Spielfilme Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Agares, 22. Oktober 2011.

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Bester Mittelalterfilm

  1. Braveheart

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    7,7%
  2. Barbarossa

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    0,0%
  3. Die Päpstin

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    0,0%
  4. Königreich der Himmel

    4 Stimme(n)
    15,4%
  5. Jeanne D'Arc

    1 Stimme(n)
    3,8%
  6. Name der Rose

    9 Stimme(n)
    34,6%
  7. Pforten des Paradieses

    0 Stimme(n)
    0,0%
  8. 1492 - Die Eroberung des Paradieses

    0 Stimme(n)
    0,0%
  9. Hildegard von Bingen

    0 Stimme(n)
    0,0%
  10. El Cid

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    0,0%
  11. The Bruce

    1 Stimme(n)
    3,8%
  12. Henri IV

    1 Stimme(n)
    3,8%
  13. Black Death

    0 Stimme(n)
    0,0%
  14. Apocalypto

    1 Stimme(n)
    3,8%
  15. 1066 – Die Schlacht um England

    0 Stimme(n)
    0,0%
  16. 1612 – Der blutige Kampf um das Vaterland

    0 Stimme(n)
    0,0%
  17. Ironclad – Bis zum letzten Krieger

    1 Stimme(n)
    3,8%
  18. Luther

    1 Stimme(n)
    3,8%
  19. Walhalla Rising

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  20. Ein Anderer

    5 Stimme(n)
    19,2%
  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dass so etwas gelingen kann, zeigt der Film "Der Name der Rose", der historische Kompetenz und spannende Story so glücklich verbindet, dass daraus ein internationaler Renner wurde.

    Die Präferenz der User des GF spricht da Bände (s. oben).
     
  2. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Allein vom Spassfaktor her mag ich die alten, extrem bunten Mittelalter-Filme am liebsten, vor allem "Der Hofnarr" (The Court Jester) habe ich vor einer Weile wieder entdeckt. Zum Totlachen. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass in diesem Genre immer gerne übertieben wird, entweder in Richtung albern, verhurt, zotig oder in Richtung düster, gewalttätig, blutig. Deswegen werde ich nie so richtig warm damit. Aus obiger Liste habe ich mich für "Königreich der Himmel" entschieden.
     
  3. norvegia

    norvegia Gesperrt


    Da hast du wohl wahr, vor allem langweilig trifft es...

    Wobei ich persölich es auch eher mit den Wikingerfilmen habe.

    Aber Robin und Marian hatte auch was.
     
  4. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    "Mittelalterfilm" - ein eher schwaches Genre, vielleicht ist das Problem aber nur, dass es (zumindest in diesem Thread noch) keine Linie gibt, die eine gewisse Orientierungshilfe für Vergleiche bietet.

    Was ist eigentlich ein "Mittelalterfilm"?

    Ein Film, der z. B. in der Zeit zwischen 800 und 1500 spielt. (Wobei als Beginn auch die Absetzung von Romulus Augustulus im Jahr 474 oder als Ende der Fall von Byzanz im Jahr 1453 gesehen werden könnte?) Oder hängt es z. B. davon ab, dass bestimmte Klischees wie Ritter, Turnier und Minne erfüllt sein müssen?

    Das Mittelalter umfasst einen Zeitraum von ungefähr 700 bis 1000 Jahren, und kann ein so großer Zeitraum wirklich durch ein Einheitsbild (Mittelalterfeeling) vernünftig abgedeckt werden, selbst wenn sich die Filmproduktion nur auf eine Region oder auf ein bestimmtes Land beschränkt.
    (Zum Vergleich: Wenn ich eine Geschichte schreibe, die in den 1970er Jahren spielt, und dazu ein 20. Jahrhundert-Feeling nütze, das sich an die 1920er Jahre anlehnt, würde ich mich wohl lächerlich machen, und das zu Recht. Aber immerhin handelt es sich beim 20. Jahrhundert um eine Zeit, die höchstens 100 Jahre umfasst.)

    Hinzu kommt noch, dass für eine Parodie andere Kriterien gelten als für einen Film, der lediglich unterhalten will oder der das Thema ernsthaft zu gestalten versucht. (Wobei es genug Filme gibt, wo die ernsthafte Gestaltung nur krampfhafter Versuch ist, dem Film mehr Niveau unterzujubeln als er wirklich hat. Und es gibt Fälle, in denen die Parodie vielleicht wesentlich mehr Informationswert hat, als der seriöse Film.)

