Es waere durchaus vorstellbar, dass im Rahmen der inter-germanischen Kriegsfuehrung aufgrund der geringen Bevoelkerungsdichte, die Truppen eher ueberschaubar waren. Wenn der Haeuptling von Dorf A nun Aerger mit dem Haeuptling von Dorf B hatte, dann kamen keine Hundertschaften zusammen, sondern ein paar Dutzende. Da braucht's dann keine Abzeichen, weil man einfach die verkloppt, die man nicht kennt oder gerade weil man sie als Anwohner des anderen Dorfes kennt.
Diese Theorie stelle ich aufgrund der Erfahrung von frueher aus dem Dorf auf, wo man auch keine Abzeichen brauchte um sich mit der Dorfjugend des Nachbardorfes zu kloppen, und oft noch nicht mal einen Grund. Also, daher kann ich mir gut vorstellen, dass es im lokalen Rahmen schlichtweg keinen Anlass gab Zugehoerigkeit irgendwie sichtbar zu machen.
Was die Roemer angeht, jedenfalls die regulaeren Legionen, war es wohl relativ klar auf wen einzudreschen zu war, aber bei groesseren inner-germanischen Aufkommen spekuliere ich, dass man sich mit den gleichen Mitteln die bis in die fruehe Neuzeit benutzt wurden beholfen hat indem sich eine Seite irgendein Zeichen (in der fruehen Neuzeit oft Armbinden) und die andere ein anderes. Natuerlich doof, wenn man zwischendrin sein Zeichen verliert.
Aber Stammeszeichen? Zum einen muesste es dazu ein Zugehoerigkeitsgefuehl geben, welches sich unter einem Zeichen vereinen laesst, dann muesste dieses auch effektiv kommuniziert werden, mit einer Begruendung warum (einfacher zu sagen, dass es gegen die Roemer geht, die eh erkennbar sind, als irgendwas von Stammeszugehoerigkeit zu faseln) und auch allgemein verstaendlich sein.
Ich denke dabei, dass hier modernes Denken ueber Nationen eher eine Rolle spielt, als sozial-geschichtliches Denken ueber die Gegebenheiten einer gewissen Zeit, wobei ich auch schuldig bin indem ich Erfahrungen aus meinem deutschen Dorf anbringe. Was ich damit jedoch sagen will ist, dass die Welt der Einzelnen zur Zeit der Germanen alleine aufgrund der demographischen Gegebenheiten viel kleiner war als heute.
Um es deutlich zu machen: So-genannte Clan-"Kriege" in Schottland in der fruehen Neuzeit bestanden oft genau aus dem was ich beschrieben habe. Eine Armee bestand aus vielleicht 30 Leuten, die es den Nachbarn gezeigt haben oder nicht. Im Zweifelsfalle wurde sich irgendein Aestchen von irgendwas irgendwo festgemacht, aber man wusste ja wer Familie, Nachbarn und Freunde sind. Und die Clan-Tartans sind eine neue Erfindung. Faerber und Weber haben das benutzt was es lokal gab, aber aus rein oekonomischen Gruenden hat sich niemand gleich eine neue Garderobe gekauft, wenn sie umgezogen sind und sowas wie Mode gab's auch noch.
In groesseren Scharmuezeln musste man sich darauf verlassen, dass die eigenen Leute sich zur Not bei der Standarte der eigenen versammelten, bis es Uniformen gab oder die verkloppen, die nun nach eigenem Gutduenken am seltsamsten aussahen, und das ist wahrlich nicht immer gut gegangen, sondern basierte in erster Linie darauf, dass zwei Seiten aufeinander stiessen und man sich durch Stechen und Hauen wehrte.
Aber, letztendlich ist das alles ganz grosser Spekulatius, was ich hier schreibe, der Dinge aus verschiedenen Jahrhunderten zusammenzieht nur um zu sagen, dass wir nichts ueber Stammeszeichen wissen und es wahrscheinlich nie erfahren werden.