Robin Hood - König der Diebe (1991)

Eine frühes Beispiel für einen schwarzen Mann in Arabien ist Bilal ibn Rabah, laut Koran einer der ersten Gefährten Mohammeds in Mekka. Bilal wird eine abessinische Abstammung nachgesagt. In der arabischer Buchmalerei wird er als Schwarzer abgebildet, während die anderen Araber strahlend weiß sind.
Und da haben wir auch schon das Problem. Die Araber halten sich selbst für weiß, während die Amerikaner sie für schwarz halten.

Das Urbild des Sarazenen findet sich übrigens in der britischen TV-Serie Robin of Sherwood aus den frühen 1980ern. Hier wurde erstmals ein Muslim den Merry Men um Robin Hood hinzugefügt. Der Sarazene Nasir wurde von dem weißen Schauspieler Mark Ryan gespielt.
Die Macher von "Robin Hood - König der Diebe" wollten eigentlich auch den Nasir im Film haben. Dann ist ihnen aber noch rechtzeitig aufgefallen, dass dieser Held von britischen TV-Serie erfunden wurde und haben aus Urheberrechtsgründen aus dem weißen Nasir diesen schwarzen Azeem gemacht.
So arbeitet die moderne Filmindustrie. Filme basieren nicht mehr länger auf literarischen oder historischen Vorbildern, sondern vor allem auf anderen Film-Produktionen. Der Mohr gehört inzwischen bei Robin-Hood-Verfilmungen genauso selbstverständlich dazu wie Bruder Tuck.

An den habe ich auch gedacht, ich wusste nur nicht mehr den Namen der Figur.
Gerade läuft der Film mit Jamie Foxx auf Pro7, ich habe mir das Machwerk 20 Minuten angetan. Wenn es eine Oper wäre, würde ich mir die Kulisse ja als Bühnenbild antun, aber Nottingham erinnert von der Architektur eher an eine mediterrane Stadt, der Sheriff von Nottingham trägt Jacket, die Leute tragen alle Ledermäntel und laufen ziellos durch die Gegend. Jamie Foxx gibt pseudoklassenkämpferisches Gewäsch von sich. Als Robin nach Hause kommt, findet er seine Burg - die eher wie ein postmittelalterliches Schloss mit romantisierender Überhöhung des MAs wirkt - leer wieder.
Kulissen - schlecht
Kostüm - schlecht
Dialoge - schlecht
Jamie Foxx sieht tatsächlich so aus, wie Morgan Freeman im Vorgänger von 1991 - warum?!

Für mich bliebt König der Diebe, so kitschig der auch sein mag, der beste Robin Hood-Film der letzten 40 Jahre. Gegen den Film von 2018/19 ist sogar der mit Russel Crowe (D-Day im Mittelalter) realistisch.

Es wäre mal ein interessanter Thread, Robin Hood-Bearbeitungen in kulturhistorischer Perspektive zu betrachten. Im Grunde hat jede Periode sich ein eigenes Bild von Robin Hood gemacht. Man könnte mal ein Robin Hood-Ranking machen: Wer war der Beste Robin Hood so wie man fragt, wer war der beste James Bond.

Roger Moore, Pierce Brosnan und vor allem Daniel Craig haben mich schon überzeugt. Aber ich finde, dass Sean Connery am meisten Präsenz hatte und der Figur die Ian Fleming geschaffen hat am nächsten kam.

In meiner Phantasie hat Sherlock Holmes das Gesicht von Basil Rathbone, und auch wenn auch der Streifen von 1940 nicht in allen Phasen gut gealtert ist, so gebe ich doch der Variante mit Errol Flynn und Basil Rathbone den Vorrang. Der Streifen ist immer wieder sehenswert, und Errol Flynn sieht vor allem auch deshalb gut aus, weil er mit Basil Rathbone als Guy of Guisborne einen guten Counterpart hat. Basil Rathbone war zu seiner Zeit einer der besten Fechter, Flynn und andere haben viele Tipps von ihm bekommen, Rathbone vs.Flynn das war in den 1940-50ern schon fast ein Klassiker. Auf der Leinwand wurde Rathbone dann aber meistens gekillt.

