Paläolithische Revolution Sub-Sahara

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Hans forscht, 7. Dezember 2012.

  1. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Was wissen wir eigentlich über die Domestizierung von Pflanzen und Tieren im sub-saharischen Afrika (genauer in "Schwarz-Afrika" - Die Sahara war ja auch nicht immer eine Wüste. Mir geht es um ursprünglich afrikanische Bevölkerungen im Gegensatz z.B. zum Maghreb).


    Wenn wir über die paläolotische Revolution sprechen, ist ja für gewöhnlich von Kleinasien und Levante die Rede. Ich frage mich nun aber, ob etwa die sub-saharische (hier passt das Wort, ich spreche von heute) Landwirtschaft und Viehhaltung aus auerafrikanischen Gegenden importiert ist oder es sich nicht vielmehr um eine lokale Entwicklung handelt.


    Nun ist es wiederum nicht so einfach in einem tropisch-afrikanischen Klima bei Behausungen aus Schwachholz, Lehm und Palmwedeln Jahrtausende später noch etwas zu ergraben. Es mag aber ja trotzdem archäologisch verwertbare Hinweise geben.


    Kann hier jemand Licht reinbringen?
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Domestizierung von Pflanzen und Tieren = neolithische Revolution; "paläolithische Revolution" ist mir als Begriff unbekannt.

    Die Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht steht vermutlich mit der Ausbreitung der Bantu-Sprachen in Zusammenhang. Ausgehend von Westafrika verbreiteten sich die zu den Niger-Kongo-Sprachen gehörenden Bantusprachen über weite Teile Afrikas und überlagerten bzw verdrängten dabei vermutlich Menschen, die heute zu den Khoisan oder Pygmäen gerechnet würden, würde es sie noch geben.

    Bantu ? Wikipedia

    In Westafrika wurden vermutlich folgende Pflanzen wie Sorghum Perlhirse, Erdnuss, eine Form der Jamswurzel und vielleicht auch die Wassermelone domestiziert; außerdem stammt das domestizierte Perlhuhn wohl von dort.

    Die nördlich der Sahara angebauten Getreidesorten kommen wohl mit dem Klima im subsaharischen Afrika nicht klar, weswegen sich die auf Weizen ua Getreide aus dem Nahen Osten gestützte Landwirtschaft sich nie in diese Gebiete ausbreitete. (Ausnahme ist Südafrika mit einem dem Mittelmeerraum vergleichbaren Klima; weswegen hier auch europäische Siedler Fuß fassten, bevor sich Bantu ansiedelten.)

    Ebenso hat es das Pferd in Afrika nicht weit gebracht; im Gegensatz dazu sind nicht aus afrika stammende Rinder für die traditionelle Wirtschaft vieler Bantu ziemlich zentral.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig. *Paläolithische Revolution ergibt auch so recht keinen Sinn.
     
  4. Arldwulf

    Arldwulf Aktives Mitglied

    Was es gibt sind indizien für die Nutzung wilder Formen späterer Nutzpflanzen - durchaus auch mit zermahlenen Körnern und später Teig und Ofen.

    Das könnte man als "prä-" neolithisch bezeichnen, da diese Vorformen der späteren Domestikation offenbar recht weit zurückgehen und damals noch keine Veränderten Nutzformen entstanden sind.

    Die allerfrühesten Indizien dafür zeigen tatsächlich nach Afrika - ob es aber eine Inspirierung gab oder später unabhängig voneinander die Domestizierung "erfunden" wurde muss aber wohl Spekulation bleiben. Ich tippe eigentlich auf erstes.
     
  5. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Laut Jared Diamond "Arm und reich" ist die Landwirtschaft in mehreren Zentren der Erde entstanden. In Afrika waren das (mutmaßlich) die Sahelzone (dort domestizierte Pflanzen : Sorghum, afr. Reis/ Tiere : Perlhuhn/ ältester belegter Zeitpunkt : 5000 v.Chr.), das tropische Westafrika (afr. Jams, Ölpalme /-/ 3000 v.Chr.) und Äthiopien (Kaffee, Tee /-/?). Die meisten Kulturpflanzen, z. B. Getreide, die in Äthopien und Ägypten angebaut wurden, waren in Vorderasien domestiziert worden.