    Was die hier aufgelisteten Filme betrifft, so haben folgende Filme zurzeit eine Stimme (Braveheart, The Bruce, Henri IV., Apocalypto, Luther, Ironclad – Bis zum letzten Krieger) und die restlichen hier aufgelisteten Filme zurzeit keine Stimme (Barbarossa, Die Päpstin, Jeanne d'Arc, Pforten des Paradieses, 1492 - Die Eroberung des Paradies, Hildegard von Bingen, El Cid, Black Death, 1066 – Die Schlacht um England, 1612 – Der blutige Kampf um das Vaterland, Walhalla Rising).

    Wenn ich ehrlich bin, die meisten Filme hier, sagen mir überhaupt nichts - ich könnte mir vorstellen, dass es anderen auch so geht.

    Bei Jeanne d'Arc und Henri IV. kommt noch hinzu, dass nicht klar ist, welcher Film gemeint ist. Immerhin gibt es über Jeanne d'Arc eine ganze Reihe von Filmen (wobei die älteren Filme oft an das Theaterstück von Bernard Shaw angelehnt sind), und mit Henri IV. könnte nicht nur "Henri 4", die Verfilmung nach dem zweiteiligen Roman von Heinrich Mann gemeint sein, sondern vielleicht auch eine Filmversion von "Henry IV.", dem zweiteiligen Theaterstück von William Shakespeare.

    "Der Name der Rose" führt mit bisher 8 Stimmen, vielleicht weil er einfach der bekannteste Film ist, ein Film, den nicht nur die kennen, die sich für das Mittelalter interessieren.
    Es handelt es sich dabei nicht nur um einen "Mittelalterfilm" (mit sehr gut gefilmter Kulisse) und einen "Kriminalfilm", sondern auch eine (misslungene) Bestseller-Verfilmung. Der Roman, nach dem der Film gedreht wurde, war zum Zeitpunkt seiner Publikation nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Buch, über das tatsächlich gesprochen und diskutiert wurde und das zudem in der Folge auch Einfluss auf den Buchmarkt und den historischen Roman zeigte.

    An zweiter Stelle folgt dann bereits "Königreich der Himmel" mit 4 Stimmen (wobei es in diesem Fall interessant wäre, zu wissen, welcher Filmversion diese Stimme galt, gehört doch "Königreich der Himmel" zu den wenigen Filmen, wo die Abweichungen zwischen "Kinoversion" und "Director's Cut" tatsächlich einschneidende Veränderungen bewirken.) Dieser Film war allerdings der Film eines (damals noch erfolgreichen) "Starregisseurs" mit "Starbesetzung". Auch diesen Film dürfte daher ein Publikum gehabt haben, dass sich eben nicht nur auf "Mittelalterfilme" spezialisiert hat.

    Doch ebenfalls 4 Stimmen finden sich auch bei "Ein Anderer", was den Verdacht nahelegt, dass die hier angeführten (bekannten und unbekannten) Filme einfach das Feld "Mittelalterfilm" nicht wirklich abdecken und dass das Vergleichen nicht gerade leicht ist, da es sich doch um recht unterschiedliche Filme handelt.

    Da sind Filme, die sich z. B. als Historienfilme oder Biographiefilme geben wie "1492 - Die Eroberung des Paradies", "Luther" [vermutlich ist der Film mit Joseph Fiennes], "Hildegard von Bingen" [vermutlich ist der Film "Vision" gemeint]), Verfilmungen von Bestsellern ("Name der Rose", "Die Päpstin"), Wikingerfilme ("Valhalla Rising") oder "Ritterfilme" aus den 1950er und 1960er Jahren ("El Cid") zu tun.
     
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  5. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Die Koreaner haben offenbar letztes Jahr einen sehr aufwendigen Film über die Invasion ihres Landes durch den Tang-Kaiser Taizong in in die Kinos gebracht: https://www.imdb.com/title/tt6931414/

    Der Film ist seit März als DVD/Bluray sowohl mit OT als auch mit deutscher Synchronisation erhältlich.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Louis XI, le pouvoir fracassé (F, 2011 Regie: Henri Helman)

    Wieder ein Film des scheinbar in Frankreich zu der Zeit recht unvermeidbaren Helman und wieder mit Jacques Perrin in der Hauptrolle.