Ich mag den Streifen mit Costner, der ist zwar stellenweise sehr gaga, Costner und Freeman liefern eine solide Leistung, aber richtig gut ist Alan Rickman, in meinen Augen der beste Sheriff von Nottingham.


Wenn man sich auf einen Zeitraum der letzten 40-50 Jahre beschränkt, sind aber doch noch einige Interpretationen, die zumindest erwähnenswert sind.

Nr. 1
Robin and Marion mit Sean Connery, Audrey Hepburn und Robert Shaw (1976) Der Streifen bürstet sozusagen den ganzen Robin Hood-Mythos gegen den Strich. Robin Hood kommt gealtert nach England zurück, nachdem er mit dem Löwenherz durch Europa tingelte. Der ist eher ein brutaler Despot, und auch in England steht nicht alles zum Besten. Dafür enthält der Streifen eine der besten Liebeserklärungen der Filmgeschichte. Als Robin Hood den Sheriff getötet hat, spürt er, dass er keinen glorreicheren Tag erlebt hat, noch erleben wird, reicht ihm Marian Gift und trinkt selbst davon. "Ich liebe dich, mehr als alles was du kennst, mehr als Kinder, mehr als die Felder, die ich mit eigenen Händen bebaut habe, mehr als die Morgengebete oder Frieden oder Nahrung zum Essen. Ich liebe dich mehr als Sonnenlicht, mehr als Fleisch und Freude oder einen weiteren Tag. Ich liebe dich mehr als Gott."

Nr.2
Robin Hood Disney 1973
Ist sicher nicht der beste Disney Film, einige Figuren und Szenen wurden aus dem Dschungelbuch übernommen, Little John gleicht aufs Haar Balu dem Bären, und er wurde auch von den gleichen Sprechern (Phil Harris/Edgar Ott) synchronisiert. Sir Hiss gleicht Kaa dem Python, und auch die drei oder vier Geier sind mit von der Partie. Prinz John, dem die Krone eine Nummer zu groß ist, wurde im Original von Peter Ustinov synchronisiert. Die Rolle des Sängers Alan A Dale wurde im Original von dem Country-Musiker Roger Miller, in der deutschen Version von Reinhard Mey verkörpert. Nicht der beste Disney, nicht der beste Robin Hood, aber handwerklich gut gemacht und durchaus gut gealtert.

Neben den Spielfilmen verdienen einige Serien erwähnt zu werden. Maglor erwähnte bereits die Serie Robin of Sherwood aus den 1980ern.
Ich gebe allerdings der Serie The Adventures of Robin Hood den Vorrang. Die wurde zwischen 1955-1961 produziert, und von allen Bearbeitungen finde ich, dass diese am besten gealtert ist. Das liegt vor allem daran, dass die Serie einerseits sich vor allem auf die literarische Vorlage, das Versepos The Gest of Robin Hood" stützt und historisch recht gut recherchiert war. Die Serie unterließ es aber, dem Zeitgeist zu huldigen. In der Rolle von Robin Hood war Richard Greene zu sehen.

Die Hommage an den Zeitgeist, sorgt oft dafür, dass Filme schlecht altern. Natürlich ist jeder Film, jedes Kunstwerk auch ein Kind seiner Zeit, wenn aber ein Film zu sehr dem Zeitgeist huldigt, wirkt er anachronistisch, ranzig, wenn sich der Zeitgeist wandelt. Robin Hood auf politically correct gedreht, ein vorbildlicher Held, ein Held, der im Geschlechterkampf einen Tritt ins Zentralmassiv kassiert, der bei einer Geburt zuschaut und dem ein politisch ebenso korrekter, kulturell überlegener muslimischer Gefährte zur Seite steht, ein Robin Hood, der dann aber doch die quakende damsell in distress retten muss, das wirkt alles ziemlich ranzig.