    Die Landwirtschaft gelangte mit der Expansion der Bantus (die durch die Landwirtschaft erst möglich wurde) von Kamerun/ Nigeria nach Ostafrika und - sowohl von da aus als auch entlang der Westküste - ins südliche Afrika.

    Interessant fand ich dies : Die Pflanzen aus Westafrika, die die Bantus mit sich führten, sind einen feuchten Sommer und einen trockenen Winter gewöhnt. Bei den nordostafrikanischen Pflanzenarten ist es umgekehrt; die machten die Wanderung aber nicht mit. So kam es, dass die Kulturpflanzen der Bantus in dem Sommer-trocken-Winter-feucht-Klima Südafrikas nicht gediehen und so ihre weitere Expansion am Fish River (600 km östlich von Kapstadt) zum Stillstand kam. Als die Buren dorthin kamen, trafen sie daher zunächst nur die Jäger & Sammler der Khoi-San an. Und was für Nutzpflanzen brachten sie mit ? Richtig, die Europäischen mit dem "anderen" Jahreszyklus.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Skoglund/Reich und andere haben nun aktuell eine großangelegte humangenetische Studie zu Afrika publiziert:
    Reconstructing Prehistoric African Population Structure

    Freier download:
    Skoglund et. al.:
    Reconstructing Prehistoric African Population Structure


    Abstrct:
    We assembled genome-wide data from 16 prehis- toric Africans. We show that the anciently divergent lineage that comprises the primary ancestry of the southern African San had a wider distribution in the past, contributing approximately two-thirds of the ancestry of Malawi hunter-gatherers 8,100– 2,500 years ago and approximately one-third of the ancestry of Tanzanian hunter-gatherers 1,400 years ago. We document how the spread of farmers from western Africa involved complete replacement of local hunter-gatherers in some regions, and we track the spread of herders by showing that the population of a 3,100-year-old pastoralist from Tanzania contributed ancestry to people from north- eastern to southern Africa, including a 1,200-year- old southern African pastoralist. The deepest diversifications of African lineages were complex, involving either repeated gene flow among geographically disparate groups or a lineage more deeply diverging than that of the San contributing more to some west- ern African populations than to others. We finally leverage ancient genomes to document episodes of natural selection in southern African populations.




    Presse:
    First large-scale ancient DNA study helps reconstruct African population structure - HeritageDaily - Heritage & Archaeology News

    Ancient human DNA in sub-Saharan Africa lifts veil on prehistory
     
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  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dazu nun die Medien:
    DNA sheds light on African history

    Die BBC bemerkt, dass nach der Studie ein hoher Zuwanderungsanteil in der Subsahara aus der Levante stammt. Nach den Interviews ua. mit Skoglund ist das eine ähnliche Entwicklung wie in der Verbreitung und neolithischen Revolution nach Europa hinein. Der populationsgenetische "Levante-Anteil" wird auf knapp unter 40 % geschätzt.

    Land- und Viehwirtschaft verbreiteten sich offenbar als Erfolgsmodell, und migierende Populationen mischten sich mit den angestammten Jäger- und Sammlergesellschaften.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Bantu-Expansion in Bezug auf Ausbreitung der Sprache wird mit der Verbreitung der Landwirtschaft in Verbindung gebracht (siehe oben).

    Eine neue Studie beschäftigt sich nun mit dem Phänomen, dass die Südexpansion und die östliche Expansion offenbar unterschiedliche Geschwindigkeiten hatte. Hier stellt sich auch die Frage, ob die geografischen Besonderheiten dazu beigetragen haben.

    Der Aufsatz ist aber deshalb interessant, weil er an dieser Ausbreitungsgeschwindigkeit die Frage anhängt, welche Bedeutung dabei einer demic diffusion (also einem Populationsaustausch bzw. Wanderungsbewegungen) und welche Bedeutung einer cultural diffusion (know-how Transfer, kulturelle Ausbreitung) zukommt.

    Einig war man sich wohl darin, dass eine demic diffusion für Afrika die vorrangige Bedeutung hatte. Die Südexpansion soll außerdem durch eine stärkere cultural diffusion befördert (=beschleunigt) worden sein.

    Publikation, im open access der PLOS.One:
    Assessing the importance of cultural diffusion in the Bantu spread into southeastern Africa
     
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