Paris im 17. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Louis le Grand, 18. Dezember 2004.

  1. Louis le Grand

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    Paris im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter des Absolutismus


    „Der Hof und die Hauptstadt“ waren das bipolare Zentrum der Monarchie. Paris hat seit dem 16. Jhr. ständig an Bedeutung zugenommen. Zu Beginn des 14. Jhr. umfasste die frz. Hauptstadt 0,5% der frz. Bevölkerung, Anfang des 17. Jhr. 1,5% gegen 1660 2,5%, gegen 1789 bei stark angewachsener Gesamtbevölkerung 2,4%. Die Einwohnerzahl wuchs von 250.000 Ende des 16. Jhr. auf 700.000 Ende des 17. Jhr. und auf 800.000 beim Ausbruch der Revolution. Bis zum Ende des 18. Jhr. war Paris die größte Stadt der Welt, dicht gefolgt von London, Neapel, Konstantinopel und Peking, seitdem wurde es von London überrundet. Paris besaß innerhalb Europas den höchsten Bildungs- und Alphabetisierungsgrad. Von den europäischen Christen, die ihren Namen zu schreiben vermochten, wohnten etwa 4% in Paris, von denjenigen, die des Lesens und Schreibens kundig waren, 7%; gar 20% der literarischen, kulturellen und wissenschaftlichen Elite Europas.

    In Paris waren die gleichen soz. Gruppen wie in den Provinzmetropolen vertreten. Darüber hinaus orientierten sich auf Paris die sozialen, politischen und kulturellen Eliten des ganzen Landes. Der Hof, der Staatsrat und die Zentralbehörden residierten bis zum Bau des Schlosses von Versailles im Louvre oder den königlichen Schlössern des Pariser Beckens, seit der endgültigen Verlegung des Hofes nach Versailles (1682) vorzüglich dort. Paris bliebt dennoch in administrativer Hinsicht höchst bedeutend, da der Grand conseil und die Obergerichte Zentralfrankreichs, z. T. auch die Abteilungen der königlichen Ministerien, auch mehrere Gesamtfrankreich betreffende Spezialgerichte in Paris ihren Sitz hatten. In Paris residierten die Eliten des frz. Adels, die Prinzen von Geblüt, die Herzöge und Pairs, viele weitere bedeutende Adelsgeschlechter. Hier befanden sich auch die Büros und Paläste der Generalpächter der indirekten Steuern und Zölle.

    In Paris lagen vier königliche Residenzen: der Louvre, die Tuilerien und das Palais de Luxembourg, des weiteren das Palais-Royal . Ältester Königssitz in Frankreichs Hauptstadt war der Louvre , dessen Anfänge – ursprünglich eine Festung – bis auf das 12. Jhr. zurückweisen. Dieser Ort auf der rechten Uferseite der Seine, fast auf der Höhe der Ile de la Cité gelegen, vereinte Residenz, Schatzkammer und Staatsgefängnis. Charles V. von Frankreich, der Weise genannt, machte den Louvre zu seinem offiziellen Hauptsitz der Könige. Allerdings ließ der genuss- und bausüchtige Francois I. das ungewöhnliche, recht burgähnliche Gemäuer abreißen und ein Schloss im Stil der Hochrenaissance an dessen Stelle setzten. Damals erhielt der Louvre jene Grundform, die bis zum heute heutigen Tage erhalten geblieben ist. Mit Pierre Lescot und Jean Goujon standen Francois I. Künstler zur Seite, die den von Italien übernommenen Vorbildern die spezifische französische Note gaben. Am Louvre bauten auch die nachfolgenden Generationen. Unter Henri IV. entstand die eindruckvolle Grande Galerie (große und kleine Galerie) entlang der Seine, die eine Verbindung zu den benachbarten Tuilerien herstellte. Dieser harmonische Bau war das Werk von Etienne Dupérac und Louis Métezau. Unter Louis XIV. erweiterten die Architekten Jacques Lemercier, Louis Le Vau und Claude Perrault den Louvre um die Cour carrée (viereckiger Hof) und die Arkaden. Die von Perrault – einem Mann, der überdies in der Medizin und Naturwissenschaften zu Ehren kam – geschaffenen Arkaden zur Uferseite, die heute als Zierde des Louvre gelten und vielen späteren Säulenbauten als Anregung dienten, wurde von den Zeitgenossen als misslungen betrachtet. Im ersten Geschoss der Galerie ließ Louis XIV. die Werkstätten und Domizile für die Künstler und Handwerker in unmittelbarer Nähe der Königs einrichten. Am Louvre tauchten in der Architektur zum ersten Mal die gekreuzten L als Initialen für Louis auf.

