Serie Holocaust auf den Dritten

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Carolus, 7. Januar 2019.

  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Echt nicht? Lohnt sich aber auf jeden Fall.
     
  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Ein paar Folgen habe ich jetzt gesehen und tatsächlich noch viele neue Aspekte erfahren.
    Wirklich ein Armutszeugnis, dass die vielen Dokus von Guido Knopp nicht mal annäherend dazu in der Lage waren, die Abläufe so umfassend zu erklären wie die Filmcharaktere.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, wobei nach Der Pianist (2002) die Szenen im Warschauer Ghetto in Holocaust (1978) fast harmlos daherkommen. Also wenn dem kleinen Schmuggler das Ei bei der Rangelei mit seinem Schulkameraden aus der Tasche fällt und es wird ignoriert, dagegen in Der Pianist - eine der stärksten Szenen in dem Film - sich die ausgehungerten Leute auf die auf die Straße gefallenen Lebensmittel stürzen.
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Bei der Erstausstrahlung war ich noch zu klein, kann mich aber noch eher vage an die mediale Berichterstattung erinnern. Aber wie gesagt, ich habe das Buch zur Serie dann Jahre später gelesen.

    Die Serie ist nach der Erstausstrahlung nur noch gelegentlich im deutschen Fernsehen aufgetaucht. Einen Überblick über die Ausstrahlungsdaten findet man hier: Holocaust im Fernsehen

    In meiner Kindheit bzw. Jugend waren es primär andere Serien/Filme bzw. Bücher, die das Thema Judenverfolgung, Holocaust und Drittes Reich behandelten, und die ich gesehen bzw. gelesen habe.

    Spontan fällt mir von Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl – Wikipedia ein, und den Folgeband "Warten auf den Frieden". (Ich entnehme dem Wiki-Artikel, dass es noch einen dritten Band "Familientreffen" gibt, den ich noch nicht gelesen habe. Den müßte ich auf meine "Legenda-Liste" setzen.) Zwar geht es hier weniger um den Holocaust, sondern um die Flucht einer jüdischen Familie nach Hitlers Machtergreifung 1933 und ihre Kindheit in verschiedenen europäischen Ländern. Zum Schluß kommen sie nach England, wo die Autorin Judith Kerr bis heute lebt.

    In der Schule haben wir im Deutschunterricht (7. oder 8. Schuljahr) Damals war es Friedrich – Wikipedia von Hans-Peter Richter gelesen. Privat habe ich dann auch noch vom gleichen Auor und mit teilweise gleichen Protagonisten "Wir waren dabei." gelesen. Hierbei ging es um die Erfahrungen von Jugendlichen im Dritten Reich in der Hitlerjugend.

    Eine sehenswerte Serie aus den 80er Jahren ist Ein Stück Himmel – Wikipedia über das Schicksal einer jüdischen Familie in Polen von der Vorkriegszeit bis in die frühe Nachkriegszeit.

    Über die Hitler-Jugend gab es eine andere Serie Blut und Ehre – Jugend unter Hitler – Wikipedia aus den frühen 80er Jahren.

    Mir scheint, dass die Serie Holocaust den Anstoß gab, dass sich deutsche Filmemacher auch dem Thema verstärkt angenommen haben.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hm... wir hatten Tele5 kann also sein, dass ich den Film 1991 erstmal gesehen habe, vielleicht auch 1993. 2005?
    Ich weiß aber, dass ich die Serie bereits mehrfach gesehen habe, nur das Ende haben sie ja diesmal erstmals nicht abgeschnitten.

    Als Hitler das rosa Kaninchen stahl hatte meine Schwester als Hörspielkassette. Ich habe die aber nie gehört und auch das Buch nie gelesen.

    Was ich so krass finde, ist, dass der Film damals die Debatte um den Holocaust erst so richtig in Fahrt gebracht hat, ja das Wort Holocaust damals erst als Synonym für den Massenmord an den Juden (lange Zeit im Bewusstsein nur nachrangig auch den Zigeunern) Eingang in die Sprache fand, aber gleichzeitig in einigen Szenen fast harmlos daher kommt. Etwa wenn Aaron zum Musikunterricht kommt und ihm in einer Rangelei eines der geschmuggelten Eier auf den Boden fällt und das Ei einfach ignoriert wird. Dagegen gesetzt dann die Szene aus Der Pianist wo sich im Warschauer Ghetto jemand auf den auf den Boden gefallenen Eintopf stürzt und diesen vom Straßenpflaster aufsaugt.
     
