Eine frühes Beispiel für einen schwarzen Mann in Arabien ist
Bilal ibn Rabah, laut Koran einer der ersten Gefährten Mohammeds in Mekka. Bilal wird eine abessinische Abstammung nachgesagt. In der arabischer Buchmalerei wird er als Schwarzer abgebildet, während die anderen Araber strahlend weiß sind.
Und da haben wir auch schon das Problem. Die Araber halten sich selbst für weiß, während die Amerikaner sie für schwarz halten.
Das Urbild des Sarazenen findet sich übrigens in der britischen TV-Serie
Robin of Sherwood aus den frühen 1980ern. Hier wurde erstmals ein Muslim den
Merry Men um Robin Hood hinzugefügt. Der Sarazene Nasir wurde von dem weißen Schauspieler Mark Ryan gespielt.
Die Macher von "Robin Hood - König der Diebe" wollten eigentlich auch den Nasir im Film haben. Dann ist ihnen aber noch rechtzeitig aufgefallen, dass dieser Held von britischen TV-Serie erfunden wurde und haben aus Urheberrechtsgründen aus dem weißen Nasir diesen schwarzen Azeem gemacht.
So arbeitet die moderne Filmindustrie. Filme basieren nicht mehr länger auf literarischen oder historischen Vorbildern, sondern vor allem auf anderen Film-Produktionen. Der Mohr gehört inzwischen bei Robin-Hood-Verfilmungen genauso selbstverständlich dazu wie Bruder Tuck.
An den habe ich auch gedacht, ich wusste nur nicht mehr den Namen der Figur.
Gerade läuft der Film mit Jamie Foxx auf Pro7, ich habe mir das Machwerk 20 Minuten angetan. Wenn es eine Oper wäre, würde ich mir die Kulisse ja als Bühnenbild antun, aber Nottingham erinnert von der Architektur eher an eine mediterrane Stadt, der Sheriff von Nottingham trägt Jacket, die Leute tragen alle Ledermäntel und laufen ziellos durch die Gegend. Jamie Foxx gibt pseudoklassenkämpferisches Gewäsch von sich. Als Robin nach Hause kommt, findet er seine Burg - die eher wie ein postmittelalterliches Schloss mit romantisierender Überhöhung des MAs wirkt - leer wieder.
Kulissen - schlecht
Kostüm - schlecht
Dialoge - schlecht
Jamie Foxx sieht tatsächlich so aus, wie Morgan Freeman im Vorgänger von 1991 - warum?!
Für mich bliebt König der Diebe, so kitschig der auch sein mag, der beste Robin Hood-Film der letzten 40 Jahre. Gegen den Film von 2018/19 ist sogar der mit Russel Crowe (D-Day im Mittelalter) realistisch.
Es wäre mal ein interessanter Thread, Robin Hood-Bearbeitungen in kulturhistorischer Perspektive zu betrachten. Im Grunde hat jede Periode sich ein eigenes Bild von Robin Hood gemacht. Man könnte mal ein Robin Hood-Ranking machen: Wer war der Beste Robin Hood so wie man fragt, wer war der beste James Bond.
Roger Moore, Pierce Brosnan und vor allem Daniel Craig haben mich schon überzeugt. Aber ich finde, dass Sean Connery am meisten Präsenz hatte und der Figur die Ian Fleming geschaffen hat am nächsten kam.
In meiner Phantasie hat Sherlock Holmes das Gesicht von Basil Rathbone, und auch wenn auch der Streifen von 1940 nicht in allen Phasen gut gealtert ist, so gebe ich doch der Variante mit Errol Flynn und Basil Rathbone den Vorrang. Der Streifen ist immer wieder sehenswert, und Errol Flynn sieht vor allem auch deshalb gut aus, weil er mit Basil Rathbone als Guy of Guisborne einen guten Counterpart hat. Basil Rathbone war zu seiner Zeit einer der besten Fechter, Flynn und andere haben viele Tipps von ihm bekommen, Rathbone vs.Flynn das war in den 1940-50ern schon fast ein Klassiker. Auf der Leinwand wurde Rathbone dann aber meistens gekillt.
