Beim Rumsuchen im Netz fand ich noch einen gut übersichtlichen Artikel (PDF-Download), der die Argumente von
@Sepiola sehr unterstützt:
Es sollte einen eigentlich stutzig machen, wenn ein Lokalhistoriker nach intensiven Recherchen eine - in den historischen Quellen nur sehr fragmentarisch belegte - Schlacht mit allen Details zu rekonstruieren weiß und sie dann auch noch genau hinter seinem Gartenzaun lokalisieren kann. Der Berchinger Mediziner Werner Robl ist zweifellos sehr belesen, aber dass Caracalla nun genau durch Berching gezogen sein muss, kaufe ich ihm nicht ab. Entsprechend skeptisch sind seine zweckgebundenen Überlegungen zu bewerten. Wenn dazu Flurnamen bis in die Antike zurückgeführt werden und gewagte Ableitungen ersonnen werden müssen (der Flurnamen "Gemäuert" soll auf ein lateinisches "Germanicum" zurückgehen), schrillen bei mir die Alarmglocken.
Ich muss aber vielleicht nochmal in die Bibliothek, der Sache auf den Grund gehen...
Bei meinem heutigen Bibliotheksbesuch stieß ich auf ein sehr schönes Buch, herausgegeben vom Archäologischen Landesmuseum Baden Württemberg: Caracalla - Kaiser, Tyrann, Feldherr, Darmstadt/Mainz 2013, mit gehaltvollen Aufsätzen wie:
Julia Gräf: "Hingegen bereiteten ihm die Germanenstämme keine Freude"
Bernd Steidl: Caracallas Gegner am Main
Stephan Bender: Der Feldzug gegen die Germanen 213 n. Chr.
Aus letzterem Aufsatz zitiere ich einige Abschnitte:
"Heute besteht in der Forschung weitgehend darüber Einigkeit, dass der Vormarsch auf dieser Trasse vorgenommen wurde. Von der Donau über Heidenheim habe der Weg durch das Brenz-Kocher-Tal ins Albvorland geführt, wo bei Dalkingen schließlich der Limes überschritten worden sein soll. Dann sei Caracallas Armee auf dem Höhenrücken der europäischen Wasserscheide von Rhein und Donau, auf der heute die Autobahn 7 Ulm-Würzburg (Biebelried) verläuft, bis zur Höhe von Crailsheim, Lkr. Schwäbisch Hall, und Feuchtwangen, Lkr. Ansbach, Richtung Main marschiert.
[...]
Dieses Szenario ist räumlich sehr dürftig, basiert aber konsequent auf der engen zeitlichen Kalkulation für den Feldzug von nur etwa zwei Wochen, da Caracalla von seiner möglichen Abreise in Rom Anfang August 213 n. Chr. bis zur Triumphfeier am 6. Oktober kein großes Zeitfenster gestanden habe. Allerdings sollte dabei unbedingt mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass Caracalla nur zeitweise propagandawirksam an der expeditio teilgenommen haben könnte, womit der Zeitkorridor etwas größer würde.
[...]
Immer wieder ist ein zeitgleicher Vorstoß von der Legionsbasis in Mainz aus entlang des Mains mit der Absicht, einen Zangenangriff vorzutragen, erwogen worden. [...] Angesichts der unbestreitbar bescheidenen zeitlichen und räumlichen Größenordnung, erscheint ein Vorstoß von Mainz unter Caracalla im Spätsommer 213 n. Chr. nur wenig wahrscheinlich.
Mit einer 'Rednitz-Regnitz-Piste' ist einmal ein ganz anderer geographischer Raum für den Vormarsch vorgeschlagen worden. [...] Über Indizien für einen solchen Vormarschweg verfügen wir nicht. Der Vorschlag fand in Fachkreisen keine weitere Beachtung.
[...]
Beim Versuch, eine differenziertere Vorstellung von den Geschehnissen zu gewinnen, sollte vom Donauraum zwischen Ulm und Ingolstadt als Aufmarschgebiet des Expeditionsheeres ausgegangen werden.
Angesichts der beteiligten Truppen aus Standorten donauabwärts muss die Donau eine bedeutende Rolle beim Transport von Mensch und Material gespielt haben. Die Sarkophaginschrift aus Budaörs, Komitat Pest (Ungarn) führt das beispielhaft vor Augen. Dieser Quelle zufolge verstarb ein Soldat, der an dem Germanenfeldzug Caracallas teilgenommen hatte, wahrscheinlich auf dem Rückmarsch in Lauriacum/Enns-Lorch (Österreich), dem Standort der legio II Italica an der Donau, eines natürlichen Todes.
Grundsätzlich sollte mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der Feldzug von der Donau über mehrere Routen in Richtung Maindreieck geführt wurde."
Hier wird die Auffassung vertreten, dass es eine grenznahe Aktion, also im Vorfeld des rätischen Limes im Jahre 2013 gab
2013 halte ich nun für ein wenig spät...
und unabhängig davon, und möglicherweise früher, eine Aktion im mittelfränkischen Maingebiet.
Wird die hier vertreten? Oder meinst Du die Bezüge zum erwähnten Aufsatz Bernd Steidls, der eine vorausgehende militärische Auseinandersetzung im Frühjahr 213 vermutet?