Probus – Sohn von Sirmium

Blackadder

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Hallo zusammen,


ich muss hier einfach kurz meine Begeisterung teilen. Ich habe vor kurzem einen historischen Roman gelesen, der mich komplett umgehauen hat: "Probus – Sohn von Sirmium".


Ich lese wirklich viel über das Römische Reich, aber fast alle Bücher drehen sich immer um Cäsar, Nero oder die Prätorianer in Rom. Dieser Roman ist anders. Er beleuchtet die "Krise des dritten Jahrhunderts" und die Soldatenkaiser aus Illyricum/Pannonien – eine Epoche, die in der Belletristik sträflich vernachlässigt wird.


Was mich so fasziniert hat: Die Geschichte wird aus der Perspektive von Probus selbst erzählt, von seiner Kindheit in den pannonischen Sümpfen bis zum Purpurmantel. Der Stil erinnert fast an Marguerite Yourcenar – sehr tiefgründig, philosophisch, düster und extrem atmosphärisch. Es ist kein klassischer, actiongeladener "Sandalenfilm-Roman", sondern eine verdammt ehrliche und psychologisch starke Lebensgeschichte, bei der man den Schlamm des Savus-Flusses und den Schweiß der Donau-Legionen förmlich riechen kann.


[mod: Satz wg. unklaren Urheberrechtsverhältnissen gestrichen]


Viele Grüße!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Habe versucht den Romantitel im Netz zu finden zwecks weiterer Rezension, der Roman scheint jedoch (noch) nicht auf dem Markt zu sein, evtl. der Grund für das PDF-Angebot von Blackadder - "Hallo" übrigens.
 
Danke für das Teilen deiner Begeisterung über das Buch. Als Sachbuch-Junkie reicht mein Überblick über die Belletristik nicht soweit, als dass ich beurteilen könnte, ob die Soldatenkaiserzeit vernachlässigt wird, wobei dieser Eindruck durchaus besteht. Vor über drei Jahrzehnten habe ich artig meinen Herrn der Ringe gelesen und Mondfeuer von Donna Gillespie, aber ansonsten habe ich nur noch die Romane von Patrick O'Brian verschlungen (alle Bände um Aubrey/Maturin) und blieb bei meinen Sachbuchleisten.

Allerdings habe ich tatsächlich meinerseits um die Jahrtausendwende sogar selbst begonnen, historische Romane zu schreiben. Einen großangelegten Zyklus über Wikinger/Byzanz (jetzt habe ich das böse Wort gesagt) und einen groß angelegten Roman, der faszinierenderweise auch in der Soldatenkaiserzeit angesiedelt ist. Fragt mich aber bitte nicht, wann man damit je rechnen kann...

Was ich an historischen Romanen schätze, ist, wenn sie zumal gut geschrieben sind und zugleich in die Lücken der historischen Überlieferung nicht mehr reinfabulieren müssen als nötig, weil bereits die Quellenlage trägt. Andererseits, ...das Bild, wie Kaiser Aurelian auf einem goldenen Drachen vom Himmel herabfährt, in einer epischen Himmelsschlacht die Monster seiner Widersacher bezwingt um hernach triumphal in Rom unter dem Jubel des Volkes auf dem Kapitol zu landen. Dieser Roman wäre ein echtes Desiderat.
 
Was ich an historischen Romanen schätze, ist, wenn sie zumal gut geschrieben sind und zugleich in die Lücken der historischen Überlieferung nicht mehr reinfabulieren müssen als nötig, weil bereits die Quellenlage trägt.
Dann müsste dir Zamjatins Roman "die Geißel Gottes" sehr gefallen, denn er ist exzellent geschrieben (Zamjatin konnte das! Nebenbei: "Wir" ist auch von Zamjatin)
 
Das war beim Klassiker "I, Claudius" von Robert Graves auch schon so.
Ja, absolut! Die Perspektive ist ähnlich – es ist das intime Lebensgeständnis eines Kaisers in der Ich-Form. Aber während 'Ich, Claudius' eine raffinierte Palastpolitik voller Intrigen im luxuriösen Rom zeigt, führt uns 'Probus' in eine ganz andere Welt: in den Schlamm der pannonischen Grenze, in das raue Leben der Donau-Legionen und zu den Soldatenkaisern, die das Reich mit dem Schwert in der Hand retten mussten. Es hat diese tiefe Melancholie von Graves, aber mit viel mehr militärischem Realismus.
 
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