Navy Board Models

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 2. Juni 2013.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Mein großes Interesse liegt momentan bei den sogenannten Navy Board Modellen.
    Hierbei handelt es sich um eine Spezialform des Modellbaus direkt aus der Zeit des Segelschiffbaus von 1600 bis 1800.

    Diese Modelle dienen z.B. den Werften als Projektmodelle, um die Rumpfform und die Linien der Spanten der Konstruktionsplänen in 3D umzusetzen.
    Im treatise on shipbuilding werden damalige Schiffskonstruktionen beschrieben:

    A treatise on ship-building and navigation. In three parts, wherein the theory, practice, and application of all the necessary instruments are perspicuously handled. With the construction and use of a new invented shipwright's sector ... Also tables

    Leider gibt es nur viel englisch sprachige Literatur zu diesem Thema und mir liegt dazu nur das Buch von Frank Howard Segel-Kriegsschiffe 1400-1860 zur Verfügung.

    Historisch gesehen, wurde diese Art von Modellbau in Deutschland nicht geführt, weil entsprechende Marinearsenale und technische Marineschulen für den Kriegsschiffbau erst ab den 1850iger Jahren aufgebaut wurden.
    Vielleicht gibt es deswegen so wenig deutsche Literatur darüber.

    Hier noch ein Link mit verschieden Bildern:
    https://www.google.de/search?client...source=og&sa=N&tab=wi&ei=lxarUcRhidy0BuSYgfgF
     
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  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Admiralitätsmodelle waren wohl eine rein englische Spezialität. Die Modelle waren im Maßstab 1:48 angefertigt. Ich glaube da gibt es gegenwärtig keine deutsche Literatur über das Thema.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Im Musée de la Marine in Paris sind viele französische Modelle ausgetellt die den selben Zweck erfüllten.

    Ebenso im Madrider Marinemuseum gibts eine sehr komplette Samlung zeitgenössischer Modelle (600 Stk) der verschiedenen verwendeten Systeme. Die dortige Museumsleitung hat ein tollen Bildband mit vielen schönen Bildern einiger der vorhandenen Modellen herausgebracht. Ich ärgere mich noch heute dass ich es nicht gekauft habe, als ich es in den Händen hielt.

    Das interessante daran ist, dass es sehr gut die wechselnden Bausysteme dokumentiert. Bis zu Mitte des 18. Jahrhunderts die altspanische Bauweise (Gaztañeta, Ciprian und Autier) mit wachsendem französischen Einfluss bis zur Mitte des Jahrhunderts. Danach (1750) die Periode der Bauten "a la Inglesa" nach dem man unter Jorge Juan verschiedene Britische Baumeister engagierte (z.B. Mathew Mullan, Rooth, Hill, Howell).

    Danach wieder der Schwenk zur Französischen Methode mit dem Oberbaumeister Gautier, unter dem jedoch noch die Santisima Trinidad nach englischer Methode gebaut wurde (vom Sohn Mullans nach Plänen seines Vaters ausgeführt) .

    Ab 1782 geht man wieder eigene Wege und hat mit Romero de Landa einen der besten Konstrukteure seiner Zeit, der z.B. den großartigen "Montañes" hervorbrachte.


    Such auch mal unter "LA CONSTRUCCIÓN NAVAL ESPAÑOLA DEL SIGLO XVIII A TRAVÉS DE ALGUNOS MODELOS DE ARSENAL DEL MUSEO NAVAL DE MADRID" im Netz. Es gibt eine PDF-Datei als Handout für eine Museumsführung, auf der einige Modelle abgelichtet und verschiedenen Konstruktionstechniken graphisch erläutert werden. Ist vielleicht auch ohne Spanischkenntnisse interessant.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2013
  4. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Nicht nur eine englische Spezialität, es gibt auch Admirals- oder Navy Board Modelle aus allen im 17. - 18. Jahrhundert starken Seemächten, wie Frankreich, Niederlanden, Schweden, Dänemark, Russland ... usw.

    Auch in dem Film Master & Commander wird so ein spezielles Modell Gegenstand der Geschichte, erstellt von der Crew um die Linien des feindlichen Schiffes darzustellen.

    Schäm dich! ^^
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2013
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Schämen nicht, aber ich ärgere mich schon genug. Jetzt kaufe ich schon viel zu viele Bücher, bereue aber viel zu häufig solche, die ich NICHT gekauft habe.

    In Stockholm muss auch eine große Sammlung sein, die habe ich jedoch noch nicht gesehen.
     
  6. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Den Kauf kannst Du nachholen. Es gibt eine Versandbuchhandlung für spanische Literatur ,die versandkostenfrei liefert. Da habe ich auch schon einmal einen Bildband mit Gemälden des Marinemalers Rafael Monleon Torres gekauft. Das hat wunderbar funktioniert. Wenn Du den Link brauchst, bitte per P.N. wegen des Werbeverbotes.
     
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  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Dein Angebot möchte ich gerne annehmen. Schicke mir bitte die Adresse per PN.
     
  8. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Besonders detaillierte Modelle haben französische Kriegsgefangene in britischer Gefangenschaft Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunds gezaubert. Diese nutzten die Jahre der Einkerkerung und schufen sich gleichzeitig eine Verdienstmöglichkeit. In einem Buch von Cedric Rogers sind Fotos von zwei Modellen (eines aus Knochen hergestellt) abgebildet.
     
  9. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Als Lehrling auf der Werft, Anfang der 80er, hatte ich einen Kollegen, dem ich zugeteilt war. Der war marineinteressiert und hatte begnadete Hände. Er hatte ein Modell der Revenge unter Richard Grenville gebaut. Bis ins kleinste Detail hatte er es so authentisch wie möglich konstruiert. Kleinste Beschläge, selbst die Kanonen unter Deck waren detailverliebt nachgebaut und sogar verzurrt und nicht irgendwie angedeutet. Blöcke, Jungfern... alles in mühseliger Kleinarbeit.
     
  10. sudländer

    sudländer Neues Mitglied

    Wer sowas kann ist wirklich begnadet. Ich liebe auch den Modellbau, nur leider bin ich ein echter Grobmotoriker.
     

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