Standardwerk 1.Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Gutistgut, 12. August 2016.

  1. Himbeere

    Himbeere Neues Mitglied

    Hi,
    mich würde ein Überblick interessieren. Aufbau, Taktik, Strategie, Persönlichkeiten, Militärschulen und Unterrichtsfächer, Logistik ...
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Da gäbe es die Reihe Heerwesen der Neuzeit. Der Focus liegt eindeutig auf Deutschland und Frankreich.

    Zu jedem Zeitabschnitt gibt es einen Band "Waffen" mit den Kapiteln "Die Waffe als Mittel des Krieges" mit Technik und Waffenbau und der Erläuterung der benutzten Waffen sowie "Soldat und Waffengebrauch" mit "Bestandteile eines Heeres", "Aufstellungen und Gefechtsformen", "Das Zusammenwirken in der Feldschlacht", "Marsch und Lager", "Kleiner Krieg und Volkskrieg", "Festung und Festungskrieg".

    Und es gibt zu jedem Zeitabschnitt einen Band "Taktik und Strategie", dass zum einen die Entwicklung des Kriegswesens beschreibt, also die Stellung im Staatswesen, Ergänzung und Stellung des Soldaten. Dazu kommt ein Kapitel zum Kriegsbild der Zeit und im Kapitel Kriege und Kriegsführung wird eine Auswahl einzelner Feldzüge und Schlachten beschrieben. Militärschulen und Logistik sind eher am Rande erwähnt (Jedenfalls, wenn man es wirklich genauer wissen will oder wie ich zumindest einen Teil des Wehrdiensts beim Nachschub war. ;) ) Personen werden in der Darstellung hervorgehoben und mitunter mit einer Kurzbiografie versehen.

    Uniformen bleiben außen vor.

    Die Zeitabschnitte des Werks sind:

    Landsknechte 1500-1650
    Kabinettskriege 1650-1792
    Revolutionskriege 1792-1848
    Einigungskriege 1848-1871
    Millionenheere 1871-1914.

    Die Bücher insgesamt zu kaufen ist wesentlich günstiger als der Einzelkauf. Ein realistischer Preis sollte 40€ sein.

    Beim Thema Deutschland interessiert Dich vielleicht noch Walter Görlitz, Kleine Geschichte des deutschen Generalstabs, Berlin 1977. Immerhin ist es die bestimmende Institution der Deutschen Kriegsführung von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1945. Andere mögen Anderes empfehlen, aber ich finde dies als Hintergrund wichtig.

    Für Uniformen gibt es Knötel, Sieg, Farbiges Handbuch der Uniformkunde in verschiedensten Auflagen. Band 1 beschägftigt sich mit den deutschen Staaten, Österreich und der Schweiz, Band 2 mit dem Rest der Welt. Es wurde bis zum Stand von 1937 fortgeführt und beginnt bei der Entstehung der Uniformen im 17. Jahrhundert. Auch wenn die Farben je nach Ausgabe verkehrt wiedergegeben werden, dürfte es Dir, solange Du nicht zum ausgesprochenen Uniformexperten werden willst, reichen. Man kann viel Geld für andere Werke ausgeben, die alle Feinheiten und Ausnahmen aufführen und aktueller sind, aber zumeist ist man damit gut ausgestattet. Ein Band sollte im Netz schon so um 5€ zu finden sein.
     
  3. Himbeere

    Himbeere Neues Mitglied

    Mein Interesse liegt darin begründet das die Deutschen eine wichtige Rolle in der Umstrukturierung des osmanischen Heeres gespielt haben. Vielen Dank für deine Tipps. Ich werde sie beherzigen.
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Dann solltest Du vielleicht auch eine Biographie über Moltke lesen. Wie sehr er in seinem Buch über seine dortigen Erlebnisse darauf eingeht, kann ich nicht sagen.

    Ob das 'Heerwesen der Neuzeit' da sehr weiterhilft, kann ich nicht sagen, was aber insgesamt für allgemeine Werke gilt. Die Beziehung zum Osmanischen Reich war ja eine weitgehend preußische Angelegenheit und das Deutsche Reich wurde erst nach der (ersten, wenn ich mich recht entsinne) Umstrukturierung gegründet.
     
  5. Himbeere

    Himbeere Neues Mitglied

    Ich habe das Buch von Stachelbeck für einen günstigen Preis erworben. Sobald ich ein wenig Geld habe werde ich mich darum bemühen deine Bücherliste abzuarbeiten :D
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe mal... aber nur gerüchteweise, weiß also nicht, ob das auch wirklich stimmt, gehört, dass es Einrichtungen geben soll, die Bücher verleihen. Ja, richtig: VER-LEI-HEN! Unglaublich, was?! Wenn ich nur noch wüsste, wie diese Einrichtungen hießen... irgendwas mit "Theke", aber Getränke gab es da nicht, also vielleicht erinnere ich mich auch falsch, was das mit der Theke angeht.
     
