Schwierig so
 
@corto
Ich hatte die Vorgehensweise in Beitrag #19 beschrieben:

  • In der auf der Webseite genannten Suchmaske den Nachnamen und den Vornamen eingeben.
  • Es wird der Link zu der PDF-Datei mit der Filmrolle genannt. Und wähle die regionale Datei MFOK aus, oder die zentrale Datei MFKL.
  • Die Datei würde man auch, weniger bequem, unter https://s3.amazonaws.com/NARAprodst...40-MFKL/A3340-MFKL-M0125/A3340-MFKL-M0125.pdf finden.
  • Die PDF-Datei auf Deinen eigenen Rechner laden. Das dauert, es sind 200 MB!
  • Erst nach korrektem und abgeschlossenem Download die Datei z.B. mit Microsoft PDF-Viewer betrachten, also z.B. die Dateien in Deinem Ordner "Downloads" mit einem Dateiordnerprogramm wie "Eigene Dateien" anklicken und mit dem PDF-Dateiviewer öffnen.
  • Springe zu Seite 1656 (Direkteingabe, ist bequemer): Dort beginnen die Karteikarten mit "Weller, Paul", es endet mit Seite 1694.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bei mir hat das mit dem Suchfeld überhaupt nicht gut funktioniert.
Was funktioniert hat war die Akten mit W suchen und dann durchgehen.
File Unit A3340-MFKL: Number A0020 - das wäre z.B. ein Aktenkonvolut (das 20.) mit Nachnamen A. Du musst halt bei W schauen. Aber Achtung, manchmal sind die Konvolute nicht ganz genau, gerade bei Buchstaben die häufig vorkommen und Buchstaben die selten vorkommen (häufig W, selten X*) kann es sein, dass Nachnamen des häufigen Buchstabens in einem Konvolut zu finden sind, wo nur wenige Buchstaben zu erwarten sind, also müsstest du auch das erste X-Konvolut durchgehen, ob darin oder gar in einem späteren noch WEL (Weller) zu finden ist.
Meistens hat ja eine Akte so um die 3000 Seiten, also wählst du die einzelnen Seite an und versuchst so einzugrenzen, ob der gesuchte Name in der Akte ist und wenn ja, in welchem Bereich.


*Ich weiß nicht, ob das mit den häufigen und seltenen Buchstaben öfter vorkommt, aber mindestens einmal ist mir aufgefallen, dass in einem Konvolut Akten waren, die in ein anderes gehören würden, aber sie waren darin korrekt..., kein Fehler.
 
Ich hatte die Tage gesehen, das die Zeit - hinter Paywall - auch eine Suche in diesen Akten ermöglicht.

Ob die das ganze per KI in eine Datenbank gepumpt haben? Eigentlich doch heute ein absolut logischer Schritt.
Volltextsuche, performanz und dann der Link zum originaldokument.

Man wird ja noch träumen dürfen ;)

edit:

Ja, die haben das ganze digitalisiert - ich konnte den Artikel einsehen. Leider klappt die Suche nicht ohne ein Zeit+ Abonnement :/
 
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Das Bundesarchiv hat ja die Karteikarten als Papier/Karton. Um mit dieser Kartei vernünftig arbeiten und die Daten auswerten zu können, empfiehlt sich natürlich eine Erfassung der Daten in elektronischer Form.

In welchen Jahren beziehungsweise zu welchen geschichtlichen Ereignissen sind wie viele Leute eingetreten ("Märzenkinder")? Welche Altersklassen gehörten die Mitglieder generell sowie bei Ihrem Eintritt an? In welchen Ländern / Gemeinden gab es wie viele Mitglieder? Wie viele waren männlich / weiblich? Das verlangt ja eine elektronische Erfassung der Parteimitglieder beim Bundesarachiv. Daher dürfte das Bundesarchiv wohl verlässlich bestimmte Personen finden können. Aber leider ist da die Eintrittsschwelle hoch. Vermutlich muss man da sein berechtigtes Interesse nachweisen. Bei einem Großvater bekommt man Auskunft? Oder nur dann, wenn der Vater/die Mutter einem Vollmacht geben oder verstorben sind? Bekommt man Auskunft, wenn man nach dem Großonkel sucht? Muss man dann beweisen, dass dieser keine Kinder und Enkelkinder hatte, welche hier vorrangige Rechte haben?

Der große Andrang online beim US-Nationalarchiv ist damit zu klären, dass der Zugang so niederschwellig ist.