    Handlung: Der alte Louis XI (Jacques Perrin) lädt seine Berater an seinen Hof, denn er will einen Regenten für seinen Sohn bestimmen. Der Burghauptmann Guillaume (Jean-Pierre Malo) kommt rasch einer Intrige auf die Schliche, die darauf abzielt den König zu ermorden. Louis XI hat seine hinkende und schief gewachsene Tochter Jeanne (Gaëlle Bona) mit dem ehrgeizigen Louis d'Orléans (Bruno Debrandt) vermählt, doch ohne ihn dadurch an sich zu binden, denn Orléans ist durch die Ehe primär frustriert. Seine Gemahlin kann ihm offenbar keinen Nachkommen schenken, während er eigentlich die andere Tochter des Königs, Anne (Florence Pernel), liebt. Doch Anne ähnelt stark ihrem Vater und ist gewillt seine Wünsche nach einer Regentschaft durch sie selbst und Pierre de Beaujeu (Denis Sylvan) zu unterstützen. Das Mordkomplott wird durch die Rücksichtslosigkeit und Schläue des Monarchen durchkreuzt. Obwohl er nun für den Moment die Großen seines Reiches im Schach halten kann, erkennt er, dass er kurz vor dem Tod steht. Anne zwingt die Hochadligen die Regentschaft durch sich und Pierre de Beaujeu anzuerkennen.

    Die ganze Handlung spielt binnen weniger Tage und fast ausschließlich auf einer Burg. Spannung kommt trotz der passablen Besetzung nicht auf. Der König wirkt leider eher altersschwach statt gerissen, aber er soll wohl primär von seinen Krankheiten gezeichnet sein. Die Ausstattung ist OK, aber da viele Rollen kaum unterschiedliche Kostüme haben und der Handlungsort so begrenzt ist, war der Aufwand wohl auch nicht sehr groß. Die "Uniformen" der Burgmannen fand ich etwas öde und ein bisschen arg pimpfig, selbst wenn Louis XI seinen Geiz gern zur Schau stellte. Ein bisschen mehr Action hätte schon sein dürfen. Ähnlich dem Film über Richelieu ein ödes Kammerspiel ohne erkennbare Höhepunkte.

    5 von 10 Intrigen.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    The King's Ring - Die letzte Schlacht

    "The King's Ring - Die letzte Schlacht" ist ein lettischer Historienfilm aus dem Jahr 2017, der eine weitgehend fiktive Geschichte in Semgallen, einem Teil Lettlands, im 13. Jhdt. rund um den historischen lettischen Anführer Namejs und die Entstehung des in Lettland populären "Namejs-Ringes" zeigt.

    Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Max, der uneheliche Sohn des Papstes, will im Einverständnis mit seinem Vater ausgerechnet im heidnischen Semgallen eine eigene Herrschaft errichten. Er macht sich dort mit einem Haufen übler "Kreuzritter" breit und will die regionale Elite teils mit Intrigen, teils mit Gewalt ausschalten, um an den "Ring des Königs" zu gelangen, der seine Herrschaft legitimieren würde. Er vergiftet den regionalen König, doch dieser übergibt den Ring vor seinem Tod seinem Neffen Namejs, der als neuer König fortan den Widerstand der tapferen Letten anführt ...

