Rettungsboote

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Nergal, 18. Juni 2016.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Ich habe da zwei fragen zur geschichte des Rettungsbootes:
    -Seit wann hat ma eigentlich Boote an Bord größerer Schiffe gehabt die nur als Rettungsmittel gedacht waren?
    -Hat es eigentlich irgendwann im 18 oder 19 Jh solche Boote gegeben die bereits mit Lebensmitteln und Wasser versorgt waren, so dass man im Notfall nicht daran denken mußte Nahrung zu laden?
     
  2. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Sehr interessante Frage(n):

    Falls Du Englisch liest, ist der englische Wiki-Eintrag vielleicht hilfreich:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Lifeboat_(shipboard)

    Im Wesentlichen gibt er wieder, was ich befürchtet habe: Das Rettungsboot ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts - auf jeden Fall das reinrassige Rettungsboot. Die offenen Boote der Segelschifffahrtszeit waren in erster Linie Verkehrsboote. Durch den Umstand, dass sie eben nicht geschlossen waren, waren sie nicht wirklich hochseetauglich, was Ihre Eignung, ihre Besatzung auf offener See lang am Leben zu halten, deutlich reduzierte. Hinzukam, dass die Besatzung und das Material an Bord vor Wasser, Wind und Sonne ungeschützt waren - schlecht für Haut, Futter und Frischwasservorrat. Des Weiteren wurden diese Boote bis ins frühe 19. Jahrhundert in der Kuhl gelagert und mussten in einem umständlichen Verfahren zu Wasser gelassen werden, in dem die Rahen zum Kran umfunktioniert wurde. Eine einigermaßen praktikable Lösung, ein Boot auch im Notfall schnell zu Wasser zu lassen, stand erst mit der Aufhängung in Davits zur Verfügung, die sich m. W. ab Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitete.

    Zum zweiten Teil Deiner Frage: Meines Wissens wurden die Boote erst im Bedarfsfall mit Proviant und auch mit Segeln versorgt wurden.
     
  3. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    ein wenig Einblick gibt vielleicht auch die "Meuterei auf der Bounty", wo Blight mit seinen Getreuen in der 7m langen Barkasse ausgesetzt worden ist, weil das kleinere Beiboot nicht seetauglich war. Also mehr als 2 Boote hats anscheinend an Bord nicht gegeben.
     
  4. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ich habe einmal gelesen, dass viele Matrosen der Royal Navy gar nicht schwimmen konnten.
    Gab es andere Rettungsmittel, mit der Funktion wie heutige Schwimmwesten sie haben ?
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Geht mal auf die Seite seenotretter.de . Da findet ihr auch einiges zur Geschichte der Seenotrettung. Die DGzRS war hier ein Vorreiter in Sachen Lebensrettung.

    Apvar
     
  6. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Negativ. Eine moderne Rettungsschwimmweste muss ohnmachtssicher sein, also den Kopf auch über Wasser halten, wenn der Träger bewusstlos ist. Das gab es damals nicht.

    Damals warf man einzelnen Überbordgegangenen hinterher, was zur Hand war - häufig die an Deck herumstehenden Hühnerkäfige.

    In White Jacket ("Weißjacke" oder "Die Welt auf einem Kriegsschiff") beschreibt Hermann Melville (Gedächtnisreferat!), dass die US- Fregatte Neversink (bummelig Anfang des 19. Jahrhunderts) zu diesem Behufe kleine Fässer nutzte. Der Schiffsküfer hat seinen Job, die Dinger ordnungsgemäß zu warten, allerdings nicht ordnungsgemäß erledigt. Dies wurde ihm von der Besatzung vorgehalten - allerdings folgenlos. Er hat seine gerechte Strafe schließlich erhalten, als er dann selbst über Bord ging, ein aufmerksamer Kamerad ihm das Rettungsfässchen zuwarf und dieses noch vor dem Küfer selbst auf Tiefe ging. https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fjacke_oder_Die_Welt_auf_einem_Kriegsschiff

    Im Katastrophenfall nahm man ebenfalls, was zur Hand war. Häufig und insbesondere die Reserverahen und -spieren, die an Oberdeck verstaut waren und die Grätings, die die Oberdecksluken abschlossen.

    Eine ordentlich gepackte Hängematte soll auch zumindest eine Zeitlang schwimmen - das wurde zumindest vor 20 Jahren und vermutlich noch heute auf dem weißen Schiff, das wir alle so schrecklich gern haben, gelehrt. Ich möchte es allerdings nicht ausprobieren müssen und würde mich nicht wundern, wenn "soll" hier eher als Imperativ gemeint ist.:pfeif: Das war auch einer der Gründe, warum die Hängematten jeden Morgen gezurrt und dann an Oberdeck in den Hängemattsnetzen gestaut wurden (das allerdings ist inzwischen vorbei.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2016
  7. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Das weiße Schiff ist das die Gorch Fock?

    btw.:Wie lang soll so eine Schwimmweste denn halten?
    Mehrere Tage?

    Und weiß Jemand wie diese roten Kälteschutzanzüge genannt ewrden die von Schiffen und Flugzeugen mitgeführt werden die sich in kalten Gewässern bewegen?
     
  8. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    @ Nergal: Sorry, da wo "Schwimmweste" stand, hätte eigentlich "Hängematte" stehen sollen. Hab's oben korrigiert.

    Die Schwimmweste (mit Kälteschutzanzug) soll heutzutage nur die Zeit überbrücken, bis man in der Rettungsinsel oder bei der DGzRS angekommen ist. Der Kälteschutzanzug verzögert lediglich den Zeitpunkt, bis zu dem der Verunfallte an Unterkühlung gesterbselt ist. Da gibt es sicherlich Faktoren abhängig von der Wassertemperatur - allerdings kenne ich die aus dem Stehgreif nicht. Jedenfalls wirst Du in der Rettungsschwimmweste in unseren Gefilden auch nicht allzulange überleben.
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Eine Rettungsweste soll mindestens 24h halten, Voraussetzung, das keine Splitter in den Auftriebskörper kommen. Das Problem ist jedoch die sehr schnelle Unterkühlung, sowohl Nord und Ostsee oder auch Ärmelkanal. Auch im Sommer. Im Winter geht man von wenigen Minuten aus bis zum Exitus.
    Was Du meinst sind die Überlebensanzüge. Nur bequem werden sie nicht sein, sie sollen das Überleben retten. Und damit man hier oben bleibt, braucht man Rettungswesten mit einem sehr hohem Auftrieb. Sonst ist es Essig mit Ohnmachtssicher. Und wenn man nicht mehr Wach ist und die Rettungsweste ist nicht Ohnmachtssicher, dann dreht man sich und Atmet Wasser ein, Folge => Exitus.

    Apvar
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es gab bereits im 19. Jahrhundert (oder sogar früher) eine art Schwimmhilfe die aus einem Korkbrett mit angebrachten Tauwerkschlaufen bestand, die man den Seeleuten die über Bord gingen hinterher warf. Ich habe eine Abbildung davon mal in einem französischen Buch gesehen.
     
  11. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Zuletzt bearbeitet: 21. Juni 2016
  13. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Sollte in diesem Leben im Gegensatz zu einem armen Seemann noch jemand das große Privileg haben, in Urlaub fahren zu dürfen - da hätten die Flensburger was für den gemeinen Rettungsbootsliebhaber vorbereitet:
    Sonderausstellung / Flensburg
     

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