Ich mag den Streifen mit Costner, der ist zwar stellenweise sehr gaga, Costner und Freeman liefern eine solide Leistung, aber richtig gut ist Alan Rickman, in meinen Augen der beste Sheriff von Nottingham.
Wenn man sich auf einen Zeitraum der letzten 40-50 Jahre beschränkt, sind aber doch noch einige Interpretationen, die zumindest erwähnenswert sind.
Nr. 1
Robin and Marion mit Sean Connery, Audrey Hepburn und Robert Shaw (1976) Der Streifen bürstet sozusagen den ganzen Robin Hood-Mythos gegen den Strich. Robin Hood kommt gealtert nach England zurück, nachdem er mit dem Löwenherz durch Europa tingelte. Der ist eher ein brutaler Despot, und auch in England steht nicht alles zum Besten. Dafür enthält der Streifen eine der besten Liebeserklärungen der Filmgeschichte. Als Robin Hood den Sheriff getötet hat, spürt er, dass er keinen glorreicheren Tag erlebt hat, noch erleben wird, reicht ihm Marian Gift und trinkt selbst davon. "Ich liebe dich, mehr als alles was du kennst, mehr als Kinder, mehr als die Felder, die ich mit eigenen Händen bebaut habe, mehr als die Morgengebete oder Frieden oder Nahrung zum Essen. Ich liebe dich mehr als Sonnenlicht, mehr als Fleisch und Freude oder einen weiteren Tag. Ich liebe dich mehr als Gott."
Nr.2
Robin Hood Disney 1973
Ist sicher nicht der beste Disney Film, einige Figuren und Szenen wurden aus dem Dschungelbuch übernommen, Little John gleicht aufs Haar Balu dem Bären, und er wurde auch von den gleichen Sprechern (Phil Harris/Edgar Ott) synchronisiert. Sir Hiss gleicht Kaa dem Python, und auch die drei oder vier Geier sind mit von der Partie. Prinz John, dem die Krone eine Nummer zu groß ist, wurde im Original von Peter Ustinov synchronisiert. Die Rolle des Sängers Alan A Dale wurde im Original von dem Country-Musiker Roger Miller, in der deutschen Version von Reinhard Mey verkörpert. Nicht der beste Disney, nicht der beste Robin Hood, aber handwerklich gut gemacht und durchaus gut gealtert.
Neben den Spielfilmen verdienen einige Serien erwähnt zu werden. Maglor erwähnte bereits die Serie Robin of Sherwood aus den 1980ern.
Ich gebe allerdings der Serie
The Adventures of Robin Hood den Vorrang. Die wurde zwischen 1955-1961 produziert, und von allen Bearbeitungen finde ich, dass diese am besten gealtert ist. Das liegt vor allem daran, dass die Serie einerseits sich vor allem auf die literarische Vorlage, das Versepos The Gest of Robin Hood" stützt und historisch recht gut recherchiert war. Die Serie unterließ es aber, dem Zeitgeist zu huldigen. In der Rolle von Robin Hood war Richard Greene zu sehen.
Die Hommage an den Zeitgeist, sorgt oft dafür, dass Filme schlecht altern. Natürlich ist jeder Film, jedes Kunstwerk auch ein Kind seiner Zeit, wenn aber ein Film zu sehr dem Zeitgeist huldigt, wirkt er anachronistisch, ranzig, wenn sich der Zeitgeist wandelt. Robin Hood auf politically correct gedreht, ein vorbildlicher Held, ein Held, der im Geschlechterkampf einen Tritt ins Zentralmassiv kassiert, der bei einer Geburt zuschaut und dem ein politisch ebenso korrekter, kulturell überlegener muslimischer Gefährte zur Seite steht, ein Robin Hood, der dann aber doch die quakende damsell in distress retten muss, das wirkt alles ziemlich ranzig.
Die zeitlosen Klassiker, Filme, die auch nach über 50 Jahren noch ihr Publikum fesseln und begeistern, das sind meistens Filme, die sich auf einen Plot beschränken und mit guten, authentischen Darstellern eine gute Geschichte erzählen, ohne ständig dem Zeitgeist zu huldigen.