Religion der Reitervölker

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Brenn, 26. Januar 2014.

  1. Brenn

    Brenn Neues Mitglied

    Was ist eigentlich über die Reitervölker/Nomaden der eurasischen Steppe ( Skythen, Sarmaten usw.) bekannt. Die einzigen Gottheiten, die ich kenne, entnahm ich aus einem Buch( dtv Atlas zur Weltgeschichte): Tabiti (große Göttin), Papeus (Himmelsgott), Apia (Erdgöttin), Oetosyrus (Sinnengott), Artimpaasa (Mondgöttin), Schamentum und keine Tempel oder Altäre.
    Ich nehme jedoch mal an, dass man darüber nicht viel weiß
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist durchaus vernünftig das anzunehmen. Warum nimmst du das an?
     
  3. Brenn

    Brenn Neues Mitglied

    Weil sie selbst keine Schrift benutzten und an einem sehr abgelegen Ort der damaligen Welt lebten, weshalb wahrscheinlich auch nicht viele Schriftsteller über diese Völker schrieben.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Darauf wollte ich hinaus.
    Wir hätten also allenfalls eine Interpretatio romana oder eine Interpretatio graeca oder eine I. persa, wobei letztere aufgrund der engen sprl. Verwandtschaft vielleicht noch am nächsten an der skythischen Vorstellung dran wäre...
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Herodot erwähnt in 4,59 einige skythische Götter, die er jeweils mit einer griechischen Gottheit gleichsetzt:
    Tabiti (=Hestia) als oberste Göttin
    Papaios (=Zeus)
    Api (=Gaia) als Gemahlin des Papaios
    Oitosyros (=Apollon)
    Argimpasa (oder Artimpasa, da ist die Lesart offenbar unklar) (=Aphrodite Urania)
    Thagimasadas (= Poseidon)
    Außerdem würden sie noch den Herakles und den Ares verehren und nur dem Ares Heiligtümer errichten (eine ausführliche Schilderung davon findet sich in 4,62).

    Zu beachten ist aber natürlich, dass diese Gleichsetzungen oft eine eher fragwürdige Angelegenheit sind und nicht unbedingt wirklich das Wesen der Originale erkennen lassen. Außerdem war Aphrodite Urania nicht explizit eine Mondgöttin (der Beiname bedeutet "Himmlische"), somit auch nicht unbedingt Argimpasa.
    Aber auch die "skythischen" Namensformen, die Herodot erwähnt, sind zumindest teilweise schon mehr oder weniger gräzisiert. (Insbesondere wird das bei Papaios und Oitosyros der Fall sein.)
    Davon abgesehen dürfte Herodot aber recht solide Kenntnisse der skythischen Religion gehabt haben und schreibt im 4. Buch auch ausführlich darüber.

    Zu beachten ist aber weiters, dass die "Reitervölker" natürlich auch kein Einheitsbrei waren. Man kann also nicht einfach davon ausgehen, dass die von Herodot genannten Götter von allem gleichermaßen verehrt wurde, was von Osteuropa bis Zentralasien auf einem Pferd saß. Das, was Herodot als "skythische Religion" beschreibt, entsprach wohl in erster Linie der Religion der Skythen am Schwarzen Meer.

    Siehe auch hier: Scythian religion - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  6. Brenn

    Brenn Neues Mitglied

    Hat Herodot auch noch zu anderen Reitervölkern geschrieben( Massageten, Sarmaten...)
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

  8. Brenn

    Brenn Neues Mitglied

    Und über die Thyssageten, Budinoi und Issedonen? Hat Herodot auch zu diesen Reitervölkern geschrieben?
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Über die Budiner schreibt er in Buch 4,108-109 sowie 122-123. Als Reitervolk bezeichnet er sie aber eigentlich nicht.
    Die Thyssageten erwähnt er nur kurz in 4,22 und 123.
    Über die Issedonen schreibt er in 4,25-26.

    Allerdings sind seine Berichte über diese Völker schon mit größter Vorsicht zu genießen.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehe ich auch so.

    Gibt es archäologische Bezüge oder Nachweise zu diesen Völkern?
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das kommt darauf an ...

    Das Problem ist, dass sie nicht so genau lokalisierbar sind. Dementsprechend sind alle Versuche, sie mit archäologischen Funden in Verbindung zu bringen, mit Unsicherheit behaftet. Das gilt insbesondere für die von Herodot im Budinergebiet erwähnte Stadt Gelonos, bei der umstritten ist, ob sie mit den Überresten einer tatsächlich in der Nordukraine gefundenen Stadt identisch sein könnte. Beweisen lässt sich praktisch nichts.
     
  12. ViraspaGandhara

    ViraspaGandhara Neues Mitglied

    Die antiken zumeist iranischen Reitervölker werden sehr heterogen gewesen sein und auch unterschiedliche religiöse Vorstellungen gehabt haben.Die Götter die du für die südrussichen Skythen nennst werden wohl nur für diese Skythen typisch gewesen sein ,wenn sie von den Griechen auch korrekt überliefert wurden.Allgemein wissen wir über jene Skythen zu wenig und können nur fremde Überlieferungen nutzen.Es gibt noch einige andere Götter und mythologische Figuren so viel ich weiss so soll Targitaos der Ahnherr der Skythen gewesen sein und er hatte drei Söhne Kolaksay.Lipoksay und Arpoksay.Aus diesen Söhnen sollen dann jeweils die Klassen in der skythischen Gesellschaft hervorgegangen sein.Es kann sein dass jene mytholgische Figuren auch Götter bei Skythen waren .

    Die Skythen Zentralasiens(Sakas) hatten andere Götter wie Urumaysde(Sonnengott),Haoma(Gott der Ektase),Vayu,Druvaspa(Pferdegott),Yima,Verethagna,Spenta Armati und verehrten das Feuer.Jene Skythen hatten einen ähnlichen Pantheon wie die südlichen Iraner(Perser,Meder) .Doch erkennt man einige Paralleln zu den europäischen Skythen denn Feuer und Sonnengottheiten waren für beide extrem wichtig

    Die Skythen welche nach Indien oder dem Gebiet des heutigen Afghanistans einwanderten scheinen wiederum viele indo-arische Elemente übernommen zu haben und der Kult des Rudra/Shiva scheint bei jenen sehr populär gewprden zu sein.Einige wurden aber auch Buddhisten


    Es lässt sich wohl allgemein für Reitervölker sagen dass die Verehrung von Pferden,Kriegsgöttern,Sonnengottheiten,Feuer und dem "Himmelsvater" sehr wichtig war.Auch kannten sie keine Gotteshäuser und es gab wenig Idole was wohl auch an der nomadischen Lebensweise liegt .Dies trifft im gewissen Maße auch für die späteren türkischen und mongolischen Reitervölker zu.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2014

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