Mitgliederdatei der NSDAP online - welche Erfahrungen habt Ihr gemacht und Treffer erzielt?

Im Ernst: Wenn jemals ein ernsthafter Wille bestanden hätte, die Daten öffentlich zugänglich zu machen, hätten fleißige Hände die Karteikarten transkribieren können.

Bei der Schleierfahndung nach den Mitgliedern der RAF wurden 1977 und danach ganz andere Anstrengungen unternommen.

EDV-technisch hätten schon die VAX-Terminals von 1969 und/oder Datenbanken unter Unix für die korrekte elektronische Erfassung gereicht.

Ethisch-moralisch gab es keinen legitimen Grund die Täter und ihre willigen Helfer zu decken.
 
verstehe nur Bahnhof:( - was für eine zentrale Stelle? Was heißt LB und LKZ?
LB heißt Ludwigsburg, LKZ ist die Ludwigsburger Kreiszeitung und die "Zentrale Stelle" ins das Archiv für NS-Verbrechen/Verbrecher/juristische Unterlagen usw.

Sorry, ich hätte vielleicht besser erklären sollen. War eine Angewohnheit von mir, heißt häufiger bei uns einfach nur "Zentrale".
 
Ethisch-moralisch gab es keinen legitimen Grund die Täter und ihre willigen Helfer zu decken.

Allerdings setzt Du jetzt NSDAP-Mitglieder und Täter gleich. Nicht jedes NSDAP-Mitglied war aber Täter im juristischen Sinne. Hier könnte man auch Oskar Schindler nennen, der Parteimitglied war und gleichzeitig während des Krieges Juden gerettet hat. Die Gründe, der Partei beizutreten, waren sicherlich vielfältig. Da mag es Opportunisten ("Märzgefallene") gegeben haben, die dann hofften, von ihrer Parteimitgliedschaft beruflich oder wirtschaftlich zu profitieren. Der ein oder andere war vielleicht auch Idealist, der die Nazidiktatur als ggü. der parlamentarischen Demokratie überlegen ansah. 1933 hatte keiner eine Glaskugel, in der man sehen konnte, dass die Diktatur zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg führen würde. Die antijüdische Propaganda mochte man als übertriebene Rhetorik ansehen, das brutale Vorgehen gegen Oppositionelle als Anfangsexzesse. Wenn man weder Jude war noch Angehöriger einer oppositionellen Gruppe war, war das einem vielleicht auch egal ("betrifft mich ja nicht, bin ja weder Jude noch Rotfront".

Heute sehen wir das aus der besseren Ex-post-Erkenntnis ("hinterher weiß man immer mehr"). Jemand, der z. B. 1900 geboren wurde, verbrachte seine Kindheit und Jugend im Kaiserreich, möglicherweise diente er im 1. Weltkrieg als Soldat, erlebte die Zeit der Weimarer Republik, die von wirtschaftlichen und politischen Krisen permanent erschüttert wurde. Da kann ich mir schon vorstellen, dass 1933 viele von der Staatsform der Republik enttäuscht waren und Hoffnungen in das Neue setzten. Und das Dritte Reich konnte auch eine Reihe von Erfolge vorweisen, in denen sie im Vergleich zur Weimarer Republik bei der großen Masse der Bevölkerung auf Zustimmung stießen, wie z. B. die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Zu fragen ist natürlich, ob dies eine Folge der Nazi-Herrschaft war oder nur ein zeitliches Aufeinandertreffen.

Dann gab es natürlich auch NS-Täter, die nie Mitglied der Partei waren. Ich habe neulich im Tageskalender die Massaker von Tulle und Oradour erwähnt, und auch dort die mangelnde juristische Aufarbeitung in der alten Bundesrepublik (Bonner Republik).
 
Dass die Mitgliedschaft in der NSDAP keineswegs mit Täterschaft gleich zu setzen ist, ist ja auch hier an vielen Beispielen deutlich geworden.

Ich bin nun einmal in der Nachkriegszeit groß geworden, habe von einer guten Ausbildung profitiert und viele Dinge gelernt, die gesellschaftlicher und ethischer Konsens sind. Oder die Grundlagen sind, auf die sich Staat und Gesellschaft berufen:
  • Eigenverantwortung des Menschen
  • und damit: Das eigene Handeln rechtfertigen zu können, zu wollen, und bereit sein Konsequenzen zu tragen.
Diese Redlichkeit und Aufrichtigkeit fehlte von Anfang an. "Husch husch" und "Wir haben andere Probleme" und "Wer will das denn überhaupt wissen?" und zu guter letzt "Irgendwann muss aber damit auch Schluss sein!".
 
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