Neue archäologische Entdeckungen

Der Vierte von links auf der Stele soll gleichfalls Tiberius darstellen wie die Statue in den Vatikanischen Museen.


So richtig groß ist der Wiedererkennungseffekt nun nicht gerade. Trotz der jahrhundertelangen griechischen Leitkultur in Ägypten ist es doch erstaunlich, dass die Darstellungsweise traditionell ägyptisch geblieben ist.

Tiberius beim Fasching im Pharaonenkostüm?

Eine Art interpretatio Egyptiana vermute ich.
 
Trotz der jahrhundertelangen griechischen Leitkultur in Ägypten ist es doch erstaunlich, dass die Darstellungsweise traditionell ägyptisch geblieben ist.
Eine „griechische Leitkultur“ gab es in Ägypten auch unter den Ptolemaiern im Wesentlichen nur in den wenigen „griechischen“ bzw. „hellenistischen“ Städten wie Alexandria, Ptolemais und Naukratis. Der Rest des Landes und der Städte wurde von ihr nur wenig berührt. Auch die Ptolemaier hatten dort auf traditionelle Darstellungsformen zurückgegriffen.
Eine Art interpretatio Egyptiana vermute ich.
Einfach wie ein Pharao auszusehen hatte.
 
Mal in eine Gegend, welche für archäologische Funde nicht unbedingt im Brennpunkt ist, Tschetschenien. Quelle ist die Internetseite nordisch.info.

Rund 40 Kilometer ostsüdöstlich der Hauptstadt Grosny wurde in Mairtup archäologische Funde festgestellt. Die Ausgräber vermuten dort auf einer Fläche von 350 Hektar den Ort Magas, das untergegangene Machtzentrum der kaukasischen Alanen,

Magas ist aus arabischen Schriftquellen bekannt. Seine genaue Lage ist/war umstritten. Es gibt mehrere Orte in Russland, welche sich als Nachfolger von Magas. Der Ort ist nach den Schriftquellen durch die Mongolen im 13. Jahrhundert ausgelöscht worden.

Mairtup – Wikipedia

Alanen – Wikipedia

https://www.nordisch.info/archaeolo...erstoertes-machtzentrum-magas-wiederentdeckt/
 

Ausgrabung in Nürnberg: Reste einer jüdischen Siedlung gefunden​

 
In Windisch (Vindonissa) wird ja immer wieder etwas gefunden. Jetzt auch noch ein römisches Brot bzw. Gebäck oder besser ein "verkohlter organischer Makrorest" der wahrscheinlich ein Brot war, wie der stv. Kantonsarchäologe sagte.
und auf Schweizerdeutsch gestern im SRF:
 
So toll ist das ja nicht. Oder es ist außerhalb meines Varus-zentrierten Gesichtsfeldes, auch wenn ich weiß, dass jeder m² Boden im schmalen Schleswig-Holstein Spuren der Vergangenheit hat. Aber man sieht, dass die Konservierungsmassnahmen für so einen bröseligen Bronzekessel beträchtlich sind, und genau so die Expertise der Archäologen und Restauratoren in Schloss Gottorf:
Bronzekessel (Vestlandkessel) der Eisenzeit bzw. römischen Kaiserzeit bis Völkerwanderungszeit in Schaalby



Vielleicht wisst Ihr ja mehr über Typologie, Herstellungsorte und Handelswege dieser Westlandkessel (oder heißen die Dinger Vestlandkessel, weil sie vom Festland kommen?):
 
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Eine Schiefertafel, mehr nicht. Sie diente als Übungstafel in einer Goldschmiedewerkstatt, unmittelbar vor dem Übertragen der Motive auf kostbarere Materialien wie Gold und Silber.

Das in der Ausgrabungsstelle
Casas de El Turuñuelo nahe Guareña im Guadiana-Tal, eine nur 1 ha großen Siedlung der Kultur von Tartessos.


Die Ausgrabungsstätte Casas del Turuñuelo in Guareña.

"Casas del Turuñuelo ist eine Siedlung und ein zeremonielles Zentrum, das mit der Tartessos-Kultur in Verbindung steht. Das Volk der Tartessier bewohnte Teile der südlichen Iberischen Halbinsel und zeichnet sich durch eine Mischung aus lokalen paläohispanischen und phönizischen Merkmalen aus. Diese Kultur ist auch für ihre fortgeschrittenen Kenntnisse in Metallurgie und Metallverarbeitung bekannt und hinterließ kunstvolle Objekte und dekorative Elemente."

"Die archäologische Stätte El Turuñuelo im Guadiana-Tal in Spanien wurde in den 1990er Jahren entdeckt. Seit 2014 finden dort Ausgrabungen statt, die ein besseres Verständnis der tartessischen Kultur ermöglichen, deren Volk die Region vor über 2.500 Jahren bewohnte. Die Stätte El Turuñuelo erstreckt sich über eine Fläche von einem Hektar und wurde im Rahmen der drei Ausgrabungskampagnen zu etwa 10 % freigelegt.