    Den Bau der benachbarten Tuilerien hatte die prunkliebende Regentin Catherine de Medici, berüchtigte Anstifterin der Bartholomäusnacht, im Jahr 1563 veranlasst. Dieses Schloss entstand in seiner ursprünglichen Form unter Leitung des Architekten Philibert Delorme. Es wurde leider 1872 durch ein Feuer zerstört, die Stelle vor dem Louvre ist bis heute frei. Doch dessen enorme Gärten heißen bis heute Tuilerien.

    Wesentlich kleiner, dafür von einer imposanten Gartenanlage mit herrlichen Wasserspielen und allegorischen Figuren umgeben, war das Palais du Luxembourg . Wie die vorher genannten Schlösser gehörte es zu den Herrschaftssitzen, die bis weit in das 19. Jhr. hinein Geschichte gemacht haben. Erbauen ließ das Palais im 16. Jhr. der Herzog von Piney-Luxembourg – von daher der Name – als Hôtel (Stadtpalais) am Rande eines durch seine Gartenanlagen berühmt gewordenen Kartäuserklosters. Als Henri IV. dem Dolch des Fanatikers Ravaillac zum Opfer gefallen war, erwarb dessen Witwe, Marie de Medici, 1612 das Palais, ließ es durch den Architekten und Bildhauer Salomon de Brosse beträchtlich erweitern und da sie ihre toskanische Heimat nicht missen wollte, in ein Klein-Florenz umrüsten. Zu den Attraktionen des Palastes gehörten die Malereien von Rubens – 24 allegorische Kolossalgemälde über das Leben der Königin, die sich heute im Louvre befinden – und der Medicibrunnen, eine kunstvolle Wassergrotte mit eigenem Aquädukt. Allerdings konnte sich Marie de Medici ihres Kleinods nicht lange erfreuen. Von ihrem Sohn Louis XIII. 1631 in die Verbannung geschickt, brauchte das Palais einen neuen Herrn und fand es in des Königs Bruder Gaston d’Orléans, dessen Töchter es schließlich an Louis XIV. abtraten. Der majestätische Medici-Saal mit seinen schweren Stuckverkleidungen und den wertvollen Wandmalereien hat dem jungen König als prachtvoller Rahmen für viele Empfänge gedient.

    Wenige Schritte vom Louvre und den Tuilerien befindet sich das Palais-Royale , einst das ausgedehnte Domizil von Kardinal Richelieu. Der allmächtige Erste Minister hatte sich den Palast in nur fünf Jahren (1629-1634) von Jacques Lemercier erbauen lassen. Von der Größe her vermochte das Hôtel Richelieu mit den königlichen Residenzen zu konkurrieren. Seinem Vorbild folgten viele Adelige und ließen sich im neuen Pariser Nobelviertel Saint-Germain ihre Hôtels errichten. Diese erste große Bauwelle in Paris wurde jedoch von der zweiten unter Louis XIV. bei weitem übertroffen. In seinem Testament übergab Richelieu das Palais dem König. Fortan war es als Palais-Royal der sitz der Königin Anne mit ihren beiden Söhnen. In Louis’ XIV. Erinnerung brannte sich das Palais-Royal durch die Ereignisse der Fronde auf bittere Weise ein. Trotzdem blieb Louis dem Palais verbunden, nicht zuletzt wegen des in einem Flügel eingebauten großzügigen Theaters, einer der wichtigsten Wirkungsstätten Molières. Auch der Hofkomponist Lully gehörte zu den illustren Bewohnern des Palais.

