Rüstungsplanung und Krieg

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 31. Dezember 2013.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Also angesichts der spekulativen Frage um die Deutsche Rüstung vor dem 2. WK und dessen erfolgreich Umsetzung bzw. einer zu früh einsetzenden Ausnutzung der Rüstungsplanung in einem Krieg.

    Nun ja, jetzt habe ich mal eine Dumme Frage dazu, die sich nicht nur auf die Rüstung des 2. WK bezieht, sondern allgemein nachgefragt werden soll.

    Gab es jemals eine Rüstungsplanung, die nur Ansatzweise für die direkte Durchführung einer Aggression (oder auch einer Verteidigung, auch wenn das im ersten Blick widersprüchlich ist) ausreichend bzw. auch als Anlass für einen demnach wirtschaftlichen Präventivkrieg, ausreichend war und nicht an der nicht vorhersehbaren Entwicklung des Krieges scheiterte?
     
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  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Natürlich gab s sowas, man muss ja nur an die sehr begrenzten Ziele der preußischen Kriege in 1866 und 1870/71 denken. Und sie wurden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgreich beendet.

    Das lag aber eher an den begrenzten Zielsetzungen. Erst durch die intensivierung eines übersteigerten Nationalismus oder bestimmter Ideologien wurden Ziele formuliert, die außerhalb der Rsourcen lagen.

    Es wird ähnliche Beispiele vermutlich in allen Epochen zu finden sein.

    Interessantes Gegenbeispiel sind die Krieg von Ludwig XIV., dessen militärische Ambitionen meistens jenseits seiner militärischen Kapazitäten lagen, wie er wohl zum Ende seines Lebens eingestanden hat. Obwohl er in der damaligen Zeit über das Potential einer militärischen Großmacht verfügen konnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2013
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Stimmt, diese Kriege kamen mir auch so in den Sinn, als ich das ET schrieb.
    Aber hat hier Preußen direkt auf die Kriege 64,66 und 71 hingerüstet, also mit lang angelegten Rüstungsplanung?
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    (freilich kommt hier der zufällige "glückliche Umstand" hinzu, eine neue und bessere Artillerie ausprobieren zu können (womit die veralteten franz. Festungen plattgemacht werden konnten) ... die franz. Literatur, z.B. Jules Verne, reagierte mit Entsetzen auf diese)
     
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Rüstung auf einen einzelnen Krieg hin sehe ich nicht als das Rüstungsziel. Die Heeresreform 1860/62 betraf ja nur die Zahl der Wehrpflichtigen und die Größe des stehenden Heeres. Selbst die neben den reinen Personalkosten geplanten Gelder betrafen aber bei weitem nicht alle Felder, die für eine Kriegsführung nötig waren. So wurden Waffen bestellt und gekauft ohne sich über die Rüstungsproduktion Gedanken zu machen.

    Die Feldzüge vor dem ersten Weltkrieg waren i.A. zu kurz und die beteiligten Armeen zu klein um Auswirkungen auf die Wirtschaft im Bereich der Rüstung zu haben. Vernichtete und geplünderte Ernten waren meist die schärfsten Folgen. Die Situation während der Weltkriege stellte sich schnell als anders als geplant dar.
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Sondern? :nono:

    Eine Rüstung ist immer auf ein Ziel ausgerichtet, wohl weislich auf ein militärisches Ziel.
    Aber ich denke auch, daß im Fall der Einigungskriege Preußens, nicht wirklich eine Rüstungsplanung auf diese militärischen Aktion voraus ging, sonder dass die Kriege unabhängig der Rüstung motiviert waren.

    Aber wenn ein Krieg nicht als Rüstungsziel dient, was dann?
     