    Carolus gefällt das.
  7. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich habe die Serie in den 90ern einmal gesehen. Die muss damals im Fahrwasser von Schindlers Liste (1993) noch mal ausgestrahlt worden sein. Besonders erinnere ich mich noch an die Rolle von Michael Moriarty (Law & Order), der als Sozialist nach der Machtergreifung 1933 aus Opportunität der NSDAP beitritt und dann zum linientreuen SS-Mann und Mörder wird.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich finde die Darstellung von Dorf ist eine der Stärken des Drehbuchs von Holocaust und der schauspielerischen Leistung Moriartys. Er geht ja zur SS als arbeitsloser Jurist, um Arbeit zu bekommen. Die SS und ihre Unterorganisationen (wie das Ahnenerbe) waren tatsächlich für arbeitslose Jungakademiker (Juristen, Germanisten, Volkskundler, Archäologen, Historiker...) eine Zuflucht. Und Dorf ist auch eine facettereiche Persönlichkeit. Er ist ja nicht einfach der brutale Judenhasser. Er wird halt zum Verräter an seinem ehemaligen Hausarzt. Es gibt Phasen der Scham, Phasen der Reaktanz (etwa nach Kritik von seinem Onkel), gewissermaßen ist sein Streben nach Effizienz (er wird ja quasi als der Erfinder der ganzen Euphemismen, derer sich die SS rund um die Shoa bediente, dargestellt, dabei handelt es sich um eine fiktive Figur) auch der Versuch, das Verbrechen zu rationalisieren und damit seine Rolle im Verbrechensprozess vor sich selbst zu legitimieren. Immer dann, wenn er an sich und seinem Verhalten zweifelt, ist es seine Frau, die ihn in seinem Tun bestärkt, zunächst ohne genau zu wissen, was ihr Mann eigentlich macht, dann aber immer mehr, auch erkennend (aber nicht zugebend!), dass es nach einem solchen Tun kein Zurück mehr gibt. Hier ist der Vierteiler echt stark und ich meine sogar seiner Zeit voraus. Wobei natürlich das Milgram-Experiment da schon fast zwanzig Jahre bekannt war, etwa zeitgleich zum Milgram-Experiment fand der Eichmannprozess statt, den Hannah Arendt ja beobachtete und die Theorie von der Banalität des Bösen entwickelte. Nun wird Eichmann im Film ja als jemand mit mephistotelischen Gentleman-Qualitäten dargestellt, der Macht über Dorf auszuüben weiß, ohne diesen direktv zu bedrohen. Hier im Film trifft das von der Banalität des Bösen eher auf den fiktiven Dorf zu, als auf Eichmann, anhand dessen Wesen Arendt die Theorie von der Banalität entwickelt hat.
     
  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich denke, das liegt daran, dass dieser Film eine gewisse Breitenwirkung hatte. Berichterstattungen über die Verbrechen und über die Prozesse darüber sind wohl für den "Otto Normalverbraucher" zu anstrengend zu folgen. Aber gerade in der Form einer TV-Serie, in der man sich mit den Protagonisten identifizieren kann, und die die gesamte Geschichte vom Beginn bis zum Ende des Dritten Reiches in vier Episoden zusammenfaßt, wurden große Teile der Bevölkerung erreicht. Das hat zum einen sicherlich Diskussionen zwischen den Generationen initiiert, aber auch dazu angeregt, dass sich die Generation, die das Dritte Reich noch als Erwachsene miterlebt haben, sich kritisch mit ihrem eigenen Erleben und Handlungen auseinanderzusetzen.
     
    Lukullus und silesia gefällt das.
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In dem Artikel findet sich folgende Aussage:

    A few months after the series was broadcast, Germany scrapped the statute of limitations for murder, to enable Nazis to be tried for their participation in the Holocaust.
    Danach hat die Serie wohl auch die Verjährungsdebatte für Mord beeinflußt.

    Hier ist auch ein weiterer, sicherlich lesenwwerter Aufsatz* von dem im Artikel erwähnten Frank Bösch zur Wirkung der Serie Holocaust: https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2007_1_1_boesch.pdf

    *mit einem Umfang von 32 Seiten aber nicht gerade kurz, und ich gestehe, ich habe ihn auch noch nicht gelesen.
     

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