    Paris machte bereits mit dem Regierungsantritt Henris IV. zunehmende Veränderungen durch. Die Bourbonen erkannten zusehends wie förderlich öffentliche Bauten für das Ansehen der Krone waren. Paris sollte zum Spiegelbild des Machtanspruchs der König Frankreichs werden. König Henri vollendete den Bau des berühmten Pont-Neuf mit der Place Dauphine, der ersten Brücke in Paris auf der keine Häuser standen und dadurch den Blick auf die Seine und Paris preisgab.

    Unter Louis XIII. wurde die Place royale (heute Place des Vosges) im neuen Marais-Viertel gebaut und die Bauten an der Kirche Val-de-Grâce begonnen.

    Doch die größte Bauphase in der Geschichte Paris stellt die Regierung Louis XIV. dar, nur die Maßnahmen unter Haussmann im 19. Jhr. kommen denen gleich. Unter der Kontrolle des berühmten Ministers Colbert sollte die Stadt in ein neues Rom verwandelt werden. Städtebaulich sollte Paris an erster Stelle stehen und so ein Vorbild für ganz Europa werden. Zahlreiche Projekte wurden nun vom König begonnen. Bereits relativ früh wurden im Jahr 1672 die Stadtmauern von Paris abgetragen und durch einen breiten Boulevard ersetzt. (Das frz. Wort Boulevard ist eigentlich eine frz. Verballhornung des dt. Wortes Bollwerk und bezog sich auf die Mauern von Paris, nach deren Schleifung wurde dieses Wort beibehalten) Hier wurden nun die Triumphbögen zu Ehren des Königs errichtet: die Porte St.Denis und die Porte St.Martin . Paris war ohnehin schon seit langem über die Mauern hinweggewachsen und es hatten sich die Fauxbougs-Viertel gebildet. Nur die Bastille blieb erhalten.

    Großen Raum nahmen die Projekte für zwei monumentale Plätze ein, Place Louis le Grand und der Place des Victoires . Ein ganz besonderes Bauwerk sah der König im Hôtel des Invalides und dem angegliederten Prunkstück des Invalidendoms . Dort wurde die Kriegsversehrten kostenlos versorgt. Zum Teil gab aus ganz einfache Maßnahmen mit großen Effekten, etwa der ersten Straßenbeleuchtung in Europa, einer Primitivkanalisation, der durchgehenden Pflasterung aller Straßen und der Schaffung einer Berufsfeuerwehr und Müllabfuhr, auch die Neuregelung der Polizeitruppen ist hier zu erwähnen. Darüber hinaus gab es zahlreiche andere Baumaßnahmen wie Brücken, Kirchen, Parkanlagen, Brunnen und Staturen. Ja, man begann sogar Paris als kulturelle Hauptstadt Europas zu feiern.

    Buchtipps:
    Orest Ranum; Paris in the Age of Absolutism
    Andrew Trout; City on the Seine, Paris in the Time of Richelieu and Louis XIV., 1614-1715


    Siehe auch: Paris im 13. Jahrhundert von Ursi
     
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    Der Louvre im Wandel der Jahrhunderte. Wenig Text, dafür viele Bilder:

    http://courses.arch.hku.hk/history_and_theory/02/shyuenb/louvre/

    Und dann noch der ultimative Buchtipp:

    http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3829018983/qid%3D1110210115/302-0946182-3659217

    Das bei weitem beste Buch über die Geschichte von Paris und den zahlreichen Bauten und Ereignissen in der jahrhundertelangen Geschichte der frz. Hauptstadt. Vom selben Autor, der auch preisgekrönte Bände über Versailles, Vaux-le-Vicomte und Fontainebleau herausgebracht hat, Jean-Marie Perouse de Montclos. Seine Bücher sind mit den vielen Fotos und fantastischen Texten einfach nur Top, Top, Top. :yes:
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. März 2005
  6. Andronikos

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  7. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Kleine Korrektur. Das ist der alte Louvre wie er unter Charles V. aussah, nachdem er ihn um 1360 in eine gotische Residenz umbauen ließ. Dieser Louvre wurde dann unter François I. ab 1528 abgerissen und der Neubau eines Renaissance-Schloss begann. Hab vielen Dank für das schöne Bild. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2005

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