  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ja. Gerade der Deutsch-Französische-Krieg ist ein Beispiel eines schon fast uhrwerkmäßig ablaufenden Krieges. Man trieb die französische Armee vor sich her, natürlich auch unter eigenen nicht selten großen Verlusten. Aber gerade diese trugen auch zu einer Mystifizierung bei. Wer bereit ist, Opfer zu bringen, erreicht sein Ziel. Allerdings wurde diese Opferbereitschaft unter einem gewissen österreichstämmigen Herrn (er hieß nicht Josef Fritzel, war auch kein Kannibale, sondern Vegetarier „Cave Idus Martias“) pervertiert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2014
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Mindestens genauso wichtig ist m.E. nach die kontinuierliche Anpassung sprich Reformierung der Armee. Das war und ist wohl wichtig für die militärische Effizienz. Gerade die Professionalisierung des preussischen Offizierskorps war ein wichtiger Faktor. Des Weiteren sind die hohe Rekrutierungsquote, die Organisation der Mobilmachung und die Führung des Generalstabes erwähneswert. Interessant ist auch, das die deutschen Armeen 1870 mit einen schlechteren Gewehr den Krieg trotzdem gewonnen haben. Rüstung ist also nicht allles. Oder die veraltete österreichsiche Stoßtaktik 1866, die erst die Wirkung des Zündnadelgewehr so verheerend machte.
     
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  9. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Schau Dir die Rüstungspolitik der Bundesrepublik an. Die Rüstung im kalten Krieg diente der Kampfbereitschaft. Das Rüstungsziel war Abschreckung und ich würde es als erfüllt ansehen.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Natürlich ist die Rüstung im Frieden auf einen antizipierten Krieg hin ausgerichtet. Dazu sei an Clausewitz erinnert und die Bedeutung des Krieges als Fortsetzung einer "normalen" Diplomatie.

    In diesem Sinne orientierte sich die Rüstung zum einen an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, dem Eingebundensein in ein Vertragssystem und der militärischen Stärke der Gegner und der Geographie des wahrscheinlichen Schlachtfeldes.

    Vor diesem Hintergrund wurden durch das Militär explizite oder implizite Vorstellungen erabreitet über den "zukünftigen Krieg" ("Future Wars"). Das kann man sehr deutlich an der Diskussion in den zwanziger und dreißiger Jahren in Deutschland und auch in der UdSSR aufzeigen. Beide Länder waren führend in der "innovativen" Entwicklung der Doktrinen zukünftiger Kriege. Und folgten diesen Doktrinen auch unter rüstungswirtschaftlichen Gesichtspunkten.

    Da Militärs als soziale Gruppe eher konservativ denken, kommt aus dieser Sicht die Einschätzung, das Militärs einen zukünftigen Krieg mit den Mitteln des vergangenen Krieges führen wollen. Und erklärt, warum innovative Feldherren gegenüber konservativen Feldherren teilweise überraschende Erfolge erzielen konnte.

    Insgesamt kann man festhalten, dass die Rüstung von Staaten, auch durch die Verwissenschaftlichung der "Kriegskunst", zunehmend durch die Paradigmen der antizipierten zukünftigen Kriege definiert wird.

    In diesem Sinne kann man seit einer Reihe von Jahren beispielsweise für das Pentagon den Konflikt erkennen zwischen der Fraktion einer "asymmetrischen Kriegsführung" gegen "fundamentalistische Gegner" oder der Fraktion einer "klassischen" Militärstrategie, die einen amphischen Krieg im Pazifik antizipiert.

    Da sich keine Seite durchgesetzt hat wird eher nach dem Gießkannenprinzip versucht allen Aspekten Rechnung zu tragen.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich möchte nochmal die Fragestellung des ET auch dir darlegen:
    und nun Frage ich Dich, wie diese Antwort von Dir dazu passt. :confused:
     
  12. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Elektrotriebwagen? Ersatzteil?

    Passen die preußischen Rüstungen vor den Schlesischen Kriegen zu Deiner Frage?
     
  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    EingangsThema

    Ich mache meine Frage bzw. eine Antwort an keinen Krieg oder Epoche fest, sondern es geht einfach nur darum, ob eine Rüstung, die meist auf ein Rüstungsziel aufbaut, letztlich zum beginn des Krieges in der Zielstellung erreicht schien, vor allem mit den unberechenbaren Erfahrungen im Krieg.
     

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