Reparationen

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Gast, 4. Oktober 2010.

  1. Gast

    Gast Gast

    Deutschland hat seine letzte Reparationszahlung für den Ersten Weltkrieg bezahlt. Mussten auch andere Länder bezahlen oder wurde der § der Alleinschuld trotz anderslautender Debatte voll durchgezogen?
     
  2. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Österreich, Ungarn und Bulgarien mussten auch Reparationen zahlen, wenn auch nicht so hohe wie Deutschland. Und nachdem in Österreich der Staatsbankrott drohte haben die Alliierten auf weitere Zahlungen verzichtet.
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    "voll" durchgezogen wurde er, wenn man voll an den Kriegsschäden der Gegner misst, schon nach dem Young-Plan nicht mehr. 36 Mrd. decken weniger als 10% der Kriegsschäden der Alliierten ab.

    Weiterhin ist zu bedenken, dass die Frage der Kriegsschuld wenig mit den Reparationen zu tun hat, da Reparationen dem unterlegenen Staat auferlegt werden.

    Dennoch hat die deutsche Seite hier schon in den 1920ern den Zusammenhang stark betont, um gegen die Reparationslasten zu agitieren und deren Aufhebung zu verlangen. Bei den Alliierten, die hier zu Diskussionen bereit waren, spielte dagegen eher die Frage der finanziellen Tragfähigkeit der Reparationen eine Rolle.

    Die Zahlungen ab der Wiedervereinigung ist übrigens eine Mischung, da grundsätzlich Regelungen im Londoner Schuldenabkommen 1953 getroffen waren. Die nach 1990 zusätzlichen Zahlungen betrafen mehrere Vorgänge, nicht nur "Reparationen":

    a) die "Schattenquote": unbezahlte Auslandsanleihen des ehemaligen Freistaates Preußen, Zinsrückstände Dawes-, Young- und Zündholz-/Kreuger-Anleihen etc.
    b) unbediente Auslandsanleihen auf Vermögen mittel- oder ostdeutscher Gebiete, zB Kommunen
    c) quotal bediente Auslandsanleihen (wie b, nur mit Härteklausel, da in den Westen nach 1945 verlagert)


    b) und c) sind zT immer noch unerledigt.

    a) betrifft zT Zinslasten auf unbediente Reparationen, zT preußische Anleihen von 1926 und 1927. Der Ablösebetrag der "Schattenqoute" wurde 1953 mit rd. 1 Mrd. DM ermittelt., danach gab es Tilgungskäufe der Bundesschuldenverwaltung. 1961 lag der Restbetrag bei etwa 652 Mio. DM. Die 1990 hierauf ausgegebenen Bezugsscheine (3% Fundierungsschuldverschreibungen, 15 Ausgaben) ergaben eine Restsumme von 240 Mio. DM, deren Lostilgung vom Oktober 1990 bis Oktober 2010 lief.

    Quelle: Glasemann, Deutschlands Auslandsanleihen 1924-1945 - Rückzahlungen nach der Wiedervereinigung 1990.
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Ich danke für die Antworten.
     

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