Polnische Lösung

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Gast, 28. Juli 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich habe irgendwo von einer sog. polnischen lösung gehört, die anstelle der klein- oder großdeutschen Lösung hätte gewählt werden können.
    Wisst ihr zufällig was diese poln. Lösung war, was in ihr inbegriffen war?
    Gibt es noch weitere unbekannte Lösungsansätze neben der klein- und grodeutschen Lösung? (ist zwar schon ein paar Jahrchen her aber wir hatten nur diese beiden im Geschichtsunterricht)

    vielen dank
     
  2. Solidarnosc

    Solidarnosc Neues Mitglied

    Ich kenne nur die

    Kleindeutsche Lösung: Preußen und die restlichen deutschen Länder ohne Österreich

    Großdeutsche Lösung: Preußen, die deutschen Länder und der deutsche Teil Österreichs

    Großösterreichische Lösung: Preußen, deutsche Länder, Österreich und österreichs Besitzungen auf dem Balkan, Ungarn etc.

    Von einer polnischen Lösung habe ich noch nichts gehört, Polen war damals unter Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt.
     
  3. Saint-Just

    Saint-Just Neues Mitglied

    Ich glaube mich zu erinnern, dass es 1848 diskussionen gab, was mit den von preußen annektierten polnischen gebieten passieren sollte (großherzogtum thorn): teil deutschlands oder eigener nationalstaat?

    vielleicht ist das damit gemeint?
     
  4. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Ich habe gestern von einer "polnischen Lösung" gepostet und zwar hier: http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=7138 (Beitrag vom 27.07.2005 18.50 Uhr).

    In den Kriegen um Schlesien (1740-42, 1744-45 und 1756-63) wurde deutlich, dass die Reichsidee politisch gescheitert war. Im Reichsraum existierten nunmehr zwei Mächte, die sich in Kriegen als Großmächte erwiesen haben: Österreich und Preußen. Beide Mächte stritten miteinander um die Vorherrschaft in Deutschland (preußisch-österreichischer Dualismus).

    Von diesem Dualismus waren auch jene Gebiete des Reichsraumes betroffen, die nicht zu Preußen und Österreich gehörten (Restreich). Preußen setzte sich zwar an die Spitze der Reichsopposition. Aber in den polnischen Teilungen (1772 und 1795) zeigte sich, dass Preußen eben auch bereit war, österreichische Gebietserweiterungen zu akzeptieren, wenn sich durch solche Absprachen auch die preußische Macht ausbreitete. Ja Preußen erwies sich sogar als Motor dieser Konvinienzpolitik. Maria Theresia war eine Gegnerin der polnischen Teilung.

    Aus der Sicht der größeren Staaten des Restreiches, das dringend einer Neugliederung bedurfte, sicherte der preußisch-österreichische Dualismus ihr Überleben nur solange wie sich Preußen und Österreich gegenseitig blockierten. Zugleich bestand aber die Gefahr, dass Preußen und Österreich entsprechend ihrem Vorgehen in Polen das Alte Reich liquidieren und das Restreich untereinander aufteilen: Norddeutschland an Preußen, Süddeutschland an Österreich und Kompromisse in der Mitte - die "polnische Lösung" der überkommenen Verhältnisse in Deutschland.

    Die "polnische Lösung" war also ein Schreckgespenst. Und damit aus diesem Gespenst keine bittere Realität wurde, haben die Fürsten der größeren Länder des Restreiches zusammen mit Frankreich im Rheinbund die Flurbereinigung West- und Süddeutschlands (Mediatisierung und Säkularisation) sowie die Liquidation des Alten Reiches betrieben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2005
  5. Arne

    Arne Premiummitglied

    Also ist die "polnische Lösung" nicht als eine Regelung für Polen zu verstehen, sondern eine Übertragung der polnischen Aufteilung auf deutsche Gebiete?
     
  6. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Ja. Die Formulierung drückte sehr anschaulich aus, dass Preußen und Österreich eben auch zusammenarbeiten konnten - im eigenen Interesse und zu Lasten Dritter. Warum sollte diese Zusammenarbeit vor deutschen Gebieten halt machen? Gerade die west- und süddeutschen Gebiete bedurften dringend einer Neugliederung.

    Interesssant ist in diesem Zusammenhang, dass die Reichsidee Ende des 18. Jahrhunderts unter den Juristen nochmals aufblühte. Man beschäftigte sich noch ein letztes Mal mit der Verfassung des Heiligen Römischen Reiches. Zum einem war man mit der Blockade des Reiches unzufrieden. Zum anderen spürte man aber im Restreich auch die Gefahr unter die Räder zu geraten. Also versuchte man die Reichsidee mit Hilfe der Reichsverfassung wiederzubeleben und der Politik mit Hilfe der Verfassung Grenzen zu setzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2005
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