Die zeitlosen Klassiker, Filme, die auch nach über 50 Jahren noch ihr Publikum fesseln und begeistern, das sind meistens Filme, die sich auf einen Plot beschränken und mit guten, authentischen Darstellern eine gute Geschichte erzählen, ohne ständig dem Zeitgeist zu huldigen.
 
Neben den Spielfilmen verdienen einige Serien erwähnt zu werden. Maglor erwähnte bereits die Serie Robin of Sherwood aus den 1980ern.
Ich gebe allerdings der Serie The Adventures of Robin Hood den Vorrang. Die wurde zwischen 1955-1961 produziert,
Diese Serie kenne ich nicht.

"Robin of Sherwood" aus den 80ern fand ich eigentlich ganz gut. Die Serie war meist ganz ordentlich geschrieben und produziert, mit schöner Musik, und auch um eine - zumindest im Vergleich mit anderen Produktionen - wenigstens einigermaßen "authentische" Darstellung bemüht. Konterkariert wurde dem allen leider durch eine fette Portion Esoterik. Robin Hood als Auserwählter eines Waldgottes, dazu viel Magie ... darauf hätte man verzichten sollen. Etwas lächerlich fand ich auch, dass Robin und seine Gefährten zwar regelmäßig reihenweise die Männer des Sheriffs von den Pferden schossen, aber nie den Sheriff selbst oder seinen Handlanger Gisburne erwischten.

Trotzdem gefiel mir die Serie besser als die in den späten 90ern im Gefolge des Erfolgs von "Hercules" und "Xena" entstandene Fantasy-Variante mit einem dauergrinsenden Robin (ich hielt nur zwei oder drei Episoden durch) oder die klar auf ein sehr jugendliches Publikum zugeschnittene Serie von 2006.


Viele Verfilmungen habe ich noch nicht gesehen. Im Zweifel gebe ich aber immer noch dem Errol-Flynn-Klassiker den Vorzug vor den Filmen der letzten Jahrzehnte. Vor allem die letzte große Verfilmung mit Taron Egerton und Jamie Foxx war einfach nur zum Vergessen. Abstrus und anachronistisch, die Kostüme reine Fantasy.



Einer "Robin Hood"-Verfilmung entstammt übrigens eine meiner liebsten Filmszenen überhaupt. Sinngemäß aus dem Gedächtnis wiedergegeben:
Bruder Tuck bringt einem halbwüchsigen Gefährten das "Pater Noster" bei. Der Knabe betet aber statt "hodie" "hobile" und wird von Tuck korrigiert. Der Knabe fragt, warum er überhaupt auf Latein beten solle; Gott verstehe ihn doch auch so. Tucks unwiderlegbare Begründung: "Ja, aber Gott ist gebildet."
 
Diese Serie kenne ich nicht.

"Robin of Sherwood" aus den 80ern fand ich eigentlich ganz gut. Die Serie war meist ganz ordentlich geschrieben und produziert, mit schöner Musik, und auch um eine - zumindest im Vergleich mit anderen Produktionen - wenigstens einigermaßen "authentische" Darstellung bemüht. Konterkariert wurde dem allen leider durch eine fette Portion Esoterik. Robin Hood als Auserwählter eines Waldgottes, dazu viel Magie ... darauf hätte man verzichten sollen. Etwas lächerlich fand ich auch, dass Robin und seine Gefährten zwar regelmäßig reihenweise die Männer des Sheriffs von den Pferden schossen, aber nie den Sheriff selbst oder seinen Handlanger Gisburne erwischten.

