Ständige Vertretung - Verhältnis DDR/Bundesrepublik nach 1969

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von invinciblelittlecrow, 19. Oktober 2020.

Schlagworte:
  1. invinciblelittlecrow

    invinciblelittlecrow Neues Mitglied

    Hallo, liebes Forum :)

    ich verstehe nicht, weshalb die BRD die DDR als zweiten Staat akzeptiert, sie nicht aber als Ausland völkerrechtlich anerkannt hatte. Könnte mir das jemand erklären? :)
    Und wie genau funktionierten diese Vertretungen der Brd in Bonn? Inwieweit hatten sie denn Einfluss, wenn doch die DDR eine eigene diktatorische Parteienführung verfügte. Hatte die SED sich immer mit der Sowjetunion bei jeder Sache beraten?
    Ich hatte schon im Internet recherchiert, bin aber nur noch verwirrt
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Bundesrepublik verfolgte von 1955-1969 die politische Linie der sogenannten Hallsteindoktrin. Diese basierte auf dem Alleinvertretungsanspruch der BRD für das gesamte deutsche Volk, da allein die Bundesrepublik durch freie demokratische Wahlen ermächtigt sei. Die Hallstein-Doktrin sah jede Anerkennung der DDR und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DDR als unfreundlichen Akt gegenüber der BRD an. Diese politische Leitlinie engte aber den außenpolitischen Spielraum der Bundesrepublik ein, und mit der Außenpolitik von Willi Brandt entschloss sich die Regierung der BRD zu einer Annäherung an die DDR, die Anerkennung ihrer staatlichen Autorität und die Anerkennung der Oder-Neiße Linie. Willi Brandt wurde aus rechten Kreisen als "Verzichtpolitiker" heftig kritisiert, aber der Linie Brandts hat im Grunde Kohl fortgesetzt.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was hätte Kohl auch machen sollen, wäre ja arg weltfremd gewesen, wieder hinter Brandts Ostpolitik zurückzufallen und den status quo ante wiederherzustellen, die Welt hätte sich über Dtld. kaputtgelacht. Ich glaube, die Realpolitiker in der CDU/CSU waren Brandt ganz dankbar, dass er die Hallstein-Doktrin "außer Kraft" gesetzt hat, auch wenn die Hardliner sicher wirklich böse auf ihn waren.

    Letztendlich war es eine Anerkennung der Realitäten, wenn auch im polit. Sprachgebrauch man vermied, dass zu 100 % klarzumachen. Wobei zu fragen ist, für wen eigentlich. Hat die Bevölkerung wirklich einen Unterschied gemacht zwischen Ständiger Vertretung und Botschaft? Zwischen in und bei? Solche auf die Spitze getriebene Wortklaubereien kenne ich eigentlich nur von Juristen.
     
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Wobei, wenn man im Staatsbürgerschaftsrecht der DDR guckt, findet man unterschiede.
    Bürger der DDR, die ein West-Visum hatte, konnten in der BRD einen Reisepass beantragen und als Beispiel dann die Niederlande oder auch Dänemark besuchen, was mit einem DDR-Ausweis etwas schwierig war.

    Zum anderen stand die ganze Zeit im GG das Wiedervereinigungsgebot.

    Staatsbürgerschaft der DDR – Wikipedia
     
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  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Wir waren damals ganz froh darüber als am 02.Mai 1974 in Bonn und Ostberlin auf der Basis des Grundlagenvertrages von 1972 je eine „Ständige Vertretung“ eingerichtet wurde.
    Es gab da eine "offizelle Diskussion" und auch eine "inoffizielle Diskussion".
    So diskussionslos , wie sich das so mancher Bundesbundesbürger vorstellt, lief das in der DDR nicht ab,
    weil,
    eine „Botschaft“, und das war unser Problem, eine Anerkennung beider Staaten bedurft, was auch gleichzeitig eine Anerkennung einer „Staatsbürgerschaft der DDR“ bedeutete.

    Und damit -> Deutsche Einheit Adieu...

    Erinnern wir uns.

    Am 20.02.1967 wurde das „Gesetz über die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik“ (Staatsbürgerschaftsgesetz) in der VK beschlossen.

    Veröffentlicht in GBL Teil I, Nr.2 vom 23.02.1967

    Hier nochmal zum Nachlesen- > http://www.verfassungen.de/ddr/staatsbuergerschaft67.htm

    Mit diesen Gesetz demonstrierten die >Offiziellen der DDR< das es 2 Deutsche Staaten gibt.
    Für uns -> "Kinderszenen op 15" - R. Schumann.

    Und da bin ich bei Freund >Apvar< seitens der Bundesrepublik war dies nicht im Sinne des GG.

    „Ständige Vertretungen“ gibt es ja.

    Siehe da z.B. EU, auch UNO oder BL der BRD in Brüssel usw..

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    Zuletzt bearbeitet: 20. Oktober 2020
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  6. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Nachtrag...

    Die Verfassung der DDR wurde über die Jahre ja auch immer mal aktualisiert.
    In der Verfassungen von 1949 und 1968 kannte man ja noch die deutsche Wiedervereinigung.

    Als man wiedermal 1974 die Verfassung aktualisierte wurden jegliche Nennungen der deutschen Nation gestrichen. Es hieß dann im Artikel 1:
    Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern.“

    Auch da gab es Diskussionen. Z.B. man fragte, und die Anderen? :)

    Und im Artikel 8 wurde die Wiedervereinigung als Ziel komplett gestrichen.

    Das ging auch mit der Bezeichnung des Geldes einher (Geld- Umtausch – auch so eine Krawallaktion . Man war da sehr genau!)

    · Juli 1948 – Juli 1964 -> Deutsche Mark.

    · August 1964 . Dezember 1967 MDN – Mark der deutschen Notenbank

    · Januar 1968 – Untergang - > Mark (M), Mark der Deutschen Demokratischen Republik.
     

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