    Der Fim ist sehr patriotisch. (Wenn auch nicht ganz so schlimm wie der lettische Film "Die letzte Front – Defenders of Riga" aus dem Jahr 2007, in dem ein von Edelmut triefender Held - untermalt von pathetisch-schwülstigen Kommentaren aus dem Off - fast im Alleingang Riga gegen die böse deutsche "Eiserne Division" verteidigt.) Auf der einen Seite die Letten als urwüchsiges tapferes braves freies Volk, das seine Götter verehrt und Feste mit viel Folklore feiert, auf der anderen Seite ein Papst, der zwar viel betet, aber auch stets eine Art Stilett mit sich führt, mit dem er Personen, die ihm negativ auffallen, einfach so ersticht, sein durchtriebener Sohn Max und die klischeehaften bösen "Kreuzritter", die das Land unterjochen und knechten wollen. (Nebenbei: Wen will Max nach all den Massakern, die er anrichten lässt, eigentlich regieren? Ein Land ohne Volk?) Zwar gibt es unter den Letten ein paar Verräter und ein paar eher am Handel mit dem Feind Interessierte, aber sonst ist klar, wer die Guten und wer die Bösen sind. Gut ist auf Seite der Kirche und der Kreuzritter nur ein vereinzelter Geistlicher, der die Letten friedlich bekehren will, aber prompt von seinen eigenen Leuten getötet wird.
    Mit Hollywood-Produktionen kann der 3 Mio. € teure Film natürlich nicht mithalten. Das merkt man vor allem auch an den "Schlachten". Natürlich gab es im Mittelalter normalerweise keine Massenheere, aber wenn der mächtigste Stammesfürst mit kaum mehr als drei Dutzend Kriegern ins Feld zieht, wirkt das trotzdem etwas ärmlich. Namejs selbst hat bei seinem ersten Feldzug gerade einmal etwa zwei Dutzend Kämpfer. Die "Kreuzritter" leiden unter weniger Personalknappheit: Zwar ziehen auch meist nur ca. zwei Dutzend von ihnen ins Gefecht, aber sobald diese von den kämpferisch haushoch überlegenen Letten (und Lettinnen) getötet wurden, kommen auch schon die nächsten zwei Dutzend.
    Optisch sind die Letten und die Kampfszenen an aktuelle "Wikinger"-Produktionen angelehnt. In den Kämpfen geht es genretypisch zur Sache: Die anfänglichen Formationen lösen sich meist rasch in Einzelkämpfe auf, in denen wild durcheinander gestochen, gehauen, geschossen und mit Messern geworfen wird, Blut spritzt und schnell alles vorbei ist.
    Daneben gibt es noch ein bisschen Liebesgeschichte, diverse "Folklore"-Einlagen und schamanistisch-fokloristisch angehauchte heidnische Rituale. Am ehesten sind allemal noch die Kampfszenen sehenswert, außerdem fand ich die Musikuntermalung recht gelungen.
     
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  8. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Ein interessantes Thema, @Teresa C. hat vor fünf Jahren zurecht die Frage gestellt, was dies eigentlich wäre, ein Mittelalterfilm. Anscheinend gibt es ein wachsendes Interesse an historischen Stoffen, so dass auch große Filmproduktionen finanziert werden können.
    @Ravenik hat gestern einen lettischen patriotischen Film beschrieben, und dies ist zumindest eine Spur, woher der Wind auch weht.
    Ich greife ein Beispiel heraus, dass mich interessiert hat, der teuerste türkische Film bisher (Stand 2012) mit 17 Mio US-Dollar, Fetih 1453 (deutsch Battle of Empires - Fetih 1453). Viele Kritiker sahen diesen Film als Ausdruck des "Neo-Osmanismus" der jetzigen AKP-Regierung an, Berna Pekesen (Professorin für Turkistik) sieht das Interesse am Osmanischen Reich jedoch als Ausdruck eines tiefen gesellschaftlichen Wandels in der Türkei.

    "Die Wiederkehr der osmanischen Vergangenheit ist daher nicht nur als ein Teil des islamischen Kulturprogramms der AKP zu interpretieren, sondern mindestens ebenso sehr als eine Reaktion der Fernsehmacher auf die Erschütterungen des nationalen Selbstbilds und die Erosion des kemalistischen Fortschrittsglaubens. Konfrontiert mit den »unangenehmen« Aspekten der kemalistisch-republikanischen Geschichte wurde die osmanische Geschichte als positives Gegenstück neu erfunden, zumal das Osmanenreich in manchem offener war als die Republik. Die filmische Imagination der osmanischen Vergangenheit ist insofern eine Eroberung der eigenen Geschichte im ästhetischen Format der Unterhaltung."
    Vergangenheit als Populärkultur | Zeithistorische Forschungen


    Die verschiedenen erfolgreichen Formate mit historischen Stories funktionieren jedoch finanziell nur, wenn Sex and Crime beinhaltet sind, und stoßen teilweise auf die Kritik islamisch-konservativer Kreise. Auch ein Sultan, der von seiner schönen Haremsdame beherrscht wird, stößt nicht auf Gegenliebe, aber genau diese starken Frauenfiguren als selbstbeherrschte, kluge Modelschönheiten, die auch Kämpfe ohne verlaufende Wimperntusche überstehen, sind bei den vielen weiblichen Zuschauerinnen beliebt. Daher gibt es bei Fetih auch eine Liebesstory zwischen dem Held Hassan, einem Verschnitt aus Errol Flynn des Säbelkampfs und einem jungen bärtigen Antonio Banderas und der bei der Eroberung von Konstantinopel gleichberechtigt mitkämpfenden Era, selbstbewusste Amazone und dazu Technikspezialistin (als Tochter des Kanonenbauers Urban).
    Hollywoodreife Massenschlachtszenen wie bei Troja oder Alexander, actionreiche Fechtszenen insbesondere zwischen den muskulösen Gegenspielern Hassan und dem Genuesen Giustiniani (der Leben, die Schlacht und das Herz der geliebten Urbantochter an Hassan verliert), dazwischen nicht nur starke Kerle sondern auch tänzelnde Bikini-Schönheiten bei Banketten des dekadenten byzantinischen Kaisers Konstantin XI. und seines Gegenspielers Mehmet II., alle Inkredenzien der Populärkultur werden eingesetzt, um den Zuschauermassen zu gefallen (meistgesehener Kinofilm der Türkei).

