Personenverbandsstaat - Territorialstaat

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Stefan H, 6. Mai 2014.

  1. Stefan H

    Stefan H Neues Mitglied

    Grüß euch liebe Community,
    ich bereite mich grade auf mein schriftliches Geschichtsabitur vor und dabei sind mir einige Fragen bezüglich des Übergangs vom Personenverbandsstaat zum Territorialstaat aufgekommen.
    Eine Genaue Definition, detailliert bezüglich der genauen wechselseitigen Beziehungen zwischen König - Vasallen - Untervasallen - Städte und Stände und der rechtlichen Aspekte ist im Internet leider nicht zu finden.
    Welchen Einfluss hatte der Investiturstreit auf den Übergang vom Personenverbandsstaat zum Territorialstaat.
    In wie fern hatte der Staufische Reichsgedanke (welcher gescheitert ist ?) diesen Übergang ermöglicht ? Eine Erklärung des Staufischen Reichsgedanken fände ich auch noch sehr Hilfreich ;)

    Welche weitere Aspekte spielen beim Übergang eine Rolle ?

    Und zu guter letzt, würde ich gerne wissen wie der Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht nach dem Wormser Konkordat weiterging und weshalb das Konkordat das sakrale Königtum "entzaubert" hat.


    Selbstverständlich habe ich zu all diesen Fragen auch eigenes Wissen und Antworten, jedoch wäre mir ein noch detaillierte Erklärung sehr nützlich. Auch wenn die Fragen teilweise über das Abiturniveau hinaus gehen, würde ich mich über hilfreiche Antworten freuen. Auch Links zu diversen Internetseiten die mir dabei weiterhelfen könnten wären super ;)

    LG Stefan
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Über diesen Wiki-Artikel hinaus Personenverbandsstaat ? Wikipedia ist in der Fachliteratur wenig zum Personenverbandsstaat zu finden. Hans Boldt äußert sich in seiner "Deutschen Verfassungsgeschichte" so:

    Die Publikation von Hans Boldt führt die Themen "Personenverbandsstaat" und "Territorialstaat" noch ausführlicher weiter, sodass du den Band bei Interesse in einer Bibliothek ausleihen müsstest.

    Der moderne Territorialstaat ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern das Produkt einer längeren Entwicklung. Nimmt man es genau, hat er sich sogar bis zum Ende des Alten Reichs nicht überall vollständig durchsetzen können, da Partikel alter Gewalten und Herrschaftsansprüche lebendig blieben. Anfänge moderner Staatsbildung gibt es im Hochmittelalter um 1200, der eine Territorialbildung im 13. Jh. folgte. Dieses Jahrhundert gilt als eigentliche Entstehungszeit. Von domini terrae ist schon in einem Reichsweistum von 1231 die Rede, wenig später (1237) von ministeriales terrae (anstatt von ministeriales ducis) und allmählich werden die Zusammensetzungen mit "Land" häufig: vom "Landrecht" über "Landgrafschaften" und "Landvogteien" zum "Landesvater" zu den "Landeskindern" und "Landsknechten".

    Der Übergang zur "Landes"herrschaft ist offenbar Ausdruck einer aufgrund der Bevölkerungszunahme und Bevölkerungsdifferenzierung eingetretenen Herrschaftsverdichtung. Gefördert wurde diese Territorialisierung der Herrschaft schon früh vom Reich, durch Kaiser und Könige, die sich gegen die Konkurrenz der Stammesherzöge durchzusetzen versuchten. Schon im 12. Jh. tauchen neue, nicht mehr dem Stammesprinzip folgende terrae imperii auf. Während jedoch in Frankreich der Aufbau einer königlichen Landesherrschaft gelang, führte die Raumerfassung in Deutschland nach dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft dazu, dass eine Fülle größerer und kleinerer Potentaten durch die Errichtung von Gebietsherrschaften zu "Landesherren" aufstieg.

    Rechtsgrundlage bildeten verschiedene Elemente. So vor allem die Grundherrschaft, die aus fränkischer Zeit überkommene Grafschaft mit Grafschaftsrechten wie z.B. der hohen Gerichtsbarkeit, Daneben aber ließen sich alle möglichen Machtmittel und Rechtstitel benutzen, so z.B. eine mit Immunitätsrechten begabte Grundherrschaft, die eine Vogtei über Kirchen, die niedere Gerichtsbarkeit oder das Forstregal besaß, vor allem aber eine Grafschaft mit ihrem Bündel von Hoheitsrechten. Konkurrierende Herrschaften wurden aufgekauft oder durch Einheirat erworben. Gegenüber kleinen Machtträgern im Lande wurde z.B. das Lehnsrecht ausgespielt, indem man Lehnsvergaben davon abhängig machte, dass der Vasall seinen Eigenbesitz dem Herrn auftrug, um ihn anschließend zusammen mit den begehrten Herrengütern als Lehen zurückzuempfangen. Das verstärkte seine Abhängigkeit und vergrößerte den Umfang dessen, was beim Aussterben einer hochadligen Familie im Lande an den Fürsten zurückfiel.

    Im Idealfall waren am Ende dieses Prozesses alle anderen Herrschaftsträger aus dem betreffenden Raum ausgeschlossen oder untergeordnet, und es bestand nur noch eine Abhängigkeit vom Reich.

    Es zeigt sich, dass die Schwächung der Reichsgewalt den Aufbau von Landesherrschaften förderte, wie besonders die Doppelwahl von 1198 und der Zusammenbruch der Stauferherrschaft.
     
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  3. Stefan H

    Stefan H Neues Mitglied

    Danke Dieter, das hilft mich auf jeden Fall weiter :)
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Gern. :winke:

    Diese Frage von dir blieb allerdings unbeantwortet:

    Es gibt einige Historiker die der Ansicht sind, dass der Investiturstreit den Prozess der Territorialisierung förderte. Und zwar dadurch, dass das "Reichskirchensystem" als Stütze königlicher Macht gegenüber den widerborstigen Stammesherzögen entfiel und die deutschen Könige daher die Auflösung der Stammesherzogtümer betrieben. Das ist ihnen auch gelungen, nachdem mit dem Sturz Heinrichs dem Löwen 1180 der letzte Stammesherzog abdankte.

    Es ist allerdings umstritten, wie weit Investiturstreit und Territorialisierung tatsächlich zusammenhängen.
     

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