Neuausgaben antiker Texte

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von tela, 26. Januar 2016.

  1. tela

    tela Aktives Mitglied

    Beim Marixverlag gibt es neue Ausgaben antiker Quellentexte zu recht guten Preisen, so z.B. von Polybios, Diodor oder Plinius (Naturgeschichte). Dabei wird Bezug genommen auf recht alte Übersetzungen aus dem 19. Jh., angeblich leicht modernisiert (was immer das heißt).

    Schaut man sich die Rezensionen bei Amazon zu diesen Büchern an, dann gibt es Leute, die davor warnen, dass die Texte komplett unlesbar wären. Während andere damit offenbar kein Problem haben.

    Hat hier schon mal jemand Erfahrungen mit diesen Ausgaben gemacht? Sind die Texte wirklich nicht lesbar oder muss man sich einfach nur in die Sprache des 19. Jh. etwas einlesen, um dann diese Bücher dennoch mit Gewinn lesen zu können?
     
  2. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Ich habe einige davon und weiters keine Probleme damit, es sind eben Übersetzungen, die gemeinfrei sind und daher nicht auf dem aktuellsten sprachlichen Stand. Und nachdem die Bände auch nicht gar zu teuer sind, einfach mal einen versuchen.
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Übersetzungen oder Original und Übersetzung?
     
  4. tela

    tela Aktives Mitglied

    Nur Übersetzung.
     
  5. romanus00I

    romanus00I Aktives Mitglied

    Die Bände sind eigentlich ganz hilfreich. Klar schmunzelt man manchmal bei der Sprache, aber wen interessiert das? Verstehen tut man es ohne Probleme.

    Einziger Minuspunkt: Die geben eine eigene Übersetzerin an, obwohl der Inhalt einer älteren Übersetzung entstammt.
     
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Da hat man wohl versucht die alte Übersetzung zu verbessern. Solch ein Versuch sollte doch löblich sein. ;)

    Oder nicht?

    Nun, der Grund liegt klar auf der Hand: Wenn man einen bloßen Nachdruck produziert, ist der Text weiter gemeinfrei. Verbessert man ihn an ein oder zwei Stellen, hat man Urheberrechte. Wichtig dabei: Niemandem verraten, wo man verbessert hat.

    Tja, auch dieser Verlag steht eben auf der dunklen Seite der Marktwirtschaft. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Januar 2016
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Zu den "Neuausgaben" kann ich nichts sagen, da ich keine davon gelesen habe, aber grundsätzlich sind Übersetzungen aus dem 19. Jhdt. (ebenso wie die Frakturschrift) reine Übungs- und Gewöhnungssache. Allerdings: Wenn die Übersetzungen grundsätzlich aus dem 19. Jhdt. stammen und nur minimal modernisiert wurden, kann man sich das Geld für die "Neuausgaben" (so kostengünstig sie auch sein mögen) gleich sparen, da gemeinfreie Übersetzungen aus dem 19. Jhdt. für die meisten antiken Autoren mittlerweile gratis (und legal) im Internet zu finden sind, insbesondere bei Google Books, Europeana und Internet Archive, oft in Wikisource verlinkt.

    Ansonsten denke ich bei nur behutsam modernisierten "Neuausgaben" an zwei mögliche Probleme:
    1) Textkritik und Emendation haben seit dem 19. Jhdt. neue Ergebnisse erbracht. Die "Original"-Texte, die von den damaligen Übersetzern verwendet wurden, entsprechen oft nicht mehr dem heutigen Stand. (Ein besonders drastisches Beispiel für Fehlleistungen der Textkritik: Velleius Paterculus erwähnte unter den bedeutendsten Autoren des augusteischen Zeitalters den heutzutage weitgehend vergessenen Rabirius, nicht aber Horaz. Das veranlasste manche Herausgeber zur Vermutung, der Text müsse verdorben sein, da Velleius doch unmöglich Rabirius genannt und Horaz ignoriert haben konnte, und "verbesserten" Rabirius zu Horatius.) Ich bezweifle, dass bei nur leicht modernisierten Neuausgaben die neuen Erkenntnisse zum Originaltext berücksichtigt wurden.
    2) Natürlich machen auch Übersetzer Fehler. Bei manchen Übersetzern aus dem 19. Jhdt. fällt mir auf, dass sie zwar einerseits hochpenibel gearbeitet haben und oft über ein erstaunliches Hintergrundwissen verfügten (und das, obwohl so mancher "nur" Pfarrer oder Professor an einem kleinstädtischen Gymnasium war), sie aber dennoch gar nicht so selten ganze Satzteile vergaßen. Aber nicht nur das: Bei Übersetzungen von poetischen Werken maßten sich manche Übersetzer sogar an, das Werk "verbessern" zu wollen, indem sie von ihnen als überflüssig oder wenig gelungen empfundene Verse einfach wegließen. (Besonders gerne zersaust wurde Lucanus.) Ob bei nur behutsam modernisierten "Neuausgaben" auf all das geachtet wurde?
     

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