    Daneben gibt es einen religiösen Strang, der mit der Prohezeiung der Eroberung Konstantinopels durch Mohammed beginnt, die Verkündung durch Ayyub, einem Gefährten Mohameds, der bei der ersten Belagerung 669? gestorben sein soll, und dessen Grab vom religösen Lehrer Mehmed II. , Akşemseddin, dann 1453 während der letzten Belagerung gefunden wird. Die Fetih-Sure taucht als Teil der Bildung Mehmeds auf, der sofort nach seinem Machtantritt beginnt das Terrain für die Eroberung vorzubereiten. Vom historischen Inhalt wird der Festungsbau am Bospurus (auf europäischer Seite), der Guss des Konstantinopelgeschützes, und auch die diplomatischen Vorbereitungen manchmal detailreich und oft auch oberflächlich gestreift (wie die Forderung nach Kirchenunion des Papstes in Rom an den byzantinischen Kaiser). Mehmed II. bleibt der überlegene, gütige Stratege und Herrscher, der selbst am Schluss den Geflüchteten in der Hagia Sophia sich als edler Usurpartor präsentiert, der religiöse Freiheit gewährt. Pfählungen und Hinrichtungen werden nicht gezeigt, und auch keine Gewalttaten bei der Eroberung, während die Kreuzritter in einer Rückblendung als grausame, meuchelnde Bestien über ein Dorf herfallen und die Gefangenen als Sklaven verkaufen (was die osmanische Seite z.B. auf eroberten Inseln im Umkreis praktizierte). Berna Pekesen meint, durch die Gegenüberstellung des edlen, kulturell überlegenen Hofes in Edirne zum uneinigen, intriganten und ohnmächtigen Byzanz am Ende seiner Kräfte soll die Eroberung letztlich als folgerichtig wirken.

    Ich finde diesen Film deswegen lehrreich, weil das "Geschichtsbewusstsein" sich doch bei vielen patriotisch und nationalistisch gesinnten Menschen von einer "nationalen Popkultur" geprägt sind, aus Heroen, Sentimentalität, narzisstischen Überlegenheitsvorstellungen, bebildert und produziert von der "Oral History"der Fernsehserien, Soap-Operas, Pop-und Schlagermusik und Block-Bustern. Und um einen Blick auf eine andere Perspektive auf Europa zu werfen (mit einem Papst, der auch von einem türkischen Schauspieler gespielt wird).
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Mai 2020
    Brissotin, andreassolar und Traklson gefällt das.
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Ich hatte seinerzeit den Streifen im Kino gesehen:
    Sammelthread - Kurzkritiken über neue Spielfilme mit historischen Inhalten
    Er lief auf Türkisch in einem Cinemaxx mit offenbar schlampigen Untertiteln (z.B. Verwechslungen von Herr und Heer etc,).

    Bis auf Deine Schlüsse, dass der Film mehr über das vermittelte Weltbild bzw. die Türkei in der Entstehungszeit des Films aussagt, als über die Belagerung von Konstantinopel, konnte ich dem Machwerk auch nicht viel abgewinnen.

    Ich würde aber hinzu setzen, dass er aus moderner oder westlicher Perpektive unfreiwillig komisch wirkte, da die Stereotypen doch arg platt waren.
    Aber ich denke, das ist für die Filmemacher egal gewesen. Das Ziel - Erfolg in türkischen Kinos - hat der Film ja erreicht und wenn man weniger Scheuklappen gehabt hätte, hätte man etwas anderes auch nicht erwarten brauchen. Ich meine damit, dass ich mich an eine Rechtfertigung der Verantwortlichen gegenüber der internationalen Presse erinnere, worin behauptet wurde, der Film gäbe ja authentisch die Ereignisse wider. :confused:
     

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