Rattengifte - Nagetiere im MA

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Artefakt, 17. September 2014.

  1. Artefakt

    Artefakt Mitglied

    Hallo Geschichtsforum,


    könnt ihr mir sagen, welche Waffen im 13. Jahrhundert gegen Mäuse und Ratten eingesetzt worden sind?
    Vor allem meine ich Gifte.

    Ich kann mir natürlich vorstellen, dass damals allerhand Eisenfallen üblich waren. Weiß man, seit wann die heute üblichen Fallen eingesetzt werden? Das kann man vielleicht zeitlich über die Metallspirale eingrenzen, die die Spannung erzeugt.

    Speziell möchte ich wissen, welche Gifte zum Einsatz gekommen sind.
    Maulwürfe wurden zu Kleidungsstücken verarbeitet. Wie sind die eigentlich gefangen worden? Züchten geht ja vermutlich schlecht -- und für einen Mantel mussten sicher 1000 ihr Leben lassen.


    Freue mich über eure Antworten. Alles zum Thema Nagetiere im Mittelalter ist mir sehr wilkommen. Auch links natürlich, Literaturtipps.

    LG
    Artii
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gab mechanische Fallen, biologische Schädlingsbekämpfer (Hunde, Katzen) und natürlich auch verschiedene Gifte. Moderne Rattengifte enthalten gerinnungshemmende Substanzen, in früheren Zeiten wurde Arsen viel als Rattengift verwendet, ich muss allerdings dazu sagen, dass ich wenig Erfahrung mit mittelalterlichen Quellen habe und wie es mit der Verfügbarkeit und dem Preis aussah. In der frühen Neuzeit war Arsen, waren eigentlich viele Gifte leicht verfügbar, und sie wurden dann auch häufig eingesetzt, um einen Ehepartner aus dem Weg zu räumen. Arsen hatte daher schon im 16. Jahrhundert die Spitznamen Witwenmacher, Erbschaftspulver etc.

    Auch andere Gifte ließen sich theoretisch zur Schädlingsbekämpfung einsetzen, aber Arsen war am bekanntesten. Bei einem Kriminalisten des 19. Jahrhunderts, Friedrich Christian Avé-Lallement fand ich noch einen anderen Hinweis, Ratten zu bekämpfen, der von manchen Gaunern abgewandelt wurde, um Wachhunde zu töten:

    Man stellte eine Art Kuchen her, in den Partikel von Schwämmen eingearbeitet wurden. Diese "Päger" verfütterte man an Wachhunde, die dann im Magen aufquollen und das Tier töteten. Avé-Lallement schrieb, dass solche Schwämme als Rattenköder Verwendung finden würden. Als ich das las, konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass so etwas funktioniert. Da aber Avé-Lallement ein sehr kenntnisreicher Autor war, der wusste, wovon er schreibt, wird das wohl schon stimmen.

    Dass man aber im Mittelalter Schwämme einsetzte, um Ratten zu killen, halte ich eher für unwahrscheinlich, wo gab es im Mittelalter schon größere Verfügbarkeit von Badeschwämmen, dass sie so billig waren, dass man daraus ein effektives, billiges Schädlingsbekämpfungsmittel herstellen konnte.

    Avé-Lallement, Friedrich Christian Benedikt Das deutsche Gaunertum in seiner sozialpolitischen und linguistischen Ausbildung zu seinem heutigen Bestande.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine Professorin, allerdings keine Fachfrau für's MA, sagte mal im Rahmen einer Vorlesung, dass abergläubisch begründete Katzenfeindlichkeit die in Wellen auftrete, vermutlich mit den der Pest vorausgehenden Rattenplagen zusammenhinge, das sei zumindest mal einer Untersuchung wert. Obwohl ich diese Professorin immer sehr geschätzt habe, bin ich der Meinung, dass sie hier auf dem Holzweg war. Aber gut, sie hat es als Forschungsdesiderat dargestellt, nicht als Faktum.
     
  4. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Damit waren wohl kaum die als Badeschwämme verwendeten Meerestiere, sondern giftige Pilze (bayrisch: Schwammerln) gemeint.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Avé-Lallement war Lübecker, und nein, es sind keine Schwammerl gemeint, er schreibt ausdrücklich von Schwämmen, und er beschrieb die Anwendung ziemlich detailliert. Ich würde nicht die Hand dafür ins Feuer legen wollen, ob man damit wirklich Hunde töten kann.

    Ich kann mir aber auch nicht so recht vorstellen, dass Giftpilze so effektiv wären. Am grünen Knollenblätterpilz sind freilich schon viele krepiert, es gibt aber wesentlich stärkere Pflanzengifte. Für Giftatacken wurden in der Regel pflanzliche Gifte wie Akonit, Schierling, Bleiweiß oder eben Arsenik verwendet. Manche Zeitgenossen sollen sich durch die Einnahme von Giften in geringen Mengen giftfest gemacht haben. Von Mithridates Eupator und Cesare Borgia gingen Sagen, dass sie sich durch kontrollierte Einnahme giftfest zu machen versuchten.
     
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist es nicht auch so, dass Ratten sehr genau beobachten, was ihren Artgenossen gut tut, und was nicht? Und dass daher auch die Wirksamkeit von Rattengift einfach dadurch stark begrenzt ist, dass Ratten da nicht mehr dran gehen, sobald ein Artgenosse daran verstorben ist? Oder sind das urbane Legenden?
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Nein, das stimmt. Ratten beschäftigen eigene "Vorkoster" Moderne Rattengifte wirken daher verzögert und setzen den Wirkstoff langsam frei.
     
  8. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  9. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Noch was von einem, der Ratten und Mäuse gerade nicht vergiften möchte:
    https://fungiment.com/duerfen-maeuse-und-ratten-pilze-essen/

    Beim Menschen treten die Symptome einer Knollenblätterpilzvergiftung nach ca. 8 - 12 Stunden auf und der Tod nach ca. 1 Woche ein. Falls das bei Ratten ähnlich sein sollte, könnte man sie damit schon "austricksen".
     

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