Am Ende muss es eine Datei geben, welche

  • entweder eine Film- und Positionsnummer ausgibt, wenn ich vollständige Daten (Vor- und Zuname + Geburtsdatum) in eine Suchmaske eingebe
  • oder noch komfortabler man dem Anfragenden gleich die entsprechenden Dokumente anzeigt
Das derzeitige Suchen im Gabelverfahren (mal "kurz", mal "lang" um den Vorfahren einzugabeln und dann ist gerade dieser Vorfahre alphabetisch falsch einsortiert), ist nicht unbedingt State of the Art.
 
Das derzeitige Suchen im Gabelverfahren (mal "kurz", mal "lang" um den Vorfahren einzugabeln und dann ist gerade dieser Vorfahre alphabetisch falsch einsortiert), ist nicht unbedingt State of the Art.
Sehe ich auch so, zumal das ja alles eingescannt ist. Das Einscannen ist also nicht das Problem.

Auf der anderen Seite stolpert man so über die ein oder interessante Akte*, die man nicht fände, wenn man nur seinen (Ur)Opa aus der Gruppe der Gleichnamigen heraussuchen müsste. Apropos (Ur)Opa: Sind wenige Frauen (Ur)Omas darunter.


*ich gebe natürlich zu, dass die meisten dieser Mitgliederkarteikärtchen wenig Information bieten. Und auch da wäre es schön, wenn man gezielter suchen könnte. Z.B. nach Eintrittsdatum, MItgliedsnummer, Aus- und Wiedereintrittsdatum....
Gerade bei den Austrittsdaten: Wann erfolgten die? Wie alt war das (Ex-)Mitglied zum betreffenden Zeitpunkt? Daraus könnte man Schlussfolgerungen ziehen, also gab es politische Anlässe für einen Austritt oder erfolgte der Austritt ggf. mit dem Erreichen eines turnusgemäßen Dienstendes, weil man aus Opportunismus eingetreten war...
 
Hallo an alle,
Wir sind eine Familie, die von den Akten eiskalt erwischt wurde. Daher habe ich mich angemeldet. Vielleicht könnt ihr uns Hinweise geben. Also:
Mein Vater war NSDAP-Mitglied mit 18 Jahren geworden, das wissen wir seit Kindheit. Darum suchte ich neulich nach ihm in der neu einsehbaren MItgliederkartei und fand ihn auch. Aber dann habe ich nur "spaßeshalber" nach meiner Mutter und ihren Angehörigen geguckt. Sie waren anerkannt Nazigegner, also war mir klar, da steht nichts. Tja, aber meine Mutter ist laut Kartei 1942 mit 17 Jahren in die NSDAP eingetreten als einzige der Familie. Weder ihre Eltern, noch ihr Bruder oder die Großeltern.

Ich glaube soviel verstanden zu haben, dass es ganze Jahrgänge der Hitlerjugend waren, die mit 17 Jahren zur Partei wechselten. Allerdings lese ich auch, dass von 1942 bis 1943 kaum Eintritte stattgefunden haben sollen. Auffällig ist auch, dass ihr Aufnahmeantrag rund eineinhalb Monate später datiert ist als der Parteieintritt.
Aber anderes lässt mich noch viel mehr zweifeln. Unser Elternhaus war politisch, wir haben viel über den Nationalsozialismus gesprochen. Meines Vaters früher Eintritt war immer mal Thema, wir alle waren einig, dass ein so junger Mensch Fehler machen durfte. Und meine Mutter war ein ruhiger und ehrlicher Verstandesmensch, wir haben sie nie erlebt als Lügnerin. Ich glaube einfach nicht, dass sie diese Mitgliedschaft wusste. Sie wurde fast 100 Jahre alt, ihren Nachlass habe ich erst vor wenigen Jahren geordnet, keinerlei Hinweise. Viele Bilder aus dem Reichsarbeitsdienst, sonst nichts.
Das allergrößte Rätsel ist mir aber, wie eine 17-jährige schüchterne Gymnasiastin, die Gedichte schrieb, in ihrem speziellen Elternhaus Mitglied der NSDAP gewesen sein soll. Ihr Vater, mein Großvater, war Jurist, Landgerichtsdirektor, und einer der extrem wenigen Juristen, der sich weigerte, der NSDAP beizutreten. Er hat dadurch beruflich schwerste Benachteiligungen erfahren und bekam nach dem Krieg eine Entschädigungsrente. Diese Akte liegt mir vor, es gibt keinen Zweifel, er war Nazigegner. Berichtet wird in der Akte auch von Hausdurchsuchungen der Gestapo 1943 und 1944. Weiter war der Leipziger Großvater meiner Mutter, den sie praktisch jede Woche sah und sehr liebte, ein persönlicher Freund Carl Goerdelers und wurde wie er 1936 aus seinem öffentlichen Amt geworfen von den Nazis. Die Opferentschädigungsakte bestätigt, was meine Mutter uns erzählte, ihr Opa gehörte zum Goerdelerkreis. Er ist nur nicht bekannt geworden, weil er wenige Monate vor dem 20. Juli starb. Also meine Mutter wuchs in einem Umfeld auf, das vehement gegen die Nazis war. Das ist gesichert, das war nicht erfundenes Gerede meiner Mutter.

