Römerlager Augsburg-Oberhausen: Münzspektrum etc.

Hermundure

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Zitat Konrad Kraft:

"Nach unserer Zuweisung des CAESAR-Gegenstempels an Germanicus läßt sich aber das Ende von Oberhausen bis in tiberische Zeit hinaufrücken; denn ein CAES-Stempel befindet sich auch im Fundmaterial von Oberhausen (Tf. II, 17). Daß diese Form nur eine Variante des in mehrfachen Abarten vorkommenden CAESAR-Monogramms ist, steht wohl außer Zweifel. Diese Form CAES kommt auch in Hofheim und Neuß vor. Bemerkenswert an dem Oberhausener Exemplar ist, daß es eine, wie die meisten Fundstücke, durch Brand beschädigte Münze ist. Die Feuersbrunst kann also erst nach dem Datum der Abstempelung dieser Münze stattgefunden haben. Germanicus war zuerst im Jahre 11 n. Chr., jedoch noch unter des Tiberius Oberleitung, am Rhein tätig. Im Jahre 12 n. Chr. befand er sich in Rom. Erst seit 13 n. Chr. kommandierte er selbständig am Rhein. Seine großen Operationen fanden, soweit für uns in den Quellen faßbar, in den Jahren 14/16 n. Chr. statt. In diesem Zeitraum muß auch die Oberhausener Münze abgestempelt worden sein, zumal wir die Verwendung des CAESAR-Monogramms nach 14 n. Chr. durch die wechselseitige Überstempelung mit TIB IM beweisen konnten. Das Lager Oberhausen kann also nicht im Zusammenhang mit der Varusniederlage aufgelöst und zerstört worden sein, sondern bestand auch noch während des Oberkommandos des Germanicus, mindestens noch 14 n. Chr.."

Soweit Konrad Kraft damals dazu.
 
Zitat Konrad Kraft:

"Nach unserer Zuweisung des CAESAR-Gegenstempels an Germanicus läßt sich aber das Ende von Oberhausen bis in tiberische Zeit hinaufrücken; denn ein CAES-Stempel befindet sich auch im Fundmaterial von Oberhausen (Tf. II, 17). Daß diese Form nur eine Variante des in mehrfachen Abarten vorkommenden CAESAR-Monogramms ist, steht wohl außer Zweifel. Diese Form CAES kommt auch in Hofheim und Neuß vor. Bemerkenswert an dem Oberhausener Exemplar ist, daß es eine, wie die meisten Fundstücke, durch Brand beschädigte Münze ist. Die Feuersbrunst kann also erst nach dem Datum der Abstempelung dieser Münze stattgefunden haben. Germanicus war zuerst im Jahre 11 n. Chr., jedoch noch unter des Tiberius Oberleitung, am Rhein tätig. Im Jahre 12 n. Chr. befand er sich in Rom. Erst seit 13 n. Chr. kommandierte er selbständig am Rhein. Seine großen Operationen fanden, soweit für uns in den Quellen faßbar, in den Jahren 14/16 n. Chr. statt. In diesem Zeitraum muß auch die Oberhausener Münze abgestempelt worden sein, zumal wir die Verwendung des CAESAR-Monogramms nach 14 n. Chr. durch die wechselseitige Überstempelung mit TIB IM beweisen konnten. Das Lager Oberhausen kann also nicht im Zusammenhang mit der Varusniederlage aufgelöst und zerstört worden sein, sondern bestand auch noch während des Oberkommandos des Germanicus, mindestens noch 14 n. Chr.."

Soweit Konrad Kraft damals dazu.

So weit, so gut.

Wenn diese eine Münze zufällig verloren gegangen wäre, hätte Konrad Kraft seine Schlussfolgerung nicht ziehen können.

Mit einer bestimmten vorhandenen Münze kann man also Aussagen zur Datierung machen.

Mit einer bestimmten nicht vorhandenen Münze kann man keine Aussagen machen. Da gilt Xanders Einwand schon: Einfach nur zu sagen, dass man 500 Münzen hat und das Exemplar XY fehlt, ist mir zu wenig.

Nun hat das ja mit Kalkriese nichts zu tun, aber zu Oberhausen möchte ich noch Leo Bakker aus einer etwas neueren Publikation* zitieren:

"Die Münzreihe von 378 Stücke mit republikanischen Denaren, einem Aureus des Augustus und zahlreichen Kupferprägungen augusteischer Zeit endet mit einem Tiberius-As 15/16 n. Chr."

* Wolfgang Czysz (Hrsg.), Die Römer in Bayern", Stuttgart 1995
 
Hallo Sepiola,

es geht mir schlicht um das Münzspektrum eines "Germanicus-Horizont". Dieses unterscheidet sich klar von einem Varianischen-Horizont. Das hatte Konrad Kraft schon 1951 raus gefunden. Kraft zog seine Schlussfolgerungen nicht allein wegen des CAES-Gegenstempel, denn es fehlen ja neben diesen auch im Haltern-Horizont (varuszeitlich) die Tiberius-Gegenstempel. Diese sind ebenfalls in Oberhausen vorhanden sowie 1 Stück aus Kalkriese. Auch der CA-Gegenstempel kommt ja in Haltern nicht vor (siehe einer der letzten Beiträge von mir) - aber ebenfalls in Kalkriese.

