Renaissance - Darstellung der Welt

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von seppel255, 24. Juni 2006.

  1. seppel255

    seppel255 Neues Mitglied

    Hallo,

    ich arbeite derzeit an dem Thema Darstellung der Welt in der Renaissance und hab da noch nen paar fragen..

    die menschen wussten in der antike schon, dass die welt rund ist.. wieso wird sie im mittelalter als scheibe (auf diversen karten) dargestellt? hat die kirche das propagiert?
    und wie hat sich die kartografie verändert in der renaissance im vergleich zum mittelalter?

    danke schonmal im vorraus,
    gruß seppel
     
  2. ning

    ning Gesperrt

    Dieses Thema findest du übrigens HIER bereits öfter besprochen mittels der Suchfunktion oben! ;-)

    Aber gerne kurz: du gibst dir die Antworten doch schon ganz gut selbst. Die Antike und ihr "heidnisches Wissen" musste von der christl. Kirche ebenso stigmatisiert und verteufelt werden, wie es zeitaktuell gegen das bestehende Feind-(also auch Welt-)bild des Islam auftreten musste (der m. E. die Tradition antiker Wissenschaft seit Griechen und Ägyptern übernahm und nahtlos fortführte).
    Also bediente man sich der bzw. dogmatisierte man kirchlicherseits die biblische Darstellung der Welt, die im übrigen sogar Entsprechungen in altnordischen Weltvorstellungen hat, also bei weitem heidnischere Ursprünge hat.
    Zum zweiten: von Kartographie kann man eigentlich überhaupt erst seit Spätmittelalter und der frühen Renaissance reden. Der reformatorische Output ab dem letzten Drittel des 15. Jh. legte auch der Wissenschaft die Fesseln ab - nicht von ungefähr die relativ rasche Generationsabfolge Kopernikus-Kepler-Gallilei. Gerade im protestantisch gesinnten Deutschland haben sich also mit Martin Behaim und Waldseemüller (all names to google) Künstler und Vermesser der Errungenschaften der mediterranen Seefahrer, Entdecker und Karten zeichnenden Kapitäne umgehend bedient und die Welt so rund gezeichnet, wie sie nur die Kirchenväter und -spinner seit Jahrhunderten als simple Wahrheit verleugnen wollten.
    Dabei wäre es, was das "Weltbild" betrifft (worin ja auch der Himmel eingeschlossen war) völlig wurscht gewesen wäre, ob der Erdboden nun flach, leicht gewölbt oder kreisrund wäre. Aber dass sich dieser Planet auch nur als Teil eines Ganzen (Systems) um die Sonne drehen sollte, war ganz ganz antikirchlich (Ketzerei!), könnten die Christenkinder dann sogar wieder auf die Idee kommen einen Sonnengott anbeten zu wollen ...

    Du kannst also einen Unterschied und folglich eine ideologische Diskrepanz zwischen göttlichem "Weltbild" und Erdgeographie daraus ersehen. Und die Renaissance stoppte die Vermischung dieser Sichten und trennte Naturwissenschaft von Geisteswissenschaft bzw. verwies die Theologie ganz auf ihren eigenen Platz. ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juni 2006
  3. seppel255

    seppel255 Neues Mitglied

    Hallo,
    danke zunächst für die schnelle und überaus umfangreiche antwort..
    - per suchfunktion hab ich schon nachgeschaut, aber nichts konkretes gefunden -
    also ich betrachte nur die erde an sich, nicht das weltall (geo- und helizentrisches weltbild)..
    trotzdem frage ich mich, wieso die kirche die neuen karten (ohne kirchliche einflüße) nicht auch als antikirchlich ansah?
    hier hab ich mal eine karte vom Mittelalter, die ganz klar von kirchlichen Komponenten geprägt ist:
    http://www.geog.uni-heidelberg.de/~ttavk/weltkarten/1250-Anonymuspsalter.jpg
    und noch eine die dann aus der Renaissance stammt und diese nicht mehr hat:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:C...erici_Vespucii_alioru-m-que_lustrationes..gif

    beide karte 2, was soll der Kontinent - ganz links im bild - darstellen?

    in der antike hat man ja eine dreiteilung der kontinente gehabt (europa, afrika, asien).. im mittelalter wurde diese dann nicht mehr unterhalten, doch in der renaissance wieder.. stimmt das - oder hab ich das falsch in Erinnerung?
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  6. seppel255

    seppel255 Neues Mitglied

    Hallo,

    Danke an alle Antworten, es hat mir bisher sehr geholfen und ich bin einen großen Schritt weiter gekommen..

    so nun hab ich doch noch eine Frage..
    die Kirche (Mönche) hat ja karten mit religiösen Komponenten angefertigt, damit die Leute bibeltreu leben.. ( http://www.geog.uni-heidelberg.de/~t...muspsalter.jpg ). Wie hat man es im Übergang zur Renaissance geschafft, eigene Karten herzustellen ohne das die Kirche sich da irgendwie einschaltete um ihre "Machtposition" zu behalten? weil im Mittelalter hatte die Kirche großen Einfluss auf die Menschen mit ihren Karten.. aber aufeinmal waren da die anderen, hat die Kirche nichts dagegen unternommen?
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Zweck der mittelalterlichen Karten aus den Klöstern, wie etwa der Ebstorfer Weltkarte war sicher nicht der, den wir der modernen Kartographie zuweisen, er war aber auch mit Sicherheit nicht der, ein breites Publikum zu erreichen. Natürlich hatte aber auch die Kirche Interesse an einer zweckmäßigeren Kartographie, denn Pilger bringen Geld ein: Etzlaub.
    Nicht zuletzt mischte die Kirche und Papst Alexander VI. - "weit" vor Luther bei der Aufteilung der Welt mit: Vertrag von Tordesillas.
    Der wesentliche Grund für Veränderungen in der Karthographie zur Renaissance hin, dürfte in der Verbesserung der Technik gelegen haben: Mercator.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2006

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