Im Jahr 2015 wurden bei einer ersten Ausgrabungskampagne die spektakulären Überreste eines stierfußförmigen Altars, von Sitzbänken und einer 1,70 Meter langen Badewanne freigelegt. Im Jahr 2017 entdeckten Archäologen eine kleine, 2,5 Meter hohe Treppe mit zehn Stufen, die zwei Stockwerke miteinander verband, sowie die Überreste von 19 Pferden, zwei Stieren und einem Schwein. Archäologen gehen davon aus, dass diese Tiere im Rahmen eines Rituals geopfert wurden. Die Ausgrabungen an der Stätte wurden 2022 wieder aufgenommen.

Wie an anderen Stätten der tartessischen Kultur scheinen die Bewohner von El Turuñuelo ihre eigene Siedlung Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. zerstört, in Brand gesetzt und mit Lehm versiegelt zu haben, wahrscheinlich angesichts einer drohenden Invasion durch keltische Völker aus dem Norden. Dadurch blieben die Überreste oft gut erhalten.

Die Kultur von Tartessos.

Die tartessische Zivilisation ist eine antike Zivilisation, die zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr. im Süden der Iberischen Halbinsel, in der Region des heutigen Andalusiens, ihre Blütezeit erlebte. Sie ist noch immer recht wenig erforscht und bekannt vor allem durch griechische Quellen, die ihr ihren Namen gaben; unser Verständnis davon beruht ausschließlich auf archäologischen Funden. Die Herkunft dieses Volkes bleibt rätselhaft, doch könnte es aus einer Verschmelzung zwischen lokalen Bevölkerungsgruppen und Siedlern aus dem östlichen Mittelmeerraum hervorgegangen sein. Die Kultur von Tartessos erreichte zwischen dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. dank des Handels mit den Phöniziern und den Griechen ihren Höhepunkt. Sie verschwand um 500 v. Chr. ziemlich plötzlich, wahrscheinlich aufgrund der Invasion keltischer Völker aus dem Norden."

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Die auf einem der Fotos dargestellte hochwertige Bronzeplakette der Göttin Astarte habt Ihr vielleicht schon einmal gesehen.
 
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Ich bin ja Tourist, futtere gerade spanische Tapas auf La Palma und denke über Reisemitbringsel nach.

Hat jemand anderes in Spanien auch schon vor mir gemacht und im 2. Jh. n. Chr. ein Reisemitbringsel vom Hadrianswall nach Spanien bis an den Duero mitgebracht, einen Hadrianswallbecher, Copa de Berlanga, eines von 5 bekannten Exemplaren. Und dazu das einzige Exemplar, das mit den Namen der östlichen Festungen des Hadrianswalls verziert und individualisiert wurde:

https://www.csic.es/sites/default/files/noticia/2026-04-22/Reconstrucción en 3D de la copa de Berlanga.jpg

"Das im 2. Jahrhundert n. Chr. in Britannien (dem heutigen Vereinigten Königreich) hergestellte Stück ist das einzige der fünf bekannten „Becher des Hadrianswalls“ – einer seltenen Serie emaillierter Gefäße, die mit dieser Grenze in Verbindung stehen –, das Inschriften aus den östlichen Festungen trägt.

Forscher deuten das Stück als Andenken, das ein keltiberischer Soldat nach seinem Dienst an der entlegensten Grenze des Römischen Reiches auf die Iberische Halbinsel mitgebracht hat."


Aus dem spanischen Artikel: "Dieser Vorstellung zufolge wäre der „Berlanga-Pokal“ von Großbritannien aus mit seinem Besitzer gereist, einem ehemaligen Soldaten, der an seinen Herkunftsort zurückkehrte: Keltiberien, eine Region, die einen Großteil der heutigen Provinz Soria sowie Gebiete in La Rioja, Zaragoza, Guadalajara, Teruel und Cuenca umfasste. „Wir wissen, dass die Römer Truppen aus kürzlich eroberten Gebieten in ihre Armee aufnahmen und dass eine keltiberische Einheit, die Cohors I Celtiberorum, am Hadrianswall diente“, fügt Roberto de Pablo, der Erstautor der Studie, hinzu."
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Was mich immer berührt ist dass Legionäre nach dem Ende der Dienstzeit in ihre Heimat zurückkehrten und im eigenen Lebensstil sich etwas von den lieb gewonnenen Errungenschaften der römischen Zivilisation bewahrten.
Ich hätte einen schwunghaften Handel mit Garum an den Ufern der Saale betrieben und mit @Opteryx und @Hermundure sicher auch gute Kunden gehabt.
 
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Ich hätte einen schwunghaften Handel mit Garum an den Ufern der Saale betrieben und mit @Opteryx und @Hermundure sicher auch gute Kunden gehabt.