    Carolus gefällt das.
  7. Himbeere

    Himbeere Neues Mitglied

    hahahahaa ... der war wirklich gut. Ich bin derzeit nicht dazu in der Lage. Bin nicht in meiner Heimatstadt bzw. Uni. Abgesehen davon bin ich der Ansicht das man sich Bücher auch mal kaufen sollte damit die Kinder sehen das eine Bibliothek etwas schönes ist.
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und ungeblich gibt es da so ein System, dass sie auch von weit her Bücher heranschaffen können, wenn sie sie nicht selbst vor Ort haben. Zugegeben, hört sich alles irgendwie nach Fantasy an.

    Bevor es zu Missverständnissen kommt: Gemeint ist dieser Moltke hier.

    Er hat übrigens als erster berichtet, dass Türken vom Spieß geschnittenes Fleisch in dünnes Brot gehüllt essen.
     
  9. Himbeere

    Himbeere Neues Mitglied

    Seien sie mir nicht böse aber Nipperdey's 3 Bände habe ich mir auch schon besorgt :D
     
  10. Idomenio

    Idomenio Mitglied

    Kann mir auch jemand ein Buch als Standardwerk über den 1. Weltkrieg empfehlen? Sollte auf Deutsch, Englisch oder Französisch sein und in gebundenem Einband.
     
  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die einfache und schnelle Einführung in zentrale Themen und Probleme:
    Krumeich, Gerd (2014): Die 101 wichtigsten Fragen. Der Erste Weltkrieg. München, C.H. Beck.

    Die Nachschlagewerke bzw. Aufsatzsammlungen:
    Hirschfeld, Gerhard, Krumeich, Gerd; Renz, Irina ((Hg) (2014): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. 2., aktualisierte und erweiterte Aufl. Paderborn: Schöningh
    Horne, John (Hg.) (2012): A companion to World War I. Cichester, Oxford, Malden, MA: Wiley-Blackwell
    Michalka, Wolfgang (Hg) (1994): Der Erste Weltkrieg. Wirkung Wahrnehmung Analyse. München, Zürich: Piper

    Das Referenzwerk:
    Strachan, Hew (2003): The First World War: . Volume 1: To Arms. Oxford: Oxford University Press UK.

    Gute thematische Darstellungen
    Leonhard, Jörn (2014): Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. München: Beck.

    Wirtschaft
    Broadberry, S. N.; Harrison, Mark (2005): The economics of World War I. Cambridge, New York: Cambridge University Press.
     
  12. hatl

    hatl Premiummitglied

    Zur Vorgeschichte: Margaret MacMillan - The War That Ended Peace.
    zum Krieg selber: David Stevenson - 1914-1918.

    zum Anschnuppern: von beiden gibt es sehr gute Vorträge auf YT.
     
  13. Caradog

    Caradog Neues Mitglied

    Hallo zusammen,
    bin ganz neu hier in diesem Forum, und ich hoffe, ich habe die richtige Stelle gefunden, um ein paar Fragen loszuwerden:
    Seit einigen Jahren drängen Autoren auf den Markt, die sozusagen die (Vor-)Geschichte des Ersten Weltkriegs umdeuten. Z.B. Doherty/Macgregor, die in „Verborgene Geschichte“ Teile des britischen Establishments, u.a. Churchill, als Kriegstreiber identifizieren oder Fenske, der in „Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919“ den Alliierten die Schuld gibt, dass der Krieg so ausuferte.
    Als ich damals in den 90ern Geschichte studiert habe, war der Stand eigentlich klar: Das Deutsche Reich hat maßgeblich am Krieg mitgezündelt, auch wenn Franzosen, Briten und Russen alles andere als Friedensengel waren. Christopher Clark in seinen „Schlafwandlern“ hat das noch mal sehr akzentuiert mit Blick auf die russisch-serbische Seite, und Münkler gibt in seinem Standardwerk „Der große Krieg“ eine gute Einordnung, die weitgehend den Konsens des bisherigen Forschungsstands widerspiegelt.
    Jetzt meine Frage: Was haltet ihr von dieser „revisionischtischen“ Geschichtsschreibung a la Doherty/Macgregor? Sind das „Amateure“, die mit dem Stoff und quellenkritischen Arbeiten überfordert sind (und dazu auch mit dem Kopp-Verlag einen einschlägig notorischen Distributor gefunden haben)?
    Oder tun sich da wirklich neue Sachverhalte auf, die bislang von der „konventionellen“ Forschung sträflich übersehen worden sind?
    Eines ist jedenfalls klar: Die revisionistischen Bücher scheinen sich jedenfalls sehr gut zu verkaufen, siehe z. B. Amazon.
    Würde mich freuen, wenn mir der eine oder andere dazu was sagen könnte. Schon jetzt mal vielen Dank für eure Einschätzungen zu dem Sachverhalt!
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zunächst ist der Ursprung des WW1 und der Krieg als solcher auseinander zu halten. Bisherige Bücher, die als relevant in diesem Thread für den WW1 angesehen wurden, scheinen sich unterhalb von Deiner Wahrnehmung bewegt zu haben. Jemand, der vorgibt, Geschichte studiert zu haben, sollte schon eine etwas breiter und kritischere Perspektive auf das Literaturangebot haben. Und vielleicht etwas offener gegenüber dem internationalen Forschungsstand.