Im übrigen sind die Schlußmünzen aus Oberhausen 2 Asse des Tiberius (RIC 44 - 21/22 n. Chr.), welche bereits im 19. Jh. in der Wertach gefunden wurden. Die Bayern gehen auch nicht mehr unbedingt von einem Legionsstandort aus. Fischer dazu:

„Vielleicht war Oberhausen aber auch ein Straflager für meuternde Veteranen vom Rhein, die um 15 n. Chr. den Aufstand probten und anschließend hierher abgeschoben wurden.“...

Augsburg: Militärlager Oberhausen: Römerfunde sind weiter rätselhaft - Lokales (Augsburg) - Augsburger Allgemeine

Grüße
 
Hier mal ein echtes Fundstück vom Niederrhein aus Düren/NRW vom Numismatikforum:

http://www.numismatikforum.de/download/file.php?id=38431&mode=view

http://www.numismatikforum.de/download/file.php?id=38432&mode=view

Von dem As des Augustus ist nicht mehr viel übrig geblieben, jedoch ist der Stempel noch recht deutlich. Der Stempel ist mit meinem persönlichen Stück identisch. In Köln selbst wurden ebenfalls viele CAES-Gegenstempel gefunden. Diese sind auch bei U. Werz aufgelistet.

Zitat Wiki:

"Hier wurden prägefrische Münzen mit dem Gegenstempel des Germanicus und militärtypische Keramik gefunden.[5]"

https://de.wikipedia.org/wiki/Römerlager_apud_aram_Ubiorum
 
Und F. Berger merkte bereits auf S.75 dazu an:

"Es spricht vieles dafür, daß Germanicus diesen Stempel verwandte. Die Fundstelle des Lugdunum-Asses mit CAESAR-Gegenstempel ist immerhin nur 20 km weiter westlich als die Fundstelle des Stückes mit VAR-Gegenstempel aus Lobach und 30 km nördlich des zweiten VAR-Gegenstempels bei Warburg."

Quelle: Untersuchungen zu Römerzeitlichen Münzfunden in Nordwestdeutschland, 1992

Gemeint ist das Stück mit dem CAESAR 61 Gegenstempel aus Altenbergen/Marienmünster.

Das As aus Warburg trägt neben den VAR-Gegenstempel zudem auch einen CAESAR-Gegenstempel (siehe Anhang U. Werz). Die nächsten Stücke mit dem VAR-Gegenstempel stammen aus Atteln/Lichtenau. Erinnert sei auch nochmal an den Pugio aus Rösenbeck/Brilon. Nicht zu vergessen die Männer, Frauen und Kindersandalen aus dem Nethe-Schlamm bei Godelheim.

Die Indizienlage ist meiner Meinung nach erdrückend.
 

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Ganz einfach: Hermundure kehrt die alte Forderung an Kalkriese, den Varus-Horizont vom Germanicus-Horizont unterscheiden zu können um und fordert nun für den Beleg, dass Kalkriese Ort der Varusschlacht sei, den numismatischen Beleg, das Germanicus in Kalkriese war. Denn - so Hermundure - nur, wenn es numismatische Belege für die Anwesenheit des Germanicus in Kalkriese gäbe, könnte dies dafür herangezogen werden, dass das ein Ort der Varusschlacht sei. Damit wird die ganze Diskussion jedoch ad absurdum geführt, da natürlich die Kalkriesegegner traditionell behaupteten, dass der Germancius- und der Varushorizont sich nicht unterschieden und daher numismatisch gar nicht feststellbar sei, ob Kalkriese eine Örtlichkeit der varusschlacht oder eines germaniceischen Ereignisses sei.
 
Im übrigen sind die Schlußmünzen aus Oberhausen 2 Asse des Tiberius (RIC 44 - 21/22 n. Chr.), welche bereits im 19. Jh. in der Wertach gefunden wurden.

Germanicus wurde 16 n. Chr. aus Germanien abberufen und ist 19 n. Chr. in Syrien gestorben. Wenn wir von Münzen aus den Jahren 21/22 n. Chr. ausgehen, kann von einem "Germanicus-Horizont" in Oberhausen gar nicht die Rede sein.

Die Bayern gehen auch nicht mehr unbedingt von einem Legionsstandort aus.
Ja, ich weiß. Das hat Bakker ja auch schon 1995 geschrieben.
 
Hallo Sepiola,

Germanicus wurde 16 n. Chr. aus Germanien abberufen und ist 19 n. Chr. in Syrien gestorben. Wenn wir von Münzen aus den Jahren 21/22 n. Chr. ausgehen, kann von einem "Germanicus-Horizont" in Oberhausen gar nicht die Rede sein.