Trotzdem gefiel mir die Serie besser als die in den späten 90ern im Gefolge des Erfolgs von "Hercules" und "Xena" entstandene Fantasy-Variante mit einem dauergrinsenden Robin (ich hielt nur zwei oder drei Episoden durch) oder die klar auf ein sehr jugendliches Publikum zugeschnittene Serie von 2006.


Viele Verfilmungen habe ich noch nicht gesehen. Im Zweifel gebe ich aber immer noch dem Errol-Flynn-Klassiker den Vorzug vor den Filmen der letzten Jahrzehnte. Vor allem die letzte große Verfilmung mit Taron Egerton und Jamie Foxx war einfach nur zum Vergessen. Abstrus und anachronistisch, die Kostüme reine Fantasy.



Einer "Robin Hood"-Verfilmung entstammt übrigens eine meiner liebsten Filmszenen überhaupt. Sinngemäß aus dem Gedächtnis wiedergegeben:
Bruder Tuck bringt einem halbwüchsigen Gefährten das "Pater Noster" bei. Der Knabe betet aber statt "hodie" "hobile" und wird von Tuck korrigiert. Der Knabe fragt, warum er überhaupt auf Latein beten solle; Gott verstehe ihn doch auch so. Tucks unwiderlegbare Begründung: "Ja, aber Gott ist gebildet."
Ich fand sie auch gut!
Dass die Serie gut war, dass sie zumindest Eindruck hinterlassen hat, merkt man ja auch daran, dass man sich nach so langer Zeit, nach fast 40 Jahren noch an so viele Details erinnert, dass Serie und Darsteller, Soundtrack einen so großen Wiedererkennungswert haben.

Die Serie, die ich meinte, mit Peter Greene war noch in Schwarzweiß gedreht, und die Serie "Robin Hood" war lief Samstag oder Sonntag Vormittag, sie lief 1971 das erste Mal, sie wurde aber wiederholt, ich schätze, es wird 1973/74 gewesen sein, als ich die zum ersten Mal sah. Danach habe ich sie Jahrzehnte nicht mehr gesehen, sah nur kürzlich im Internet einen Zusammenschnitt einiger Folgen und erkannte sie sofort wieder, obwohl da meine Erinnerungen nur noch vage waren.
 
"Robin of Sherwood" aus den 80ern fand ich eigentlich ganz gut. [...] gefiel mir die Serie besser als [...] die klar auf ein sehr jugendliches Publikum zugeschnittene Serie von 2006.
Ich kenne die Serie von 2006 nicht, aber solltest du nicht bedenken, dass du in den 1980ern selbst noch Kind warst und daher nicht gemerkt hast, wie sehr Robin of Sherwood auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnitten war?
Ich fand die Serie auch toll, bis es dann zu einem Wechsel des Robins kam, der war zwar "plausibel", aber dann doch nicht plausibel genug.
 
Als sie in den 80ern lief, durfte ich sie mir nicht ansehen. Tatsächlich sah ich sie erst vor ein paar Jahren, als sie von Tele 5 wiederholt wurde. Der Serie merkt man ihr Alter und ihre Entstehungszeit zwar an, und für heutige Verhältnisse wirkt sie etwas behäbig. Trotzdem finde ich sie immer noch gut genießbar.
So auf jugendlich getrimmt wie die Serie von 2006 fand ich sie nicht.
 
Wendet sich die begleitende Filmmusik bei diesem rührenden Liebestod selig verklingend nach H-Dur?
...ich zitiere meine ironische Frage, die unbeantwortet blieb, und konstatiere für mich meine Verwunderung darüber, dass alle diese Mittelalterfantasy-Schmonzetten hier, wo man gelegentlich erbittert über die Authentizität der Unterkleidung von Kettenhemden debattiert, ganze drei Diskussionsseiten füllen...
Ach ja: der selig via vier-Halbtönemotiv in H-Dur verklingende Schluss befindet sich in einer Mittelalter"schmonzette", die immerhin auf einem realen mittelalterlichen Text basiert ;)
 
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