    Wenn es ein Standardwerk zu "Origin" des WW1 gibt, dann ist es immer noch das von Albertini, an das sich noch heute aktuelle Publikationen anlehen.

    Albertini, Luigi (1952): The origins of the War of 1914. 3 Bände. London, New York: Oxford University Press.

    1. Bisher hat sich kein "revisionistisches" Buch als historisches Standardwerk etablieren können. Das gilt beispielsweise für die Arbeit von Fischer in Bezug auf seine Erklärung, nicht aber für die Deutung der Dokumente, die er zum Ausbruch des WW1 vorgelegt hatte. Und da gibt es eine umfangreiche Diskussion zu den Arbeiten von Fischer, da Fischer sehr einflussreich war für das Verständnis des Ausbruch des WW1.

    Generell: Die Widerlegung eines Revisionisten, wie beispielsweise die Thesen von AJP Taylor: The Origins of the second world war durch die Arbeiten im Reader von Martel: The origins of the second world war reconsidered geleistet worden. Sie zeigen den normalen wissenschaftlichen Prozess auf, wie mit revisionistischen Thesen umgegangen wird.

    Dass im Gegensatz dazu völliger Unsinn, den manche "Revisionisten" publizieren, keinen Anspruch auf eine seriöse wissenschaftliche Begutachtung hat, dürfte unstrittig sein. Und das läßt sich schnell als peer-review ermitteln.

    Ansonsten gibt es wohl kein historisches Thema, das einer stärkeren und massiveren Deutung unterlag wie der WW1, vgl. die Beiträge in Keith Wilson: Forging the collective Memory und da wichtig, Herwig: Clio deceived.

    Da wird deutlich wie wichtig eine pluralistische und internationalistische Sicht auf das Thema ist, um sich vor einer konservativen, patriotisch-nationalistischen ideologischen Bevormundung zu schützen.

    2. Es gibt vermutlich keine gravierende Sachverhalte, die nicht betrachtet worden sind. Die relevanten Quellen liegen vor und sind in entsprechenden Referenzpublikationen diskutiert worden. Und in Entsprechung zu den wichtigen Arbeiten von Fritz Fischer zum Deutschen Reich liegen Forschungsergebnisse für andere zentrale Kriegsteilnehmer, GB, Frankreich oder Russland, vor. Bei Interesse kann das literaturseitig dargestellt werden

    Das heist natürlich nicht, dass es nicht neue Quellen geben könnte, die spezielle Aspekte - regional, genderisiert etc. - beleuchten könnten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Februar 2020
  15. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Was spielt denn die Frage ob das Amateure sind für eine Rolle? Maßgeblich ist wohl eher, ob sie schlüssig darlegen können, dass die bisher vorherrschenden Positionen in diesem Berech nicht länger haltbar sind oder zumindest stark angewzeifelt werden dürfen.
    Einen Konsens in der Geschichtsschreibung bis 1990 und folgend zu diesem Thema sehe ich auch auch nicht, immerhin hob sich Fischer seinerzeit ja doch stark etwa von den Darstellungen Ritters ab.

    Bisher hat aber aus meiner Sicht niemand von den in diese Schiene einzuordnenden Autoren ein Werk geliefert, dass irgendwie dazu geeignet wäre den Stand der Forschung in Frage zu stellen.
    Ich persönlich frage mich auch, wie das funktionieren soll, denn selbst wenn es innerhalb der maßgeblichen Kabinette noch andere Erwägungen gegeben hätte, hätte das lediglich Auswirkungen auf die eigene Position gehabt, aber keine Wechselwirkung entfalten können, die zur Eskalation hätte beitragen können, denn dazu hätten sie dem gegenüberstehenden Akteur erst einmal bekannt sein müssen und darauf würden sich Hinweise finden.

    Dann möchte ich zwei Rückfragen stellen:

    1. Welche sollten das sein?
    2. Was bitte ist "konventionelle" Forschung und was "Unkonventionelle"? Ich für meinen Teil kenne nur Vorgehen im Rahmen wissenschaftlich fundierter Methoden und solches abseits davon.

    Ließen sich Wertpapiere von Lehman-Brothers anno 2007 auch. Wo ist jetzt die logische Verbindung zwischen Verkaufszahlen und sachlicher Tragbarkeit des Inhalts oder seinem faktischen Wert?

    Das mit dem Online-Handel der Vertrieb von Unfug, zumal man ihn sich damit anonym organisieren kann einen Aufschwung erleben würde, kann wohl kaum wundern, zumal entsprechendem Zeug dadurch ja auch eine Reichweite im Hinblick auf Bewerbungsmöglichkeiten entstanden ist, die das früher nicht hatte.
     
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  16. Caradog

    Caradog Neues Mitglied

    Danke für eure Einschätzungen, thanepower & shinigami, die sich so ziemlich mit meinen Ideen decken.
     
    thanepower gefällt das.

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