Und damit sitzen wir nun da und fragen uns, wie das alles vor sich gegangen sein soll. Mein Großvater war privat ein Tyrann, nie und nimmer hätte meine Mutter noch einen einzigen ruhigen Tag gehabt, wenn er gewusst hätte von ihrer NSDAP-Zugehörigkeit. Konnte man gegen die eigenen Eltern eintreten mit grad mal 17 Jahren? Und wie soll das gegangen sein bei den Hausdurchsuchungen oder bei Goerdelers in Leipzig? Sie lebte im Elternhaus. Also ich habe gar nicht die Absicht, unsere Mutter krampfhaft freizusprechen. Aber als ich nun las z. B. bei Eppler, dass er nichts gewusst haben wollte vom Parteieintritt, kommt mir die Ahnung, dass unsere Mutter vielleicht ein historisch interessanter Fall ist?
Wir sind ganz schön ratlos.

Vielen Dank und Sorry für den langen Text, aber das ließ sich nicht kürzer darstellen.
 
Mein Großvater war privat ein Tyrann, nie und nimmer hätte meine Mutter noch einen einzigen ruhigen Tag gehabt, wenn er gewusst hätte von ihrer NSDAP-Zugehörigkeit. Konnte man gegen die eigenen Eltern eintreten mit grad mal 17 Jahren?
Hallo @Miriam mir stellt sich die Frage, ob umgekehrt der Großvater noch ruhige Tage gehabt hätte, wenn die Enkelin bei HJ oder NSDAP Funktionären geschildert hätte, dass es in ihrer Familie Ablehnung gegenüber ihres Eintritts gibt. Ich komme auf diesen Gedanken, weil eine entfernt ähnliche Situation (Vater in innerer Emigration, Sohn begeistert in HJ) in einem Roman vorkommt (Arno Schmidt "aus dem Leben eines Fauns").
Zur Frage, ob und wie man an Akten zu deiner Suche gelangt, kann ich mangels Erfahrung leider nicht beitragen.
 
Tja, aber meine Mutter ist laut Kartei 1942 mit 17 Jahren in die NSDAP eingetreten als einzige der Familie.
Ich glaube soviel verstanden zu haben, dass es ganze Jahrgänge der Hitlerjugend waren, die mit 17 Jahren zur Partei wechselten.
Also, ich habe bis vor einigen Wochen noch an die mittlerweile offensichtlich widerlegte Behauptung geglaubt, dass ganze HJ-Jahrgänge tw. ohne ihr Wissen in die NSDAP überführt wurden. Das ist wohl offensichtlich nicht so. Nun ist es so, dass jemand, der 1942 in die NSDAP eingetreten ist und damals 17 Jahre alt war, im Prinzip seit dem achten Lebensjahr mit Nazi-Propaganda berieselt worden. In dem Alter ist eine gewisse Naivität noch in Ordnung, sofern man nicht an Verbrechen beteiligt war.

Allerdings lese ich auch, dass von 1942 bis 1943 kaum Eintritte stattgefunden haben sollen. Auffällig ist auch, dass ihr Aufnahmeantrag rund eineinhalb Monate später datiert ist als der Parteieintritt.
Auf den Karteikarten ist ja nicht umsonst Platzalter für das Datum des Aufnahmeantrags und das Datum der Aufnahme (des Parteieintritts).
Relativ normal war, dass die Aufnahme zum bzw. am 20. April erfolgte ("Führers Geburtstag"):

Mitgliedsakte Daten.jpg


Ich nehme an, du hast geprüft, ob alle Daten stimmen? Also Geburtsdatum und -ort? Angaben des Gau (um Ortsnamengleichheiten auszuschließen?)
 

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