Man kann sogar recht gut das Errichtungsdatum von Oberhausen festlegen, da neben dem CAESAR-Gegenstempel auch der TIB-Gegenstempel vertreten ist. Beide Gegenstempel fehlen im Haltern-Horizont, letzteren gibt es aber in Kalkriese. Somit wurde das Lager in Augsburg/Oberhausen durch Germanicus errichtet. Die beiden Münzen des Tiberius bilden nur die Schlussmünzen - dadurch wird angezeigt, dass das Lager erst nach 22 n. Chr. aufgegeben wurde. Jedoch kann es nicht viel später sein, da die PROVIDENT-Prägungen des Tiberius (RIC 81; 22/23 n. Chr.) fehlen.
 
Hallo Forum,
es wird bei Münzfunden aus der Römerzeit immer von Gegenstempeln gesprochen. Was ist ein Gegenstempel?
Gruß
Oleger
 
Markierungen (auch sogenannte Counter-Markierungen) die auf einer bereits geprägten Münze angebracht wurden.
Man findet sie in römischer Zeit vorwiegend bei Assen und im militärischen Kontext. Sie wurden von Feldherren als Geschenk an ihre Soldaten ausgegeben. Man findet sie aber auch bis in die Neuzeit.

Hier zwei Beispiele. Ein As mit einem VAR(us)-Gegenstempel und ein Theresientaler mit einem Gegenstempel aus Amman. (Maria-Theresientaler sind im arabisch-islamischen Raum und Äthiopien sehr beliebte Münzen gewesen, angeblich sollen sie sogar noch bis weit ins 20. Jhdt. umgelaufen sein.)
 

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Vielen Dank El Quijote,
der Gegenstempel ist das, was in den Kopf der Ass-Münze gedrückt ist? Und eine Ass-Münze ist vermutlich eine höherwertige römische Geldmünze?
Gruß
Oleger
 
Ja, in dem Kopf. Da sieht man eine Ligatur von VAR. Der linke Strich des V geht vom Querbalken des A aus, der untere rechte Diagonalstrich des R ist die untere Hälfte des rechten Strich s des A.

Unter Augustus:
1 Aureus aus Gold = 25 Denare aus Silber
1 Denar aus Silber = 4 Sesterzen aus Messing oder Bronze
1 Sesterz aus Messing oder Bronze = 4 Asse aus Bronze oder Kupfer
1 As aus Bronze oder Kupfer = 2 Semis aus Bronze oder Kupfer

Für kleinere Werte gab es auch geviertelte Asse. Damit es für den Anfang nicht zu kompliziert wird, habe ich einige Nominale weggelassen, z.B. den Dupondius, der 2 Asse wert war.

Sueton erwähnt, dass man mit 2 As einen Tag auskommen konnte. Also ganz grob vielleicht 2,5 - 5 € als As. Aber Vorsicht, solche Vergleiche sind immer nicht ganz stimmig.

Mariatheresientaler wurden übrigens bis in die 60er Jahre für den Orient geprägt und mindestens bis in die 80er für Sammler/Touristen.
 
Zuletzt bearbeitet:
der Gegenstempel ist das, was in den Kopf der Ass-Münze gedrückt ist?
Genau.

Und eine Ass-Münze ist vermutlich eine höherwertige römische Geldmünze?
Nein, eher nicht. Sie wird auch gerne als Soldatengeld bezeichnet. i augusteische Zeit entsprachen 7 - 8 Asse dem Tagessold.
1 Aureus (Goldmünze) entsprach 25 Denaren (Silbermünzen) und 400 Assen (Bronzemünzen)
GaiusluciusAureus.jpg x 1 = gldenar.jpg x 25
GaiusluciusAureus.jpg x 1 = As.jpg x 400
 
Zuletzt bearbeitet:
Äh, ein Aureus sind 25 Denare. Zur Sicherheit habe ich jetzt nachgeschaut.

Dabei habe ich eine Umrechnung nach dem Goldwert von 1985 gefunden:

Aureus - 37,- DM
Denar - 1,50 DM
Aus - 0,10 DM

Es ist zu sehen, wie wenig aussagekräftig solche Umrechnungen sind.
 
Hallo zusammen,
vielen Dank nochmal für die Info. In dem Gegenstempel ein VAR zu sehen, gelinkt mir aber nicht. Was ich darin am ehesten erkenne, ist ein Strichmännchen. Der Kopf davon ist ein V.
Gruß
Oleger
 
In € umrechnen kann man antike Währungen kaum sinnvoll. Man kommt zu abweichenden Ergebnissen, je nachdem ob man auf Preise, Löhne oder den Metallwert abstellt. Die Wertrelationen zueinander haben sich einfach sehr verändert.
Trotzdem ermöglichen antike Preise, Löhne etc. ein bisschen eine Vorstellung, was antike Währungseinheiten wert waren. Auf dieser Seite findest Du dergleichen (siehe Links am linken Seitenrand): imperium-romanum.com - Geldwert
 
Noch zum Vergleich mit der heutigen Währung. Was wiegt so eine Aureus Goldmünze u. welche Reinheit hat sie. Da lässt sich ausrechnen, was die heute wert wäre.
Gruß
Oleger
 
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