Ob die wirklich auf der Matte gestanden wären, um die großen Vorratskanister zu ordern, bin ich mir nicht so sicher:
Was deine Käferspeise betrifft, so dürfte die auch nicht viel schlimmer geschmeckt haben, als das berüchtigte Garum, welches nachweislich in Amphoren geliefert wurde. Mancher Römer lebte wohl nach dem Grundsatz: je länger etwas verfault und stinkt, desto schmeckt es.
 
In Tschechien ist eine großflächige Prospektion bzw. Rettungsgrabung, durch Archäologen aus Olmütz, entlang einer Teilstrecke der Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitstrasse von Brünn nach Přerov erfolgt.

Es fanden sich dort neben gut erhalten Siedlungen der Urnenfelderzeit auch spätbronzezeitliche bis latènezeitliche Metallverarbeitung, und dann auch römische¹ Werkzeuge, i.a. ein sehr gut erhaltenes Kalibriereisen [ich kenne das eher als Zieheisen], zur Herstellung von Drähten, und in diesem speziellen Fall zur Herstellung von Drahtringen für ein römisches Kettenhemd, Lorica hamata:




Eine außergewöhnliche römische Kalibrierungsplatte, die bei der Herstellung von Kettenhemden für Legionäre verwendet wurde und in der Tschechischen Republik gefunden wurde.

"Der jüngste Abschnitt dieser Abfolge ist die Römerzeit, als germanische Stämme das Gebiet besiedelten; in dieser Schicht haben Archäologen laut Pavel Moš eine Vorrichtung zum Brennen von Kalk ausgegraben, der sowohl zum Verputzen von Hauswänden als auch zur Verzierung von Keramik verwendet wurde."

"Bei dem Fund, den Experten im mitteleuropäischen Kontext als außergewöhnlich bezeichnen, handelt es sich jedoch um eine Kalibrierplatte in perfektem Zustand – ein Instrument, mit dem Metalldrähte gestreckt und verdünnt wurden, indem man sie nacheinander durch Löcher mit abnehmendem Durchmesser führte. In den Löchern dieses Fundstücks wurde Oxid nachgewiesen, und es ist wahrscheinlich, dass es noch mikroskopisch kleine Rückstände der bearbeiteten Drähte enthält.

Moš kündigte an, dass die Platte zur spektrometrischen Analyse an ein Labor geschickt wird, um das Material des Drahtes zu bestimmen, der beispielsweise zur Herstellung von Kettenhemden verwendet worden sein könnte. Die Einzigartigkeit des Fundes liegt sowohl in der Seltenheit dieser Art von Werkzeug im archäologischen Kontext als auch in seinem Erhaltungsgrad."

In dem beigefügten Video sieht man die mühevollen Schritte zur Herstellung der Ringe.

Es ist übrigens nicht gesagt, ob hier Eisen- oder doch nur Kupferdraht erzeugt wurde.

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¹ Ich denke, dass die Archäologen hier eher die römische Kaiserzeit meinen. Interessant ist natürlich die in der Region hochentwickelte Metall- und Waffenproduktion unter Marbod.
 
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Der Kollege Roboter hat ein Stellenangebot für Bayern erhalten, und abgelehnt. Er hat sich stattdessen für einen echten Technologiestandort entschieden, 45 km vor der französischen Küste, und in 2.500 m Tiefe, im Mittelmeer, auf der Höhe von Ramatuelle im Département Var.
Dabei kann er doch so gut mit Masskrügen umgehen!

Eine Schiffsladung aus dem 16. Jahrhundert, des untergegangenen Handelsschiffs "Camarat 4": eine Ladung Keramik aus Norditalien, Zielort vielleicht Marseille. Bislang die tiefste Bergung in französischen Gewässern.


"Über 200 Krüge, auf denen die geometrischen Muster auch nach 500 Jahren noch perfekt zu erkennen sind."
 
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  • Eigentlich nicht schön: Die Datierung der Besiedelung Südamerikas muss korrigiert werden.
  • Eigentlich doch schön: Die Überprüfung der angewandten Methodik bringt neue Erkenntnisse und schärft die Beobachtung.
Neudatierung des Fundplatzes Monte Verde in Chile.

Der Fundplatz war bislang auf 14.500 v. Chr. datiert worden.
Jetzt zeigt sich, dass er nicht unter, sondern auf einer Ascheschicht liegt, die auf 11.000 v.Chr. datiert wird. Und damit nur noch 4.000 bis 8.000 Jahre alt.
(Leider Bezahlschranke)


Warum wichtig? Der Fundplatz Monte verde wurde anhand seiner Artefakte für viele andere Datierungen amerikanischer Fundplätze herangezogen.


Ein älterer Bericht, im Dschungel der irrigen Annahmen:

Ich interessiere mich ja für die Geschichte der Besiedelung der kanarischen Inseln, und dort waren ja auch wilde Theorien der punischen Besiedlung (X. Jh. V. Chr., de facto vor den Puniern in Mogador) der kanarischen Inseln vertreten worden, unterstützt von unzureichenden C¹⁴-Datierungen.
 
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