Polnische Stereotype "polnische wirtschaft"

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Würmchen, 27. Februar 2012.

  1. Würmchen

    Würmchen Neues Mitglied

    Hi Leute,

    dieses WS besuchte ich ein Seminar zur deutsch-polnischen Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte. Ich habe mich entschieden in diesem Rahmen eine Arbeit über die in der Frühenneuzeit entstandenen polnischen Stereotype zu schreiben. Jeder der sich mit der damaligen Wahrnehmung des Polentums auskennt, dem wird sicher auch der Begriff der "polischen wirtschaft" bekannt sein. Hier bei geht es um einen äußerst negativ konnotierten stereotypischen Begriff für das polnische Volk. Quellen dazu und nachweise finden sich u.a. bei George Forster.

    Ich suche nun nach Quellen zwischen 17. jh. und dem 19. jh., deutscher seits, die ein positives Polenbild wieder geben, um ein wenig anderes in das Themengebiet einzubringen, da zur "polnischen wirtschaft" mein Prof. schon bis zur Erschöpfung selbst recherchiert hat.

    Hat sich jmd. von euch mit dem Thema schon mal auseinandergesetzt?

    Liebe Grüße an alle Leser

    Würmchen
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe nur indirekt das Thema gestreift. Ein positives Bild von Polen kenne ich aber aus Deutschland im 18.Jh. z.B. nicht. Hm, ich könnte aber mal schauen, was August der Starke über sie sagte.
     
  3. Würmchen

    Würmchen Neues Mitglied

    Es kann nicht sein, dass das Polenbild der Deutschen der Freühen Neuzeit nur negativ war. Ich suche Quellen die Polen als "Insel der Freiheit" anpreisen, weil es das in vielerlei Hinsicht auch war.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht, ob dich ein deutsches Gedicht aus dem 19. Jh. zur Schlacht von Ostrolenka (Ostrołęka) interessiert.

    Wenn ja, schau hier: Freiburger Anthologie - Gedichte
     
  6. Würmchen

    Würmchen Neues Mitglied

    Das Gedicht ist gut. Der damalige polnischen Patriotismus kommt bei dem Gedicht gut raus. Die Deutschen haben den bei den Novemberaufständen aufkommenden Nationalismus der Polen, als einen aggressiven Panslavismus gedeutet. Was auch ein negatives Licht auf die Polen warf. Angela Koch in DruckBilder arbeite das ganz gut heraus.

    Sagt einem das im Jahre 1860ern erschienene deutsche Magazin "Die Gartenlaube" was?
    Eine Familien Zeitung, die wohl nicht nur die deutsche Nationalidentität stärken wollte, aber sich auch an der Flechtung polnischer Stereotype beteiligte.
     
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  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die gab es
    Nach dem Aufstand von 1830 wurden die Polen in liberalen , demokratischen Kreisen Deutschlands sogar zum Symbol der Freiheit unterdrückter Völker schlechthin . Besonders in Südwestdeutschland verbindet man das dortige Streben nach Freiheit im Kampf gegen die preußische Reaktion mit dem polnischen Aufstand, so daß zumindest in dieser Region eine polenfreundliche deutsche Dichtung, Literatur und Geschichtsschreibung entsteht.
    Guck mal in Werke von Leuten wie Carl von Rotteck, Friedrich von Raumer, Nikolaus Lenau, August von Platen , Georg Büchner oder Karl von Holtei,da wirst Du fündig.

    Diese Positionen wurden jedoch bereits mit der Polendebatte in der Paulskirche ,bei der sich Nationalisten wie E.M.Arndt und Jordan durchsetzten relativiert, mit dem Scheitern der Revolution 1849 von der preußisch dominierten Geschichtsschreibung überdeckt und verschwinden mit wachsender preußisch-nationalistischer Dominanz bei der Reichsgründung 1871 und endgültig nach 1918.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2012
  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

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  9. Würmchen

    Würmchen Neues Mitglied

    "Polnische Wirtschaft"

    Hi, vielen vielen Dank erst einmal für die Zitate!

    Ich habe nun recht viel zu polnischen Stereotypen. Da ist die Gartenlaube zu nennen, George Forster und natürlich eure Zitate zur Versammlung.

    Es hat sich für mich zu einem Problem erwiesen diese Hausarbeit zu schreiben. Das Thema des Seminars war "Beziehungsgeschichte und Verflechtung Pole-Deutschalnd der frühen Neuzeit" jetzt bin ich total durcheinander gekommen. Ich verzweifele!!!!

    Denn ich habe auch ein Problem was die Recherche betrifft. Ich bin in Sibirien auf Auslandssemester. Diese Arbeit schreibe ich für das auslaufende WiSe.

    Ich habe das Problem der Strukturierung. Hat jmd. von euch vielleicht schon mal eine Arbeit zu diesem Thema verfasst oder kann mir aus meinem Wirrwarr andersweitig helfen.

    Mein Problem ist die Verknüpfung der vorhandenen Informationen.

    Grüße aus Tomsk
     
  10. Würmchen

    Würmchen Neues Mitglied

    Ursprünglich dachte ich daran die polnisch-deutsche Beziehung an Hand dieser Stereotype zu skizzieren. Dabei wollte ich mich an George Fosters Erlebnisse in Wilna stützen. Sowie dem Polenbild wärend der nationalen Aufstände aber auch an den Ausführungen von Anna Koch, die das deutsche Verhältnis zu Polen anhand der "Gartenlaube" untersucht.

    Ich weis nur nicht dies alles zu verknüpfen!
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Polen wurde 1772, 1793 und 1795 geteilt und verschwand 1795 für über 120 Jahre ganz von der Landkarte. Das Polenbild im Wandel zwischen 1800 und 1900 ist eigentlich ein hochinteressantes Thema. Nach dem Koscziusko Aufstand und auch in der 1848er Bewegung gab es innerhalb des deutschen Bürgertums eine regelrechte Polenbegeisterung, die der Bewunderung der Griechen, die sich in den 1820er Jahren von der osmanischen Herrschaft befreiten kaum nach. Dazu kamen die Erfolge von Frederic Chopin, und es ist diese Polenbegeisterung im Zuge der Spätromantik der Hintergrund für die überaus gastfreundliche Aufnahme, die der Schneidergeselle Wenzel Strapinski in Gottfried Kellers Novelle "Kleider machen Leute" im fiktiven Schweizer Goldach findet, weil man ihn wegen seiner polnischen Pelzkappe und seines Radmantels für einen
    emigrierten polnischen Magnaten hält und entsprechend behandelt, obwohl Strapinski so pleite ist, dass er mit den örtlichen Honorationen nicht zocken kann.
     

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